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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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„Oh, viele.“

„Wo?“

„Der Taubenschlag zum Beispiel.“

„Unsinn!“

„Ferner die Milchkammer. Da stecke ich manchmal selber.“

„Gut, gut!“ rief Napoleon, nach der Tür winkend. „Sie können gehen!“

Florian schickte sich an, das Zimmer zu verlassen, drehte sich aber an der Tür noch einmal um und fragte:

„Aber die neue Stelle Majestät? Bitte, ja nicht vergessen!“

Damit verschwand er.

Der Kaiser wendete sich mit mitleidigem Achselzucken an Kapitän Richemonte:

„Sie haben uns da einen sehr schlauen Diplomaten empfohlen. Er ist ebenso borniert, wie aufrichtig, und ich bin überzeugt, daß er uns die Wahrheit gesagt hat.“

Hätte der Kaiser geahnt, daß durch den Ventilator in der Zimmerdecke derjenige herabblickte und alles hörte, den man so gern fangen wollte, so hätte er wohl ganz anders gesprochen. Er fuhr fort:

„Dennoch ist es leicht möglich, daß der Gesuchte sich hier aufhält. Das Geheimnis, welches ihn umhüllt, muß schleunigst aufgeklärt werden. Man muß erfahren, ob jener Seekapitän und der Husarenlieutenant dieselbe Person sind, oder nicht. Ich lege diesen Auftrag in Ihre Hand, Kapitän. Gehen Sie.“

„Ich bin nicht in Uniform, General“, wendete sich Richemonte an Drouet. „Darf ich zu meiner Legitimation mich eines Piquets bedienen?“

„Nehmen Sie so viel Mann, als Sie brauchen.“

Der Kapitän ging.

Es jubelte ihm das Herz in der Brust. Er sah sich mit einem Mal als Meister der ganzen Situation. Mutter und Schwester waren in seine Hand gegeben. Wurde Margot die Maitresse des Kaisers, so war sein Glück gemacht.

Zu gleicher Zeit hatte Napoleon ihm eine Waffe gegen den Baron Reillac in die Hand gegeben. Dieser sollte sie nicht berühren dürfen; er mußte ihn, den Kapitän, von jetzt an mit Schonung behandeln, da dieser nunmehr sichtlich unter dem unmittelbaren Schutz Napoleons stand.

VIERTES KAPITEL 

Auf der Flucht

Richemonte stieg in einer höchst selbstbewußten Haltung zur Wache hinab, wo er sich einige Mann aussuchte, welche ihm zu folgen hatten.

Zunächst begab er sich, nachdem er Erkundigungen über den Aufenthalt der einzelnen Personen eingezogen hatte, in das Parterrezimmer zu dem Baron.

„Kennen Sie mich, Baron?“ fragte er diesen.

„Nein“, antwortete dieser, ganz erstaunt darüber, einen Menschen so ungeniert bei sich eintreten zu sehen.

„Ich bin Kapitän Richemonte, der Sohn und Bruder der beiden Damen, welche sich als Ihre Gäste gegenwärtig hier befinden.“

Er hatte gehofft, den Baron sehr überrascht zu sehen. Dieser aber war von seiner Anwesenheit bereits unterrichtet und sagte einfach:

„So! Was wünschen Sie?“

„Der Kaiser sendet mich. Sie sind mein Gefangener.“

Auch hierauf war der Baron vorbereitet.

„Ihr Gefangener?“ fragte er. „Darf ich nach dem Grund fragen?“

„Sie sind des Landesverrats verdächtig. Sie beherbergen einen Spion bei sich.“

Der Baron zuckte geringschätzend die Achsel und meinte:

„Suchen Sie ihn hier?“

„Er wird sich schon finden, wenn auch nicht hier in Ihrem Zimmer, aber doch sicher irgendwo. Es ist am besten, Sie legen ein offenes Geständnis ab.“

„Habe ich auch Ihre Beleidigung mit anzuhören?“ fragte der Baron scharf.

„Gut. Ich verlasse Sie einstweilen, um auch die Baronin festzunehmen. Ich bemerke Ihnen jedoch, daß ich vor Ihrer Tür einen Posten zurücklasse. Der Mann hat Auftrag, auf Sie zu schießen, sobald Sie den Versuch machen sollten, Ihr Zimmer zu verlassen.“

„Ich habe keine Veranlassung, zu fliehen. Gehen Sie.“

Richemonte fühlte, daß es ihm ganz und gar nicht gelungen sei, dem jungen Mann zu imponieren. Dies brachte ihn zu dem Vorsatz, sich auf alle Fälle Respekt zu verschaffen. Er begab sich zur Baronin und trat bei derselben in einer Haltung ein, welche sofort zu erkennen gab, daß er in einer feindseligen Absicht komme. Sie war von seinem Kommen bereits unterrichtet, tat aber so, als ob sie nichts davon wisse. Er hatte es vorgezogen, unangemeldet einzutreten. Sie blickte ihn daher befremdet an und sagte:

„Mein Herr, Sie scheinen irre gegangen zu sein. Sie suchen jedenfalls irgendeinen meiner Domestiken.“

Er lächelte überlegen und antwortete:

„Sie selbst irren, nicht ich. Sie sind die Baronin de Sainte-Marie?“

„Ja.“

„Nun, zu Ihnen will ich. Sie sehen also, daß ich nicht irre gegangen bin.“

„So beklage ich es, daß Sie sich nicht zuvor an meinen Diener gewendet haben. Ich pflege nur solche Personen zu empfangen, welche die Höflichkeit und Rücksicht besitzen, sich bei mir anmelden zu lassen. Die gegenwärtige Audienz ist also zu Ende, noch bevor sie begonnen hat.“

Sie drehte sich um und stand im Begriff, in das Nebenzimmer zu gehen.

„Halt!“ rief er ihr da zu. „Sie bleiben!“

Dieser Ton war so gebieterisch, daß sie erstaunt stehen blieb, ihm den stolzesten ihrer Blicke zuwarf und dann sagte:

„Was fällt Ihnen ein? Sie sprechen mit der Gebieterin dieses Hauses!“

„Sie waren das bis jetzt; von diesem Augenblick an aber sind Sie es nicht mehr!“

„Ah!“

Diese eine Silbe drückte verachtungsvolles Staunen aus.

„Ja“, fuhr er fort. „Tun Sie noch so stolz; Ihre Herrschaft hier ist doch zu Ende.“

„Wer sind Sie?“ fragte sie kalt und streng.

„Jedenfalls ist Ihnen mein Name nicht unbekannt. Ich bin Kapitän der kaiserlichen Armee; mein Name ist Richemonte.“

„Richemonte?“ sagte sie kopfschüttelnd. „Ich kenne Sie nicht.“

„So beeile ich mich, Ihrem Gedächtnisse zu Hilfe zu kommen, Madame. Es befinden sich als Ihre Gäste zwei Damen bei Ihnen, welche auch Richemonte heißen?“

„Allerdings.“

„Nun, ich bin der Sohn der einen und der Bruder der anderen.“

Die Baronin simulierte die Miene des Nachdenkens und antwortete:

„Ich besinne mich allerdings, von Frau Richemonte gehört zu haben, daß sie einen Stiefsohn besitze; doch ist das Verhältnis zwischen ihr und ihm nicht ein solches, daß mir seine Gegenwart lieb sein könnte, zumal wenn er sich den Zutritt auf eine Art und Weise erzwingt, welche allen Regeln der gesellschaftlichen Ordnung entgegen ist.“

„Und doch werden Sie sich meine Gegenwart gefallen lassen müssen“, sagte er mit Nachdruck. „Sie können nicht das mindeste dagegen tun.“

„Sie wollen doch nicht etwa sagen, daß mir mein Hausrecht nicht zusteht?“

„Ja, gerade dies will ich sagen. Ich komme nämlich in amtlicher Eigenschaft zu Ihnen.“

„Ah! Haben Sie vielleicht den Grad eines Kapitäns mit demjenigen eines Dorfbüttels vertauscht? Ihr Auftreten läßt dies allerdings vermuten.“

Das war ihm denn doch zu viel. Er fletschte die Zähne; aber er bezwang sich in der Hoffnung eines endlichen Triumphes doch noch und antwortete:

„Ich stehe als der Bevollmächtigte des Kaisers vor Ihnen und ersuche Sie dringend, sich derjenigen Höflichkeit zu befleißigen, welche ich als solcher zu fordern habe. Das Gegenteil könnte sehr zu Ihrem Schaden ausfallen.“

„Als Bevollmächtigter des Kaisers? Wo ist Ihre Vollmacht?“

„Ich habe ganz und gar nicht nötig, Ihnen ein schriftliches Dokument vorzuzeigen. Meine Vollmacht steht vor der Tür.“

Er öffnete die Tür und ließ die Soldaten sehen, welche draußen standen.

„Das genügt allerdings“, erklärte die Baronin. „Nun bin ich sehr begierig, zu erfahren, welchem Umstand ich es zu verdanken habe, daß Seine Majestät mich mit Ehrenposten auszeichnet.“

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