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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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„Wenn Sie diese Leute für Ehrenposten halten, so befinden Sie sich in einem ganz bedeutenden Irrtum. Es sind vielmehr Sicherheitswächter, welche die Aufgabe haben, die Flucht meiner Gefangenen zu verhindern.“

„Soll das etwa heißen, daß ich Ihre Gefangene bin?“

„Ja.“

„Sie setzen mich da in das größte Erstaunen. Ich ersuche Sie, mir die Gründe dieses Vorgehens anzugeben.“

„Der Grund ist ein sehr ernster. Er heißt Landesverrat.“

„Sie scherzen! Welches Land sollte ich verraten haben?“

„Frankreich!“

„Frankreich? Sie fabulieren!“

Sie begleitete die Worte mit einem lustigen, sorglosen Lachen. Er aber zog die Brauen finster zusammen und antwortete:

„Lachen Sie nicht! Sie beherbergen heimlich einen Feind des Vaterlandes. Das ist natürlich Landesverrat und wird mit dem Tod bestraft.“

„Einen Feind des Vaterlandes? Wer sollte dies sein?“ fragte sie erstaunt.

„Es ist ein gewisser Königsau, preußischer Husarenlieutenant.“

„Ich wiederhole, daß Sie fabulieren.“

„Pah! Dieses Fabulieren kann Ihnen sehr leicht den Kopf kosten! Wo haben Sie den Menschen versteckt?“

„Ihre Frage ist eine mehr als zudringliche!“

„Wenn Sie keine Antwort geben, werde ich suchen müssen.“

„Suchen Sie!“

„Wohlan, zeigen Sie mir ihre Gemächer!“

„Sie dürfen nicht erwarten, daß ich die Führerin eines Kapitän Richemonte mache. Sehen Sie selbst.“

„Nehmen Sie sich in acht, daß Sie Ihr Verhalten nicht zu beklagen haben! Ich bin den Ton nicht gewöhnt, welchen Sie jetzt gegen mich anschlagen. Ich werde suchen.“

„Aber nichts finden.“

„Wollen Sie uns wirklich glauben machen, daß der sogenannte Retter des Kaisers ein Seemann und Ihr Verwandter sei?“

„Was Sie glauben oder bezweifeln, ist mir vollständig gleichgültig. Mein Cousin hat allerdings den Kaiser gerettet. Welcher Dank ihm dafür wird, das ist nicht meine, sondern des Kaisers Sache.“

Richemonte öffnete nun selbst die Zimmer, welche die Baronin bewohnte und durchsuchte dieselben sehr genau; aber er fand natürlich den Gesuchten nicht.

„Man konnte sich allerdings denken, daß eine ältere Dame nicht so glücklich ist, einen Husarenlieutenant bei sich verstecken zu dürfen“, sagte er mit giftigem Hohn. „Ich hoffe, ihn bei einer jüngeren zu finden.“

Die Baronin zuckte die Achsel, ohne ihm ein Wort zu entgegnen.

„Mein Besuch bei Ihnen ist beendet“, fuhr er im Ton der Überlegenheit fort. „Ich habe Ihnen zu sagen, daß Sie meine Gefangene sind.“

„Im Auftrag des Kaisers?“

„Allerdings.“

„Ich finde eine solche Vergeltung der Gastfreundschaft keineswegs kaiserlich!“

„Die Schuld liegt an Ihnen. Ich verbiete Ihnen, Ihr Zimmer zu verlassen. Ich lasse einen Posten zurück, welcher den strengen Befehl hat, auf Sie zu schießen, sobald es Ihnen beikommen sollte, meinem Gebot entgegen zu handeln.“

„Ich muß mich fügen, behalte mir aber das Recht der Beschwerde vor und hoffe, daß Sie mich jetzt verlassen.“

„Mit größtem Vergnügen, Madame. Eine Hochverräterin ist ja durchaus keine passende Gesellschaft für einen anständigen Offizier.“

Er ging und gab einem der Soldaten den Befehl, die Baronin zu bewachen. Mit den übrigen Leuten begab er sich nach den Zimmern, welche Frau Richemonte und Margot angewiesen worden waren.

Auch dort wurde er bereits erwartet. –

Florian, der treue Kutscher, hatte, sobald er vom Kaiser entlassen worden war, sofort durch seinen Stall hindurch das Zimmer Königsaus aufgesucht. Nach Wegnahme der sehr leicht zu entfernenden Treppenleiter, welche auf das Dach zu dem Deutschen führte, schaffte er dieselbe in den Garten, wo ihr Zweck nicht erraten werden konnte, selbst wenn sie gefunden werden sollte. Sodann machte er sich an die unteren Stufen, welche aus dem Verschlag des Stalls nach oben führten. Er entfernte auch sie und schaffte allerlei Dünger und Streu dorthin, wo sie sich befunden hatten.

„So“, brummte er vergnügt, „wenn es dem Kerl einfällt, da oben nachzusuchen, so mag er sehen wie es riecht, wenn man die Nase in Dinge steckt, die einem nichts angehen.“

Dann schloß er den Verschlag und stellte sich auf die Lauer. –

Richemonte fand das Zimmer seiner Stiefmutter leer. Sie saß bei Margot, als er dort eintrat.

„Guten Abend, Mama“, grüßte er höhnisch. „Eine ganz außerordentliche Überraschung. Nicht wahr?“

Er hatte allerdings erwartet, sie ganz und gar betroffen zu sehen, und darum wunderte er sich, in den Gesichtern der beiden Damen nur den Ausdruck verächtlicher Abneigung lesen zu können.

„Was willst du?“ fragte Frau Richemonte.

„Zunächst allerdings nur euch“, antwortete er. „Ich habe, seit ich euch vermißte, so außerordentliche Sehnsucht nach euch gehabt, daß meine Freude, euch endlich wiederzufinden, eine um so größere ist. Wie geht es euch?“

Margot lag noch im Bett. Sie drehte sich zur Wand, ohne ihm zu antworten. Sie nahm sich vor, kein Wort mit ihm zu sprechen.

„Spiele keine Komödie!“ sagte ihre Mutter zu ihm. „Ich wiederhole meine Frage: Was willst du?“

„Euch sehen und begrüßen natürlich, wiederhole auch ich.“

Bei diesen Worten nahm er auf einem Stuhl Platz, und zwar mit einer Miene, als ob er mit den Damen auf dem freundschaftlichsten Fuß stehe.

„Du siehst uns, was nun weiter?“ fragte die Mutter.

„Ich möchte vor allen Dingen wissen, warum ihr Paris verlassen habt?“

„Sehr einfach, weil es uns dort nicht mehr behagte.“

„Das ist mir neu! Ich dachte im Gegenteil, daß ihr euch in der Hauptstadt außerordentlich wohl befändet. Es gab dort so liebe und angenehme Unterhaltung.“

„Rechnest du Mordanfälle und Menschenräuberei zu den Arten, sich angenehm zu unterhalten?“

„Gewiß!“ lachte er. „Übrigens weiß ich nicht, wovon du sprichst, und was du meinst. Wie steht es mit der berühmten Verlobung mit jenem Lieutenant von Königsau?“

„Das ist Margots Sachte.“

„Allerdings, denn sie ist ja mit ihm durchgebrannt!“

„Schweig, Unverschämter! Du selbst weißt am besten, was uns fortgetrieben hat.“

„Die Liebe, Mama, die Liebe!“ lachte er. „Und ebenso ist es die Liebe, welche mich heute zu euch führt, nämlich die Kindes- und Geschwisterliebe.“

Das Gesicht seiner Mutter rötete sich vor Zorn.

„Entweihe die heiligsten Gefühle des Menschenherzens nicht dadurch, daß du von ihnen sprichst!“ rief sie. „Wann hätte dein Herz je Liebe gefühlt?“

„Jetzt zum Beispiel, liebe Mama“, antwortete er. „Die Liebe zu euch treibt mich, euch aufzusuchen. Ich habe euch vor einer großen Gefahr zu warnen und auf ein noch größeres Glück hinzuweisen.“

„Wenn du es bist, der dies sagt, so ist die Gefahr ein Glück für uns und das Glück eine Gefahr.“

„Du täuschest dich vollständig, liebe Mama. Ich komme nicht in meinem Interesse, sondern als Unterhändler des Kaisers zu euch.“

„Seine Majestät hat nicht nötig, einen Unterhändler zu senden.“

„Ah! Der persönliche Besuch wäre euch wohl angenehmer?“

„Jeder Besuch ist uns angenehmer als der deinige. Aber die Angelegenheit, in welcher du zu kommen scheinst, ist bereits erledigt.“

„Wieso?“

„Deine Frage ist zudringlich, behalte sie für dich! Wir haben uns von dir getrennt. Wir interessieren uns ferner nicht mehr für deine Angelegenheiten, und so erwarten wir ganz entschieden, daß du dir auch die unserigen vollständig gleichgültig sein läßt.“

„Das ist sehr deutlich gesprochen, leider nur nicht den Verhältnissen angemessen, welche zu berücksichtigen ihr auf alle Fälle gezwungen seid.“

„Von welchen Verhältnissen sprichst du?“

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