Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
„Sie kamen heute, um Drouet Bericht zu erstatten?“
„So ist es Sire.“
„Woher?“
„Von Lüttich, Namur und Brüssel.“
„Wann sind Sie angekommen?“
„Vor einer Viertelstunde.“
„Haben Sie Ihre Mutter und Schwester gesprochen, Kapitän?“
„Nein, Sire.“
„Warum nicht?“
„Ich hätte keine Zeit dazu gehabt, spreche aber mit diesen Verwandten überhaupt nicht.“
Das war dem Kaiser auffällig.
„Sie sind mit ihnen zerfallen?“ fragte er.
„Ja.“
„Warum?“
„Sie sind der Sache des Vaterlandes untreu geworden, Sire. Ich muß mich ihrer schämen.“
„Untreu geworden?“ fragte Napoleon rasch. „Wie meinen Sie das?“
„Die Schwester hat sich mit einem preußischen Offizier verlobt.“
Da erhob sich Napoleon rasch vom Stuhl und sagte:
„Das ist ein Irrtum, Kapitän. Sie sind falsch berichtet worden.“
„Sire, ich sage die Wahrheit“, behauptete Richemonte.
„Ihre Schwester ist mit einem Seekapitän aus Marseille verlobt.“
„Davon weiß ich nichts.“
„Dieser Seemann heißt Saint-Marie und ist ein Verwandter der Besitzerin dieses Meierhofs.“
„Auch dies ist mir vollständig unbekannt, Majestät.“
„Wohl nur deshalb, weil Sie mit den beiden Frauen nicht verkehren?“
„Es ist erst kurze Zeit, daß ich mich von ihnen trennte; außerdem habe ich sie auch hier nicht aus meiner Beobachtung gelassen.“
„Merkwürdig! Wie heißt jener deutsche Offizier?“
„Hugo von Königsau.“
„Welchen Grad besitzt er?“
„Lieutenant bei den Ziethenhusaren.“
„Kennen Sie ihn persönlich?“
„Ja. Er ist übrigens ein besonderer Schützling des Feldmarschalls Blücher.“
„Beschreiben Sie ihn mir genau.“
„Er ist hoch und stark gebaut, wenn auch nicht sehr lang, hat blondes Haar, einen starken, leicht gekräuselten Schnurrbart von derselben Farbe, blaue Augen, sehr gute Zähne und ein kleines rotes Mal auf der rechten Wange.“
Da trat Napoleon zwei Schritte auf den Sprecher zu:
„Sie malten da wirklich diesen Lieutenant ab?“ fragte er rasch und dringlich.
„Ja, Majestät.“
„Sie wissen genau, daß Sie nicht irren?“
„Ganz genau.“
„Ah, so hat man es gewagt, mich zu betrügen, zu belügen und zu hintergehen! Dieser sogenannte Seekapitän ist kein anderer als jener Husarenlieutenant, jener Liebling des Feldmarschalls Blücher. Er kam nach hier, um zu spionieren. Man muß alles tun, um ihn zu fangen. Dann wird man ihn aufhängen. Warten Sie draußen im Vorzimmer. Ich muß sofort zu Drouet. Ich komme gleich wieder.“
Königsau hatte diese Unterredung von Wort zu Wort belauscht. Er erschrak. Diese Sache konnte gefährliche Dimensionen annehmen. Er mußte die Freunde sofort warnen. Daher eilte er nach der geheimen Treppe und stieg hinab, um sich zu Margot zu begeben. –
Als die Baronin den Kaiser verlassen hatte, eilte sie sofort zu ihren Verwandten, um ihnen mitzuteilen, daß Napoleon nach dem vermeintlichen Seekapitän suchen lassen werde. Sie begegnete Frau Richemonte, welche ja im Begriff gestanden hatte, sie aufzusuchen, unter der Tür und veranlaßte sie, wieder mit einzutreten.
„Erschrecken Sie nicht, liebe Margot“, sagte sie. „Ich komme soeben vom Kaiser.“
„Das bedeutet ein Unglück“, sagte Frau Richemonte.
„Es sieht größer aus, als es ist. Der Kaiser läßt das Haus nach dem sogenannten Seekapitän durchsuchen.“
„Mein Gott, wird man ihn finden?“
„Wohl schwerlich.“
„Wo ist er versteckt?“
„Ganz in Ihrer Nähe“, sagte die Baronin lächelnd.
„Unmöglich. Wo wäre das?“
„Hier!“
Diese Antwort wurde aber nicht von der Baronin, sondern von Königsau ausgesprochen, welcher durch die hintere Tür trat.
„Hugo!“ rief Margot. „Neben mir bist du?“
„Ja. Aber um Gottes willen, wir alle befinden uns in einer fürchterlichen Gefahr.“
„Wir wissen bereits davon. Die Frau Baronin wollte dir davon mitteilen.“
„Oh, es bedarf dieser Mitteilung nicht, denn ich weiß bereits alles. Ich weiß sogar mehr, als die Frau Baronin ahnt.“
„Haben Sie gelauscht?“ fragte diese.
„Ja. Kapitän Richemonte ist da.“
„Albin ist hier?“ fragten Mutter und Tochter zu gleicher Zeit.
„Ja“, meinte er.
„Mein Gott, so sind wir verraten! Wie hat er unseren Aufenthalt erfahren?“
„Durch einen Kommis des Hauses, von welchem Mama ihre Gelder bezieht.“
„Ah, daran hatten wir nicht gedacht; diese Möglichkeit wurde von uns übersehen. Aber ist es nicht möglich, daß du dich geirrt hast?“ fragte Margot.
„Nein. Er war soeben bei Napoleon: er befindet sich noch im Vorzimmer desselben. Er hat dem Kaiser gesagt, daß dein Verlobter nicht ein Seekapitän, sondern ein preußischer Husarenlieutenant ist.“
„So sind wir verloren.“
„Noch nicht. Er hat dem Kaiser mein Signalement gegeben und sogar das kleine Mal hier an der Wange nicht vergessen; aber dennoch kann man Euch nichts tun. Ihr dürft nur behaupten, daß die Verlobung mit mir aufgehoben wurde und daß ich durch Kapitän von Sainte-Marie ersetzt wurde.“
„Das ist die einzige Rettung“, stimmte die Baronin bei. „Meine Leute sind mir alle treu. Ich werde sie sofort instruieren lassen, auf etwaiges Befragen auszusagen, daß Kapitän de Sainte-Marie hier auf Besuch gewesen sei.“
„Dann muß er aber mein vollständiges Signalement besitzen“, meine Königsau.
„Natürlich. Es wird der Dienerschaft mitgeteilt. Wo ist der Kaiser?“
„Er eilte zu Drouet, jedenfalls um die Haussuchung zu beschleunigen.“
„Gott, wenn man dich entdeckt“, klagte Margot.
„Man wird ihn nicht finden“, tröstete die Baronin.
„Ich befürchte doch, daß man mich finden wird“, meinte Königsau.
„Wieso?“
„Man wird wohl auch dieses Zimmer durchsuchen und also diese Tür sehen, durch welche man in mein Zimmer gelangt. Dort wird man die Treppe und den Ausgang nach dem Dach entdecken. Dann bin ich verloren.“
„So weit kommt es nicht“, bestritt die Baronin. „Man wird nicht wagen, diese Krankenstube zu betreten.“
„Warum nicht? Der Kaiser war bereits da, ohne Rücksicht zu nehmen. Man wird mich ja am ersten bei meiner Braut vermuten und suchen.“
„Nun, so ist auch dann noch nichts verloren. Begeben Sie sich nach Ihrem Zimmer, und klingeln Sie Florian. Sie brauchen ihm nur zu sagen, daß der die Treppen fortnehmen solle. Dann sind Sie geborgen. Aber schnell! Ich höre unten laufen. Man beginnt die Durchsuchung bereits, wie es scheint.“
Königsau ging in seine Stube und klingelte. Bald erschien Florian.
„Was befehlen Sie?“ fragte er.
„Sie sollen die Treppe da fortnehmen“, antwortete Königsau.
„Sapperlot! Warum?“
„Napoleon hat erfahren, daß ich nicht der Seekapitän Sainte-Marie, sondern ein preußischer Husar bin. Er läßt haussuchen.“
„Sie meinen, daß man auch hierher kommen wird?“
„Ich vermute es.“
„Gut, dann nehmen wir die Treppe weg.“
„Geht dies so leicht?“
„Ja. Ich brauche nur zwei Schrauben aufzudrehen.“
„Wo kommt die Treppe hin?“
„Hinunter in den Stall, unter den Dünger.“
„Wird man den Ausgang nach dem Dach nicht trotzdem entdecken?“
„Nein. Haben Sie noch nicht bemerkt, daß die Eisenplatte genau dieselbe Farbe wie die Decke Ihres Zimmers hat?“
„Ich habe nicht so genau aufgemerkt. Übrigens ist es ja ganz dunkel hier. Wir wollen schnell ans Werk gehen. Es ist keine Zeit zu verlieren.“