Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
„Erstens davon, daß der Wille eines Kaisers zu berücksichtigen ist.“
„Und zweitens?“
„Zweitens, daß ich seit einer halben Stunde Etappenkommandant des Meierhofs Jeannette bin.“
„Ah! Wer hat dich dazu gemacht?“
„Der Kaiser selbst“, antwortete der Gefragte in stolzem Ton.
„So denke ja nicht, daß dies eine Belohnung deiner Verdienste ist. Der Kaiser braucht ein Werkzeug, und du wirst es sein, jedoch vergeblich. Wir werden deinen Plänen hier ganz denselben Widerstand entgegensetzen wie in Paris.“
„Gut! Ihr sprecht von meinen Plänen. Als ein Mann habe ich den Mut, euch einzugestehen, daß ich Pläne habe und zwar Pläne mit Margot. Sie ist meine Schwester, und ich darf von ihr fordern, daß sie ihr möglichstes tut, mich avancieren zu machen. Der Kaiser widmet ihr eine mehr als gewöhnliche Teilnahme, und diese soll sowohl zu ihrem, als auch zu meinem Glück ausgenutzt werden. Leistet sie Widerstand, so muß sie es sich gefallen lassen, wenn ich meine brüderliche Gewalt in Anwendung bringe. Und das würde ich ganz sicher tun!“
„Es ist dir zuzutrauen, doch fürchten wir dich nicht.“
„Nicht?“ fragte er höhnisch. „Oh, meine Gewalt ist größer und bedeutender, als ihr vielleicht meint.“
„Du überschätzest dich! Der Kaiser selbst muß Margot schützen.“
„Allerdings. Er hat sie und dich ja bereits meinem Schutz empfohlen.“
„Wir verzichten auf diesen Schutz.“
„Ich möchte wissen, wie ihr das anfangen wollt! Hofft ihr vielleicht auf die Hilfe eures Königsau? Pah! Er, ein Lieutenant, und Napoleon, der mächtige Kaiser der französischen Nation!“
„Noch ist sein Thron nicht wieder gefestigt.“
„Hofft ihr etwa darauf, daß er geschlagen wird? Ich gebe euch mein Wort, daß dieser tölpelhafte Marschall ‚Vorwärts‘ nicht zum zweiten Mal nach Paris kommt. Der Feldzug ist bereits begonnen. Die Feinde Frankreichs werden von uns niedergemäht werden wie Gras. Übrigens wird Königsau gar nicht gegen uns kämpfen. Er wird als Spion von uns aufgehängt werden, noch ehe der erste Schuß gefallen ist.“
„Versuche, ob du aus dieser Drohung Wahrheit machen kannst!“
„Ich stehe soeben im Begriff, es zu tun. Wo habt ihr ihn versteckt?“
„Wen?“
„Königsau, Margots Seladon.“
„Ah, du vermutest ihn hier auf dem Meierhof? Lächerlich!“
„Ihr wollt mich doch nicht etwa glauben machen, daß eure List der meinen überlegen ist?“
„Glaube, was du willst!“
„Wohl! Ich glaube, daß jener Kapitän aus Marseille niemand anders ist als Königsau. Er ist hier versteckt, und ich werde ihn finden.“
„Suche ihn!“
„Das werde ich allerdings tun. Ich mache euch aber darauf aufmerksam, daß es besser für euch ist, wenn ihr ihn mir freiwillig überliefert.“
„Das würden wir nicht tun, selbst wenn er bei uns versteckt wäre.“
„So erkläre ich euch, daß ihr bis auf weiteres meine Gefangenen seid und ohne meine ausdrückliche Erlaubnis eure Zimmer nicht verlassen dürft.“
„Wir lachen darüber!“
„Lacht immerhin! Um euch zu zeigen, daß ich keine Scherz mache, werde ich einen Posten vor der Tür lassen. Er hat den Befehl, auf euch zu schießen, sobald ihr den Austritt erzwingen wollt.“
Da trat seine Mutter auf ihn zu und fragte flammenden Auges:
„Dies ist dein Ernst?“
„Mein völliger“, antwortete er kalt.
„Du willst uns, deine nächsten Verwandten, in Banden schlagen?“
„Ihr zwingt mich ja dazu!“
„So mag der Himmel dich dafür strafen! Wir sagen uns von dir los; wir erklären dich für den herzlosesten Bösewicht der Erde und werden Gott bitten, dich unschädlich zu machen.“
„Das klingt sehr dramatisch, liebe Mama. Das ist ein ganz hübscher Theatercoup. Nur schade, daß wir uns nicht auf der Bühne befinden. Euer Gott wird mir wohl nicht sehr gefährlich werden. Ich handle für den Kaiser, und dieser ist's, der die Macht in den Händen hat.“
„Gottloser Lästerer! Die Strafe wird dich sicherlich erteilen!“
„Ich werde das ruhig abwarten. Zunächst aber werde ich mich hier bei euch ein wenig umschauen.“
Er untersuchte die beiden Zimmer sehr genau, doch ohne eine Spur von Königsau zu finden. Da bemerkte er die Tür, welche nach dem Zimmer ging, in welches der Lieutenant von dem Kutscher gebracht worden war.
„Wohin führt diese Tür?“ fragte er.
„Ich weiß es nicht“, antwortete die Mutter.
„Das willst du mich glauben machen? Ihr wollt nicht wissen, was hinter diesem Eingang versteckt ist?“
„Er war von der anderen Seite verschlossen.“
„Ah, ein Eckzimmer, allem Anscheine nach, und von innen verschlossen. Ich vermute, auf der richtigen Fährte zu sein! Man wird öffnen müssen!“
Er klopfte an, aber es ertönte keine Antwort.
„Wer ist da drüben?“ fragte er laut.
Es antwortete niemand wie vorhin.
„Nun, so wollen wir sehen, wie fest dieses Schloß sein wird.“
Er drückte auf die Klinke. Sie gab nach, und die Tür öffnete sich.
„Ah, also doch nicht verschlossen! Du hast mich belogen, Mutter! Das kommt mir verdächtig vor. Ich werde da drüben genau nachforschen.“
Er rief einen der Soldaten zu sich und nahm das Licht. Als sie in den Nebenraum traten, bemerkten sie zwar die wenigen Möbel, aber es befand sich niemand da. Die Dachöffnung war so gut verschlossen, daß sie nicht entdeckt wurde.
„Leer!“ sagte er. „Aber da ist noch eine Tür. Wohin führt sie?“
Er gab dem Soldaten das Licht und öffnete.
„Das ist ein Stroh- oder Heuboden“, meinte Richemonte. „Wir befinden uns über dem Stall. Hier gibt es ein Versteck.“
Er ließ leuchten und suchte. Er fand die schmale Treppe, welche abwärts nach Florians Stallverschlag führte.
„Hier geht es hinunter. Hier ist er hinab. Rasch, ihm nach!“
Während der Soldat mit dem Licht hinter ihm herschritt, stieg er so rasch wie möglich die Stufen hinab. Eine – zwei – drei – vier – – – da waren sie plötzlich alle. Florian hatte ja die untersten Stufen weggenommen. Richemonte trat in die Luft und verlor das Gleichgewicht und den festen Halt.
„Tausend Donner!“ rief er.
Es gelang ihm nicht, einen festen Gegenstand zu erfassen. Er schoß hinab und stürzte auf eine weiche, zähe Masse, welche einen sehr üblen Geruch ausströmte.
„Alle Wetter, wo bin ich da?“ rief er. „Leuchte einmal herab!“
Der Soldat kniete nieder und hielt das Licht so weit wie möglich herunter. Es ließ sich nicht viel erkennen, dennoch aber rief Richemonte:
„Es fehlt der niedere Teil der Treppe, und ich bin in den Dünger gestürzt. Binde den Leuchter an den Säbelriemen und laß ihn mir herab. Ich fühle keinen Ausgang hier.“
Der Soldat gehorchte, und als der Verunglückte nun das Licht hatte, bemerkte er die Tür, welche aus dem Verschlag nach dem Stall führte.
„Jetzt werde ich frei“, rief er nach oben. „Geh zu deinen Kameraden zurück und warte, bis ich dich abhole.“ –
Der gute Florian Rupprechtsberger hatte bisher in seinem Stalle versteckt gelegen. Ein großer Hund befand sich bei ihm. Als dieser zuerst das Geräusch und sodann die fremde Stimme hörte, stieß er ein leises, drohendes Knurren aus.
„Still!“ sagte der Kutscher leise zu ihm. „Du verdirbst sonst dir und mir den Spaß, wenn du nicht ruhig bist.“
Jetzt öffnete Richemonte die Tür, welche zu dem Verschlag führte, und trat in den Stall. Er bemerkte weder den Knecht, noch den Hund, da diese beiden versteckt in der Ecke lagen.
„Jetzt faß' ihn, wirf ihn hübsch ins Weiche!“ flüsterte Florian.
Da fuhr der Hund, ohne einen Laut von sich zu geben, auf den Kapitän los und warf ihn nieder. Der Überfallene stieß einen lauten Schrei aus, wagte aber nicht, denselben zu wiederholen, da er die Zähne des Hundes fürchtete. Er ahnte, daß das Tier bei der geringsten Bewegung oder beim ersten Laut zubeißen werde.