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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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„Ja.“

„Hm! Man hätte das lieber umgehen sollen. Sie ist die Dame des Hauses, und ich bin ihr Gast. Wohin begaben Sie sich dann?“

„Zu Margot.“

Das Gesicht des Kaisers belebte sich.

„Wie fanden Sie die junge Dame?“ fragte er mit sichtlichem Interesse.

„Sie hütete das Bett. Die Mutter war bei ihr.“

„Was sagte sie auf Ihre Erkundigungen?“

„Margot hat kein Wort gesprochen.“

Das Gesicht Napoleons verfinsterte sich wieder.

„Sie scheint einen sehr ausgeprägten Charakter und einen starken Willen zu haben“, sagte er. „Die schönste Zierde des Weibes aber ist Sanftmut, Milde und ein weiches, biegsames Gemüt. Welche Auskunft gab Ihnen die Mutter?“

„Gar keine. Sie gestand weder etwas, noch leugnete sie.“

„Ah! Auch stolz! Sollte die Schuld an dem Boten liegen?“

„An mir? O nein, Sire.“

„Vielleicht doch! Sie stehen mit den Damen auf einem sehr feindseligen Fuß; da wird es schwierig sein, Konzessionen zu erlangen.“

„Ich verpfände meine Ehre, Sire, daß die Damen mir doch noch gehorchen werden. Es gilt ja nur, den Einfluß jenes Deutschen zu brechen, und diese Aufgabe ist eine sehr leichte.“

„Glauben Sie auch jetzt noch an seine Anwesenheit?“

„Ich bin irre geworden.“

„Inwiefern?“

„Befände er sich noch hier, so hätte ich bei den Damen ganz sicher wenigstens einige Unruhe bemerkt.“

„Und dies war nicht der Fall?“

„Nicht im geringsten.“

„Kein jähes Erröten, kein Erbleichen, keine heftige Zuckung mit der Hand oder irgendeinem anderen Glied, als Sie sagten, daß Sie nach ihm suchen würden?“

„Nein, keins von diesen Anzeichen, Sire.“

„Wohin begaben Sie sich dann?“

„In dem Zimmer Margots gab es eine Tür, welche in einen Nebenraum führte. Ich trat dort ein und gelangte auf einen Stallboden, welcher sich recht gut zu einem Versteck zu eignen schien; aber es befand sich kein Mensch dort.“

Der Kapitän Richemonte erzählte sein Unglück weiter.

Der Kaiser hörte ihm zu und sagte dann:

„Ihr Debüt ist nicht nach Wunsch ausgefallen. Ich hoffe, daß Ihre späteren Bemühungen von Erfolg sein werden.“

„Majestät, ich stelle alle meine Kräfte zu Diensten.“

Der Kaiser nickte zufrieden.

„Hat man noch anderweitig Nachforschungen angestellt?“ fragte er.

„Ja. Ich komme von der Wache, wo ich erfuhr, daß General Drouet die Durchsuchung des ganzen Meierhofs angeordnet hat. Aber auch dies ist vergeblich gewesen.“

„So mögen alle diese unnützen Bemühungen eingestellt werden. Man hat das Beste getan, wenn man die Damen einfach isoliert. Sie haben das in der Hand. Meine Intentionen kennen Sie. Und um allen Eventualitäten zuvor zu kommen, wird man es angemessen finden, die junge Dame baldigst zu verheiraten.“

Richemonte verbeugte sich.

„Dürfte ich die Bitte um eine kleine Andeutung aussprechen?“ fragte er.

„Sie sprachen zu mir von Baron Reillac?“

„Allerdings, Majestät.“

„Er liebt Ihre Schwester?“

„Er hat sich alle Mühe gegeben, mich davon zu überzeugen.“

Da legte der Kaiser nach seiner eigentümlichen Weise die Hände auf den Rücken und schritt langsam und nachdenklich im Zimmer auf und ab. Erst nach einer längeren Weile blieb er vor Richemonte stehen, faßte diesen beim Knopf seiner Uniform und fragte:

„Ich denke, daß man sich auf Sie verlassen kann?“

„Mein Leben gehört Eurer Majestät!“ antwortete der Kapitän.

„Werden Sie eine Vollmacht auszufüllen verstehen, wenn Sie nur im allerhöchsten Notfall die Erlaubnis haben, sich auf dieselbe zu berufen?“

„Ich denke es, Sire.“

„So sage ich Ihnen, daß Ihre Schwester bereits in den nächsten Tagen die Frau des Baron de Reillac sein soll.“

„Ich stehe zu Befehl, Majestät, obgleich ich überzeugt bin, einen nicht geringen Widerstand zu finden.“

„Von welcher Seite?“

„Von der Seite meiner Schwester zunächst.“

„Sie werden ihn überwinden, denn Sie sind der Bruder. Und sodann?“

„Von seiten der – Behörde“, antwortete Richemonte zögernd.

Napoleon zog die Stirn in Falten.

„Die Behörde bin ich!“ sagte er.

„Ich habe diese Überzeugung, Sire. Aber ich bedarf des Jawortes meiner Schwester. Ich befürchte, daß sie es mir verweigert.“

„Warten Sie!“

Der Kaiser trat an den Tisch, legte sich ein Blatt Papier zurecht und schrieb. Dann reichte er die Zeilen dem Kapitän.

„Lesen Sie!“ befahl er.

Richemonte gehorchte. Kaum hatte er einen Blick auf das Papier geworfen, so nahm sein Gesicht den Ausdruck des Triumphes an.

„Wird dies genügen?“ fragte Napoleon selbstbewußt.

„Oh, man wird sich beeilen, die Order Ew. Majestät zu erfüllen.“

„Ich bin überzeugt davon. Haben Sie noch Wünsche?“

„Keinen als den, daß mir die Huld meines Kaisers erhalten bleibe.“

„Das ist Ihre eigene Sache. Ich weiß treue Diener zu belohnen. Die Lösung Ihrer Aufgabe ist mit pekuniären Opfern verbunden. Ich werde Befehl geben, Ihnen die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Jedenfalls aber werde ich Sie vor meiner Abreise noch einmal sprechen.“

„Dürfte ich morgen nach Sedan zu Reillac reiten, Sire?“

„Tun Sie es. Aber sorgen Sie dafür, daß während Ihrer Abwesenheit keine Ihrer Maßregeln verabsäumt werde.“

Der Kaiser machte die Bewegung der Entlassung, und der Kapitän entfernte sich mit einer tiefen Verneigung. Jetzt war er seines Sieges sicher. Er hatte eines jener Papiere in den Händen, vor denen sich die höchsten Behörden beugen mußten, gegen welche es keinen Widerstand, keine Appellation gab und gegen welche alle Paragraphen aller Gesetze schweigen mußten. –

Königsau hatte sich kein Wort von dieser Unterredung entgehen lassen. Er wartete noch, bis er sah, daß der Kaiser im Begriff stand, zur Ruhe zu gehen. Dann erhob er sich aus seiner liegenden Stellung.

Fast hätte er einen Schrei der Überraschung ausgestoßen, denn er bemerkte eine Gestalt, welche dicht neben ihm stand.

„Pst“, sagte dieselbe. „Erschrecken Sie nicht!“

„Ach, Florian, treue Seele! Aber ich denke, die Treppe ist fort?“

„Ja, sie ist fort. Sie liegt gut aufgehoben im Garten. Doch habe ich Ihnen bereits gesagt, daß noch ein Hauptaufgang nach dem Dach führt.“

„Welch ein Glück, daß man nicht daran gedacht hat, ihn zu benutzen, um mich hier zu suchen.“

„Allerdings. Gerade das klügste haben diese Kerle unterlassen.“

„Ich wäre vielleicht verloren gewesen.“

„Noch nicht, Herr Lieutenant. Ich stand bereits auf der Lauer und hätte Ihnen ein Mittel an die Hand gegeben, zu verschwinden.“

„Welches?“

„Dieses.“

Er trat einige Schritte zurück und nahm einen langen Gegenstand in die Höhe, in welchem Königsau eine Leiter erkannte.

„Sie hätten mit Hilfe dieser Leiter in Ihr Zimmer verschwinden können“, sagte der Kutscher. „Haben Sie gut aufgepaßt?“

„Oh, ich habe viel, sehr viel gehört.“

„Was Ihnen Nutzen bringt?“

„Ja. Ich habe mit Mademoiselle Margot und ihrer Mutter zu sprechen. Werde ich dies wagen dürfen?“

„Warum nicht?“

„Es steht ein Posten vor ihrer Tür.“

„Das wohl, aber doch nicht im Zimmer. Sie werden leise sprechen. Übrigens kann ich ja hinunter gehen und mich mit dem Mann unterhalten, um seine Aufmerksamkeit abzulenken. Aber sagen Sie, ob sie beabsichtigen, noch längere Zeit hier zu bleiben.“

„O nein. Ich muß fort, schleunigst fort.“

„Etwa noch während dieser Nacht?“

„Ja.“

„Das ist zu gefährlich.“

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