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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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„Welche Damen meinen Sie?“

„Die Baronin und die Damen Richemonte.“

„Man suche auch bei ihnen.“

„Wird auch auf die Verwundung von Mademoiselle Margot nicht einige Rücksicht zu nehmen sein?“

Napoleon blickte vor sich nieder, dann antwortete er:

„Die einzige Schonung, welche ich gewähren kann, ist diejenige, daß nicht fremde Leute, sondern ihr Bruder bei ihr suchen soll.“

Das war eine Rache an Margot für ihre Zurückweisung. Der Kaiser fuhr fort:

„Kapitän, Sie werden sich sofort nach den Gemächern Ihrer Verwandten begeben und dort die genaueste Nachsuchung halten.“

Der Kapitän verbeugte sich und sagte:

„Ich erlaube mir, zu bemerken, daß unser Suchen trotz allem Eifer und Sorgfalt vielleicht vergebens sein kann und der Deutsche sich trotzdem hier versteckt aufhält. Dieser alte Meierhof hat Schlupfwinkel. Um ganz sicher zu gehen, müßte man sich mit jemandem verständigen, welcher das Haus genau kennt.“

„Es wird sich keiner finden, der sich dazu hergibt, die Herrschaft zu verraten“, sagte Drouet.

„Ich kenne einen“, bemerkte Richemonte.

„Wer wäre das?“

„Der alte Kutscher Florian.“

„Gerade dieser scheint seiner Herrschaft sehr ergeben zu sein.“

„Dies scheint nur so, mein General. Ich habe Beweise, daß er mir ergebener ist, als der Baronin oder dem Baron de Sainte-Marie.“

„Dieser Baron scheint ein etwas leichtsinniger Patron zu sein?“ fragte Napoleon.

„Er ist als nicht sehr charaktervoll bekannt“, antwortete der Kapitän.

„Solche Leute sind schwach und lassen sich leicht erschrecken. Man wir ein wenig ernst auftreten und den Baron so damit erschrecken, daß er die Wahrheit eingesteht. Ich habe soeben den Kapitän Richemonte zum Etappenkommandanten von Jeannette ernannt. Er wird sich jetzt zu der Baronin und ihrem Sohne, ebenso zu den Damen Richemonte begeben und ihnen ankündigen, daß sie seine Gefangenen sind.“

„Diese strenge Maßregel –“, wollte der General bemerken.

„Ist sehr begründet“, fiel Napoleon schnell ein. „Man nimmt einen preußischen Spion hier auf, man verbirgt ihn; das ist Landesverrat, in Kriegszeiten doppelt strafbar. Das Gesetz bedroht dieses Verbrechen mit dem augenblicklichen Tod. Man lasse sofort den Kutscher kommen, von dem Sie gesprochen haben.“

Diese Worte waren an Richemonte gerichtet. Er meldete dem Diener den Befehl, Florian sofort zu Stelle zu bringen, was augenblicklich befolgt wurde.

Florian trat mit jener Scheu ein, welche ein niedrig stehender Mann gewöhnlich vor hochgestellten Personen hegt.

„Sie sind der Kutscher der Baronin?“ fragte ihn der Kaiser.

„Zu dienen, Majestät“, antwortete jener ängstlich.

„Dienen Sie ihr bereits lange Zeit?“

„Schon viele Jahre.“

„Sind Sie mit ihr zufrieden?“

„Hm“, brummte der Gefragte verlegen.

Florian drehte seine Mütze verlegen hin und her und antwortete endlich:

„Es bleibt manches zu wünschen übrig.“

„Man hat einen besseren Dienst für Sie, wenn Sie sich desselben würdig zeigen.“

Da hellte sich das Gesicht des Kutschers auf.

„Oh, ich habe schon längst fort gewollt“, sagte er.

„Gut, so seien sie einmal aufrichtig, wenn Sie sich glücklich machen wollen, und sagen Sie, ob Sie einen Deutschen kennen, welcher Husarenoffizier ist und heimlich hier auf dem Meierhof verkehrt.“

„Nein, ich kenne keinen, Sire.“

„Sie reden da die Wahrheit?“

„Ja.“

„Vielleicht ist dieser Mensch unter einem anderen Namen hier gewesen?“

„Das würde mir aufgefallen sein. Es haben nur Bekannte hier verkehrt.“

„So kennen Sie wohl einen Bekannten, oder Verwandten der Baronin, welcher Seekapitän ist?“

„Ja, den kenne ich.“

„Er ist hier auf Besuch?“

„Er war hier. Es ist der Herr, welcher heute die Marodeurs so gut bediente.“

„War er schon längere Zeit hier?“

„Einige Tage.“

„War er viel mit Mademoiselle Margot zusammen?“

Florian blickte dumm verlegen vor sich nieder.

„Hm. Ja“, antwortete er mit breitem Lachen.

„Warum lachen Sie?“

„Na, sie waren ja Liebesleute.“

„War dies allgemein bekannt?“

„Man sah es ja. Sie schnäbelten sich wie die Tauben.“

„Wo ist er jetzt?“

„Fort! Futsch!“

„Man bezweifelt das. Er soll hier versteckt sein?“

„Versteckt? Das fällt ihm gar nicht ein. Ich weiß das viel besser, Sire.“

„So. Inwiefern wissen Sie das besser?“

„Weil er es mir gesagt hat.“

„Ah, endlich eine Spur. Was hat er gesagt?“

„Daß er entflieht.“

„Aber er hat die Flucht doch nicht sofort ergriffen?“

„Sofort.“

„Das ist kaum glaublich.“

„Oh, er sagte es mir selbst. Ich war, als wir an der Waldschenke standen, etwas beiseite getreten, und da kam er zu mir. Er sagte, daß er fliehen müsse, weil – weil –“

Der Kutscher steckte in ganz schauderhafter Verlegenheit.

„Fahren Sie fort“, sagte der Kaiser. „Ich befehle es Ihnen, die volle Wahrheit zu sagen. Weshalb mußte er fliehen? Was gab er an?“

Florian antwortete sehr befangen und schamhaft:

„Er sagte, er müsse fort, weil – weil – – – er, weil der Kaiser die Margot für sich haben wolle und sich deshalb mit ihm gezankt habe.“

„Pah!“ sagte Napoleon verächtlich und mit unbeschreiblichem Stolz.

„Ja, so sagte er“, fuhr Florian fort. „Er meinte, wenn er sich hier noch einmal sehen lasse, so sei er verloren. Er wolle aber seine Liebste und die Baronin nicht in Verlegenheit bringen: darum ergreife er auf der Stelle die Flucht.“

„Wohin?“

„Ich solle der gnädigen Frau sagen, daß er zunächst nach Luxemburg und dann nach Köln gehe. Er verließ mich in der Richtung nach Donzy zu.“

„Sie sagen die Wahrheit?“ fragte der Kaiser streng.

„Ja. Warum sollte ich lügen?“

„Weiter sagte er nichts?“

„O ja.“

„Was?“

„Daß er wiederkommen werde.“

„Wann?“

„Dann, wenn – wenn – – – ich kann das nicht sagen, Majestät.“

„Warum nicht?“

„Sie werden sich ärgern.“

„Ich befehle Ihnen dennoch, es zu sagen.“

„Nun, er sagte, er werde wiederkommen, wenn – wenn – sobald der Kaiser die richtigen Keile von den Alliierten erhalten habe.“

Über das Angesicht Napoleons huschte ein eigentümlicher und undefinierbarer Ausdruck. Er bezwang sich aber und fragte weiter:

„Das ist alles, was Sie von ihm wissen und was er sagte?“

„Noch nicht alles.“

„Was noch?“

„Noch zweierlei. Er sagte, ich solle den Damen und dem Baron tausend Grüße bringen, Mademoiselle Margot aber tausend Küsse von ihm geben.“

Drouet lächelte belustigt; der Kaiser aber fragte, ernst bleibend:

„Und das zweite?“

„Ich soll gut aufpassen und ihm später alles genau sagen.“

„Aufpassen? Worauf?“

„Ob der Kaiser viel bei Margot sei, und ob er sie oft küsse.“

„Mensch, Sie sind bei Gott höchst aufrichtig“, rief Napoleon.

„Ja, das bin ich“, sagte der Kutscher sehr stolz.

Er schien den ärgerlichen Ausruf des Kaisers für ein Lob zu nehmen.

„Sie sind also überzeugt, daß er wirklich fort ist?“ examinierte Napoleon weiter.

„Ja. Ich habe ihn ja gehen sehen.“

„Er kann Sie auch getäuscht haben.“

„Mich?“ sagte Florian ganz erstaunt. „Der wäre mir der Kerl dazu. An mich kommt da nicht gleich einer heran.“

„Das sieht man Ihnen an“, meinte Napoleon ironisch. „Dennoch aber ist es möglich, daß er nicht nach Donzy gegangen ist, sondern sich heimlich hier verborgen hält. Gibt es hier nicht Orte, die man als Versteck benutzen kann?“

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