Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Mord im Garten des Sokrates - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Mord im Garten des Sokrates

Электронная книга - «Mord im Garten des Sokrates». Краткое содержание книги:

Mord im Garten des Sokrates
1 ... 38 39 40 41 42 43 44 45 46 ... 88
Перейти на страницу:

Anaxos und seine Gehilfen blieben dem Gefängnis fern. Ly-sippos hatte die Tat unter der Folter gestanden und irgendein Schriftstück unterzeichnet. Anaxos war sich seiner Sache entsprechend sicher.

Myson und ich gingen uns aus dem Weg. Wenn ich ihn traf oder ansprechen musste, vermied er es, mir in die Augen zu sehen. Auch erholte er sich, wie es schien, von Lysippos' Angriff weniger leicht als Lysippos von der Folter. Er ging gebeugt, sein Gesicht blieb bleich, und seine schöne, kräftige Handschrift hatte leicht, aber doch merklich zu zittern begonnen.

Platon blieb krank. Immer wieder sprach ich vor, immer wieder bat mich sein alter Sklave, den jungen Herrn zu schonen.

Aspasia und ich waren uns sehr nahe in dieser Zeit. Abend für Abend saßen wir im Garten unter dem Feigenbaum, tranken Wein und Wasser, aßen Oliven und sprachen über unsere Tage, die Kinder, den Ärger mit den Nachbarn, die Arbeit. Nur über Perianders Tod oder Lysippos' Prozess verloren wir kein einziges Wort, so als könnten wir die Ereignisse auf diese Art aus unserem Garten, unserem Haus und unserem Leben heraushalten.

Die Bürgerversammlung auf der Pnyx war für die Toxotai ein voller Erfolg. Nachdem sein Gewand bei der Auszahlung des Sitzungsgeldes markiert worden war, wagte es kaum mehr ein Bürger, der Versammlung fernzubleiben. Die Männer drängten sich auf dem Hügel, und es wurde die Forderung laut, doch ein steinernes Amphitheater zu bauen, groß genug, um alle stimmberechtigten Vollbürger aufzunehmen.

Die Hitze blieb. Es fiel kein Tropfen Regen. Athen stöhnte unter der Bürde des Sommers.

Dann kam der Tag des Prozesses, und er begann schlecht. Ich erwachte aus einem unruhigen Schlaf. Die Sonne war noch nicht aufgegangen. Vor mir stand ein Netz aus glitzernden Perlen, das in der Dunkelheit allmählich verblasste. Aspasia neben mir atmete schwer. Ich erhob mich vorsichtig, um sie nicht zu wecken, aber noch bevor ich mich richtig aufgerichtet hatte, strich sie mir zart über den Rücken. Sie war wach und betrachtete mich mit ihren dunklen Augen.

«Hast du Angst?», fragte sie mich leise. Ich nickte.

Ich bat Aspasia weiterzuschlafen, aber sie stand mit mir auf und richtete mir ein kleines Frühstück. Ich brachte keinen Bissen herunter. Ich saß stumm am Küchentisch und wartete, bis die Sonne aufging und die Stadt erwachte. Als die ersten Händler durch die Straßen zogen und ihre Waren anpriesen, bereitete ich mich vor. Ich zog meine Rüstung an, um mein Amt vor den Richtern zu unterstreichen, ging meine Aussage noch einmal durch und machte mich endlich auf den Weg zur Kaserne. Schon am Vortag hatte ich die vier Soldaten ausgesucht, die mich begleiten sollten, wenn ich Lysippos vom Gefängnis zum Areopag brachte. Sie erwarteten mich in der Vorhalle. Zu meinem Erstaunen war Myson bei ihnen. Als ich ankam, trat er auf mich zu und wünschte mir Glück. Seine Augen jedoch blieben betrübt. Er glaubte nicht an einen Erfolg.

Wir waren gerade vor die Tür getreten, als Bias, der kleine Gefängniswärter, über den Kasernenhof zu uns gerannt kam. Er war völlig außer Atem und drohte wie der Läufer von Marathon zusammenzubrechen, aber noch bevor er seine Nachricht überbracht hatte. Einer meiner Soldaten nahm ihn hoch und trug ihn wie ein Kind in die Vorhalle. Bias musste sich erst beruhigen, bevor er auch nur ein Wort herausbekam. Myson brachte ihm Wasser. Der kleine Wärter trank und japste nach Luft. Langsam wurden meine Männer ungeduldig. Es dauerte ihnen zu lange, bis Bias sich erholt hatte.

«Komm schon, Bias», sagte der große Kerl, der ihn hereingetragen hatte, «reiß dich zusammen. Was ist los?»

Ich stellte mich abseits und blieb völlig ruhig. Ich ahnte ohnehin, was vorgefallen war. Am liebsten hätte ich gar nicht zugehört.

Was Bias berichtete, ist schnell gesagt. Es entsetzte mich, aber es überraschte mich nicht. Kurz nach Sonnenaufgang war Anaxos mit vier Soldaten am Gefängnis erschienen. Sie hämmerten gegen das Tor und drohten, Bias und seine Frau zu erschlagen, wenn sie nicht freiwillig öffneten. Bias wollte sie noch aufhalten, aber seine Frau hatte viel zu viel Angst und schob den Riegel zur Seite. In demselben Moment warf sich von außen auch schon ein Soldat gegen die Tür. Die schlug mit der ganzen Wucht dieses schweren Menschen auf und traf seine geliebte Gattin am Kopf. Die Frau taumelte, fasste sich an die Stirn, dann sank sie zu Boden, während Anaxos und die Soldaten ungerührt an ihr vorbeimarschierten. Bias kümmerte sich sofort um sie. Ein Faden Blut rann ihr aus der Nase, und ihr Herz schlug ganz schwach. Wie von fern habe er den Puls nur gehört, als er sein Ohr auf ihre Brust legte. Gerade in dem Moment sei zum Glück der junge Arzt Chilon erschienen. Er hatte an sich nach Lysippos sehen wollen, half Bias aber sofort, seine verletzte Frau in das Wärterhäuschen neben dem Tor zu tragen. Dort legte sie Chilon auf ihr Bett, untersuchte sie und gab ihr eine Arznei zu riechen, die sie wieder ins Leben zurückbrachte, wenn sie auch schwach blieb und für einige Tage das Bett würde hüten müssen.

«Und Lysippos?», fragte Myson.

«Als meine Frau versorgt war, bin ich sofort zur Zelle gerannt», antwortete Bias. «Da sind mir die Soldaten schon wieder entgegengekommen. Sie hatten Lysippos in Ketten gelegt und zogen ihn durch den Schmutz hinter sich her. Anaxos rief mir noch zu, ich solle ausrichten, dass sie den Mörder nun zu Gericht bringen.»

«Unverschämter Kerl!», sagte Myson und spuckte aus.

«Hat er sonst noch etwas gesagt?», fragte ich von der Ecke her, in die ich mich zurückgezogen hatte.

«Er sagte, er warte am Areopag auf dich», antwortete Bias. «Dann haben sie Lysippos auf die Straße gezogen. Ich bin sofort hierher gerannt. Die Leute haben mit faulem Gemüse nach mir geworfen!»

Nachdem Bias seine Geschichte beendet hatte, blieben alle für einen Moment still. Meine Männer sahen mich ratlos an. Myson senkte den Kopf.

«Zum Areopag!», befahl ich, und wir rannten los. Es war müßig, darüber nachzudenken, ob ich Lysippos hätte besser schützen können oder müssen. Es blieb jetzt nur noch der Prozess zu führen. Das war die einzige Chance für Lysippos und für die Wahrheit.

Wir nahmen den Dromos im Laufschritt. Der steile Weg zur Akropolis hielt uns nicht auf. Unsere Waffen und Rüstungen klirrten mit jedem Schritt. Auf dem Platz zwischen Strategion und Areopag stand die Menge schon in Trauben. Wir hatten Mühe, uns den Weg in das Gerichtsgebäude zu bahnen, so drängten sich die Schaulustigen zusammen, nur um einen kurzen Blick auf Lysippos zu werfen. Wir stießen, schoben und rempelten uns zum Eingang vor. Dort öffneten uns zwei postierte Bogenschützen. Wir traten ein, und hinter uns schlossen sich die Tore.

Das Gebäude, in das wir hier traten, barg einen einzigen großen, marmornen Saal, in welchem der Gerichtshof des Areopag tagte. Als wir in den Raum traten, bogen sich schon die Bänke unter der Masse der Zuschauer, die lärmten und schwatzten. Ich sah mich um und erkannte Perianders Vater in der Menge. Der Schmerz gab seinem Gesicht eine bittere Würde; still und regungslos saß er auf seinem Platz und blieb ganz unberührt von dem Tumult, der um ihn war. Es gab wohl keine reiche Athener Familie, die nicht irgendwie vertreten war. Dutzende hasserfüllter Augen waren auf Lysippos gerichtet. Der bot einen jammervollen Anblick. Er kauerte auf einem Schemel in der Mitte des Saals. Sein Gesicht war von Blut, Tränen und Rotz verschmiert, sein Gewand starrte vor Schmutz und Unrat. Die Soldaten mussten ihn durch Kot gezogen und ihr Wasser auf ihm abgeschlagen haben. Lysippos' Blick war stumpf und ging ins Leere. Anaxos war nirgendwo zu sehen, aber sein böser Geist, der Soldat mit dem gespaltenen Gesicht, hielt neben Lysippos Wache. Als er mich erkannte, machte er eine obszöne Geste und lachte unverschämt dazu.

1 ... 38 39 40 41 42 43 44 45 46 ... 88
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)