Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Mord im Garten des Sokrates - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Mord im Garten des Sokrates

Электронная книга - «Mord im Garten des Sokrates». Краткое содержание книги:

Mord im Garten des Sokrates
1 ... 42 43 44 45 46 47 48 49 50 ... 88
Перейти на страницу:

Der Wind tobte durch die Straßen, in den Gassen schwollen die Rinnsale zu Bächen an. Und da, gerade als wir glaubten, Zeus wolle die Stadt ertränken, rissen die Wolken über unseren Köpfen auf, und ein paar Sonnenstrahlen fielen hindurch. Der Spalt wurde größer und breiter; schon sahen wir die ganze Sonne hinter den Wolken hervorleuchten. Zugleich ließ der Regen nach. Nur wenige dicke Tropfen fielen noch und zerplatzten in den Pfützen. Der Wind legte sich. Das Gewitter war vorüber.

Zuerst wagten es nur einige junge Männer, den Schutz der Dächer zu verlassen. Die Sandalen über die Schultern geworfen, schritten sie mit bloßen Füßen voran, schlitterten über den Matsch und tappten durch die Pfützen. Wir Älteren folgten, erst zögernd, dann sicherer. Schon hörte man fröhliches Rufen und Jauchzen. Janos, mein Nachbar, rutschte aus und fiel in den Schlamm, aber er lachte und wir mit ihm, als wäre es der größte Spaß, sich wie ein Schwein im Dreck zu suhlen. Von irgendwo kam eine Handvoll Matsch angeflogen. Ich duckte mich, bekam meine Portion aber trotzdem mitten ins Gesicht. Natürlich ließ ich mich nicht lumpen und warf zurück, was ich mit Händen aufnehmen konnte. Jetzt kam eine Ladung von vorne und traf meinen Vater, der sich räusperte und sofort mitmischte, so wie die anderen auch. Und so verwandelte sich die ganze Prozession innerhalb kürzester Zeit in eine einzige Schlammschlacht. Die Menschen waren befreit und so erleichtert, noch einmal davongekommen zu sein, dass noch der würdigste Alte wie ein Bub Dreckbälle formte und fröhlich verschoss. Die Frauen kreischten, während sie in den Matsch fielen. Ein paar Kleider rutschten nach oben. Weiße Schenkel blitzen im Schlamm; Jünglinge warfen sich dazu. Man grölte und lachte und tanzte und küsste sich in einem Bacchanal von Matsch und Lehm. Dann ertönte das Horn, ein- oder zwei- oder dreimal. Die Priester kletterten auf die Mauern, mahnten empört zur Ruhe und befahlen, uns wieder zu formieren und den Weg zur Akropolis fortzusetzen, wollten wir nicht noch größeren Zorn der Götter auf uns laden. Feixend stellen wir uns in Reih und Glied und gingen schließlich weiter, ein würdig dreinblickender Haufen vor Dreck starrender Athener ...

Die Weihefeierlichkeiten sollten bis in die Nacht dauern, aber als die Sonne untergegangen war, machten mein Vater und ich uns auf den Weg nach Hause. Mit dem heutigen Tag war meine Amtszeit als Hauptmann beendet, und ich hoffte, ich könnte hinter mir lassen, was ich erlebt hatte, zurückkehren in meines Vaters Geschäft und vergessen. Schon schien mir fern, was sich doch vor kurzem erst ereignet hatte ...

Die Hoffnung trog, natürlich trog sie. Wir können die Geschehnisse erst vergessen, wenn auch sie sich unser nicht mehr erinnern wollen. Ich war den Dingen noch allzu nah.

Es war finstere Nacht, als wir durch den Kerameikos kamen. Der Boden war nass und schlammig. Wir hörten hinter uns Schritte nahen, schnelle, militärische Schritte. Drei Mann mochten es sein, die da hinter uns gingen. Mein Vater sah mich fragend und beunruhigt an. Ich winkte ab. Bei Nacht und auf diesen Wegen bildete man sich viel zu leicht etwas ein. Ein Überfall kam schnell und lautlos, wie der von den beiden Kerlen, die mir aufgelauert hatten. Wir bogen ab, die Schritte folgten. Wir waren Kurz vor der Straße zu unserem Haus angelangt, als die Männer hinter uns aufschlossen. Doch ein wenig beunruhigt, griff ich meinen Vater wieder am Arm und zog ihn in eine Seitengasse. Ich wollte die Männer vorbeigehen lassen. Aber sie gingen nicht vorbei. Schnell drehte ich mich. Eine Klinge leuchtete auf, und ein von einer Narbe entstelltes Gesicht grinste mich an. Mein Vater schrie. Ich duckte mich und sprang nach vorn. Das Schwert schlug hinter mir in die Wand. Ich bekam eine Kehle zu fassen und ging mit meinem Angreifer zu Boden. Ich drückte zu, so fest ich nur konnte. Fauliger Atem stieg mir ins Gesicht. Da explodierte etwas in meinem Kopf. Neben mir hörte ich meinen Vater stöhnen. Dann versank ich in dem Dunkel, das mich umgab.

Ich war auf einer weiten Ebene, kein Mensch weit und bereit. Vor mir stand ein marmorner Tempel, über mir die Sonne. Aber es war nicht die Sonne, die schien. Der Tempel leuchtete der Sonne und trug den Himmel und seine Weiten. Ein Adler kreiste am Himmel und war ihm Freund. Der Adler flog, weil der Tempel ruhte.

Es begann zu regnen. Ich fühlte Wasser auf meiner Stirn. Langsam schlug ich die Augen auf und sah in Aspasias Gesicht. Wie ein Blitz durchzuckte stechender Schmerz meinen Schädel. Aus einem Augenwinkel erkannte ich unser großes Zimmer. Ich war dort, wo alles begonnen hatte. Aspasia kniete bei mir und wischte mit einem Schwamm über meine Stirn. Es roch nach Blut und Essig. Eine Wunde pulsierte an meinem Kopf. Etwas Feuchtes lief meine Schläfen entlang. An der Tür lehnten Thrasybulos und Myson. Sie hatten besorgte Gesichter, sahen aber nicht zu mir hinüber. Mühsam richtete ich mich auf und folgte ihrem Blick. Auf der Liege an der hinteren Wand lag mein Vater. Chilon kümmerte sich noch um ihn, aber der Tod hatte ihn schon zu sich hinübergezogen.

Zweites Buch

DIE DREISSIG TYRANNEN

α

ein abend auf der Agora! Am Himmel verschwand die Sonne in sanftem Abendrot, die Händler entzündeten ihre Öllampchen und Laternen in den Buden, und die Staatssklaven entflammten die Fackeln in den Säulenhallen. Je dunkler es wurde, desto mehr schien es, als werde der gesamte Marktplatz von kleinen Sternen erleuchtet, und als das Licht der Sonne endgültig erloschen war, kreisten Sokrates, Xenophon, Aristippos und ich noch zusammen mit Hunderten von anderen Müßiggängern zwischen den künstlichen Lichtern auf unserer ewig gleichen Runde zwischen Stoa und Tempeln. Wir sprachen wenig. Unser Treffen heute galt mehr der Freundschaft als der Philosophie. Ich fühlte mich frei und leicht, aber nicht sicher - nein, nicht sicher, auch wenn der Anschlag auf meinen Vater und mich nun vier Jahre zurücklag und Anaxos und sein Mordgeselle mich vergessen zu haben schienen - oder doch zumindest nicht mehr fürchteten.

In den ersten Wochen nach dem Tod meines Vaters hatte ich selbst bei Tage kaum gewagt, das Haus zu verlassen, aus Furcht, jene hässliche, vernarbte Fratze lauere mir auf, um mich endgültig zu ermorden. Zu meinem Glück besuchten Thrasybulos und Myson mich beinahe jeden Tag und standen mir in meiner Trauer um den Vater, aber auch in meiner Angst um mein Leben und um das Leben meiner Familie bei. Sie waren es, die mir dabei halfen, das Haus wieder zu verlassen, und sie begleiteten mich, als ich meinen Fuß endlich wieder vor die Tür zu setzen vermochte. So habe ich ihnen nicht nur mein Leben zu verdanken, denn sie retteten mich in jener Nacht aus den Klauen der Mörder, sondern auch die Freiheit, mich wieder durch die Straßen und Gassen zu bewegen.

Myson! Er war ein Spion. Ja, das war er. Ich hatte mich nicht getäuscht. Und sicher war er mir gegenüber deswegen so befangen, nachdem wir uns angefreundet und ich ihn nach Lysippos' Attacke nach Hause begleitet hatte. Aber er war nicht Anaxos' Spion. Nein, er war der Spion des Thrasybulos und der Demokraten, die mich auf meinen Wegen beschützten, seit er mich in meinem Garten besucht und erraten hatte, wieso ich mir immer wieder an die schmerzhaften Rippen fasste ... Myson gestand es mir wenige Tage nach der Bestattung meines Vaters, und ich umarmte und küsste ihn dafür, denn ich verdankte diesem kleinen Verrat das Leben.

1 ... 42 43 44 45 46 47 48 49 50 ... 88
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)