Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Hahaha! Nein, dieser Nikolai Iwanowitsch! Hahaha!«
Der Offizier sagte sich, wenn er in diesem Augenblick mit dem wichtigen Befehl einträte, würde er seine Schuld verdoppeln, und wollte warten; aber einer der Generale hatte ihn bereits erblickt und machte, als er den Grund seines Kommens erfahren hatte, Jermolow Mitteilung. Jermolow trat mit finsterem Gesicht aus der Gruppe heraus zu dem Offizier hin, hörte ihn an und nahm, ohne ein Wort zu ihm zu sagen, das Papier von ihm entgegen.
»Denkst du, daß er so zufällig vom Haus weggeritten ist?« sagte an diesem Abend ein Kamerad vom Stab zu dem Chevaliergarde-Offizier mit Bezug auf Jermolow. »Das ist ein schlaues Manöver, alles Absicht. Konownizyn soll unter die Räder gebracht werden. Paß mal auf, morgen wird es einen netten Wirrwarr geben!«
V
Am folgenden Tag ließ sich der hinfällige Kutusow frühmorgens wecken, verrichtete sein Gebet, kleidete sich an und setzte sich in seine Kalesche mit der unangenehmen Empfindung, eine Schlacht leiten zu müssen, die er nicht billigte; so fuhr er von Letaschowka, fünf Werst hinter Tarutino, nach der Stelle, wo sich die angreifenden Kolonnen sammeln sollten. Beim Fahren schlief Kutusow abwechselnd ein und wachte wieder auf und horchte, ob nicht von rechts her Schießen zu hören sei und der Kampf begonnen habe. Aber es war noch alles still. Es begann eben erst die Morgendämmerung des feuchten, trüben Herbsttages. Als Kutusow sich Tarutino näherte, bemerkte er Kavalleristen, die ihre Pferde über den Weg herüber, auf dem sein Wagen fuhr, zur Tränke führten. Er sah sie aufmerksam an, ließ den Wagen halten und fragte sie, von welchem Regiment sie wären. Die Kavalleristen gehörten zu einer Kolonne, die schon längst weit vorn sein und im Hinterhalt liegen sollte. »Vielleicht ein Mißverständnis«, dachte der alte Oberkommandierende. Aber beim Weiterfahren erblickte er Infanterieregimenter, bei denen die Gewehre zusammengestellt und die Soldaten in Unterhosen mit Grützekochen und Holzholen beschäftigt waren. Er ließ einen Offizier herbeirufen. Der Offizier berichtete, ein Befehl zum Ausrücken sei nicht eingegangen.
»Nicht einge …«, begann Kutusow, schwieg aber sofort wieder und befahl, den höchsten Offizier zu rufen. Er stieg aus dem Wagen und ging mit gesenktem Kopf und keuchendem Atem schweigend auf und ab und wartete. Als der Gerufene, der Generalstabsoffizier Eychen, erschien, wurde Kutusow dunkelrot, nicht weil dieser Offizier an dem Irrtum schuld gewesen wäre, sondern weil er ein würdiger Gegenstand war, gegen den sich der Ausbruch seines Zornes richten konnte. Und nun geriet der alte Mann in jenen bei ihm mitunter vorkommenden Wutzustand, in dem er sich vor Zorn auf der Erde wälzen konnte, fuhr zitternd und keuchend auf Eychen los, drohte ihm mit den Fäusten und schrie und schimpfte mit den gröbsten Ausdrücken. Ein anderer, zufällig dazukommender Offizier, ein Hauptmann Brosien, den nicht die geringste Schuld traf, mußte das gleiche über sich ergehen lassen.
»Was ist das da auch noch für eine Kanaille? Erschießen müßte man diese Menschen! Die Schurken!« rief er mit heiserer Stimme und machte schwankend heftige Bewegungen mit den Armen.
Er empfand einen physischen Schmerz. Er, der Oberkommandierende, der Durchlauchtige, dem alle versicherten, nie habe jemand in Rußland eine so große Macht besessen wie er, ihn hatte man in eine solche Situation gebracht, ihn lächerlich gemacht vor dem ganzen Heer. »Vergeblich habe ich also so eifrig um einen guten Ausgang des heutigen Tages gebetet, vergeblich in der Nacht gewacht und alles überlegt!« dachte er bei sich. »Als ich noch ein junger Offizier war, hätte niemand gewagt, sich in dieser Weise über mich lustig zu machen … Aber jetzt!« Er empfand einen physischen Schmerz wie von einer körperlichen Züchtigung und konnte sich nicht enthalten, diesen Schmerz durch zorniges, grimmiges Schreien zum Ausdruck zu bringen; aber bald schwand seine Kraft dahin, er blickte um sich, wurde sich dessen bewußt, daß er gar vieles gesagt hatte, was nicht schön gewesen war, setzte sich wieder in seinen Wagen und fuhr schweigend zurück.
Nachdem er seinen Zorn über jene beiden ausgeschüttet hatte, folgte kein neuer Anfall mehr; die Augen ein wenig zusammenkneifend hörte Kutusow an, wie sich die einzelnen rechtfertigten und verteidigten (Jermolow selbst ließ sich vor ihm erst am folgenden Tag blicken), und wie Bennigsen, Konownizyn und Toll darauf drangen, daß dieselbe Bewegung, die jetzt mißlungen war, am nächsten Tag ausgeführt werden möchte. Und Kutusow mußte wieder seine Zustimmung geben.
VI
Am Abend des folgenden Tages versammelten sich die Truppen an den ihnen bezeichneten Plätzen und rückten in der Nacht aus. Es war eine Herbstnacht mit dunkelvioletten Wolken, aber ohne Regen. Die Erde war feucht, jedoch nicht aufgeweicht, und die Truppen marschierten ohne Geräusch, nur das Klirren der Artillerie war mitunter leise zu hören. Laute Gespräche zu führen, Tabak zu rauchen und Feuer zu schlagen war verboten; die Pferde wurden vom Wiehern zurückgehalten. Die Heimlichkeit des Unternehmens steigerte seinen Reiz noch. Die Mannschaften marschierten in fröhlicher Stimmung. Einige Kolonnen machten halt, in der Meinung, an der richtigen Stelle angelangt zu sein, stellten die Gewehre zusammen und lagerten sich auf der kalten Erde; andere, die Mehrzahl, marschierten die ganze Nacht hindurch, gelangten aber ohne Zweifel nicht dahin, wohin sie hätten gelangen sollen.
Graf Orlow-Denisow mit seinen Kosaken (die unbedeutendste Abteilung von allen) war der einzige, der an seinen Bestimmungsort gelangte, und zwar zur richtigen Zeit. Diese Abteilung machte am Rand eines Waldes halt, bei einem Fußweg, der von dem Dorf Stromilowa nach dem Dorf Dmitrowskoje führte.
Vor Tagesanbruch wurde Graf Orlow, der eingeschlafen war, geweckt: man brachte einen Überläufer aus dem französischen Lager zu ihm. Es war ein polnischer Unteroffizier von Poniatowskis Korps. Dieser Unteroffizier setzte auf polnisch auseinander, er sei deswegen übergelaufen, weil man ihn im Dienst gekränkt habe; er hätte schon längst Offizier sein müssen, da er der Tapferste von allen sei, und deshalb habe er jene verlassen und wolle sich nun an ihnen rächen. Er sagte, Murat habe in dieser Nacht sein Lager eine Werst von ihnen entfernt, und wenn man ihm hundert Mann mitgebe, so könne er ihn lebend gefangennehmen. Graf Orlow-Denisow beriet sich mit seinen Kameraden. Das Anerbieten war zu verlockend, als daß man es hätte von der Hand weisen mögen. Alle erboten sich mitzureiten, alle rieten zu einem Versuch. Nach vielem Hin- und Herstreiten und langen Überlegungen wurde beschlossen, Generalmajor Grekow mit zwei Kosakenregimentern sollte mit dem Unteroffizier hinreiten.
»Nun, aber vergiß nicht«, sagte Graf Orlow-Denisow zu dem Unteroffizier, als er ihn von sich ließ: »Hast du gelogen, so lasse ich dich aufhängen wie einen Hund; hast du die Wahrheit gesagt, so bekommst du hundert Dukaten.«
Der Unteroffizier setzte sich, ohne eine Miene zu verziehen und ohne auf diese Ankündigung ein Wort zu antworten, zu Pferde und ritt mit Grekow und dessen Leuten, die sich schnell fertiggemacht hatten, davon. Sie verschwanden im Wald. Graf Orlow trat, nachdem er von Grekow Abschied genommen hatte, aus dem Wald heraus und begann, sich etwas zusammenkrümmend infolge der Kälte des dämmernden Morgens und erregt durch das auf eigene Verantwortung unternommene Wagnis, das feindliche Lager, das jetzt bei der beginnenden Helle undeutlich sichtbar wurde, und die niedergebrannten Wachfeuer zu betrachten. Rechts vom Grafen Orlow-Denisow mußten auf dem freien Abhang sich unsere Kolonnen zeigen. Graf Orlow blickte dorthin; aber trotzdem sie aus weiter Entfernung wahrnehmbar gewesen wären, war nichts von ihnen zu sehen. Im französischen Lager schien es dem Grafen Orlow-Denisow lebendig zu werden, und sein mit sehr guten Augen begabter Adjutant bestätigte ihm dies.