Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
Er sah dorthin, wo Joey saß, und bekam als Antwort einen schnellen, hellen Blick, aus dem die Bewunderung strahlte, die der kleine Junge für seinen Vater hegte. Vielleicht also gab es wenigstens einen, der ihn völlig verstand.
In dem gesamten, ungeheuer ausgedehnten und komplizierten System von Dämmen und Tunnels, Aquädukten und Reservoiren, durch die das Wasser vom Gebirge in die Städte geleitet wurde, war eine ganz bestimmte Verbindungsmuffe der Stahlrohre eines Hauptaquäduktes auf eine verhängnisvolle Weise schadhaft. Schon zur Zeit ihrer Montierung waren gewisse Unvollkommenheiten offenbar geworden. Nun aber war es geschehen, daß damals der Kontrollbeamte gegen Abend jene Stelle passiert hatte, als seine Sinne bereits abgestumpft und sein prüfender Blick getrübt waren.
Es entstand keine große Störung. Die Rohrfolge war durch die Arbeiter eingebaut worden und funktionierte glatt. Kurz vor dem Großen Unheil hatte ein Vorarbeiter bemerkt, daß sich in jener Rohrfolge eine kleine Leckstelle gebildet hatte. Wenn man sie indessen vernietete, würde sie so gut wie neu und sogar noch haltbarer als zuvor sein.
Dann kam jahrelang kein Mensch wieder dort vorbei. Ein kleines Wasserrinnsal, das aus der schadhaften Stelle hervorsickerte, wurde allmählich größer. Selbst im trockenen Sommer zeigte sich eine kleine Grünstelle unter dem tropfenden Rohr; Vögel und andere Kleintiere kamen dorthin und tranken. Und von außen fraß der Rost, und von innen wirkte das Nagen und Schaben des Wassers langsam den Rostflecken entgegen, und Nietstift auf Nietstift lockerten sich in der Stahlhaut.
Fünf Jahre, zehn Jahre — jetzt quoll ein Dutzend feiner Sprühstrahlen aus dem Rohr. Aus der entstandenen Lache trank jetzt das Vieh.
Nach fünf weiteren Jahren rann darunter ein Bächlein hinweg, das einzige, das in jenem trockenen Hügelland auch im Sommer floß. Nun bedeckte sich das Rohr mit dicken Rostschichten und wurde in sich selbst immer schwächer.
Unterhalb der Rohrleitung war der Boden seit langem aufgeweicht und schlammig gewesen, und die Hufe der Tiere hatten bei der Bildung einer kleinen Rinne geholfen. Die Erosion tat das ihrige, und so bildete sich ein Schlammbad, in dem aufgeweichten Boden, auf dem der Betonunterbau ruhte, der die Rohrleitung mit dem schweren Wasserinhalt trug. Als der Unterbau nachgab, lastete das ganze Wassergewicht auf der schon schwach gewordenen Rohrleitung. In dem rostzerfressenen Stahl tat sich ein langer Riß auf; ein breiter Wasserstrom brauste heraus und rauschte nieder in die Schlammrinne. Dieser Strom unterspülte den Unterbau noch mehr, und er senkte sich abermals. Wiederum riß die Rohrleitung, und der daraus hervorbrausende Wasserstrom wurde zum kleinen Fluß.
Gerade als Ish an jenem Abend zu Bett gegangen war, knallte draußen ein Gewehrschuß, so daß er sich im Bett aufrichtete und lauschte. Ein zweiter Schuß knallte, und dann durchhallte Gewehrfeuer die Nacht.
Er fühlte, wie sein Bett leise bebte, als Em neben ihm zu lachen anfing. Er beruhigte sich.
»Jemand hat einen Scherz gemacht!« sagte er.
»Diesmal hast du dich aber schön anführen lassen!«
»Ich habe heute zuviel an die Zukunft gedacht, glaube ich. Ja, vermutlich bin ich heute ein bißchen nervös.«
Das Gewehrfeuer dauerte an; es war eine gute Nachahmung eines Guerilla-Gefechts; doch Ish legte sich wieder hin und versuchte, ruhig zu werden. Er wußte jetzt, was geschehen war. Nachdem alle vom Freudenfeuer weggegangen waren, hatte einer der Jungs sich zurückgeschlichen und ein paar Schachteln Patronen in die heiße Asche geworfen. Als die Umhüllung verbrannt und die Dinger heiß genug geworden waren, da waren sie losgegangen. Wie sehr vielen Scherzen wohnte auch diesem eine gewisse Gefahr inne; doch um diese Jahreszeit war das Gras grün, und so konnte schwerlich ein Brand entstehen. Auch waren die meisten vor dem, was geschehen sollte, gewarnt worden, oder sie wußten ohnehin, was es geben würde, und so hielten sie sich in sicherer Entfernung von der heißen Asche. Im Grunde, so überlegte sich Ish, galt dieser Scherz wohl vor allem ihm, und alle andern hatten darum gewußt.
Nun, wenn dem so war, so war es ihnen geglückt, ihn hinters Licht zu führen. Er fühlte sich verwirrt und verstört, aber aus ernsthafteren Gründen, wie er meinte, als weil er zum Narren gehalten worden war.
»Ja«, sagte er zu Em, »da haben sie wieder mal ein paar Schachteln voll Patronen nutzlos verknallt, und es ist niemand auf der Welt, der weiß, wie Patronen hergestellt werden! Und wir leben hier in einer Gegend, die von Berglöwen und wilden Stieren bedroht ist, und Patronen sind das einzige Mittel, sie in ihren Grenzen zu halten; und was unsre Ernährung betrifft, so verstehen wir Rinder, Kaninchen und Wachteln nur zu töten, indem wir sie schießen.«
Em schien darauf nichts zu antworten zu haben, und in der Gesprächspause überlegte Ish verdrossen, was bei dem Freudenfeuer wohl vor sich gegangen war. Der Holzstoß war riesengroß aus zersägten Brettern errichtet worden, die aus dem Sägewerk stammten, und dazwischen waren Kartons und Klosettpapier gehäuft worden, das besonders gut brannte, des Lochs in der Mitte der Rolle wegen. Überdies waren Haufen von Streichholzschachteln hineingeworfen worden, weil sie so schön hell aufflammten, und außerdem Kanister voll Alkohol und Waschbenzin, zur Steigerung des Vergnügens. Wenn man all die Stoffe hätte kaufen und mit Geld bezahlen müssen, so würde das Freudenfeuer in den Alten Zeiten gut und gern zehntausend Dollar gekostet haben; gegenwärtig aber hätte das Material als noch sehr viel wertvoller angesehen werden müssen, weil es unersetzlich war.
»Ärgere dich nicht, Liebster«, hörte er ihre Stimme sagen. »Es ist Zeit zum Schlafen.«
Er rückte neben sie und lehnte den Kopf an ihre Brust; wie stets schienen von ihr Kraft und Vertrauen auszugehen.
»Ich ärgere mich gar nicht so sehr, glaube ich«, sagte er. »Vielleicht freue ich mich im Grunde sogar darüber, wenn ich einigermaßen trübe Gedanken für die Zukunft hege; denn wir leben recht gefährlich.«
Wiederum lag er eine Weile still und sagte nichts; dann fuhr er fort, laut zu denken.
»Erinnerst du dich, daß ich schon seit längerer Zeit immerfort sage, wir müßten schöpferisch leben und nicht wie die Straßenräuber? Das bekommt uns nicht. Nicht wahr, etwas Ähnliches habe ich schon um die Zeit gesagt, da Jack geboren wurde?«
»Ja, ich weiß es noch. Du hast es häufig gesagt, und dennoch erscheint es einem auf die eine oder andere Weise leichter, damit fortzufahren, Konservendosen aufzumachen, solange noch haufenweise Konservendosen in den Läden und Warenhäusern liegen.«
»Aber damit ist es eines Tages zu Ende. Und was soll dann werden?«
»Ja, meiner Meinung nach müssen die Menschen, die dann leben, das Problem auf ihre Art lösen … Ach, Liebster, ich habe mir immer gewünscht, du möchtest dir darüber nicht den Kopf zerbrechen. Die Sache sähe ganz anders aus, wenn du viele Menschen um dich hättest, die wie du wären, die sich Gedanken über alles machen. Aber es stehen dir ja nur ganz gewöhnliche Menschen zur Verfügung, wie Ezra und George und ich. Und wir denken nun mal nicht wie du. Darwin, hieß er nicht so?, hat gesagt, wir stammten alle von Affen oder so was Ähnlichem ab, und ich glaube, Affen und dergleichen haben sich nie Gedanken um die Zukunft gemacht. Wenn wir von Bienen oder Ameisen abstammten, hätten wir vielleicht vorausgeplant, oder wir hätten vielleicht sogar wie die Eichhörnchen Nüsse für den Winter aufgespeichert.«
»Ja, das könnte sein. Aber in den Alten Zeiten haben die Menschen sich Gedanken über die Zukunft gemacht. Das kannst du aus der Art und Weise ersehen, wie sie die Zivilisation aufgebaut haben.«