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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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»Ingrey, ich war dreizehn Jahre alt und verängstigt! Allein die Vorstellung, man könnte mir antun, was sie mit Euch gemacht haben, wenn meine Heimsuchung entdeckt wird! Ich habe nicht geglaubt, dass ich es überleben könnte. Ich war nie so stark wie Ihr. Der bloße Gedanke an Leiden, wie Ihr sie erdulden musstet, hat mich in Grauen versetzt. Es um jeden Preis zu verheimlichen, schien mir die einzige Hoffnung zu sein.

Als ich mich davon überzeugt hatte, dass ich nicht den Verstand verliere, und neuen Mut fasste, da wart Ihr bereits fort, aus dem Weald vertrieben von Eurem peinlich berührten Onkel. Und wie hätte ich Kontakt aufnehmen können? Mit einem Brief? Er wäre gewiss abgefangen und gelesen worden, von Euren Hütern oder den meinen.« Er atmete tief durch und brachte seine zittrige Stimme wieder zur Ruhe, bevor sie sich überschlug. »Wie eigentümlich, dass wir uns nun so aneinander gebunden wiederfinden. Wisst Ihr, wir könnten alle gemeinsam brennen. Rücken an Rücken an Rücken.«

»Ich nicht«, beteuerte Ingrey und verfluchte sich für den nervösen Unterton in seiner Stimme. »Ich habe einen Dispens der Kirche.«

»Dieselben Autoritäten, die eine solche Gnade gewähren, können sie auch widerrufen«, wandte Wenzel düster ein. »Dann Ijada und ich. Nicht die Art von Nähe, von Angesicht zu Angesicht, die meine Frau gefürchtet hat, aber doch eine Art heilige Vereinigung.«

Ijada zuckte bei dieser Bemerkung nicht zusammen, blickte Wenzel aber mit angespannter Aufmerksamkeit und gerunzelter Stirn an. Schätzte sie etwa einen Mann neu ein, den sie zu kennen geglaubt hatte, von dem sie nun aber erfuhr, dass sie rein gar nichts von ihm wusste? Wie ich auch?

Wenzel wandte seine Aufmerksamkeit den schmuddeligen Verbänden an Ingreys Handgelenken zu. »Was ist denn mit Euren Händen passiert?«

»Ich bin über einen Tisch gestolpert. Dabei habe ich mich an einem Tranchiermesser geschnitten«, erwiderte Ingrey so beiläufig er konnte. Aus den Augenwinkeln nahm er Ijadas neugierigen Blick wahr und betete darum, dass sie es nicht für nötig erachtete, die ganze Geschichte zu erzählen. Noch nicht jedenfalls.

Stattdessen fragte sie den Grafen: »Was habt Ihr für ein Tier? Wisst Ihr das?«

Er zuckte die Achseln. »Ich habe stets angenommen, es wäre ein Pferd, wegen der Rossfluten. Das schien mir plausibel, so weit man das bei solch einer Sache überhaupt sagen kann.« Er tat einen tiefen Atemzug, und seine kühlen, blauen Augen fixierten sie. »Es gab schon seit Jahrhunderten keine Totemkrieger mehr im Weald, wenn nicht an verborgenen Zufluchtsorten irgendwelche Überreste überdauert haben. Jetzt gibt es hier drei neu geschaffene, nicht nur in derselben Generation, sondern sogar im selben Raum. Bei Ingrey und mir habe ich längst schon vermutet, dass wir von derselben Art sind. Aber Euch, Lady Ijada … Euch verstehe ich nicht. Ihr passt nicht in das Muster. Ich würde Euch dringend anraten, Ingrey, den verschwundenen Zauberer zu suchen. Zumindest mag es den Prozess gegen Ijada aufhalten, wenn man noch einem so bedeutsamen Zeugen nachspüren muss.«

»Das wäre schon mal gut«, stimmte Ingrey bereitwillig zu.

In einer Geste des Unbehagens breitete Wenzel die Hände auf der Tischplatte aus. »Unser aller Schicksal liegt nun in den Händen des anderen. Ich wähnte mein Geheimnis bei Euch sicher, Ingrey, aber nun sieht es so aus, als hättet Ihr einfach nichts davon gewusst. Ich bin schon seit so langer Zeit allein. Es fällt mir schwer, jetzt wieder Vertrauen zu fassen.«

Ingrey konnte sich dem nur anschließen.

Wenzel lockerte die Schultern und zuckte zusammen, als würde es ihm wehtun. »Nun, ich muss mich noch ein wenig erfrischen und meinem verstorbenen Schwager die Ehre erweisen. Ganz nebenbei — wie habt Ihr seine Überreste für die Reise präpariert?«

»Ich habe ihn in Salz gelegt«, erklärte Ingrey. »Auf Burg Keilerkopf gab es einen reichhaltigen Vorrat, um Wild einzupökeln.«

Ein Ausdruck düsterer Heiterkeit huschte über Wenzels Gesicht. »Wie unverblümt Ihr es ausdrückt.«

»Ich habe ihm jedenfalls nicht das Fell abgezogen und ihn ausgeweidet. Also ist er wohl nicht ganz so haltbar wie das Wild.«

»Dann ist es ja ein Segen, dass es nicht wärmer ist. Aber anscheinend dürfen wir nicht lange säumen.« Wenzel seufzte, stützte sich mit beiden Händen am Tisch ab und kam müde auf die Beine. Einen Augenblick schien die Finsternis seiner Seele auszugreifen und Ingrey zu treffen wie ein Schlag. Dann war er einfach nur wieder ein müder junger Mann, der allzu früh mit allzu gefahrvollen Bürden beladen worden war. »Wir werden noch einmal miteinander reden.«

Der Graf trat auf die Veranda, wo seine Gefolgsleute achtsam aufsprangen und ihn zum Tempel begleiteten. In der Tür zur Gaststube berührte Ingrey Ijada am Arm. Mit fest zusammengekniffenen Lippen wandte sie sich zu ihm um.

»Was haltet Ihr von Wenzels Tier?«, fragte er sie verstohlen.

»Um die Gelehrte Hallana zu zitieren: Wenn das ein Hengst ist, bin ich die Königin von Darthaca«, erwiderte sie flüsternd, blickte auf und schaute ihm in die Augen, ruhig und eindringlich. »Euer Wolf hat nicht viel Ähnlichkeit mit einem Wolf. Und sein Pferd hat nicht viel Ähnlichkeit mit einem Pferd. Aber eines will ich Euch sagen, Ingrey: Einander gleichen sie sich sehr

Kapitel Acht

Ingrey ging wieder nach oben auf sein Gemach und packte die Satteltaschen. Dann hielt er nach Gesca Ausschau. Die Ausrüstung seines Truppführers lag nicht mehr in der Ecke der Gaststube. Ingrey folgte der matschigen Straße durch Mittelstadt — das seiner Ansicht nach besser Mitteldorf heißen sollte — bis zu dem kleinen hölzernen Tempelgebäude, in der Hoffnung, Gesca dort anzutreffen. Er dachte schon darüber nach, in welchem der halben Dutzend Ställe des Ortes, die sie für ihre Pferde und ihre Ausrüstung requiriert hatten, er Gesca vielleicht antreffen könnte, aber diese Überlegungen erwiesen sich als unnötig. Gesca stand im Schatten des breiten Tempelvordachs und sprach dort mit dem Grafen von Rossfluten.

Gesca blickte zu Ingrey auf, zuckte zusammen und verstummte. Wenzel nickte ihm nur knapp zu.

»Ingrey«, sagte Wenzel. »Wo sind Ritter Ulkra und der Rest von Bolesos Gefolge jetzt? Noch immer auf Burg Keilerkopf? Oder folgen sie Euch? «

»Sie kommen hinterher, zumindest habe ich es ihnen so aufgetragen. Ich weiß allerdings nicht, wie schnell. Ulkra hat in Ostheim nicht viel Gutes zu erwarten.«

»Nun, egal. Bis ich die Muße finde, mich ihrer anzunehmen, werden sie zweifellos auch eingetroffen sein.« Er seufzte. »Meine Pferde bedürfen ein wenig der Ruhe. Bereitet doch bitte unseren Aufbruch für die Mittagsstunde vor. Wir sollten trotzdem in der Lage sein, Ochsauen noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen.«

»Gewiss, Herr«, erwiderte Ingrey förmlich und wandte sich Gesca zu, der unglücklich dreinblickte. Wenzel winkte zum Abschied und verschwand im Tempel.

»Und was hatte Graf Rossfluten mit dir zu bereden?«, wollte Ingrey leise von Gesca wissen, während sie erneut die Straße entlang gingen.

»Er ist nicht sonderlich zufrieden. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie übel es aussähe, wenn er seinen Schwager tatsächlich gemocht hätte. Aber es ist offensichtlich, dass er über dieses Durcheinander sehr ungehalten ist.«

»So viel habe ich bereits mitbekommen.«

»Trotzdem ist er ein beeindruckender junger Mann, auf seine Art. Trotz seines Aussehens. Das habe ich mir schon bei Prinzessin Faras Hochzeit gedacht.«

»Warum?«

»Hm. Es war nicht so, dass er etwas Besonderes getan hätte. Er hat einfach nie …«

»Hat nie was?«

Gesca verzog den Mund. »Ich … es lässt sich nur schwer ausdrücken. Er hat nie einen Fehler gemacht, wirkte nie unsicher, war nie zu spät oder zu früh … und nie betrunken. Es ist nur ein Eindruck, der sich im Laufe der Zeit allmählich aufdrängt. Eindrucksvoll trifft es wohl am besten. In gewisser Weise erinnert er mich an Euch, wenn man auf den Verstand schaut und nicht auf die Muskeln.« Gesca zögerte und verzichtete dann umsichtigerweise darauf, diesem Vergleich tiefer in den Abgrund zu folgen.

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