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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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»Wenn ich mehr darüber zu berichten hätte, wäre es meine Pflicht, Lord Hetwar als Erstem davon zu erzählen.«

Wenzel hob die Augenbrauen. »Ach, ist das so? Als Erstes, aber … noch nicht jetzt? Zufällig habe ich Eure Briefe an Hetwar zu lesen bekommen. Die Zahl der Dinge, die nicht darin erwähnt waren, ist durchaus bemerkenswert, wie sich allmählich zeigt. Zauberinnen, eigenartiger Lärm. Halbes Ertrinken. Euer romantischer Stellvertreter Gesca ist sogar der Ansicht, Ihr hättet Euch verliebt, was ebenfalls — wenn auch verständlicherweise — in Euren Schreiben nicht erwähnt wird.«

Ingrey errötete. »Briefe können verloren gehen. Oder in falsche Hände geraten.« Er funkelte den Grafen an.

Wenzel öffnete den Mund, schloss ihn wieder. Dann war er eine Weile mit seinem Pferd beschäftigt, während er und Ingrey sich trennten und einem morastigen Wegstück auswichen. Als sie wieder Seite an Seite ritten, meinte Wenzeclass="underline" »Ich bitte um Vergebung, wenn ich unziemlich neugierig erscheine. Aber ich habe viel zu verlieren.«

Mit vorgetäuschtem Leichtmut erwiderte Ingrey: »Wohingegen ich bereits alles verloren habe. Kurgraf.«

Wenzel legte eine Hand aufs Herz, um den Treffer zu bestätigen. Aber ruhig fügte er hinzu: »Ich habe auch an eine Frau Gemahlin zu denken.«

Nun war Ingrey an der Reihe, verlegen zu verstummen. Nur weil Wenzels Heirat arrangiert war — und bisher kinderlos —, bedeutete das nicht notwendigerweise, dass sie ohne Zuneigung war. Sowohl von der einen wie von der anderen Seite. Genau genommen verriet Prinzessin Faras Verrat an ihrer Zofe eine glühende, verzweifelte Eifersucht, die nicht eben von gelangweilter Gleichgültigkeit zeugte. Und eine Tochter des Geheiligten Königs musste für einen unansehnlichen jungen Mann wie Wenzel als besonders gute Partie erscheinen, trotz seines eigenen hohen Standes.

»Außerdem«, fügte Wenzel wieder lockerer hinzu, »ist es ein überaus qualvoller Tod, lebendig verbrannt zu werden. Ich kann nur davon abraten. Ich glaube, dieser verschwundene Zauberer könnte uns allein schon in dieser Hinsicht beide in Gefahr bringen. Er weiß eine Menge, was er nicht wissen sollte. Wir sollten ihn zuerst aufspüren. Wenn sich herausstellt, dass er nicht über Informationen verfügt, die mich selbst in Verlegenheit bringen könnten, werde ich ihn anschließend mit dem größten Vergnügen an Hetwar übergeben.«

Und wenn dieser Zauberer tatsächlich eine Gefahr für ihn darstellte, was hatte Wenzel dann vor? Und, bei den fünf Göttern, wie? »Selbst wenn man all meine anderen Verpflichtungen außer Acht lässt — das wäre keine Festnahme, die ich zuwege bringen könnte, auf eigene Faust oder anders.«

»Und wenn Ihr das könntet? Würde es Euch nicht reizen, im Vorhinein selbst zu prüfen, was es auf diesem Wege in Erfahrung zu bringen gibt?«

»Wozu?«

»Zum Überleben.«

»Ich überlebe.«

»Das habt Ihr bisher. Aber Euer kirchlicher Dispens hängt zum Teil von einer sichernden Leine ab, die nun zerrissen ist.«

Argwöhnisch blickte Ingrey ihn an. »Wie das?«

Wenzels Lippen verzogen sich zu einem schmalen Lächeln. »Ich könnte es allein schon daraus erschließen, wie sich Eure Wahrnehmung von mir so plötzlich gewandelt hat. Aber das muss ich gar nicht: Ich kann es sehen! Euer Tiergeist liegt ruhig in Eurem Innern, doch allein aus langjähriger Gewohnheit. Nichts bindet ihn noch, abgesehen von dem Umstand, dass Ihr ihn nicht anruft. Früher oder später werdet Ihr auf einen Geistlichen stoßen, der mit feinen Sinnen gesegnet ist und es bemerken wird. Oder Ihr selbst lasst Euch einen Schnitzer zuschulden kommen und verratet Euch.« Er sprach leise und eindringlich. »Ihr müsst nicht unbedingt Eure Hand abschneiden, wenn Ihr Eure Faust fürchtet, Ingrey. Es gibt andere Möglichkeiten.«

»Woher wisst Ihr das?«

Wenzel zögerte diesmal länger, ehe er weitersprach. »Die Bibliothek auf Burg Rossfluten ist ein bemerkenswerter Ort«, setzte er ausweichend an. »Viele meiner Vorfahren haben altes Wissen gesammelt, und zumindest einer von ihnen war ein Gelehrter von Rang. Dort ruhen Schriften, von denen ich mir sicher bin, dass es sie nirgendwo anders noch zu finden gibt. Einige davon sind viele Jahrhunderte alt. Dinge, die die Kirchenleute des alten Audar ohne Zögern verbrannt hätten. Die erstaunlichsten Augenzeugenberichte — ich werde Euch bei Gelegenheit die eine oder andere Anekdote erzählen. Genug jedenfalls, um selbst einen nicht allzu lesefreudigen Jungen mitunter zu fesseln. Und ihn später … so verzweifelt weiterlesen zu lassen, als hinge sein Leben davon ab.« Er blickte Ingrey in die Augen. »Ihr seid Eurer so genannten Heimsuchung begegnet, indem Ihr nicht einmal vor Euch selbst eingestehen wolltet, was Ihr seid. Ich habe mich meiner gestellt und sie umarmt. Wer von uns beiden, meint Ihr, hat es inzwischen besser unter Kontrolle?«

Ingrey stieß die Luft aus. »Ihr gebt mir vieles, worüber ich nachdenken muss, Wenzel.«

»So denkt darüber nach. Aber wendet Euch nicht wieder von dem Wissen ab, das Euch helfen kann, Euer Schicksal besser zu verstehen. Darum möchte ich Euch bitten.« Sanfter fügte er hinzu: »Wendet Euch nicht von mir ab.«

Gewiss nicht. Ich würde niemals wagen, Euch den Rücken zuzukehren. Er bedachte Wenzel mit einem vieldeutigen Gruß.

Der Leichenzug gelangte an eine steinige Furt. Zum Glück stand das Wasser hier nicht so hoch wie bei dem beinahe katastrophal verlaufenen Übergang am ersten Tag. Ingrey konzentrierte sich ganz darauf, alle sicher hinüberzubringen. Eine Meile weiter blieb die Kutsche beinahe in einem Schlammloch stecken, und dann lahmte das Reittier eines Wachsoldaten, das ein Hufeisen verloren hatte. Schließlich, als sie anhielten, um die Pferde zu tränken, kam es zu einem offenen Streit zwischen zwei von Bolesos Gefolgsleuten. Es war eine persönliche Auseinandersetzung, die offenbar schon länger geschwelt hatte und nun zum Ausbruch kam. Ingreys übliche Drohungen reichten so gerade eben, um sie im Zaum zu halten. Als er sich von den beiden getrennten Kontrahenten abwandte, war er blass vor Sorge bei dem Gedanken daran, was beim nächsten Mal geschehen konnte, falls die Drohung allein nicht mehr ausreichte und er zum Handeln gezwungen war. Doch zum Glück missdeuteten sie seinen Gesichtsausdruck als Zorn.

Er stieg wieder aufs Pferd, und sein Antlitz war kreidebleich. Wenzel, so viel musste er zugeben, wusste in dem ganzen Durcheinander seinen Verstand zu gebrauchen. Die gewundene Gesprächsführung des Grafen vermittelte Ingrey den Eindruck, als würden sie beide einen Fechtkampf in der Finsternis austragen und mit den Klingen nach unsichtbaren Zielen stoßen. Beide verbargen gefährliche Geheimnisse voreinander, oder enthüllten sie einander, fintierten und parierten … zu gleichen Teilen? Ich glaube, Wenzel verbirgt mehr. Um der Gerechtigkeit die Ehre zu erweisen: Wenzel schien auch derjenige zu sein, der mehr preisgab.

Ingrey hatte bisher den eigenartigen Bann, der ihm auferlegt worden war, für seine drängendste Sorge gehalten. Der Gedanke, dass Wenzels altes Wissen ihm in dieser Hinsicht wertvolle Hinweise geben mochte, wirkte zweifach stimulierend: Es bedeutete möglicherweise, dass Ingrey auf einen Verbündeten hoffen konnte. Genauso legte es aber auch nahe, dass Ingrey hier seinem verborgenen Feind gegenüberstand. Was sonst sollte er davon halten, dass ein abtrünniger Zauberer für Wenzel anscheinend nur eine kleinere Unannehmlichkeit darstellte, um die man sich beiläufig kümmern konnte? Er blickte zur Spitze des Zuges, wo Wenzel nun wieder außer Hörweite ritt und einen von Bolesos Männern befragte. Dieser Wachsoldat war ein hünenhafter Kerl, der allerdings so sehr die Schultern hängen ließ, als wolle er sich kleiner machen.

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