Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
„Unglücklich? Ich bin es im höchsten Grad!“ versicherte er rasch.
„In diesem Augenblick?“ lächelte sie.
„Oh, ganz gewiß, auch für immer.“
„Nein, dazu ist Ihr Gemüt zu elastisch.“
„Gemüt? Elastisch? Cousine, ich versichere Ihnen, daß ich in diesem Augenblick gar kein Gemüt mehr habe. Oh, mein Herz ist total gebrochen.“
Da ließ sie, trotzdem sie krank war, ein helles, silbernes Lachen hören.
„Dieses arme Herz“, scherzte sie im Ton des Bedauerns. „Ich hoffe jedoch, daß es zu reparieren sein wird.“
Da trat er einen Schritt zurück und fragte mit finsterem Stirnrunzeln:
„Machen Sie sich etwa über mich lustig?“
Jetzt legte ihm Frau Richemonte beruhigend die Hand auf den Arm.
„Bitte, nehmen Sie diese Angelegenheit nicht so sehr tragisch“, bat sie ihn.
„Aber sie ist ganz und gar nicht komisch“, antwortete er. „Bei einem gebrochenen Herzen von Reparatur zu sprechen, das ist gelinde ausgedrückt, gefühllos.“
„Nicht ganz, lieber Cousin.“
„Oder maliziös!“
„Das noch weniger. Margot wird sich nicht irren, wenn sie annimmt, daß die Konstitution Ihres Herzens eine stärkere sei, als Sie selbst denken und glauben.“
„Das muß sich erst finden. Also Margot hat wirklich einen Bräutigam?“
„Ja.“
„Seit wann?“
„Seit geraumer Zeit bereits.“
„Also schon in Paris?“
„Ja.“
„Das beruhigt mich einigermaßen. Hätte sie hier einen anderen außer mir lieben gelernt, so würde dies die größte Ehrenkränkung für mich sein. Da sie jedoch ihr Herz verschenkt hat, ehe sie mich kennen lernte, so bin ich ja gar nicht beleidigt worden. Zu beklagen ist es aber auf jeden Fall; denn wir wären sehr glücklich miteinander gewesen.“
Die letzten Worte des Barons wurden mit einer solchen Überzeugung gesprochen, daß selbst Frau Richemonte nicht ganz ernsthaft bleiben konnte.
„Ich bin überzeugt davon“, sagte sie unter einem nicht ganz zu verbergenden Zucken ihrer Mundwinkel.
„Ja, gewiß. Aber wer ist denn eigentlich dieser Bräutigam?“
Die beiden Damen blickten sich an. Es kam ihnen zu gleicher Zeit der Gedanke, daß es jetzt wohl nicht ganz geraten sei, diese Frage zu beantworten. So gutmütig und leicht getröstet der Baron auch war, er befand sich doch unter dem ersten Einfluß einer zurückgewiesenen Werbung und konnte dies keinem Nebenbuhler entgelten lassen. Königsau konnte dadurch in Gefahr kommen.
„Erlauben Sie, dies jetzt noch als Geheimnis zu behandeln“, bat darum Frau Richemonte.
„Warum?“
„Familienrücksichten –“
„Ah! Gut! Aber sagen Sie wenigstens, was er ist!“
„Offizier!“
„Das dachte ich mir! Franzose?“
„Nein; er ist ein Deutscher.“
„Das lasse ich eher gelten. Ich danke für die Auskunft. Weiß Mama bereits davon?“
„Ja.“
„Das ist ja kaum zu glauben. Ich habe bisher geglaubt, es sei ein Wunsch von ihr, Margot und mich vereint zu sehen.“
„Hat sie diesen Wunsch ausgesprochen?“
„Deutlich ausgesprochen nicht, aber sehr verständlich angedeutet.“
„So will ich Ihnen gestehen, daß Ihre Mama erst heute von der Verlobung meiner Tochter gehört hat.“
„Was sagte sie dazu?“
„Sie gratulierte.“
Er kratzte sich leise hinter den Ohren und fragte:
„Da meinen Sie wohl, daß ich auch gratulieren soll?“
Margot antwortete unter einem leisen Lachen:
„Natürlich. Ich erwarte dies ganz bestimmt von Ihnen!“
Er machte ein halb ärgerliches und halb komisches Gesicht und antwortete:
„Das scheint mir denn doch zu viel verlangt.“
„Wohl nicht. Sie sind ja mein Cousin!“
„Ja, aber der Cousin, der soeben einen Korb erhalten hat. Na, ich will nicht ganz und gar unhöflich sein. Ich gratuliere Ihnen also, liebe Cousine.“
„Ich danke!“
Er hatte ihr die Hand geboten, und sie nahm dieselbe an. Sie hielt sie jetzt fest und fragte:
„Zürnen Sie mir, lieber Baron?“
„Nein, obgleich ich eigentlich sollte. Doch jetzt muß ich Sie verlassen. Die hohen Herrschaften werden meiner bedürfen.“
„Was tut der Kaiser?“
„Als ich ihn vorhin verließ, hatte er sich soeben vom Souper zurückgezogen. Er hat sehr wenig gegessen und beorderte die Marschälle für später zu sich.“
Er ging.
Da draußen im anderen Zimmer saß Berta Marmont. Ihr Auge richtete sich mit einem fragend besorgten Blick auf ihn. Er blieb bei ihr stehen, betrachtete sie einen Augenblick lang und fragte dann.
„Warum siehst du so ernsthaft aus?“
Sie erhob sich und antwortete:
„Darf eine Krankenpflegerin lustig sein, Herr Baron?“
„Warum nicht, wenn die Kranke selbst lustig ist.“
„Ah, ist Mademoiselle lustig geworden?“
„Sehr!“
Ihr Auge verdunkelte sich. Wer lustig ist, der muß sich glücklich fühlen, und glücklich fühlt man sich zumeist, wenn man liebt und geliebt wird. Dies war der schnelle Gang ihrer Gedanken. Darum sagte sie:
„Ich beneide Mademoiselle!“
„Warum?“
„Sie ist so glücklich, vergnügt sein zu können.“
„Kannst du denn nicht auch vergnügt sein?“ fragte er sie.
Er legte ihr bei diesen Worten die Spitzen seiner Finger unter das weiche, mit einem allerliebsten Grübchen versehene Kinn; sie aber trat aus dem Bereich seiner Hand zurück.
„Worüber sollte ich mich glücklich fühlen!“ sagte sie.
„Oh, über denselben Gegenstand, worüber sich meine schöne Cousine glücklich fühlt!“
Sie blickte ihn fragend an.
„Errätst du diesen Gegenstand nicht?“ fuhr er fort.
„Nein, Herr Baron.“
„Nun, welch' größeres Glück gibt es denn für eine Dame, als einen Bräutigam?“
Sie erschrak, man sah es ihr an.
„Mademoiselle hat einen Bräutigam?“ fragte sie.
„Ja“, antwortete er.
„Darf ich fragen, wer dies ist?“
„Schelm du!“ antwortete er. „Du glaubst wohl gar, daß ich es bin?“
„Ist das so unmöglich?“
„Ja. Ich kann es nicht sein, da ein anderer es ist.“
Da holte sie tief Atem.
„Sie sind es wirklich, wirklich nicht?“ fragte sie stockend.
„Nein, liebe Berta, ich bin es wirklich nicht, ganz gewiß nicht.“
Da rötete sich ihr schönes Gesichtchen lieblich, und sie fragte:
„Darf ich Ihnen sagen, daß ich Ihnen dies kaum glaube?“
„Warum glaubst du es nicht, kleiner Schelm?“
„Mademoiselle ist so schön.“
„Ja, eben darum hat sie so leicht einen Bräutigam gefunden.“
„Und eben darum werden Sie dieser Bräutigam sein.“
„Ich? Nein. Ich möchte sie nicht, wahrhaftig nicht.“
„Warum, Herr Baron?“
„Sie ist zwar schön, aber sie hat ein hartes Herz.“
„So ist sie hartherzig gegen Sie gewesen?“
„Ich habe ihr keine Veranlassung dazu gegeben. Übrigens sage ich zwar, daß ich sie für schön halte, aber die Schönste ist sie noch lange nicht. Ich kenne eine, welche mir noch tausendmal besser gefällt.“
Sie schwieg, obgleich sie errötete. Darum fuhr er fort:
„Nun, Berta. Du fragst nicht, wer das ist?“
„Ich darf mir eine solche Frage ja gar nicht erlauben, Herr Baron.“
„Warum nicht? Gerade du hast das meiste Recht, diese Frage auszusprechen, denn du bist diejenige, welche ich meine!“