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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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Familie. Sie flüsterte das Wort im Geiste. Die Familie, die ich gesucht habe. Ist es möglich? Bin ich wirklich die Enkelin dieser Königin, bin ich selbst eine Elessedil?

»Erzähle mir alles übrige von deiner Reise nach Arborlon«, sagte die Königin weich, »und ich werde dir erzählen, was du so dringend wissen willst. Laß dich durch Eowen nicht stören. Eowen weiß bereits alles, was wichtig ist.«

Also berichtete Wren den Rest von dem, was ihr auf ihrer Reise begegnet war, von dem Wolfswesen, das ein Schattenwesen gewesen war, und von der Entdeckung der Wahrheit der bemalten Steine, die ihre Mutter ihr als Kind gegeben hatte. Als sie geendet hatte, als sie ihnen alles erzählt hatte, legte sie schutzsuchend ihre Arme um sich, denn sie fröstelte bei ihren eigenen Worten und den Erinnerungen, die sie hervorriefen. Schließlich erhob sie sich impulsiv und ging zu der Stelle, wo ihre abgelegten Kleider lagen. Sie durchsuchte die zerrissenen Kleidungsstücke hastig und fand die Elfensteine, die noch immer dort steckten, wo sie sie nach Betreten der Stadt verborgen hatte. Sie trug sie zur Königin und hielt sie vor sie hin. »Hier«, bot sie an, »nehmt sie.«

Aber Ellenroh Elessedil schüttelte den Kopf. »Nein, Wren.«

Sie schloß Wrens Finger über den Elfensteinen und führte ihre Hand zu einer Tasche ihres Nachtgewandes. »Du mußt sie für mich aufbewahren«, flüsterte sie.

Zum ersten Mal sprach Eowen Cerise. »Du warst sehr tapfer, Wren.« Ihre Stimme war tief und zwingend. »Die meisten wären nicht in der Lage gewesen, solche Hindernisse zu überwinden. Du bist in der Tat das Kind deiner Mutter.«

»Ich sehe so vieles von Alleyne in ihr«, stimmte die Königin Eowen zu, und ihre Augen schweiften einen Moment in die Ferne. Dann straffte sie sich und richtete ihren Blick erneut auf Wren. »Und du bist tatsächlich tapfer gewesen. Allanon hat recht daran getan, dich auszuwählen. Aber es war vorherbestimmt, daß du kommst. Daher vermute ich, daß er lediglich Eowens Verheißung erfüllt hat.«

Sie sah die Verwirrung in Wrens Augen und lächelte. »Ich weiß, Kind. Ich spreche in Rätseln. Du hast große Geduld mit mir bewiesen, und das war nicht leicht für dich. Du möchtest von deiner Mutter hören und erfahren, warum du hier bist. Nun gut.«

Das Lächeln wurde weicher. »Drei Generationen, bevor ich selbst geboren wurde, beschlossen mehrere Mitglieder der Ohmsfordfamilie, direkte Abkommen von Jair Ohmsford, nach Arborlon auszuwandern. Die Elfen lebten damals ja noch im Westland. Ihre Entscheidung wurde durch den Übergriff der Föderation auf Südlanddörfer wie Shady Vale und den Beginn der Hexenjagd gegen die Magie beeinflußt, jedenfalls sehe ich das so. Es gab drei dieser Ohmsfords, und sie brachten die Elfensteine mit sich. Einer starb kinderlos. Zwei heirateten, aber als die Elfen auszuwandern beschlossen, zog nur einer von ihnen mit ihnen. Der andere, so sagte man mir, ein Mann, kehrte mit seiner Frau nach Shady Vale zurück. Das also waren Par und Coll, Ohmsfords Großeltern. Die Ohmsford, die übrigblieb, war eine Frau, und sie behielt die Elfensteine bei sich.«

Ellenroh hielt inne. »Wie du weißt, wurden die Elfensteine ganz am Anfang von Elfenmagie geformt und konnten nur von jenen benutzt werden, die Elfenblut besaßen. Das Elfenblut war aber in den Jahren seit dem Tode von Brin und Jair bei den Ohmsfords kaum noch spürbar, so daß die Steine keinen besonderen Nutzen für die Ohmsfords besaßen, die sie in ihrer Obhut hatten. Daher beschlossen sie irgendwann und in beiderseitigem Einverständnis, daß die Steine denjenigen wieder zurückgegeben werden sollten, die sie gestaltet hatten – oder deren Nachkommen, wie ich eher vermute. Als also die drei, die aus Shady Vale gekommen waren, heirateten und ihr neues Leben begannen, war es für sie nur natürlich, daß sie beschlossen, daß die Elfensteine, die eine Pflegschaft der Ohmsfordfamilie seit den Tagen ihres Vorfahren Shea waren, bei den Elfen bleiben sollten, egal was aus ihnen selbst wurde.«

»Auf jeden Fall verschwanden die Elfensteine zusammen mit den Elfen, und ich sollte wohl auch darüber ein oder zwei Worte verlieren.« Sie schüttelte bei der Erinnerung den Kopf. »Unsere Leute waren schon seit Jahren immer weiter in die Westlandwälder zurückgewichen. Sie waren von den anderen Rassen immer mehr isoliert worden, als sich die Föderation immer mehr nach Norden ausbreitete. Einiges davon geschah durch ihr eigenes Dazutun, aber es war auch in gleichem Maße das Ergebnis der Auffassung, daß die Elfen anders seien und daß es nicht gut sei, anders zu sein. Das Koalitionskonzil der Föderation hatte diese Meinung gefördert, und sie hatte sich ausgebreitet. Die Elfen waren immerhin die Nachkommen der Feen und nicht wirklich Menschen. Die Elfen wußten mit der Magie umzugehen, die die Welt seit der Zusammenkunft des Ersten Konzils in Paranor gestaltet hatte, und niemand hatte jemals der Magie oder denen, die sie benutzten, sonderlich getraut. Als die Wesen, die du Schattenwesen nennst – wobei es damals noch keinen Namen für sie gab –, auftauchten, war die Föderation schnell bereit, die Schuld dafür, daß das Land zu kränkeln begann, den Elfen zuzuschreiben. Immerhin war dort die Magie entstanden, und war es nicht die Magie, die all diese Probleme verursacht hatte? Wenn nicht, warum waren dann die Elfen und ihre Heimat nicht auch davon betroffen? Es summierte sich alles immer mehr, wie solche Dinge das nun einmal tun, bis unsere Leute schließlich genug hatten. Die Entscheidung war einfach. Es gab nur die Alternative, sich der Föderation entgegenzustellen, was bedeutet hätte, ihnen den Krieg zu gewähren, den sie so bewußt suchten, oder einen Weg zu finden, dem allen völlig auszuweichen. Krieg war keine erstrebenswerte Perspektive. Die Elfen hätten dem stärksten Heer der Vier Länder vollkommen allein gegenübergestanden. Callahorn war bereits vereinnahmt und das Freicorps aufgelöst worden, die Trolle waren als Stamm so schwer einzuschätzen wie eh und je, und die Zwerge zögerten, sich auf sie einzulassen.

Also beschlossen die Elfen einfach, das alles hinter sich zu lassen, in ein neues Gebiet auszuwandern, sich neu anzusiedeln und die Föderation auflaufen zu lassen. Diese Entscheidung dafür fiel nicht so schnell. Viele wollten bleiben und kämpfen, genauso viele hielten es für besser, erst einmal abzuwarten. Immerhin war es ihre Heimat, die sie verlassen sollten, der Geburtsort aller Elfen nach den verheerenden Umwälzungen der Großen Kriege. Aber nach langen Auseinandersetzungen stimmten alle zu, daß es am besten sei, zu gehen. Die Elfen hatten schon mehrfach einen ähnlichen Aufbruch überlebt. Sie hatten immer wieder eine neue Heimat gefunden. Sie hatten die Kunst, scheinbar zu verschwinden, perfektioniert, während sie tatsächlich immer noch da waren.«

Sie seufzte. »Das war vor langer Zeit, Wren, und ich war nicht dabei. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, was ihre Gründe waren. Der Aufbruch fand statt. Er begann als ein langsames Zusammenziehen von Elfen aus allen Winkeln des Westlandes, so daß viele Dörfer einfach aufhörten zu existieren. In der Zwischenzeit hatten die Flugreiter diese Insel gefunden, die den Bedürfnissen der Elfen vollkommen entsprach. Morrowindl. Als beschlossen war, daß sie hierher ziehen würden, setzten sie den Zeitpunkt fest und verschwanden einfach.«

Sie schien zu überlegen, ob sie weitere Erklärungen abgeben sollte, schüttelte dann aber den Kopf. »Genug davon, wie wir hierher gekommen sind. Wie ich bereits gesagt habe, blieb eine der Ohmsfords bei ihnen. Zwei Generationen vergingen, in denen Kinder geboren wurden, und dann heiratete meine Mutter den König der Elessedils, und die Ohmsford- und Elessedilfamilien verschmolzen. Erst wurde ich geboren und später mein Bruder Asheron. Mein Bruder sollte König werden, aber er wurde von den Dämonen getötet – er war einer der ersten, die sterben mußten. Statt dessen wurde ich dann Königin. Ich heiratete, und deine Mutter wurde geboren, Alleyne, mein einziges Kind. Schließlich töteten die Dämonen auch meinen Mann. Alleyne war alles, was mir geblieben war.«

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