Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Zwei Frauen traten aus den Schatten. Die auffallendere der beiden war klein und schlank, hatte flammend rotes Haar, hell durchscheinende Haut und große grüne Augen, die in ihrem seltsam dreieckigen Gesicht auffielen. Aber es war die andere Frau, die größere der beiden, die Wrens Aufmerksamkeit sofort auf sich zog, so daß sie aufsprang, ohne daß ihr überhaupt bewußt wurde, daß sie aufgestanden war, und die sie schnell und erschreckt atmen ließ. Ihre Augen trafen sich, und die Frau verlangsamte ihren Schritt, während ein seltsamer Ausdruck ihr Gesicht zu überziehen begann. Sie hatte lange, schlanke Beine und trug ein Kleid, das bis zum Boden reichte und um ihre schmale Taille zusammengehalten wurde. Ihre Elfenzüge waren fein gemeißelt, mit hohen Wangenknochen und einem breiten, dünnen Mund. Ihre Augen waren sehr blau, und sie hatte flachsfarbenes Haar, das sich auf die Schultern hinabringelte und vom Schlaf zerzaust war. Ihre Gesichtshaut war glatt, wodurch sie ein jugendliches, beinahe altersloses Aussehen bekam.
Wren sah die Frau ungläubig blinzelnd an. Die Farbe der Augen stimmte nicht, und der Haarschnitt war anders, und sie war größer, und ein Dutzend kleiner Merkmale waren anders, aber die Ähnlichkeit war dennoch unverkennbar.
Wren sah sich selbst, wie sie wohl in dreißig Jahren aussehen würde.
Ein Lächeln erschien ohne Vorwarnung auf dem Gesicht der Frau, ganz plötzlich, strahlend und überströmend. »Eowen, sieh nur, wie sehr sie Alleyne gleicht!« rief sie der rothaarigen Frau zu. »Oh, du hattest recht!«
Sie trat langsam vor, streckte die Hand aus, um Wrens Hände in ihre eigenen zu nehmen, und vergaß alle anderen. »Wie ist dein Name, Kind?«
Wren sah sie verwirrt an. Es schien irgendwie, als sollte die Frau das eigentlich wissen. »Wren Ohmsford«, antwortete sie.
»Wren«, hauchte die andere. Das Lächeln verstärkte sich noch, und Wren bemerkte, daß auch sie selbst lächelte. »Willkommen, Wren. Wir haben lange Zeit darauf gewartet, daß du nach Hause kommst.«
Wren blinzelte. Was hatte sie gesagt? Sie sah sich hastig um. Garth war zur Statue geworden, die Eule und Triss wirkten teilnahmslos, und die rothaarige Frau sah angespannt und ängstlich aus. Sie fühlte sich plötzlich im Stich gelassen. Das Licht der Öllampen flackerte unruhig, und die Schatten krochen näher.
»Ich bin Ellenroh Elessedil«, sagte die Frau, und ihre Hände drückten Wren fester, »die Königin von Arborlon und den Westlandelfen. Kind, ich weiß kaum, was ich dir sagen soll, selbst jetzt, nachdem ich dich so sehnlich erwartet habe.« Sie seufzte. »Aber was sage ich? Deine Wunden müssen gewaschen und behandelt werden und die deines Freundes ebenfalls. Ihr müßt etwas zu essen bekommen. Und dann können wir die ganze Nacht reden, wenn es sein muß. Aurin Striate.« Sie wandte sich der Eule zu. »Ich bin wieder einmal in Eurer Schuld. Ich danke Euch mit meinem ganzen Herzen. Dadurch, daß Ihr Wren sicher in die Stadt gebracht habt, gebt Ihr mir neue Hoffnung. Bitte bleibt über Nacht.«
»Ich werde bleiben, Mylady«, erwiderte die Eule sanft.
»Triss, achte darauf, daß dein Freund entsprechend versorgt wird. Und auch Wrens Begleiter.« Sie sah ihn an. »Wie lautet Euer Name?«
»Garth«, antwortete Wren sofort. Sie war plötzlich erschreckt durch die Plötzlichkeit, mit der alles geschah. »Er kann nicht sprechen.« Sie straffte sich kampfbereit. »Garth bleibt bei mir.«
Das Geräusch von Stiefeln in der Halle erregte erneut die Aufmerksamkeit von ihnen allen. Ein weiterer Elf erschien, ein ziemlich großer Mann mit dunklen Haaren, eckigem Gesicht, der genauso bereitwillig und mühelos lächelte wie die Königin. Er betrat selbstsicher und kontrolliert im Sturmschritt den Raum. »Was ist hier los? Können wir nicht ein paar Stunden Schlaf ohne neue Krise genießen? Aha, Aurin Striate ist hergekommen, wie ich sehe, direkt aus dem Feuer. Gut gemacht, Eule. Und Triss ist auch hier?«
Er hielt erst jetzt inne und bemerkte Wren. Einen Augenblick lang spiegelte sich Unglauben in seinem Gesicht. Der verging und sein Blick schweifte zur Königin. »Sie ist doch noch zurückgekehrt, nicht wahr?« Sein Blick kehrte zu Wren zurück. »Und genauso hübsch wie ihre Mutter.«
Wren errötete. Sie war sich bewußt, daß sie davon aus der Fassung gebracht war, konnte sich aber nicht helfen. Das Lächeln des Elfs verstärkte sich und machte sie noch nervöser. Er trat schnell zu ihr und legte schützend den Arm um sie. »Nein, nein, bitte, es ist wahr. Du bist vollkommen deine Mutter.« Er drückte sie freundschaftlich. »Wenn auch ein wenig staubig und zerrissen.«
Sein Lächeln nahm sie ein und wärmte sie. Sie fühlte sich augenblicklich erleichtert. Es war, als gäbe es niemand sonst in dem Raum. »Es war eine ziemlich harte Reise vom Strand hier herauf«, brachte sie mühsam heraus und wurde mit seinem schnellen Lachen belohnt.
»In der Tat hart. Nur sehr wenige andere hätten das geschafft. Ich bin Gavilan Elessedil«, belehrte er sie, »der Neffe der Königin und dein Cousin.« Er unterbrach sich, als er ihren verwirrten Blick sah. »Ach, du weißt noch gar nichts davon, nicht wahr?«
»Gavilan, geh und leg dich schlafen«, unterbrach ihn Ellenroh und lächelte ihn an. »Später ist noch Zeit genug, daß du dich vorstellst. Wren und ich haben jetzt etwas zu besprechen, nur wir beide.«
»Was, ohne mich?« Gavilan sah gekränkt aus. »Ich dachte doch, daß du mich einbeziehen wolltest, Tante Ell. Wer stand Wrens Mutter denn näher als ich?«
Die Königin schaute ihn mit festem Blick an. »Ich.« Sie wandte sich erneut Wren zu, schob Gavilan beiseite und stellte sich neben das Mädchen. Ihre Arme legten sich um Wrens Schultern.
»Diese Nacht sollte dir und mir allein vorbehalten bleiben, Wren. Garth wird auf dich warten, bis wir fertig sind. Ich möchte gern, daß zuerst wir miteinander sprechen. Nur wir beide.«
Wren zögerte. Sie erinnerte sich an die Worte der Eule, sie solle nichts von den Elfensteinen sagen, einzig und allein der Königin gegenüber. Sie schaute zu ihm hinüber, aber er sah fort. Die rothaarige Frau indessen sah Gavilan unverwandt mit undurchdringlichem Gesicht an.
Garth weckte ihre Aufmerksamkeit, indem er ihr ein Zeichen machte. Tu, um was sie dich bittet.
Noch immer antwortete Wren nicht. Sie war nahe dran, die Wahrheit über ihre Mutter und über ihre Vergangenheit zu erfahren. Sie war dabei, die Antworten zu entdecken, um derentwillen sie gekommen war. Und plötzlich wollte sie nicht allein sein, wenn es soweit war.
Jedermann wartete. Garth machte erneut Zeichen. Tu es. Der harte, unnachgiebige Garth, der Hüter von Geheimnissen! Wren zwang sich zu einem Lächeln. »Wir werden alleine miteinander sprechen«, sagte sie.
Sie verließen die Eingangshalle, gingen den Gang hinab und eine gewundene Treppe ins zweite Stockwerk des Palastes hinauf. Garth blieb mit Aurin Straite und Triss zurück. Er war offensichtlich unbeeindruckt davon, daß er nicht mit ihr gehen konnte, und zufrieden mit ihrer Trennung, obwohl er wußte, daß es Wren ganz eindeutig nicht so ging. Sie sah, daß Gavilan ihr nachstarrte, sah ihn lächeln und winken und dann in einem anderen Gang verschwinden. Er war ein Kobold, der zu anderen amüsanten Spielen zurückkehrte. Sie mochte ihn instinktiv, genauso wie sie die Eule instinktiv gemocht hatte, aber nicht auf die gleiche Art. Sie war sich noch nicht ganz sicher, worin der Unterschied bestand, denn sie war gegenwärtig noch zu verwirrt von allem, was geschah, als daß sie in der Lage gewesen wäre, ihre Gedanken und Gefühle zu ordnen. Sie mochte ihn, weil er ihr ein gutes Gefühl vermittelte, und das war im Augenblick eigentlich genug.
Trotz der Ermahnung der Königin an die anderen, daß sie mit Wren alleine sprechen wollte, ging ihnen die rothaarige Frau nach. Ihr Gesicht leuchtete geisterhaft weiß aus den Schatten. Wren schaute ein- oder zweimal zu ihr zurück, zu dem seltsam eindringlichen, entfernten Gesicht, zu den großen, grünen Augen, die in anderen Welten verloren schienen, zu dem Flattern schlanker Hände vor einem schlichten, weichen Kleid. Ellenroh schien nicht zu bemerken, daß die andere da war, sondern hastete durch die dunklen Korridore des Palastes auf ihr Ziel zu und verzichtete auf Licht jeglicher Art, außer das des Mondes, das in silbernen Strahlen durch die hohen Glasfenster fiel. Sie gingen einen Gang hinunter, bogen in einen weiteren ein, noch immer im zweiten Stockwerk, und näherten sich schließlich einem Paar Flügeltüren am Ende des Ganges. Wren wich bei einer leisen Bewegung in der Dunkelheit zur Seite aus – bei einer Bewegung, die jemand anders hatte verbergen wollen, die ihr aber nicht entgangen war. Sie verlangsamte bewußt ihren Schritt und wartete, daß ihre Augen sich anpaßten. Ein Elf stand tief in den Schatten an der Wand. Er stand jetzt reglos und aufmerksam.