Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Die Vision wurde schwächer und schien in die Schatten der Nacht zurückzuweichen, als wollte sie sich verbergen. Sie sah, was sie zuvor übersehen hatte – oder was sie in ihrer Aufregung nicht hatte sehen wollen. Die Mauern wimmelten von Elfen in Kampfkleidung mit Waffen in der Hand, und ihre Verteidigungslinien erstreckten sich über die Festungsmauern. Ein Angriff wurde gerade zurückgeschlagen. Der Kampf vollzog sich seltsam ruhig, als habe der Schein der Magie die Geräusche irgendwie gedämpft. Männer fielen. Einige erhoben sich wieder, und einige verschwanden. Auch die Schatten, die angriffen, erlitten Verluste. Einige wurden von dem Licht verbrannt, daß die Funken sprühten und zischten, wie es vielleicht ein verlöschendes Feuer getan hätte, andere wurden von den Verteidigern zurückgeschlagen. Wren blinzelte. Innerhalb ihrer Mauern erschien ihr die Stadt der Elfen auf einmal weniger strahlend und ein wenig heruntergekommen. Die Häuser und Geschäfte waren ein wenig dunkler und auch weniger gut gepflegt, als sie zuerst gedacht hatte, die Bäume und Büsche waren nicht so üppig und die Blumen blasser. Die Luft, die sie atmete, war alles in allem doch nicht so rein – da war ein Hauch von Schwefel und Asche. Hinter der Stadt ragte Killeshan dunkel und drohend auf, und sein Krater glühte blutrot vor dem Nachthimmel.
Sie wurde sich plötzlich der Elfensteine bewußt, die sie noch immer fest umklammert hielt. Ohne auf sie hinabzusehen, ließ sie sie in ihre Tasche gleiten.
»Hier entlang, Wren«, sagte Aurin Striate.
Es gab Wachen an der Tür, durch die sie hereingekommen waren, junge Männer mit harten Gesichtern, entschieden elfischen Zügen und Augen, die müde und alt wirkten. Wren schaute sie an, als sie vorbeiging, und fröstelte. Es war die Art, wie sie sie anschauten. Garth trat dicht neben sie und verdeckte so deren Sicht.
Die Eule führte sie unter den Festungsmauern heraus und über eine ansteigende Rampe über einen Graben, der die Stadt innerhalb ihrer Mauern umschloß. Wren schaute zurück und blinzelte gegen das Licht. Es war kein Wasser in dem Graben. Es schien keinen Sinn zu ergeben, daß man ihn ausgehoben hatte. Er war jedoch eindeutig als eine Art Verteidigungsanlage für die Stadt gedacht. An Dutzenden von Stellen war er von Rampen überspannt, die zu den Mauern führten. Wren sah Garth fragend an, aber der große Mann schüttelte den Kopf.
Ein Weg wurde vor ihnen zwischen den Bäumen sichtbar, der sich ins Zentrum der Stadt wand. Sie begannen, ihn hinabzugehen, waren aber nur ein kurzes Stück weit gekommen, als ein großer Trupp Soldaten vorbeieilte. Er wurde von einem Mann mit so sonnengebleichtem Haar geführt, daß es fast weiß wirkte. Die Eule zog Wren und Garth in die Schatten, und der Mann ging vorbei, ohne sie zu sehen.
»Phaeton«, sagte die Eule und schaute ihm nach. »Der Gesalbte der Königin auf dem Schlachtfeld, ihr Erretter vor den dunklen Wesen.« Er sagte es ironisch und lächelte nicht. »Der schlimmste Alptraum eines Elfenjägers.«
Sie gingen schweigend weiter und wandten sich bald von dem Weg ab, um verschiedenen Seitenstraßen zu folgen, die sie durch Reihen von verdunkelten Geschäften und Hütten führten. Wren sah sich neugierig um. Sie beobachtete, überlegte und nahm alles in sich auf. Vieles war so, wie sie sich vorgestellt hatte, daß es sein würde, denn Arborlon war abgesehen von seiner Größe nicht viel anders als ein Dorf des Südlandes wie Shady Vale – abgesehen natürlich auch von der andauernden Gegenwart der Schutzmauer, die noch immer als ein Schimmer in der Ferne zu spüren war, eine Erinnerung an den Kampf, der dort geführt wurde. Als das Schimmern nach einer Weile ganz hinter einer Wand aus Bäumen verschwand, war es unmöglich, sich die Stadt so vorzustellen, wie sie vor den Dämonen, vor dem Beginn der Belagerung einmal gewesen sein mußte. Es mußte damals wundervoll gewesen sein, hier zu leben, dachte Wren. Die Stadt war bewaldet und abgeschieden, wie es über dem Rill Song gewesen war. Sie war aus ihren Westlandanfängen in dieses Inselparadies wiedergeboren, ihre Bewohner sollten die Chance haben, ein neues Leben zu beginnen. Sie sollten von der Bedrohung der Unterdrückung durch die Föderation frei sein. Damals war sie ohne Dämonen, Killeshan schlief, und Morrowindl lag im Frieden – ein Traum, wenn man es sich so vorstellte.
Erinnert sich wohl noch jemand an diesen Traum? fragte sie sich.
Die Eule führte sie durch einen Hain mit Eschen und Weiden, in dem die Stille wie ein Umhang lag, der sie angenehm umhüllte. Sie erreichten einen Eisenzaun mit Eisenspitzen und geschärften Zinken, der sich zwanzig Fuß hoch in die Luft erhob, und wandten sich an ihm entlang nach links. Jenseits einer Sperrschranke erstreckte sich von Bäumen beschatteter Grund bis hin zu einem weitläufigen Gebäude mit Türmen, das nur der Palast der Elfenherrscher sein konnte. Zu Zeiten ihrer Vorfahren waren das die Elessedils gewesen, erinnerte sich Wren. Aber wer war es jetzt? Sie gingen an dem Zaun entlang bis zu einer Stelle, wo die Schatten so tief waren, daß man kaum etwas sehen konnte. Dort hielt die Eule inne und beugte sich hinunter. Wren hörte das Schaben eines Schlüssels in einem Schloß, und ein Tor in dem Zaun schwang auf. Sie gingen hinein, warteten, bis die Eule das Tor wieder verschlossen hatte, und liefen dann über den Rasen auf den Palast zu. Niemand erschien, um sie anzusprechen. Niemand war zu sehen. Es gab Wachen, das wußte Wren. Es mußten einfach welche da sein. Sie erreichten die Ecke des Gebäudes und blieben stehen.
Geschmeidig wie eine Katze löste sich eine Gestalt aus den Schatten. Die Eule wandte sich ihr zu und wartete. Die Gestalt kam auf sie zu. Es wurden auch Worte gewechselt, aber zu leise, als daß Wren sie hätte verstehen können. Die Gestalt verschwand wieder. Die Eule winkte, und sie schlüpften durch eine Gruppe von Fichten in eine Nische. Eine Tür war bereits halb geöffnet. Sie traten durch sie hindurch ins Licht.
Sie standen in einer Eingangshalle mit gewölbter Decke und holzgeschnitzten Oberbalken, die glänzend poliert waren. Gepolsterte Bänke waren an den Wänden aufgestellt. Öllampen umrahmten geschwungene Flügeltüren zu einem verdunkelten Gang, die aufgeschoben worden waren. Von irgendwoher vom Ende des Ganges, tief aus dem Innern des Palastes konnte Wren Bewegung und den entfernten Klang von Stimmen hören. Wren und Garth folgten dem Beispiel der Eule und setzten sich auf die Bänke. In dem Licht konnte Wren zum ersten Mal sehen, wie mitgenommen sie aussah. Ihre Kleidung war zerrissen, schmutzig und blutbeschmiert. Garth sah noch schlimmer aus. Ein Ärmel seiner Tunika war vollständig abgerissen, und der andere hing in Fetzen hinab. Seine kräftigen Arme waren von Kratzund Brandspuren übersät. Sein bärtiges Gesicht war angeschwollen. Er sah, daß sie ihn betrachtete, und zuckte wegwerfend die Achseln.
Eine Gestalt näherte sich, löste sich lautlos aus dem Gang und trat langsam ins Licht. Es war ein Elf von mittlerer Größe und Gestalt, der einfach aussah und einfach gekleidet war. Er hatte einen steten, durchdringenden Blick. Sein hageres, sonnengebräuntes Gesicht war glattrasiert, und sein braunes Haar trug er schulterlang. Er war nicht viel älter als Wren, aber seine Augen verrieten, daß er weitaus mehr gesehen und erlitten hatte als sie. Er kam auf die Eule zu und nahm wortlos dessen Hand.
»Triss«, grüßte ihn Aurin Striate und wandte sich dann seinen Begleitern zu. »Dies sind Wren Ohmsford und ihr Begleiter Garth. Sie sind aus dem Westland zu uns gekommen.«
Der Elf ergriff nacheinander ihre Hände und sagte nichts. Seine Blicke aus dunklen Augen versanken einen Augenblick in Wrens, und sie war überrascht, wie offen sein Blick war. Als wäre diesen Augen unmöglich, jemals etwas geheimzuhalten.
»Triss ist der Hauptmann der Leibgarde«, erklärte die Eule. Wren nickte. Niemand sagte ein Wort. Sie standen einen Moment verlegen da. Wren fiel ein, daß die Leibgarde für die Sicherheit der Elfenherrscher verantwortlich war, und sie fragte sich, warum Triss keinerlei Waffen trug. Und sie fragte sich im nächsten Moment, warum er überhaupt da war. Dann bewegte sich am anderen Ende des dunklen Ganges wieder etwas, und sie alle wandten sich dorthin um.