Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Wo ist das Gold?«
Ulysses’ Kopf fuhr auf, seine Augen waren vor Verblüffung weit aufgerissen. Zum ersten Mal empfand Jamie einen Hauch von Zweifel.
»Ihr glaubt, ich habe es gestohlen?«, sagte der Butler ungläubig. Doch dann verzog sich sein Mund. »Natürlich glaubt Ihr das.« Er rieb sich die Nase und sah besorgt und unglücklich aus – mit gutem Grund, dachte Jamie.
Sie standen eine Weile da und betrachteten einander schweigend – eine Sackgasse. Jamie hatte nicht das Gefühl, dass sein Gegenüber versuchte, ihn zu täuschen – und darin war der Mann weiß Gott gut, dachte er zynisch.
Schließlich hob Ulysses seine breiten Schultern und ließ sie hilflos wieder sinken.
»Ich kann nicht beweisen, dass ich es nicht war«, sagte er. »Ich kann Euch nur mein Ehrenwort anbieten – doch so etwas wie Ehre steht mir ja nicht zu.« Zum ersten Mal klang Bitterkeit in seiner Stimme mit.
Jamie fühlte sich plötzlich furchtbar müde. Die Pferde und Maultiere dösten längst wieder vor sich hin, und er wünschte sich nichts so sehr wie sein eigenes Bett und seine Frau an seiner Seite. Er wollte auch, dass Ulysses fort war, bevor Duncan seine Perfidität herausfand. Und Ulysses war zwar der offensichtlichste Kandidat für den Diebstahl des Goldes, doch das änderte nichts daran, dass er es in den letzten zwanzig Jahren jederzeit unter sehr viel weniger Gefahr hätte an sich nehmen können. Warum jetzt?
»Schwörst du beim Leben meiner Tante?«, fragte er abrupt. Ulysses’ Augen glitzerten scharf und reglos im Laternenschein.
»Ja«, sagte er schließlich leise. »Das tue ich.«
Jamie war im Begriff, ihn zu entlassen, als ihm ein letzter Gedanke kam.
»Hast du Kinder?«, fragte er.
Unentschlossenheit überzog das gemeißelte Gesicht; Überraschung und Argwohn, vermischt mit etwas anderem.
»Keine, die ich als die meinen in Anspruch nehmen würde«, sagte er schließlich, und Jamie sah, was es war – Verachtung gemischt mit Scham. Sein Kiefer spannte sich an, und sein Kinn hob sich ein wenig. »Warum fragt Ihr mich das?«
Jamie sah ihn einen Moment an und dachte an Brianna, in der ein Kind heranwuchs.
»Weil«, sagte er schließlich, »es einzig die Hoffnung auf eine bessere Welt für meine Kinder und Kindeskinder ist, die mir den Mut verleiht zu tun, was hier getan werden muss.« Ulysses’ Gesicht hatte jeden Ausdruck verloren; es glänzte dunkel und reglos im Schein der Laterne.
»Wenn man in der Zukunft nichts zu verlieren hat, hat man auch keinen Grund, dafür zu leiden. Wenn man aber Kinder hat –«
»Sie sind Sklaven, Kinder von Sklavinnen. Was könnten sie mir bedeuten?« Ulysses hatte die Hände zu Fäusten geballt und hielt sie an seine Oberschenkel gedrückt.
»Dann geh«, sagte Jamie leise. Er trat beiseite und wies mit dem Lauf der Pistole zum Tor. »Stirb wenigstens als freier Mann.«
Kapitel 111
Der einundzwanzigste Januar
21. Januar 1776
Der 21. Januar war der kälteste Tag des Jahres. Ein paar Tage zuvor war Schnee gefallen, doch jetzt war die Luft wie geschliffenes Kristall, der Himmel im Morgengrauen so blass, dass er weiß war, und der feste Schnee zirpte unter unseren Füßen wie Grillen. Schnee, schneeverhüllte Bäume, die Eiszapfen, die an den Traufen des Hauses hingen – die ganze Welt schien blau vor Kälte zu sein. Am Abend zuvor hatten wir sämtliche Tiere in den Stall oder die Scheune gebracht, mit Ausnahme der weißen Sau, die unter dem Haus in den Winterschlaf gefallen zu sein schien.
Ich blinzelte argwöhnisch auf das kleine geschmolzene Loch in der Schneekruste, das den Eingang der Sau markierte; innen war langgezogenes, rasselndes Schnarchen zu hören, und das Loch strahlte eine schwache Wärme aus.
»Komm, mo nighean. Das Vieh würde es doch nicht einmal merken, wenn das Haus über ihm zusammenfällt.« Jamie kam vom Stall, wo er die Tiere gefüttert hatte, und stand ungeduldig hinter mir. Er rieb sich die Hände in den blauen Handschuhen, die Brianna für ihn gestrickt hatte.
»Was, nicht einmal, wenn es in Flammen stünde?«, sagte ich und musste dabei an Charles Lambs »Essay über den Schweinebraten« denken. Doch ich machte gehorsam kehrt, um ihm über den ausgetretenen Fußweg am Haus vorbei zu folgen und dann langsam, weil ich ständig auf vereisten Stellen ausrutschte, über die große Lichtung auf Briannas und Rogers Hütte zu.
»Bist du sicher, dass das Herdfeuer aus ist?«, fragte Jamie zum dritten Mal. Sein Atem schwebte wie ein Schleier um seinen Kopf, als er sich nach mir umsah. Er hatte seine Wollmütze auf der Jagd verloren und hatte sich stattdessen einen weißen Wollschal um die Ohren gewickelt und oben auf dem Kopf verknotet, so dass die langen Enden auf und ab hüpften und ihm das absurde Aussehen eines Riesenkaninchens verliehen.
»Ja«, versicherte ich ihm und unterdrückte das Bedürfnis, über seinen Anblick zu lachen. Seine lange Nase war rot vor Kälte und zuckte argwöhnisch, und ich vergrub meinerseits die Nase in meinem Schal und stieß leise Prustlaute aus, die wie bei einer Dampfmaschine als weiße Wölkchen aufstiegen.
»Und die Kerze im Schlafzimmer? Die kleine Lampe in deinem Sprechzimmer?«
»Ja«, versicherte ich ihm und tauchte aus den Tiefen des Schals wieder auf. Meine Augen tränten, und ich hätte sie mir gern gewischt, doch ich hatte ein großes Bündel im einen Arm, und am anderen hing ein zugedeckter Korb. Dieser enthielt Adso, den wir mit Gewalt aus dem Haus hatten entfernen müssen und dem das überhaupt nicht gefiel; aus dem Korb ertönte leises Knurren, und er schwankte und schlug mir gegen das Bein.
»Und das Binsenlicht in der Vorratskammer und die Kerze im Wandhalter im Flur und das Kohlebecken in deinem Studierzimmer und die Fischöllaterne, die du im Stall benutzt. Ich bin mit einem Läusekamm durch das ganze Haus gegangen. Nirgendwo auch nur ein Funke.«
»Also gut«, sagte er – musste aber trotzdem noch einen beklommenen Blick zurück zum Haus werfen. Ich folgte seiner Blickrichtung; es sah kalt und verloren aus, und seine weißen Bretter wirkten gegen den jungfräulichen Schnee ziemlich schmutzig.
»Es wird kein Unfall sein«, sagte ich. »Es sei denn, die weiße Sau spielt in ihrer Höhle mit Streichhölzern.«
Das brachte ihn den Umständen zum Trotz zum Lächeln. Mir kamen die Umstände im Moment, offen gestanden, etwas absurd vor; die ganze Welt schien verlassen zu sein, festgefroren und reglos unter dem Winterhimmel. Nichts kam mir unwahrscheinlicher vor, als dass die Katastrophe über uns hereinbrach und das Haus durch ein Feuer zerstört wurde. Dennoch … Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Und wie Jamie im Lauf der Jahre, seit Roger und Brianna uns die Nachricht von diesem gruseligen Zeitungsausschnitt überbracht hatten, mehr als einmal angemerkt hatte: »Wenn man weiß, dass das Haus an einem bestimmten Tag abbrennen soll, warum sollte man dann darin herumstehen?«
Also standen wir nicht darin herum. Mrs. Bug hatte Anweisung, zu Hause zu bleiben, und Amy war mit ihren beiden kleinen Jungen schon in Briannas Hütte – verwundert, aber folgsam. Wenn Ehrwürden sagte, dass bis zur nächsten Morgendämmerung niemand einen Fuß in das Haus setzen sollte … nun, dann gab es dem nichts hinzuzufügen, oder?
Ian war schon vor der Dämmerung aufgestanden, um Brennholz aus dem Schuppen zu holen und zu spalten; alle würden es gemütlich und warm haben.
Jamie selbst war die ganze Nacht auf gewesen, um sich um das Vieh zu kümmern, sein Waffenarsenal zu verteilen – es befand sich kein Körnchen Schießpulver mehr im Haus – und unruhig die Treppe hinauf- und hinunterzugehen, weil er mit gespitzten Ohren auf jedes Knacken der Glut in der Küche, jede brennende Kerzenflamme und jedes Geräusch im Freien lauschte, das die Ankunft eines Feindes verraten konnte. Das Einzige, was er nicht getan hatte, war, sich mit einem nassen Sack aufs Dach zu setzen und argwöhnisch nach Blitzen auszuschauen – und das auch nur, weil es eine wolkenlose Nacht war und die Sterne gigantisch und hell über uns in der gefrorenen Leere brannten.