Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Die Männer standen auf dem Hof, und er bedauerte das; die Erinnerung an das letzte Mal, als sie sich hier gesammelt hatten, war noch zu frisch in den Köpfen. Doch es ging nicht anders; es waren zu viele, als dass sie alle ins Haus gepasst hätten. Und diesmal war es heller Tag, nicht Nacht – obwohl er immer wieder sah, wie einzelne Männer den Kopf wandten und zu den Kastanien hinüberblickten, als sähen sie Thomas Christies Geist dort stehen, bereit, einmal mehr durch die Menge zu schreiten.
Er bekreuzigte sich und sprach ein hastiges Gebet, wie er es jedes Mal tat, wenn er an Tom Christie dachte, dann trat er auf die Veranda hinaus. Sie hatten sich miteinander unterhalten – beklommen, aber um Lockerheit bemüht –, doch bei seinem Erscheinen verstummten die Gespräche abrupt.
»Ich habe eine Nachricht erhalten, die mich nach Wilmington ruft«, sagte er ohne Einleitung zu ihnen. »Ich werde mich dort den Milizen anschließen, und wer freiwillig mitkommt, den werde ich mitnehmen.«
Sie gafften ihn an wie Schafe, die man beim Grasen gestört hat. Im ersten Moment verspürte er den verstörenden Impuls zu lachen, doch dieser ging sofort vorüber.
»Wir werden als Miliz gehen, doch ich kann euch nicht zum Mitgehen zwingen.« Im Stillen bezweifelte er, dass er überhaupt noch mehr als eine Handvoll von ihnen zu irgendetwas bringen konnte, doch es war besser, wenn er gute Miene zum bösen Spiel machte.
Die meisten sahen ihn immer noch blinzelnd an, aber ein oder zwei hatten sich wieder unter Kontrolle.
»Du erklärst dich zum Rebellen, Mac Dubh?« Das war Murdo, der Gute. Loyal wie ein Hund, aber etwas langsam im Kopf. Für ihn musste man die Dinge so einfach wie möglich formulieren, doch wenn er sie einmal begriffen hatte, rückte er ihnen zäh zu Leibe.
»Aye. Murdo, das tue ich. Ich bin ein Rebell. Und jeder Mann, der mit mir marschiert, wird auch einer sein.«
Das löste allgemeines Gemurmel aus, das mit zweifelnden Blicken einherging. Hier und da hörte er das Wort »Eid« in der Menge, und er machte sich auf die naheliegende Frage gefasst.
Doch was ihn verblüffte, war der Mann, der sie stellte. Arch Bug richtete sich streng zu voller Größe auf.
»Ihr habt dem König einen Eid geschworen, Seaumais mac Brian«, sagte er mit unerwartet scharfer Stimme. »Genau wie wir alle.«
Beifallsgemurmel folgte auf diese Worte, und viele Gesichter wandten sich stirnrunzelnd und beklommen in seine Richtung. Er holte tief Luft und spürte, wie sich sein Magen verknotete. Obwohl er wusste, was er wusste, und ihm klar war, dass ein erzwungener Eid unmoralisch war … das Wort seines Schwurs offen zu brechen, gab ihm das Gefühl, auf einer Treppe ins Leere getreten zu sein.
»Genau wie wir alle«, pflichtete er Arch bei. »Aber das war ein Eid, den man uns in der Gefangenschaft aufgezwungen hat, keiner, den wir als Ehrenmänner abgelegt haben.«
Das war nicht zu leugnen; doch es war ein Eid, und einen solchen nahm kein Highlander auf die leichte Schulter. Möge ich sterben und fern meiner Verwandten begraben werden … Eid oder nicht, dachte er grimmig, das war wahrscheinlich das Schicksal, das sie sowieso erwartete.
»Aber trotzdem ist es ein Eid, Sir«, sagte Hiram Crombie mit schmalen Lippen. »Wir haben ihn vor Gott geschworen. Erwartet Ihr von uns, dass wir das vergessen?« Mehrere der Presbyterianer stimmten ihm murmelnd zu und scharten sich dichter um Crombie, um ihm ihre Unterstützung auszudrücken.
Er holte noch einmal tief Luft, und sein Bauch verkrampfte sich noch stärker.
»Ich erwarte gar nichts.« Und in dem vollen Bewusstsein dessen, was er tat, und obwohl er sich ein wenig dafür verachtete – verlegte er sich auf die uralten Waffen der Rhetorik und des Idealismus.
»Ich habe gesagt, dass der Treueeid gegenüber dem König ein erzwungener, kein freiwilliger Eid war. Ein solcher Eid hat keine Macht, denn kein Mann schwört freiwillig, es sei denn, er ist selber frei.«
Niemand widersprach, also fuhr er fort, laut genug, um verstanden zu werden, aber ohne zu schreien.
»Ihr kennt doch sicher die Deklaration von Arbroath, oder? Vor vierhundert Jahren waren es unsere Väter, unsere Großväter, die zu diesen Worten die Hand gehoben haben: Solange auch nur hundert von uns noch am Leben sind, werden wir uns unter keinen Umständen den Engländern unterwerfen.« Er hielt inne, um seine Stimme unter Kontrolle zu bringen, dann fuhr er fort. »In Wahrheit sind es nicht Ruhm, Reichtum oder Ehre, um die wir kämpfen, sondern die Freiheit – nur um sie, die kein aufrechter Mann aufgibt, koste es ihn auch das Leben selbst.«
Dann verstummte er. Nicht um der Wirkung auf die Männer willen, zu denen er sprach, sondern wegen der Worte selbst – denn indem er sie gesprochen hatte, hatte er sich unerwartet mit seinem eigenen Gewissen konfrontiert gesehen.
Bis zu diesem Punkt hatte er den Rechtfertigungen der Revolution skeptisch gegenübergestanden und ihren Zielen erst recht; wegen der Dinge, die Claire, Brianna und Roger Mac ihm erzählt hatten, stand er gezwungenermaßen auf der Seite der Rebellen. Doch indem er diese uralten Worte sprach, gelangte er zu der Überzeugung, von der er gedacht hatte, er täusche sie nur vor – und ihm kam der Gedanke, dass er tatsächlich für mehr als das Wohlergehen seiner eigenen Familie in den Kampf zog.
Und am Ende bist du genauso tot, dachte er resigniert. Ich glaube kaum, dass es weniger schmerzhaft ist, wenn man weiß, dass es für eine gute Sache ist – aber vielleicht ja doch.
»In einer Woche breche ich auf«, sagte er leise und ließ sie mit offenen Mündern stehen.
Er war davon ausgegangen, dass seine Männer aus Ardsmuir kommen würden: die drei Lindsay-Brüder, Hugh Abernathy, Padraig MacNeill und der Rest. Nicht erwartet, aber herzlich willkommen waren Robin McGillivray und sein Sohn Manfred.
Ute McGillivray hatte ihm verziehen, wie er mit gewisser Belustigung feststellte. Außer Robin und Freddie waren fünfzehn Mann aus Salem gekommen, alles Verwandte der respekteinflößenden Frau McGillivray.
Eine große Überraschung war dagegen Hiram Crombie, der sich als Einziger der Fischersleute entschlossen hatte, sich ihm anzuschließen.
»Ich habe die Angelegenheit im Gebet überdacht«, unterrichtete ihn Hiram, der es tatsächlich fertigbrachte, eine noch frömmelndere Unglücksmiene aufzusetzen als sonst, »und ich glaube, dass Ihr recht habt, was den Eid angeht. Ich gehe zwar davon aus, dass wir alle Euretwegen gehängt und um Heim und Herd gebracht werden – aber ich komme dennoch mit.«
Die anderen hatten sich – nach großem Murren und Streiten – dagegen entschieden. Er machte ihnen keine Vorwürfe. Nachdem sie die Zeit nach Culloden, die gefahrvolle Reise in die Kolonien und die anfänglichen Strapazen des Exils überlebt hatten, war das Letzte, was sich ein denkender Mensch wünschen konnte, die Waffen gegen den König zu erheben.
Die größte Überraschung erwartete ihn jedoch, als seine kleine Kompanie hinter Coopersville auf die Straße nach Süden einbog.
An der Kreuzung wartete eine Kompanie von etwa vierzig Mann. Er näherte sich ihr argwöhnisch, und ein einzelner Mann galoppierte aus der Menge hervor und zog mit ihm gleich – Richard Brown, mit bleichem, grimmigem Gesicht.
»Ich höre, Ihr geht nach Wilmington«, sagte Brown ohne Umschweife. »Wenn Ihr einverstanden seid, reiten meine Männer und ich mit Euch.« Er hustete und fügte hinzu: »Natürlich unter Eurem Kommando.«
Hinter sich hörte er Claires leises »Hmpf!« und unterdrückte ein Lächeln. Er war sich der Phalanx zusammengekniffener Augen in seinem Rücken wohl bewusst. Er fing Roger Macs Blick auf, und sein Schwiegersohn nickte kaum merklich. Der Krieg brachte seltsame Weggemeinschaften zusammen; das wusste Roger Mac genauso gut wie er – und was ihn selbst anging, so hatte er während des Aufstands schon an der Seite von Schlimmeren als Richard Brown gekämpft.