Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Bei diesen Worten überkam mich eine finstere Vorahnung. Ich war von MacDonald chronischen Optimismus und einen Hang zur Übertreibung gewohnt, doch es war nichts Übertriebenes an dieser Aussage. Hieß das, dass die Hilfe, um die Gouverneur Martin gebeten hatte, die Soldaten aus Irland, bald landen würden, um an der Küste auf General MacDonalds Truppen zu treffen?
»Die Truppen des Generals«, sagte Jamie, während er das Feuer stochte. Er und MacDonald hatten die Plätze am Kamin übernommen, und Roger und Ian saßen rechts und links daneben wie Feuerböcke. Brianna, Amy und ich zogen uns auf das Bett zurück, wo wir wie eine Reihe schlafender Hennen hockten und der Unterhaltung mit einer Mischung aus Neugier und Sorge folgten, während die Jungen unter den Tisch krochen.
»Was würdet Ihr sagen, Donald, wie viele Männer hat er?«
Ich sah MacDonald zögern, hin- und hergerissen zwischen Wunsch und Wahrheit. Doch er hustete und sagte dann ganz sachlich: »Bei meinem Aufbruch hatte er etwas mehr als tausend Mann. Doch Ihr wisst genau – wenn wir erst unterwegs sind, werden noch andere dazustoßen. Viele andere. Umso mehr«, fügte er betont hinzu, »wenn Männer wie Ihr das Kommando übernehmen.«
Jamie antwortete nicht sofort darauf. Nachdenklich schob er ein brennendes Holzstück mit dem Fuß ins Feuer zurück.
»Pulver und Blei?«, fragte er. »Waffen?«
»Aye, nun ja; hier haben wir eine kleine Enttäuschung erlebt.« MacDonald nippte an seinem Whisky. »Duncan Innes hatte uns in dieser Hinsicht große Versprechungen gemacht, die er dann aber zurücknehmen musste.« Der Major presste die Lippen fest aufeinander, und angesichts seiner Miene dachte ich, dass Duncan mit seinem Entschluss, nach Kanada zu gehen, wohl wirklich nicht überreagiert hatte.
»Dennoch«, fuhr MacDonald, dessen Miene sich jetzt wieder erhellte, fort, »haben wir in dieser Hinsicht keinen Mangel. Und die tapferen Männer, die sich in Scharen hinter unsere Sache gestellt haben – und es noch tun werden –, bringen ja ihre eigenen Waffen und ihren Mut mit. Vor allem Ihr müsstet doch wissen, welchen Eindruck eine Highlandattacke macht!«
Bei diesen Worten blickte Jamie auf und warf MacDonald einen langen Blick zu, bevor er antwortete.
»Aye, nun ja. Ihr habt in Culloden hinter den Kanonen gestanden, Donald. Ich bin auf sie zugelaufen. Mit einem Schwert in der Hand.« Er hob seinerseits das Glas und leerte es, dann erhob er sich, um sich nachzuschenken, damit MacDonald die Fassung zurückerlangen konnte.
»Touché, Major«, murmelte Brianna vor sich hin. Meines Wissens hatte Jamie noch nie zuvor angesprochen, dass der Major während des Aufstands auf Regierungsseite gekämpft hatte – doch es überraschte mich genauso wenig, dass er es nicht vergessen hatte.
Mit einem kurzen, an die Anwesenden gerichteten Kopfnicken trat Jamie ins Freie – scheinbar, um den Abort aufzusuchen, wahrscheinlich aber eher, um sich zu überzeugen, dass mit dem Haus alles stimmte. Und noch wahrscheinlicher, um MacDonald etwas Zeit zu geben, sich zu erholen.
Mit der Höflichkeit des Gastgebers – und der unterdrückten Wissbegier des Historikers – fragte Roger MacDonald über den General und seine Vorgehensweise aus. Ian saß reglos und wachsam zu seinen Füßen und spielte mit Rollos Fell.
»Aber ist der General denn nicht viel zu alt für einen solchen Feldzug?« Roger griff nach einem neuen Holzscheit und schob es ins Feuer. »Vor allem einen Winterfeldzug.«
»Er hat einen kleinen Schnupfen«, räumte MacDonald geradeheraus ein. »Aber wer hat den bei diesem Wetter nicht? Und Donald McLeod, sein Leutnant, ist ein tatkräftiger Mann. Ich versichere Euch, Sir, sollte der General zu irgendeinem Zeitpunkt indisponiert sein, ist McLeod bestens imstande, die Truppe zum Sieg zu führen!«
Nun ließ er sich lang und breit über Oberst Donald McLeods – persönliche und militärische – Tugenden aus. Ich hörte ihm nicht länger zu, da meine Aufmerksamkeit durch eine verstohlene Bewegung auf dem Wandbord über seinem Kopf abgelenkt wurde. Adso.
MacDonalds roter Rock lag zum Trocknen über eine Stuhllehne gebreitet und dampfte in der Hitze. Seine feuchte Perücke hing, von Rollos Attacke zerzaust, darüber an einem Kleiderhaken. Ich stand hastig auf und nahm die Perücke an mich, was mir einen Blick der Verwunderung von MacDonald und eine Miene grünäugiger Feindseligkeit von Adso einbrachte, der es sichtlich niederträchtig von mir fand, diese begehrenswerte Beute selbst einzukassieren.
»Äh … ich … äh … bringe sie nur in Sicherheit, ja?« Ich klammerte das feuchte Pferdehaarknäuel an meine Brust und huschte ins Freie und zur Vorratskammer, wo ich die Perücke sicher zu dem Phosphorglas hinter dem Käse steckte.
Im Herauskommen begegnete ich Jamie, der mit vor Kälte geröteter Nase von seinem Erkundungsgang am Haus zurückkehrte.
»Alles bestens«, versicherte er mir. Er blickte zum Schornstein über uns auf, der dicke graue Rauchwolken spuckte. »Du glaubst doch nicht, dass Brianna vielleicht recht haben könnte, oder?« Sein Tonfall klang, als scherzte er, doch das tat er nicht.
»Weiß Gott. Wie lange noch bis zur Morgendämmerung?« Die Schatten fielen schon lang, violett und kalt über den Schnee.
»Viel zu lange.« Auch er hatte violette Schatten im Gesicht, nach einer schlaflosen Nacht, auf die jetzt eine weitere folgen würde. Doch er drückte mich einen Moment an sich, und trotz der Tatsache, dass er nichts über dem Hemd trug als die grobe Jacke, die er zur Arbeit auf dem Hof trug, war er warm.
»Aber du gehst nicht davon aus, dass MacDonald zurückkommt und das Haus in Brand steckt, wenn ich ihn abweise, oder?«, fragte er und ließ mich los, während er tapfer zu lächeln versuchte.
»Was meinst du damit, wenn?«, wollte ich wissen, doch er war schon auf dem Rückweg in die Hütte.
MacDonald stand respektvoll auf, als er eintrat, und wartete, bis er sich hingesetzt hatte, bevor er seinen Platz auf dem Hocker wieder einnahm.
»Habt Ihr Euch etwas Zeit genommen, um mein Angebot zu überdenken, Mr. Fraser?«, fragte er formell. »Eure Gegenwart wäre von größtem Wert – und General MacDonald und der Gouverneur wie auch ich selbst wüssten sie sehr zu schätzen.«
Jamie saß einen Moment schweigend da und starrte ins Feuer.
»Es bestürzt mich, Donald, dass wir uns in solch gegensätzlichen Positionen wiederfinden«, sagte er schließlich und blickte auf. »Aber es kann Euch doch nicht unbekannt sein, welchen Standpunkt ich in dieser Angelegenheit vertrete. Ich habe mich offenbart.«
MacDonald nickte und spannte ein wenig die Lippen an.
»Ich weiß, was Ihr getan habt. Aber es ist nicht zu spät, es wieder gutzumachen. Ihr habt ja noch nichts getan, was sich nicht zurücknehmen ließe – und jeder kann doch sicher einen Fehler einräumen.«
Jamies Mund zuckte schwach.
»Oh, aye. Donald. Würdet Ihr dann Euren eigenen Fehler einräumen und Euch der Sache der Freiheit anschließen?«
MacDonald richtete sich auf.
»Es mag Euch belieben zu scherzen, Mr. Fraser«, sagte er, und man konnte sehen, dass er sich zügeln musste, »doch mein Angebot ist ernst.«
»Das weiß ich, Major. Verzeiht mir meine unangebrachte Leichtfertigkeit. Und auch die Tatsache, dass ich Euch die Mühen des weiten Weges bei diesem bitteren Wetter so übel lohne.«
»Dann lehnt Ihr also ab?« Rote Flecken brannten auf MacDonalds Wangen, und seine blassblauen Augen hatten die Farbe des Winterhimmels angenommen. »Ihr lasst Eure Verwandten, Eure eigenen Leute im Stich? Ihr verratet nicht nur Euren Eid, sondern auch Euer eigen Fleisch und Blut?«
Jamie hatte den Mund schon geöffnet, um zu antworten, doch bei diesen Worten hielt er inne. Ich konnte spüren, wie etwas in ihm vorging. Erschrecken über diesen direkten – und völlig akkuraten – Vorwurf? Zögern? Über diesen Aspekt der Situation hatte er noch nie gesprochen, doch er musste ihm klar gewesen sein. Die meisten Highlander in der Kolonie hatten sich bereits auf die Seite der Loyalisten gestellt – so wie Duncan und Jocasta – oder würden es wahrscheinlich noch tun.