Die Klaue des Schlichters [The Claw of the Conciliator - de]
- Автор: Вулф Джин Родман
- Серия: Das Buch der Neuen Sonne #2
- Год: 1984
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-31009-8
- Переводчик: Reinhard Heinz
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Klaue des Schlichters [The Claw of the Conciliator - de]». Краткое содержание книги:
Im nächsten Augenblick wurden sie mittschiffs getroffen, und die Kugel riß eine Kanone der Steuerbordbatterie aus der Lafette, als würde ein Trunkener ein Kind aus der Wiege reißen und es über das Deck schleudern, so daß es alles niederbrach, was ihm im Wege stand. Dann stimmten die Kanonen der Batterie – die verbliebenen – allesamt einen Chor aus Feuer und Eisen an. Und weil die Entfernung nur noch halb so groß war (oder vielleicht nur deshalb, weil das innere Gefüge ihres Feindes, der Furcht gezeigt hatte, schwächer geworden war) entlockten ihre Geschosse seiner Burg nicht mehr nur ein hohles Geklirr, sondern ein berstendes Getöse, als würde die Glocke, welche das Ende der Welt einläutet, zerbrechen; und gezackte Risse spalteten das schwarzglänzende Eisen.
Nun rief der Jüngling durch das Sprachrohr zu jenen, die ergeben im Maschinenraum ausharrten und die Öfen mit Holz beheizten, und hieß sie, Teer in die Flammen zu werfen, wie die Prinzessin ihnen geraten hatten. Zuerst befürchtete er, alle drei wären tot, dann, daß der Befehl im Schlachtenlärm nicht gehört würde. Aber ein Schatten fiel über das sonnenbeschienene Wasser, das sie von ihrem Feind trennte, und er richtete seinen Blick empor.
Vor langer Zeit, so geht die Sage, fand ein Kind in Lumpen, die Tochter eines Fischers, im Sand eine zugestöpselte Flasche und wurde, indem sie das Siegel brach und den Korken herauszog, Königin von Eis zu Eis. In gleicher Weise entwich, wie es schien, ein urgewaltiger Geist den kleinen Schornsteinen ihres Schiffes, überschlug sich purzelnd in finsterer Freude und wuchs brausend heran, wie wenn ein Sturm aufkommt.
Und der Sturm kam fürwahr und packte ihn mit seinen unzähligen Händen und trug ihn als dichten Haufen zu ihrem Feind hinab. Selbst als nichts mehr zu sehen war – weder der lange, dunkle Rumpf mit seinem Eisendeck, noch die einzige Kanone, deren Mund eine verhängnisvolle Sprache gesprochen hatte – vergeudeten sie keinen Augenblick, sondern stürmten an die Geschütze und feuerten in die Schwärze. Und hin und wieder hörten sie auch die Kanone ihres Feindes schießen, aber sie sahen kein Mündungsfeuer, und wo diese Schüsse einschlugen, das konnten sie nicht sagen.
Es mag sein, daß sie noch nicht getroffen haben und auf der Suche nach ihrem Ziel noch immer die Welt umkreisen.
Sie feuerten, bis die Geschützrohre glühten wie Rohlinge frisch aus dem Schmelztiegel. Dann versiegte der Rauch, der so lange ausgetreten war, und jene von unten riefen durch das Sprachrohr, daß der Teer aufgebraucht sei, und der aus Träumen fleischgewordene Jüngling gab den Befehl, das Feuer einzustellen, und die Männer, welche die Geschütze bedient hatten, fielen wie tot aufs Deck, zu entkräftet, um auch nur um Wasser zu bitten.
Die schwarze Wolke löste sich auf. Nicht wie Nebel sich in der Sonne auflöst, sondern wie eine zum Letzten entschlossene Armee vor wiederholten Angriffen sich auflöst, hier weichend, dort die Stellung haltend, noch Kraft für ein paar Plänkeleien aufbietend, wenn aller Widerstand gebrochen scheint.
Vergeblich suchten sie nun die neu erstrahlten Wellen nach ihrem Feind ab. Nichts war zu sehen: weder sein Rumpf, noch seine Burg, noch seine Kanone, noch eine Planke oder ein Holm.
Langsam und so vorsichtig, als fürchteten sie einen unsichtbaren Widersacher, näherten sie sich der Stelle, an der er geankert hatte, und bemerkten die zertrümmerten Bäume und den zerfurchten Boden auf dem Inselchen dahinter, wo ihre Geschosse ihre Energie entladen hatten. Als sie die Stelle, an welcher der lange Rumpf aus Eisen gelegen hatte, überfahren hatten, befahl der aus Träumen fleischgewordene Jüngling, die großen Räder rückwärts Fahrt machen zu lassen und schließlich anzuhalten, so daß sie so still wie vorher ihr Gegner auf dem Wasser ruhten. Dann schritt er an die Reling und sah hinunter; aber mit einem solchen Gesichtsausdruck, daß keiner, nicht einmal der Verwegenste, ihn anzublicken wagte.
Als er endlich wieder aufsah, war seine Miene starr und grimmig, und ohne ein Wort an irgendeinen der Männer begab er sich in seine Kajüte und verriegelte die Tür. Nun ließ der Jüngling, der sein Stellvertreter war, das Schiff wenden, um zur weißen Kalotte der Prinzessin zurückzukehren; gleichfalls ließ er die Verwundeten verbinden, die Pumpen in Gang setzen und alle Reparaturen, die ausgeführt werden konnten, in Angriff nehmen. Aber die Toten behielt er an Bord, auf daß sie auf hoher See ein Grab fänden.
FÜNFTER TEIL
Der Tod des Studenten
Vielleicht war der Kanal nicht so gerade, wie sie glaubten. Oder sie hatten, ohne es zu merken, in der Schlacht die Orientierung verloren. Oder die Kanäle schlängelten und drehten sich (wie einige mutmaßten) wie Würmer in einer Nuß, wenn kein Auge es sah. Was immer davon wahr sein mochte, sie dampften den ganzen Tag – denn der Wind hatte sich gelegt – nur um im letzten Tageslicht zu sehen, daß sie zwischen fremden Inseln kreuzten.
Die Nacht über gingen sie vor Anker. Als der Morgen graute, rief der Maat alle zu sich, die den besten Rat geben könnten; aber keiner davon hatte einen anderen Vorschlag als den aus Träumen fleischgewordenen Jüngling herbeizurufen (was ihnen mißfiel) oder weiterzufahren, bis sie die offene See oder die Kalotte der Prinzessin erreichten.
Das taten sie den ganzen Tag, um einen geraden Kurs bemüht, aber ob der vielen Biegungen fuhren sie zwangsläufig im Kreise. Als die nächste Nacht anbrach, war ihre Lage nicht besser als zuvor.
Aber am Morgen des dritten Tages kam der aus Träumen fleischgewordene Jüngling aus seiner Kajüte und schritt an Deck auf und ab, begutachtete die bisher reparierten Schäden und erkundigte sich bei jenen, die wegen ihrer Schmerzen schon wach waren, nach dem Befinden. Dann traten der Maat und alle, die ihn beraten hatten, vor ihn und legten dar, was sie getan, und fragten, wie sie das Meer wiederfänden, auf daß sie ihre Toten begraben und in die Stadt der Zauberer heimkehren könnten.
Hierauf richtete er seinen Blick gen Himmel. Und manche glaubten, er bete, und andere, daß er den Zorn, den er gegen sie hegte, zu bändigen suchte, und wieder andere, daß er sich von daher eine Eingebung erhoffte. So lange indes starrte er empor, daß sie furchtsam wurden, ganz wie ehedem, als er ins Wasser gespäht hatte, und der eine oder andere schlich sich langsam fort. Dann sagte er zu ihnen: »Schaut! Seht ihr nicht die Seevögel? Von allen Himmelsrichtungen fliegen sie herbei. Folget ihnen!«
Bis zum späten Vormittag folgten sie den Vögeln, insofern als die gewundenen Kanäle dies zuließen. Und schließlich sahen sie sie vor sich kreisen und zum Wasser niederstoßen, so daß ihre weißen Flügel und schwarzen Köpfchen wie eine tiefhängende Wolke wirkten, die außen schön, aber innen gewittrig war. Dann hieß der aus Träumen fleischgewordene Jüngling sie, einen Mörser nur mit Pulver zu laden und abzufeuern; und als der Böller krachte, stiegen diese Vögel allesamt kreischend und zeternd auf. Und wo sie gewesen waren, gewahrte die Besatzung ein großes Aas, das im Wasser trieb und anscheinend ein Landtier war, denn es hatte, wie sie glaubten, einen Kopf und vier Beine. Es war indes weitaus größer als irgendein Elefant.
Als sie dicht herangelangt waren, ließ der Jüngling ein Boot wassern, und als er an Bord kletterte, sahen sie, daß er sich in den Gürtel einen großen Dolch gesteckt hatte, dessen Klinge in der Sonne blitzte. Eine Weile hantierte er an dem Aas, und als er wiederkehrte, trug er bei sich eine Karte, die größte, die ein jeder von ihnen gesehen hatte, aufgezeichnet auf roher Haut.
Bei Dunkelheit erreichten sie die Kalotte der Prinzessin. Alle warteten an Bord, so lange ihre Mutter sie besuchte; aber als diese schreckliche Frau gegangen war, begaben sich alle, die gehen konnten, an Land, und die Kornjungfern umringten sie, ihrer hundert für jeden Jüngling, und der aus Träumen fleischgewordene Jüngling schloß die Tochter der Nacht in seine Arme und führte im Tanze den Reigen an. Unvergeßlich blieb ihnen diese Nacht.