Schadrach im Feuerofen [Shadrach in the Furnace - de]
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1979
- Язык: немецкий
- Год: Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-30537-X
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Schadrach im Feuerofen [Shadrach in the Furnace - de]». Краткое содержание книги:
Die heutigen Machtblöcke der Erde sind zerstoben. Ein greiser Mongole regiert den Weltstaat, ein Tyrann, der sich für die Inkarnation Dschingis Khans und Maos zugleich hält. Sein erdumspannender Geheimdienstapparat ist allgegenwärtig; die Überwachung der Untertanen lückenlos. Er bestimmt, wer der Gnade teilhaftig wird, das Serum zu erhalten. Ein Entzug kommt dem Todesurteil gleich.
Schadrach Mordecai, ein junger Neger aus den ehemaligen USA, ist der Leibarzt des Tyrannen. Er ist persönlich für den Gesundheitszustand des Herrschers verantwortlich, dessen Körper zum größten Teil bereits aus Ersatzorganen besteht. Und Schadrach Mordecai weiß, daß bei den perfekten Sicherheitsmaßnahmen er der einzige Mensch auf der Welt ist, der Hand an das greise Monstrum legen könnte. Doch er ist auf besondere Weise mit dem Tyrannen verbunden: Die Schmerzen des Herrschers sind auch die seinen.
»Trotzdem machte ich mir Sorgen.«
»Also war die Untersuchung in Wahrheit eine Therapie für dich?«
»So kann man es auch sehen«, gesteht er zögernd.
»Und wenn du nicht herübergeeilt wärst, um mich der Wohltat deiner bedeutenden medizinischen Kenntnisse teilhaftig werden zu lassen, würde ich jetzt vielleicht schlafen.«
»Tut mir leid.«
»Mir auch, Schadrach.«
Sie wendet sich von ihm ab, zieht die Decke bis zu den Ohren und will nichts mehr von ihm wissen. Er steht stumm vor dem Bett, bedrängt von tausend Fragen, möchte wissen, welcher Schatten auf ihr Verhältnis gefallen ist, warum sie so kühl und abweisend geworden ist, warum sie ihn nicht einmal ansehen will, wenn er zu ihr spricht.
Nach einer kleinen Weile fragt er statt dessen: »Wie geht das Projekt voran?«
»Du hast doch mit Eis gesprochen. Wir müssen rekalibrieren. Es dauert eine Weile, bis alles auf einen neuen Spender umgestellt ist. Die ganze Sache ist äußerst lästig.«
»Wie groß ist der Rückschlag tatsächlich? Ich meine, um wie viel Zeit ist das Projekt durch Mangus Tod zurückgeworfen worden?«
Sie zuckt unter der Decke die Achseln. »Um einen Monat, wenn wir Glück haben. Oder drei. Vielleicht auch sechs. Es kommt eben darauf an.«
»Worauf?«
»Herr im Himmel! Hör zu, Schadrach, ich will jetzt nicht über berufliche Dinge sprechen. Ich fühle mich nicht gut. Weißt du, was es heißt, Fieber und Kopfschmerzen zu haben? Ich will ausruhen. Ich will schlafen. Jedenfalls will ich nicht meine derzeitigen Forschungsprobleme diskutieren.«
»Tut mir leid«, sagt er wieder.
»Wirst du jetzt endlich gehen?«
»Ja. Ja. Ich werde morgen früh anrufen, um zu hören, wie es dir geht, in Ordnung?«
Sie murmelt etwas ins Kissen.
Er wendet sich zum Gehen. Doch ehe er die Tür öffnet, unternimmt er einen letzten Versuch, zu ihr durchzudringen, und sagt etwas lahm: »Übrigens — hast du das neueste Gerücht über Mangus Tod gehört?«
Sie ächzt. »Ich habe nichts gehört. Aber rede schon. Was ist damit?«
Er überlegt sich die Worte sorgfältig, um sich nicht vorwerfen zu müssen, er sei Katja Lindman gegenüber wortbrüchig geworden. »Das Gerücht will wissen, Mangu habe Selbstmord begangen, weil jemand aus dem Umkreis des Talos-Projekts ihm verraten hätte, daß er der Körperspender für das Avatara-Projekt sei.«
Das hilft. Nicki wirft sich im Bett herum, sitzt auf und starrt ihn groß an.
»Was? Was? Das ist mir neu!«
»Es ist bloß ein Gerücht.«
»Und wer ist Mangus angeblicher Informant?«
»Das wurde nicht gesagt.«
»Lindman selbst, nicht wahr?« sagt Nicki.
»Es ist nur ein Gerücht, Nicki. Namen wurden nicht genannt. Außerdem würde Katja so etwas nicht tun.«
»Ach. Wirklich nicht?«
»Ich glaube es nicht. Wenn es so gewesen ist, dann wurde Mangu wahrscheinlich von irgendeinem ehrgeizigen Untergebenen informiert, einem Programmierer oder was. Falls es so gewesen ist. Gut möglich, daß an dem Gerücht nichts Wahres ist.«
»Aber es hört sich einleuchtend an«, sagt sie. Sie atmet heftig, frischer Schweiß glänzt auf ihrer Stirn. »Welche bessere Möglichkeit könnte die Lindman finden, um meine Arbeit zu sabotieren? Oh, warum bin ich nicht von selbst darauf gekommen! Wie konnte ich das übersehen haben…!«
»Beruhige dich, Nicki. Du bist nicht gesund.«
»Wenn ich die zu fassen kriege…«
»Bitte«, sagt Schadrach. »Leg dich wieder hin. Ich wollte, ich hätte nichts gesagt. Du weißt, wie viele unsinnige Gerüchte in diesem Haus ständig im Umlauf sind. Ich glaube ganz und gar nicht, daß Katja imstande wäre…«
»Das werden wir sehen«, sagt sie unheilvoll. Sie wird ruhiger. »Vielleicht hast du recht. Trotzdem, wir hätten viel strengere Sicherheitsvorkehrungen treffen sollen. Zu viele Leute wußten, daß Mangu der Spender sein sollte. Viel zu viele. Beim nächsten Spender…« Nicki Crowfoot hustet, wendet sich wieder von ihm weg, läßt den Kopf ins Kissen zurückfallen. »Hör zu, Schadrach, ich fühle mich elend. Geh jetzt. Bitte, laß mich allein! Nun hast du mich mit dieser neuen Sache ganz durcheinandergebracht, und ich brauche nichts so sehr wie ein paar Stunden Ruhe! Kannst du das nicht verstehen? Nun steh nicht so herum…«
»Tut mir leid«, murmelt er noch einmal. »Ich wollte nicht…«
»Geh jetzt, Schadrach!«
»Auf Wiedersehen, Nicki.«
Er verläßt die Wohnung, geht wie blind durch den Korridor. Im Treppenhaus angelangt, bleibt er aufs Geländer gestützt stehen, um zur Ruhe zu kommen. Der Besuch bei Nicki hat seine Gemütsverfassung kaum verbessert. Ihre Haltung zu ihm schwankte zwischen Gleichgültigkeit und Gereiztheit; nicht ein einziges Mal gab sie Freude über seinen Besuch zu erkennen. Sie hatte seine Anwesenheit bestenfalls geduldet.
Und nun bleibt ihm nichts anderes übrig, als noch einmal Katja aufzusuchen.
Sie scheint überrascht, ihn so bald wiederzusehen, und begrüßt ihn liebevoll. Ihm ist jedoch nicht nach Zärtlichkeiten zumute, und sobald es ihm möglich ist, löst er sich aus ihrer Umarmung und stellt mit sanfter Entschiedenheit körperliche Distanz zwischen ihnen her. Dann berichtet er von seinem Gespräch mit Nicki, nicht ohne zu betonen, daß das ›Gerücht‹ in keiner Weise Katja selbst als Mangus Informantin nenne.
»Aber die Crowfoot vermutete natürlich sofort, ich sei diejenige gewesen, stimmt’s?«
»Ich fürchte, ja. Ich sagte ihr, es sei unvorstellbar, daß du so etwas tun würdest, aber sie…«
»Jetzt weiß sie, daß ich es war, und sie wird für immer meine Feindin sein und alles in ihrer Macht stehende tun, um es mir heimzuzahlen. Vielen Dank.«
»Wenn sie wütend ist«, sagt Schadrach ruhig, »kannst du es ihr nicht verdenken. Du mußt zugeben, daß die Benachrichtigung Mangus durch dich einen Aspekt hat, der auf Sabotage des Avatara-Projekts hindeutet.«
»Ich sagte Mangu die Wahrheit, weil er mir leid tat«, sagte Katja.
»Nur aus Mitleid? Du dachtest überhaupt nicht daran, daß er in einer Weise reagieren könnte, die das Avatara-Programm über den Haufen werfen und Nicki Crowfoot in Bedrängnis bringen würde?«
Katja bleibt eine Weile still.
Schließlich sagt sie in einem etwas nachgiebigeren Ton: »Ich nehme an, daß mir diese Überlegung durch den Kopf gegangen ist, aber durchaus sekundär. Sehr, sehr sekundär. Der wesentliche Punkt war, daß ich es nicht mehr aushielt, Mangu in die Augen zu sehen und zu hören, wie er über seine Zukunftspläne sprach, während ich dabei wußte, was ihm vorbestimmt war. Ich mußte ihn warnen, sonst wäre ich selbst für sein Schicksal verantwortlich geworden. Kannst du dir das vorstellen, Schadrach? Für wie schlecht hältst du mich? Glaubst du, mein Leben beginne und ende mit diesen krankhaften Projekten des Vorsitzenden? Meinst du vielleicht, die einzigen Motivationen, die mich bewegen, wären mit dem Projekt Talos verknüpft, mit Überlegungen, wie ich meine eigene Karriere fördern und Nicki Crowfoots Karriere ruinieren könnte? Ist es das, was du denkst?«
»Ich weiß nicht. Ich glaube nicht.«
»Du glaubst nicht?«
»Nein, ich denke nicht, daß du so bist.«
»Fein. Großartig. Danke. Und was geschieht jetzt? Wird sie mich beim Vorsitzenden anschwärzen?«
»Es gibt keinerlei Beweis dafür, daß du Mangu jemals etwas über diese Pläne sagtest«, erwidert Schadrach Mordechai. »Sie weiß das. Sie weiß auch, daß alle etwaigen Anschuldigungen, die sie gegen dich vorbringt, als berufliche Eifersucht abgetan werden. Ich bin tatsächlich nicht der Meinung, daß sie irgend etwas unternehmen wird. Sie machte lediglich klar, daß sie im Hinblick auf die Identität des nächsten Avatara-Spenders für schärfere Sicherheitsvorkehrungen sorgen werde, um zu verhindern, daß so etwas noch einmal…«
»Schon zu spät«, sagt Katja Lindmn.
»Du meinst, der nächste Spender sei bereits ausgewählt?«