Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
Schnell! Mythen-Quai!
Marie St. Jacques sollte in dem zu dieser Zeit verlassenen Strandbad getötet und ihre Leiche anschließend in den See geworfen werden. Niemand würde etwas bemerken. Es gäbe keine Zeugen. Der kleine, breitschultrige Mann brauchte mit Marie St. Jacques nur in eine der vielen Kabinen zu gehen. Wer könnte dann die Hinrichtung beobachten? Vielleicht hatte er seine Pistole inzwischen schon abgefeuert oder ein Messer ins Opfer gebohrt. Was auch geschehen war, Jason wollte es unbedingt herausfinden. Wer auch immer er sein mochte, er konnte von hier nicht einfach verschwinden, ohne zu wissen, was mit der Frau geschah. Aber erst einmal mußte er die zwei Toten im Wagen loswerden. An der nächsten Kreuzung bog er in eine dunkle menschenleere Gasse.
Er hatte weniger als zwei Minuten gebraucht, um die Leichen aus dem Auto zu zerren. Er sah sie noch einmal an, als er um die Motorhaube herum zur Tür hinkte. Fast obszön wirkte es, wie die beiden eng aneinander geschmiegt an einer schmutzigen Steinmauer lehnten.
Kapitel 9
Er erreichte eine Kreuzung, die Verkehrsampel stand auf Rot. Im Osten konnte er Lichter sehen, die in sanftem Bogen zum Nachthimmel anstiegen — eine Brücke. Die Limmat! Die Ampel schaltete auf Grün, und er fuhr kreischend an.
Er war wieder am Bürkli-Platz; der General-Guisan-Quai schloß sich unmittelbar an. Die breite ausgebaute Straße zog sich am Ufer entlang. Borowski kam gut voran. Die Züricher schliefen noch; es waren kaum Autos auf der Straße. Schnell erreichte er den Mythen-Quai — und dann sah er bald auch im Dunkel das große Strandbad liegen. So bevölkert und überfüllt es an sonnigen, warmen Sommertagen war — jetzt wirkte es in seiner Verlassenheit fast trostlos. Oder gefährlich? Vorsichtig fuhr Borowski an dem Gelände vorbei, die Taschenlampe, die er dem Mann mit der goldgeränderten Brille weggenommen hatte, in der linken Hand und damit die Seitenränder ableuchtend. Zu seiner Rechten erblickte er Tennisplätze.
Doch er konnte nichts Verdächtiges bemerken. Aber er hatte es bestimmt gehört: Nimm sie in dem Wagen mit. Zum Strandbad. Kurz nach der Tennisanlage wendete Borowski und fuhr noch langsamer zurück, jeden Zentimeter links und rechts in den starken Strahl der Taschenlampe tauchend. Da — in einem links abgehenden kleinen Seitenweg sah er die Chromteile eines geparkten Wagens aufleuchten. Dieses Modell hätte er unter Tausenden sofort wiedererkannt.
Er fuhr noch etwa zwanzig Meter und ließ dann den Wagen ausrollen. Sofort schaltete er die Taschenlampe aus und ließ sie auf den Sitz fallen. Der Schmerz in seiner zerschlagenen linken Hand verschmolz plötzlich mit der Agonie in seiner Schulter und seinem Arm; er mußte allen Schmerz aus seinem Bewußtsein verdrängen, die Blutung, so gut er konnte, zum Stillstand bringen. Er griff unter sein Jackett und zerriß sein ohnehin zerfetztes Hemd noch weiter. Schließlich zog er einen Streifen Stoff heraus, den er sich um die linke Hand wickelte und anschließend mit Zähnen und Fingern verknotete. Jetzt war er bereit.
Er nahm die Waffe, die ihm den Tod hätte bringen sollen, und überprüfte das Magazin: Es war geladen. Er wartete, bis zwei Autos an ihm vorbeigefahren waren. Dann schaltete er die Scheinwerfer aus.
Borowski stieg lautlos aus dem Wagen, die Pistole in der rechten Hand, die Taschenlampe etwas ungeschickt in den blutigen Fingern seiner linken, und schlich auf den Seitenweg zu, in dem er den Wagen entdeckt hatte.
Nur der Wind, der vom See her wehte, war im Moment zu hören — und plötzlich ein Schrei, voller Angst ausgestoßen. Ein hartes Klatschen folgte, dann noch einmal. Und nach einer kurzen Pause drang erneut ein schriller Schrei an sein Ohr, der nach wenigen Sekunden abrupt abbrach.
Er humpelte schneller. Zuallererst sah er das schimmernde Metall der verchromten Stoßstange, die im nächtlichen Licht glänzte. Jetzt vernahm er deutlich vier Schläge, die schnell hintereinander ausgeteilt wurden; Fleisch prallte auf Fleisch. Halb erstickte Schreckensschreie kamen aus dem Innern des Wagens. Dann verstummten sie, und statt dessen war ein Stöhnen zu hören.
Jason duckte sich und schob sich um den Kofferraum herum auf das rechte Hinterfenster zu.
Langsam erhob er sich und schrie plötzlich laut los, während er die Taschenlampe einschaltete.
«Eine Bewegung — und Sie sind tot!«
Was er im Wageninneren sah, erfüllte ihn mit Ekel und Wut: Marie St. Jacques' Kleider waren zerrissen; Hände klammerten sich wie Klauen an ihrem halbnackten Körper fest, kneteten ihre Brüste, zwängten ihr die Beine auseinander. Der Penis des Killers stach aus dem Stoff seiner Hose hervor.
«Raus, du Schweinehund!«
Glas zersplitterte; der Mann, der Marie St. Jacques vergewaltigte, hatte erkannt, daß Borowski die Pistole nicht abfeuern konnte, weil er Gefahr lief, dabei die Frau zu töten. Der Kerl löste sich von ihr und trat mit dem Schuhabsatz gegen das Seitenfenster des kleinen Wagens. Die Scheibe zersplitterte, Glasscherben flogen heraus, einige davon Jason ins Gesicht. Er schloß die Augen und hinkte rückwärts.
Die Tür wurde aufgerissen, ein greller Lichtblitz begleitete den Knall. Ein heißer, brennender Schmerz breitete sich in Borowskis rechter Körperhälfte aus. Der Stoff seines Jacketts wurde zerfetzt, Blut durchtränkte sein zerrissenes Hemd. Als er undeutlich eine Gestalt sah, die über den Boden robbte, betätigte er den Abzug. Er feuerte erneut, und die Kugel sprengte den Boden auf. Der Killer war hinter das Auto gekrochen und davongerannt, in das Dunkel einer Parkanlage hinein.
Jason wußte, daß er nicht da bleiben konnte, wo er war; das hätte sein sicheres Todesurteil bedeutet. Sein Bein hinter sich herschleppend, humpelte er zur offenen Wagentür.
«Bleiben Sie drin!«herrschte er Marie St. Jacques an; die Frau hatte in ihrer Panik versucht, aus dem Fahrzeug zu gelangen.»Verdammt! Zurück!«
Ein Schuß; die Kugel bohrte sich in den Kotflügel. Offensichtlich war der Verbrecher zurückgekommen und kauerte nun im Schutz der Bäume. Borowski feuerte zweimal in der Richtung, in der er den Killer vermutete. Danach blieb es still. Jason hatte also nicht getroffen — war sein Gegner überhaupt noch da?
Borowski versuchte, sich langsam aufzurichten. Die Schmerzen, die ihm das bereitete, ließen ihn einen Augenblick unvorsichtig werden. Zwei Schüsse hallten aus der Dunkelheit, eine Kugel prallte von der Fenstereinfassung des Wagens ab. Stahl bohrte sich in seinen Hals; Blut spritzte.
Borowski hatte die Waffe über die Motorhaube gerichtet. Er war hilflos, die Kräfte verließen ihn.
Ein letzter Schuß ertönte, dann hörte Borowski, wie der Mann weglief, konnte ihm aber nicht folgen; der bohrende Schmerz hatte ihn endgültig außer Gefecht gesetzt. Er ließ sich resignierend auf den Boden sinken und war nun bereit aufzugeben.
Was auch immer er sein mochte, es sollte sein.
Die Frau kroch aus dem Wagen. Sie starrte Jason an, und in ihrem Blick mischten sich Unglauben, Furcht und Verwirrung.
«Gehen Sie«, flüsterte er und hoffte, daß sie ihn verstehen konnte.»Dort hinten ist ein Wagen, die Schlüssel stecken. Verschwinden Sie hier. Vielleicht holt er andere, ich weiß nicht.«
«Sie sind meinetwegen gekommen«, sagte sie.
«Hauen Sie ab! Nehmen Sie das Auto, Doktor. Wenn jemand versucht, Sie aufzuhalten, überfahren Sie ihn. Sie müssen zur Polizei… zu der echten, wo man Uniformen trägt. Sie Närrin. «Seine Kehle brannte, sein Magen war eisig kalt. Feuer und Eis
— das war nicht das erste Mal, daß er sie gleichzeitig fühlte. Wo war es nur gewesen?
«Meinetwegen sind Sie zurückgekommen und haben… mir das Leben gerettet«, fuhr sie mit der gleichen hohlen Stimme fort, und die Worte, die sie sprach, schwebten in der Luft.
«Sie irren sich. «Ein Reflex, ein Instinkt aus vergessenen Erinnerungen hat mich gesteuert. Sie sehen, ich weiß die Worte… mir ist inzwischen alles egal. Diese Schmerzen, o mein Gott, diese verdammten Schmerzen!