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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Die Taschenlampe wurde zweimal an- und ausgeknipst. Ein vierter Mann, der die Tür des kleinen Wagens für die zum Tode verurteilte Frau geöffnet hatte, nickte. Marie St. Jacques wurde auf den Rücksitz geworfen, dann knallte die Tür ins Schloß. Der Mann namens Johann ging auf die Betonstufen zu und nickte dem Henker zu.

Jason spürte, wie Übelkeit in ihm aufstieg, als der Motor der kleinen Limousine aufheulte und sie in die Brauerstraße hineinschoß. Im nächsten Augenblick war die verchromte Stoßstange von den Schatten der Straße verschluckt. Im Inneren jenes Wagens saß eine Frau, die er sein ganzes Leben noch nicht gesehen hatte… bis vor drei Stunden. Und er hatte sie getötet.»Sie haben genug Soldaten«, sagte er.

«Wenn es hundert Männer gäbe, denen ich vertrauen könnte, würde ich sie gerne bezahlen. Wie gesagt, Ihr Ruf geht Ihnen voraus.«

«Angenommen, ich würde Sie bezahlen. Sie waren auf der Bank; Sie wissen, daß ich Geld zur Verfügung habe.«

«Wahrscheinlich Millionen, aber ich würde keinen Franc davon anrühren.«

«Warum? Haben Sie Angst?«

«Richtig. Reichtum ist etwas Relatives — er hängt von der Zeit ab, die einem zur Verfügung steht, um ihn zu genießen. Ich hätte keine fünf Minuten übrig. «Der Killer wandte sich seinem Untergebenen zu.»Setz ihn hinein. Zieh ihn aus. Ich möchte Fotos, die ihn nackt zeigen — ehe er uns verläßt, und nachher. Du wirst eine Menge Geld bei ihm finden: Ich möchte, daß er es in der Hand hält. Ich fahre. «Er sah wieder Borowski an.»Carlos bekommt den ersten Abzug. Und ich habe keinen Zweifel, daß ich die anderen Abzüge recht gut verkaufen kann. Die Illustrierten zahlen Wahnsinnspreise.«

«Warum sollte Carlos Ihnen glauben oder irgend jemand sonst? Sie haben es ja selbst gesagt: Niemand weiß, wie ich aussehe.«

«Zwei Züricher Bankiers werden Sie als einen gewissen Jason Borowski identifizieren, als eben den Jason Borowski, der den äußerst strengen Vorschriften entsprach, die die Schweizer Gesetze für die Herausgabe eines Nummernkontos vorgesehen haben. Das wird genügen. «Er wandte sich an den Mann mit der Waffe.»Schnell! Ich muß einige Telegramme absenden. Schulden eintreiben.«

Ein kräftiger Arm schlang sich um Borowskis Hals und drückte seine Kehle zu. Der Lauf einer Pistole bohrte sich in seinen Rücken. Ein fast unerträglicher Schmerz breitete sich in seiner Brust aus, als man ihn ins Innere des Wagens zerrte. Der Mann, der ihn festhielt, war ein Fachmann auf seinem Gebiet; selbst ohne seine Verletzungen wäre es Jason nicht gelungen, sich aus der Umklammerung zu befreien. Aber dem bebrillten Anführer der Aktion genügte das rabiate Vorgehen des Mannes noch nicht. Er setzte sich hinter das Steuer und erteilte einen weiteren Befehl.

«Brech ihm die Finger«, sagte er.

Einen Augenblick lang drohte der Arm des anderen, Jason zu ersticken, als der Knauf der Waffe mehrere Male auf seine Hand niedersauste. Borowski hatte instinktiv die linke Hand über die rechte gehalten und sie geschützt. Als das Blut aus dem oberen Handrücken schoß, krümmte er die Finger, so daß es zwischen ihnen durchfloß und auch die untere besudelte. Als der Griff sich für einen Moment lockerte, schrie er:

«Meine Hände! Sie sind gebrochen!«

«Gut so.«

Aber sie waren nicht gebrochen; die Linke war so beschädigt, daß sie nicht zu gebrauchen war; nicht aber die Rechte. Er bewegte die Finger; seine Hand war intakt.

Der Wagen raste die Brauerstraße in südlicher Richtung hinunter und bog in eine Seitenstraße. Jason sackte stöhnend in seinem Sitz zusammen. Der Mann mit der Waffe zerrte an seinen Kleidern und riß ihm das Hemd auf. Binnen weniger Sekunden würde sein Oberkörper entblößt sein. Man würde ihm den Paß, die Papiere, die Kreditkarten und das Geld wegnehmen, das nicht ihm gehörte. Alle Dinge, die für seine Flucht aus Zürich notwendig waren, würden ihm abgenommen werden. Jetzt war seine letzte Chance zu handeln.

«Mein Bein! Mein verdammtes Bein!«schrie er und beugte sich nach vorn, während seine rechte Hand in der Dunkelheit fieberhaft nach der Pistole am Hosenbein tastete. Jetzt spürte er sie.

«Nein!«brüllte der Killer auf dem Vordersitz.»Paß auf ihn auf!«Er ahnte die Gefahr instinktiv.

Aber es war schon zu spät. Borowski hielt die Pistole auf den Boden gerichtet. Als der kräftige Soldat ihn zurückstieß, fiel er zurück, und die Waffe, die jetzt an seiner Hüfte lag, wies direkt auf die Brust des Angreifers.

Er feuerte zweimal; der Mann bäumte sich nach hinten. Wieder schoß Jason — er zielte genau — und sein Schuß durchbohrte das Herz des Mannes. Er sackte auf dem Sitz zusammen.»Fallen lassen!«schrie Borowski, schwang die Pistole über den abgerundeten Rand des Vordersitzes und preßte den Lauf gegen den Schädel des Fahrers.

Der Atem des Mannes ging unregelmäßig; er ließ die Waffe fallen.»Wir werden reden«, sagte er und hielt das Steuer fest umklammert.»Wir sind beide Profis. «Der schwere Wagen schoß nach vorn, wurde schneller, als der Fahrer kräftiger auf den Gashebel drückte.

«Langsamer!«

«Ihre Antwort?«Der Wagen fuhr mit hohem Tempo. Vor ihnen zuckten die Lichter des nächtlichen Verkehrs; sie verließen das Viertel, in dem die Brauerstraße lag, und rollten auf die belebtere Innenstadt zu.»Sie wollen aus Zürich heraus; ich kann Sie hinausschaffen. Ohne mich gelingt Ihnen das nicht. Ich brauche bloß das Steuer herumzureißen und den Wagen gegen eine Mauer zu fahren. Ich habe überhaupt nichts zu verlieren, Herr Borowski. Überall vor uns ist Polizei. Ich glaube nicht, daß Sie mit der zu tun haben wollen.«

«Gut, wir werden reden«, log Jason. Jetzt kam alles auf den richtigen Zeitpunkt an. Und den würde er schon nicht versäumen.

«Bremsen Sie«, sagte Borowski.

«Lassen Sie Ihre Kanone auf den Sitz neben mir fallen.«

Jason ließ die Waffe los. Sie fiel direkt auf die des Killers.

Der Fahrer nahm den Fuß vom Gaspedal und trat auf die Bremse. Erst drückte er sie ganz langsam nieder und dann mehrere Male ruckartig, so daß der schwere Wagen vor und zurück schwankte. Borowski begriff, was sein Rivale vorhatte.

Die Tachometernadel senkte sich nach links: dreißig

Stundenkilometer, achtzehn, neun. Sie waren fast zum Stillstand gekommen; das war der Augenblick, auf den er gelauert hatte.

Jason packte den Mann am Hals, hob die blutige linke Hand und verschmierte ihm die Augen. Er ließ die Kehle des Killers los, und seine rechte Hand griff blitzschnell nach den Waffen, die auf dem Sitz lagen. Borowski bekam einen Kolben zu fassen, stieß die Hand des Killers weg; der Mann schrie, er konnte nichts sehen, die Waffe nicht erreichen. Jason warf sich über den Mann, drückte ihn gegen die Tür und faßte das Lenkrad mit seiner blutigen Rechten. Dann blickte er durch die Windschutzscheibe und riß das Steuer nach rechts, um den Wagen in einen Haufen Abfall auf dem Pflaster rollen zu lassen.

Der Kerl unter ihm bäumte sich auf. Borowski hielt die Pistole in der Hand, seine Finger suchten den Abzug. Sekunden später drückte er ab.

Der Mann, der ihn hatte töten wollen, wurde plötzlich schlaff; er hatte ein dunkelrotes Loch in der Stirn.

Auf der Straße kamen Menschen angerannt. Jason zog die Leiche über, den Sitz, kletterte nach vorne und setzte sich hinter das Steuer. Er legte den Rückwärtsgang ein, worauf sich der Wagen aus dem Abfallhaufen löste und wieder auf die Straße rollte. Bereits im Wegfahren kurbelte er sein Fenster herunter und rief den Passanten zu, die sich näherten:»Tut mir leid! Alles in Ordnung! Nur ein wenig zu viel getrunken. «Borowski atmete tief durch und versuchte, das Zittern unter Kontrolle zu bringen, das seinen ganzen Körper erfaßt hatte. Wenigstens wußte er ungefähr, wo er war — eine alte Erinnerung —, und was noch wichtiger war, er hatte ein ziemlich genaues Bild davon, wo sich am Mythen-Quai das

Strandbad befand.

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