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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Sie waren frei. Sie hätten Ihre Flucht fortsetzen können, aber Sie sind umgekehrt — meinetwegen.«

Er hörte ihre Stimme durch Nebelschwaden des Schmerzes. Sie kniete neben ihm, berührte sein Gesicht, seinen Kopf. Hören Sie auf! Fassen Sie meinen Kopf nicht an! Lassen Sie mich alleine.

«Warum haben Sie das getan?«Das war ihre Stimme. Sie stellte ihm eine Frage. Begriff sie nicht? Er konnte ihr nicht antworten.

Was machte sie? Sie hatte ein Stück Stoff abgerissen und schlang es um seinen Hals… und jetzt noch eines, diesmal größer, ein Stück von ihrem Kleid. Sie hatte seinen Gürtel gelockert und schob das weiche Tuch auf die glühend heiße Haut an seiner rechten Hüfte.

«Das waren nicht Sie.« Er fand wieder Worte und gebrauchte sie schnell. Er wollte den Frieden der Dunkelheit

— so wie er ihn schon einmal gewollt hatte, aber er konnte sich nicht erinnern, wann.

«Dieser Mann… er hatte mich gesehen. Er konnte mich identifizieren. Ihn wollte ich. Und jetzt verschwinden Sie!«

«Das hätten ein halbes Dutzend andere auch gekonnt«, erwiderte sie, und ihre Stimme klang verändert.»Ich glaube Ihnen nicht.«

«Glauben Sie mir!«

Sie stand jetzt über ihm. Dann war sie plötzlich nicht mehr da. Sie war verschwunden. Sie hatte ihn verlassen. Der Friede würde nun schnell kommen; die dunklen, tosenden Wellen würden ihn verschlingen und den Schmerz wegspülen, und ihn schließlich alles vergessen lassen.

Motorengeräusch durchdrang die Stille. Er wollte den Lärm nicht hören, denn er störte seine sehnsüchtigen Phantasien. Dann legte sich eine Hand auf seinen Arm. Dann noch eine. Jemand zog ihn sachte in die Höhe.

«Kommen Sie«, sagte die Stimme,»helfen Sie mir.«

«Lassen Sie mich los!«schrie er. Das war ein Befehl; aber man gehorchte ihm nicht. Das ärgerte ihn. Schließlich waren Befehle dazu da, daß man sie befolgte. Aber nicht immer; irgend etwas sagte ihm das. Da war wieder der Wind, ein Wind an einem anderen Ort, hoch am Nachthimmel. Ein Signal ertönte, ein Licht flammte auf, und er schreckte zusammen.

«Schon gut. Alles in Ordnung«, sagte die Stimme, die nicht auf seine Befehle hören wollte.»Heben Sie den Fuß. Heben Sie ihn…! So ist es gut. Jetzt haben Sie's geschafft. Und jetzt in den Wagen. Lehnen Sie sich zurück… ganz langsam. Fein so.«

Er fiel… fiel in einen pechschwarzen Himmel. Und als der Fall aufhörte, herrschte völlige Stille; er konnte seinen eigenen Atem hören. Und Schritte. Und das Geräusch einer sich schließenden Tür, gefolgt von einem rollenden, mahlenden Geräusch unter ihm, vor ihm, irgendwo.

Als plötzlich ein Lufthauch sein brennendes Gesicht kühlte, verlor er das Gleichgewicht und stürzte wieder, wurde erneut aufgefangen, von einem Körper, der sich gegen ihn stemmte.

Ferne Stimmen drangen an sein Ohr. Langsam zeichneten sich Umrisse ab, das Licht einer Tischlampe erhellte sie. Er befand sich in einem großen Raum und lag zugedeckt auf einem schmalen Bett. In dem Zimmer waren zwei Leute: ein Mann in einem Mantel und eine Frau… Sie trug eine weiße Blu se und einen dunkelroten Rock. Rot war auch ihr Haar…

Marie St. Jacques! Sie stand an der Tür und sprach mit einem Mann, der in der linken Hand eine lederne Tasche hielt. Sie sprachen französisch miteinander.

«In erster Linie braucht er Ruhe«, sagte der Mann.»Falls Sie mich nicht erreichen können, soll jemand anders die Fäden ziehen. In einer Woche kann man sie entfernen, denke ich.«

«Vielen Dank, Doktor.«

«Ich danke Ihnen. Sie sind sehr großzugig gewesen. Ich gehe jetzt. Vielleicht höre ich von Ihnen, vielleicht auch nicht.«

Als der Arzt die Tür hinter sich geschlossen hatte, schob die Frau einen Riegel vor. Sie drehte sich um und sah, daß Borowski sie musterte. Langsam trat sie an sein Bett.

«Können Sie mich hören?«fragte sie.

Er nickte.

«Sie sind verletzt, ziemlich schlimm sogar. Aber wenn Sie sich ruhig verhalten, brauchen Sie nicht in ein Krankenhaus zu gehen. Der Mann, der gerade gegangen ist, war der Arzt. Ich habe ihn mit dem Geld bezahlt, das ich bei Ihnen gefunden habe; wesentlich mehr als vielleicht üblich ist, aber man hat mir gesagt, daß man ihm vertrauen kann. Das war übrigens Ihre Idee. Während wir hierher fuhren, redeten Sie immer wieder davon, daß Sie einen Arzt finden müßten, einen, dessen Stillschweigen man sich erkaufen könne. Sie hatten recht, es war nicht schwer.«

«Wo sind wir?«fragte er mit matter Stimme.

«In einem Dorf namens Lenzburg, etwa dreißig Kilometer von Zürich entfernt. Der Arzt ist aus Wohlen, das ist eine Stadt in der Nähe. Er wird in einer Woche wiederkommen, wenn Sie dann noch da sind.«

«Wie?«Er versuchte, sich aufzurichten, aber seine Kräfte reichten dazu nicht aus.

«Ich will Ihnen sagen, was geschehen ist; das beantwortet vielleicht Ihre Fragen. «Sie stand reglos da und blickte auf ihn hinunter. Ihre Stimme war kontrolliert, als sie fortfuhr.»Eine Bestie hat mich vergewaltigt. Sie hatte Anweisung, mich zu töten. Ich durfte nicht am Leben bleiben. In der Brauerstraße hatten Sie versucht, die Kerle aufzuhalten, und als Ihnen das nicht gelang, riefen Sie mir zu, ich solle schreien, immer wieder schreien. Damit haben Sie riskiert, in diesem Augenblick selbst getötet zu werden. Später kamen Sie irgendwie frei; ich weiß nicht, wie, aber ich weiß, daß Sie dabei sehr schwer verletzt wurden — und dann haben Sie mich gesucht.«

«Ihn«, unterbrach sie Jason, »»ihn wollte ich.«

«Das haben Sie mir bereits gesagt, aber ich glaube Ihnen nicht. Nicht etwa, weil Sie ein schlechter Lügner sind, sondern weil die Tatsachen dagegen sprechen. Zum Beispiel könnte Sie auch der Besitzer des >Drei Alpenhäuser< identifizieren. Dies sind die Fakten. Nein, Sie sind gekommen, um mich zu finden, und haben mir das Leben gerettet.«

«Weiter«, sagte er, und seine Stimme begann langsam kräftiger zu werden.»Was geschah dann?«

«Ich traf eine Entscheidung, die schwierigste, die ich in meinem ganzen Leben zu fällen hatte. Ich glaube, zu solch einer Entscheidung ist man nur fähig, wenn man beinahe gewaltsam sein Leben verloren hat und jemand anderer dieses Leben gerettet hat. Ich entschied mich, Ihnen zu helfen.«

«Warum sind Sie nicht zur Polizei gegangen?«

«Das hätte ich beinahe getan, und ich bin nicht sicher, ob ich Ihnen erklären kann, warum ich es nicht tat. Vielleicht weil man mich vergewaltigt hatte, ich weiß es nicht. Ich bin ehrlich zu Ihnen. Man hat mir immer gesagt, es sei das Schrecklichste, was einer Frau zustoßen kann. Jetzt glaube ich es. Und ich habe die Wut, den Ekel in Ihrer Stimme gehört, als Sie ihn anschrien. Ich werde diesen Augenblick nie mehr vergessen, solange ich lebe.«

«Die Polizei?«wiederholte er.

«Dieser Mann im >Drei Alpenhäuser< hat gesagt, daß die Polizei Sie sucht. «Sie hielt inne.»Ich konnte Sie nicht an die Polizei ausliefern. Nicht nach dem, was Sie für mich getan haben.«

«Obwohl Sie wissen, was ich bin?«fragte er.

«Ich weiß nur, was ich gehört habe, und das paßt nicht zu dem verletzten Mann, der meinetwegen zurückkam und sein Leben aufs Spiel setzte, um mich zu retten.«

«Das ist nicht sehr klug.«

«Das ist das einzige, was ich bin, Mr. Borowski. Ich nehme an, Borowski ist richtig. So hat er Sie genannt. Sehr klug.«

«Ich habe Sie geschlagen. Ich habe gedroht, Sie zu töten.«

«Wenn ich Sie gewesen wäre und man versucht hätte, mich zu töten, hätte ich wahrscheinlich genauso gehandelt — wenn ich dazu imstande gewesen wäre.«

«Also sind Sie aus Zürich herausgefahren?«

«Nicht gleich. Erst mußte ich ruhig werden, mir die nächsten Schritte überlegen. Ich bin sehr methodisch.«

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