18 Gaensehaut Stories
- Автор: Kluge Manfred
- Серия: Heyne Anthologie #53
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
»Hallelujah!« flüsterte in einem glühenden Dankgebet der Rabbi, aufrecht auf der Schwelle, bei dem Anblick, der sich ihm bot.
Die Türe hatte sich auf die Gärten unter einem Sternenhimmel geöffnet! Auf den Frühling, die Freiheit, das Leben! Und von hier aus dehnte es sich nach den nahen Feldern, nach den Sierras, deren windungsreiche Umrisse sich blau vom Horizont abhoben. Dort, dort war das Heil! Oh! Nur fliehen! Er würde die ganze Nacht durch diesen Hain von Zitronenbäumen laufen, deren Düfte ihm entgegenschlugen. Einmal im Gebirge, wäre er gerettet; der Wind belebte ihn, seine Lungen atmeten wieder. Er hörte, das Herz geweitet, das Veni foràs des Lazarus. Und um noch einmal den Gott zu segnen, der ihm diese Barmherzigkeit spendete, streckte er die Arme vor sich aus, hob die Augen zum Firmament; es war reinste Verzückung.
Da glaubte er zu sehen, wie der Schatten seiner Arme sich gegen ihn wendete, er glaubte zu spüren, wie diese Schattenarme ihn umschlangen, ihn preßten, zu spüren, wie er an eine Brust gedrückt wurde. Ja, eine hohe Gestalt erhob sich vor ihm. Vertrauensvoll senkte er den Blick auf diese Gestalt – und dann schwankte er, starrte er, den Blick getrübt, zitternd, die Backen geschwellt, vor Entsetzen geifernd.
Ein Grauen! Er war in den Armen des Großinquisitors selbst, des ehrwürdigen Pedro Arbuez d’Espila, der ihn betrachtete, die Augen von schweren Tränen gefüllt, wie ein guter Hirt, der sein verirrtes Schaf wiederfindet …
Der düstere Priester drückte in einem Aufschwung von so glühendem Erbarmen den unglücklichen Juden an sein Herz, daß die Stacheln des mönchischen Büßerhemds unter der Soutane in die Brust des Dominikaners eindrangen. Und während der Rabbi Aser Abarbanel die Augen unter den Lidern verdrehte, vor Angst in den Armen des asketischen Dom Arbuez röchelte und undeutlich erfaßte, daß alle Phasen des unheilvollen Abends nichts waren als eine wohlvorbereitete Folter, die Folter durch die Hoffnung, flüsterte der Großinquisitor im Ton ergreifenden Vorwurfs, nicht ohne Bestürzung im Blick, mit glühendem Atemhauch ihm ins Ohr:
»Wie, mein Kind! An der Schwelle des Heils vielleicht, hast du uns verlassen wollen?!«
Der schwarze Kater von Edgar Allen Poe
Edgar Allen Poe (1809-1849) galt in seinem amerikanischen Geburtsland lange Zeit als ein Fremder, ehe man in Europa seine literarische Bedeutung erkannte. Heute gilt Poe auch in seiner Heimat als Klassiker der amerikanischen Literatur. Zahllose Legenden ranken sich um sein Leben. Er besuchte in London die Schule, studierte an der Universität von Virginia, ging 1827 zur Armee und 1830 für ein Jahr als Kadett nach West Point. Nach einem ernsthaften Zerwürfnis verstieß sein Vormund Allen den seelisch Labilen, der meist in großer Armut lebte, immer wieder an Alkoholismus und Drogensucht litt und an weitgehend ungeklärten Umständen in Baltimore starb. Seit 1833 fristete Poe ein kärgliches Leben als Schriftsteller, Journalist und Herausgeber literarischer Zeitschriften. Bis auf den heutigen Tag wurde Amerikas bedeutendster Dichter beim breiten Publikum im Gruselkabinett der »gothic novel« abgelegt, ein Mißverständnis, das Poes unbestrittenen literarischen Rang auf die Dauer nicht zu beeinträchtigen vermochte. Wenn Poe in unserem »Gruselkabinett« Aufnahme gefunden hat, so als Ahnherr und Klassiker einer Literaturgattung, die mit seinem Namen auf das allerengste verbunden ist: Daß Poe mehr war als ein beliebter Autor von Gruselgeschichten, steht außer Zweifel.
Ich verlange und erwarte nicht, daß man die höchst seltsame und doch einfache Geschichte, die ich hier niederschreiben will, glaubt. Es wäre auch töricht, dies zu tun, denn ich selbst vermag dem Zeugnis meiner Sinne kaum zu trauen. Doch bin ich weder wahnsinnig, noch habe ich geträumt. Morgen aber muß ich sterben und möchte darum heute meine Seele entlasten. Zu diesem Zweck will ich der Welt klar und bündig und ohne weitere Erörterungen eine Reihe rein häuslicher Begebenheiten vor Augen führen. Die Folgen dieser Begebenheiten haben mich dem Entsetzen, haben mich der Qual anheimgegeben und mich schließlich zugrunde gerichtet. Doch will ich nicht versuchen, sie weiter zu erklären. Mir haben sie ein Schaudern verursacht; anderen mögen sie vielleicht weniger schrecklich als sonderbar erscheinen. Später vielleicht wird ein denkender Geist meine Wahngebilde auf Selbstverständlichkeiten zurückführen – er wird, ruhiger, logischer und viel weniger nervös als ich, in all den Umständen, die ich nun mit Grausen erzähle, die gewöhnliche Folge ganz natürlicher Ursachen und Wirkungen erkennen.
Von früher Kindheit an war ich wegen meines gelehrigen, liebevollen Wesens bekannt. Die Zärtlichkeit meines Herzens war so ungewöhnlich, daß sie mich zum Gespött meiner Kameraden machte. Ich war ein großer Tierfreund, und meine Eltern gestatteten mir gütigst, eine ganze Anzahl solcher Lieblinge zu halten. Mit ihnen verbrachte ich den größten Teil meiner Zeit und fühlte mich nie so glücklich, als wenn ich sie fütterte und liebkoste. Diese Eigenheit meines Wesens wuchs mit den Jahren und war später im Mannesalter der Quell meiner größten Vergnügungen. Denen, die jemals Neigung für einen treuen und gelehrigen Hund gehabt haben, brauche ich wohl die Natur und die innige Befriedigung, die aus solch einer Liebhaberei entstehen kann, nicht weiter zu erklären. In der selbstlosen und aufopferungsfähigen Anhänglichkeit eines Tieres liegt etwas, das unmittelbar zum Herzen dessen spricht, der oft Gelegenheit gehabt hat, die Armseligkeit und Unbeständigkeit der Menschen – was Freundschaft und Treue angeht – zu erproben.
Ich heiratete früh und war glücklich, bei meiner Frau eine meinem Wesen entsprechende Gemütsart zu finden. Als sie meine Vorliebe für Haustiere bemerkte, ließ sie keine Gelegenheit vorübergehen, mir die gefälligsten zu verschaffen. Und so besaßen wir denn Vögel, Goldfische, einen schönen Hund, Kaninchen, einen kleinen Affen und einen – Kater.
Er war ein auffallend großes und schönes Tier, vollständig schwarz und erstaunlich klug. Meine Frau, die ein wenig abergläubisch war, machte oft, wenn sie von dieser Klugheit sprach, Anspielungen auf den volkstümlichen Aberglauben, nach dem alle schwarzen Katzen verkappte Hexen sind. Ich will nicht sagen, daß sie jemals ernsthaft daran glaubte, und ich erwähne es überhaupt nur, weil ich mich zufällig wieder daran erinnere.
Pluto – so hieß der Kater – war mein bevorzugter Liebling und Spielgenosse. Ich allein fütterte ihn, und er begleitete mich auf Schritt und Tritt im ganzen Hause herum. Ich konnte ihm nur mit Mühe verwehren, mir auch auf die Straße zu folgen.
Unsere Freundschaft hatte nun schon mehrere Jahre bestanden – Jahre, in denen mein Temperament und mein Charakter, wie ich mit Beschämung gestehen muß, durch den Dämon Unmäßigkeit allmählich eine vollständige Wandlung zum Schlimmen erfuhr. Ich wurde von Tag zu Tag trübsinniger, reizbarer, rücksichtsloser. Selbst meiner Frau gegenüber gestattete ich mir eine brutale Sprache und vergriff mich schließlich sogar tätlich an ihr. Meine Lieblinge mußten natürlich ebenfalls unter dieser Veränderung meiner Gemütsart leiden. Ich vernachlässigte sie nicht nur, sondern mißhandelte sie. Für Pluto jedoch empfand ich noch immer so viel Zuneigung, daß ich ihn wenigstens nicht quälte, obwohl ich mir kein Gewissen daraus machte, die Kaninchen, den Affen und selbst den Hund, wenn sie mir aus Zufall oder Anhänglichkeit in den Weg liefen, zu peinigen, wie ich nur konnte. Aber meine Krankheit gewann immer mehr Macht über mich – denn welche Krankheit ist an Hartnäckigkeit dem Hang zum Alkohol zu vergleichen? –, und zum Schluß mußte selbst Pluto, der anfing, alt und infolgedessen etwas mürrisch zu werden, die Wirkungen meiner Verdüsterung an sich erfahren.