Warcraft: Roman zum Film
- Автор: Голдэн Кристи
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Panini Verlag
- ISBN: 978-3-8332-3267-1
- Переводчик: Andreas Kasprzak
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Warcraft: Roman zum Film». Краткое содержание книги:
Das Baby giggelte, scheinbar zufrieden mit jeder Waffe, die es irgendwann in Zukunft führen würde, und die Beklommenheit in ihrem Herzen ließ ein wenig nach. „Mein edler kleiner Krieger“, murmelte sie. „Du bist ein wahrer Orc, ganz gleich, welche Hautfarbe du hast. Das werden wir dich lehren.“
Der Junge schreckte aus dem Schlaf auf, als die Tierhaut, die als Tür der Behausung diente, beiseitegeschoben wurde und Durotan hereinkam. Er schwitzte und keuchte, und noch bevor er das Wort ergreifen konnte, verriet ihr jede Faser seines Körpers, dass alles verloren war.
Er drückte sie einen Moment lang fest an sich, ehe er ihr hastig berichtete, was geschehen war. Sie sagte nichts, schüttelte aber die ganze Zeit über ungläubig den Kopf. Nein. Nein, das konnte nicht sein. Unmöglich, dass Orgrim sie … verraten hatte. Doch genau das hatte er getan.
„Du und das Baby, ihr müsst fort“, sagte Durotan, als er zum Ende gekommen war. Er griff nach dem Säugling und hob ihn selbst in diesem Moment der Krise langsam und bedächtig aus dem Korb. „Sofort!“
Plötzlich füllte eine Gestalt die Türöffnung. Schwarzfaust. Er war blutbesudelt, hielt jedoch keine Waffe in Händen. Allerdings brauchte er auch keine – nicht mehr. Die Klaue, die an der Stelle saß, wo einstmals seine Hand gewesen war, würde vollauf genügen. Er packte Durotan an seinem Haarschopf und riss ihn rückwärts. Das in den Handflächen seines Vaters liegende Baby fing an zu schreien.
„Du bist ein Verräter, Durotan!“, bellte Schwarzfaust.
Alles in Draka verlangte danach anzugreifen; stattdessen jedoch sah sie Durotan an. Er kämpfte nicht – jedenfalls nicht mit Waffen, und sie würde seinem Beispiel folgen.
„Nein“, sagte Durotan gelassen und voller Überzeugung. „Sondern einer, der wertschätzt, was wir einst waren. Genau wie du früher.“
„Diese Zeit ist vergangen“, sagte Schwarzfaust zornig, um dann mit ruhigerer Stimme hinzuzufügen: „Jetzt sind wir bloß noch Nahrung für die Fel-Magie.“ In der Miene des Kriegshäuptlings lag weder Wut noch Hass, bloß abgeklärte Schwermut.
Draka schickte sich an zu sprechen, was sie selbst wohl am meisten überraschte. „Wir sind mehr als das. Du bist mehr als das. Es besteht immer noch Hoffnung, Schwarzfaust. Wir müssen diesem Pfad nicht einen einzigen Schritt weiter folgen, wenn wir nicht wollen.“
Schwarzfaust schaute sie mit zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen an, ehe er auf Durotan hinabblickte. Einen langen, angespannten Moment standen die drei da, während das Kind schrie. Dann gab Schwarzfaust ihren Gefährten knurrend frei und stieß ihn von sich. Sofort ging Durotan zu Draka und gab ihr das Kind. Sie drückte den Säugling fest an sich. Als Schwarzfaust jetzt sprach, lag noch immer kein Zorn in seiner Stimme, doch Drakas Herz schmerzte dennoch vor Verzweiflung. „Lass mich nicht noch mehr unschuldige Leben nehmen, junger Häuptling.“
Sie hielt ihr Baby noch fester umklammert; ihre Augen schossen von Schwarzfaust zu Durotan. Durotan richtete sich zu voller Größe auf und wappnete sich. „Wenn ich mich beuge …“
Drakas Hand schoss vor und umklammerte den Arm ihres Gefährten; ihre Nägel gruben sich in sein Fleisch. Er hielt seinen Blick auf den Häuptling gerichtet, während Durotan fortfuhr: „… wirst du mein Volk dann in Ruhe lassen?“
Schwarzfaust antwortete nicht. Draka wusste, dass er das nicht konnte. Er mochte vielleicht der Kriegshäuptling sein, doch er war Gul’dan Rechenschaft schuldig. Schwarzfaust war dies ebenfalls klar. Darum öffnete er bloß die Zeltklappe und wartete.
Ein Häuptling muss immer tun, was für sein Volk am besten ist, entsann sich Draka. Sie weigerte sich, ein Schluchzen auszustoßen, wie um ihrem brechenden Herzen eine Stimme zu verleihen. Nein, sie würde versuchen, ihrem Gemahl Kraft zu spenden. Und abgesehen davon, dachte sie voller Entschlossenheit, werde ich nicht zulassen, dass dies hier das Ende ist.
Als sich ihr Liebster zu ihr umdrehte, sorgte sie dafür, dass er bloß Bestimmtheit und Liebe in ihren Augen sah, als er sie eindringlich anschaute. Sie waren Frostwölfe. Sie wussten, dass sie einander liebten. Sie würden vor Schwarzfaust keine Szene machen.
Was immer auch geschieht.
Ich habe über einen Namen nachgedacht, hatte sie zu ihm gesagt.
Ich werde den Namen auswählen, wenn ich ihm begegne … oder ihr.
Und wie will der große Durotan seinem Sohn einen Namen geben, wenn ich nicht mit ihm reise?
„Wie soll ich unseren Sohn nennen?“, fragte sie ihn, verärgert darüber, dass ihre Stimme brach, doch ohne sich dessen zu schämen. Durotan senkte seinen Blick, um seinen Sohn anzusehen, und einen Moment lang geriet seine Gemütsruhe ins Wanken, als er mit unglaublicher Sanftheit den winzigen Kopf streichelte. „Go’el“, sagte er, und in diesem Augenblick wurde ihr klar, dass er nicht glaubte, dass er zurückkehren würde. Er strich mit einem Finger über ihr Kinn. Dann drehte er sich zu Schwarzfaust um, um mit großen Schritten aus dem Zelt und aus ihrem Leben zu marschieren, wenn auch niemals aus ihrem Herzen.
Schwarzfaust musterte sie einen Moment lang mit unergründlicher Miene, ehe er Durotan folgte. Der mächtige Speer Donnerschlag, der Durotan gehört hatte und davor Garad und vor diesen beiden Durkosh, kippte um und fiel dort, wo der Frostwolf-Häuptling ihn abgestellt hatte, auf die festgestampfte Erde.
Langsam und blinzelnd öffnete Medivh die Augen. Er erinnerte sich an das Gefecht. Eins, das er mit Lothar und Llane bestritten hatte, um Seite an Seite mit ihnen zu kämpfen, so, wie er es zuvor schon getan hatte, in früheren Zeiten. Er entsann sich der Orcs und der Mauer aus Blitzen.
Gleichwohl, er hatte sich noch einem anderen Kampf stellen müssen, einem, bei dem ihm seine Freunde nicht beistehen konnten. Bevor er den anderen wirklich helfen konnte, war Medivh gezwungen gewesen, der Gestalt mit der Kapuze die Stirn zu bieten, die aus Gewitterwolken geformt zu sein schien; einer Gestalt, deren Augen grün glühten.
Er verdrängte das Bild in seinem Kopf. Er hatte nicht klein beigegeben. Er war bei seinen Freunden geblieben. Er stellte fest, dass er sich wieder in Karazhan befand, doch er hatte keine Ahnung, wie er hierher gelangt war. Er drehte den Kopf und sah sie.
„Du.“
Wärme erfüllte ihn, und er schenkte Garona ein Lächeln. Als sie ihn wach sah, stieß sie ein kleines, erleichtertes Seufzen aus. Er musterte sie eingehend. So stark. So schön und so stolz, ungeachtet all dessen, was sie gesehen, was man ihr angetan hatte. „Wo ist der alte Mann?“
„Er bat mich, auf dich achtzugeben“, entgegnete sie.
„Ach, hat er das?“ Besten Dank, Moroes. Die Freude ebbte ein wenig ab. „Und der König?“, fragte er, auch wenn er beinah Angst davor hatte, die Antwort darauf zu erfahren.
„Er ist am Leben“, versicherte sie ihm.
Dem Lichte sei Dank. Gleichwohl, ihre nächsten Worte trübten seine Erleichterung.
„Lothars Sohn ist tot.“
Oh nein, nicht Callan. Medivh schloss die Augen und seufzte gequält. Er hatte den Jungen nicht sonderlich gut gekannt. Lothar hatte Callan stets auf Abstand gehalten – nicht bloß auf Abstand zu sich selbst, sondern auch zu anderen. Tarias Güte war es zu verdanken, dass Callan bei der Königsgarde seinen Platz gefunden hatte, nicht Lothar.
„Ich glaube nicht, dass Durotan von dem Hinterhalt wusste“, sagte Garona nachdrücklich.
Medivh fragte sich, wo das hinführen sollte? „Dem stimme ich zu.“
„Ich habe das Treffen vereinbart“, fuhr Garona fort. Ihre dunklen Augen waren Quellen des Bedauerns. „Lothar wird mich dafür hassen.“
Wie Medivh selbst nur zu gut wusste, konnten sechs Jahre einen Mann sehr verändern. Er vermochte nicht zu sagen, ob Lothar die Orc-Frau, die neben ihm saß, tatsächlich für das hassen würde, was geschehen war, darum konnte er ihr nicht das Gegenteil versichern.