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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Im Verlauf der Tage beobachtete er genau die einzelnen Ratten, um zu sehen, ob sie krank waren. Doch im Gegenteiclass="underline" sie sahen kräftiger und lebendiger denn je aus.

Dann rief Em ihm eines Morgens vom Fenster zu: »Sieh nur, jetzt beißen sie sich!« Schnell, doch ohne allzu großes Interesse, trat er zu ihr. Wahrscheinlich, so dachte er, handelte es sich um ein bei den Ratten übliches Liebesspiel. Doch das war es nicht.

Er sah, wie eine große Ratte unmißverständlich eine kleinere angriff. Die kleine wehrte sich, sprang verzweifelt beiseite und schien fast durch ein Loch zu entkommen, das zu eng für die größere war. Da tauchte plötzlich eine dritte Ratte auf und sprang ebenfalls auf die kleine los. Ein kleiner Blutstrahl spritzte aus der zerbissenen Kehle hervor, und dann schleppte die größere Ratte die tote weg, und diejenige, die zuerst angegriffen hatte, lief dicht hinterher.

In hohen Stiefeln, dicken Handschuhen und mit einem Stock bewaffnet, unternahm Ish einen Forschungsgang durch das nächstgelegene Geschäftsviertel, um für seinen Haushalt neue Lebensmittel zu holen. Zu seiner Verwunderung fanden sich in den Läden nur sehr wenige Ratten, und als er sich näher umsah, stellte er fest, daß alles, was eine Ratte erreichen und fressen konnte, spurlos verschwunden war. In den Läden lagen große Haufen zerfetzten Pappiers, angenagte Kartons und Rattenexkremente. Sogar die Etiketten an Büchsen und Flaschen hatten sie angenagt, so daß es bisweilen schwierig war, zu erkennen, was darin war. Jetzt war er sicher, daß der Hunger und nicht eine Seuche den Horden den Garaus bereiten würde. Er überbrachte Em die Nachricht.

Tag für Tag nahm die Zahl der Ratten ab, und eines Morgens schienen sie gänzlich verschwunden zu sein.

Beide, Ish wie Em, brauchten einige Zeit, um sich von dem Schrecken zu erholen, den die Ratten ihnen eingejagt hatten. Prinzeß durfte wieder frei umherlaufen; das Leben wurde wieder normal, und sie vergaßen das unaufhörliche Gewimmel grauer Tierkörper.

Die Fabeln hatten unrecht. Nicht der Löwe, der Mensch war der König der Tiere. Seine Herrschaft war bedrückend und oftmals unerträglich hart gewesen.

Aber dennoch erhob sich ein Schrei: »Der König ist tot!« Und es konnte niemand fortfahren: »Lang lebe der König!«

Wie in alten Zeiten nach dem Tode eines Eroberers, der keinen ebenbürtigen Sohn hinterlassen hatte, die Hauptleute um Krone und Zepter in Streit gerieten und keiner sich als stark genug erwies und das Reich zerfiel, so war es auch jetzt; denn weder die Ameise noch die Ratte noch der Hund noch der Affe zeichnen sich so sehr durch Weisheit aus, daß sie sich über ihre Gefährten erheben könnten. Für eine kleine Weile wird ein kämpfendes Getümmel stattfinden, werden schnelle Aufstiege und plötzliche Stürze erfolgen; dann aber setzen Ruhe und Frieden ein, wie die Erde sie durch zwanzig Jahrtausende hindurch nicht gekannt hat.

Wieder lag ihr Kopf in seinem Arm, und er schaute ihr tief in die dunklen Augen. Sie sprach: »Du tätest gut, wenn du dich jetzt an die Bücher machtest. Ich glaube, es ist geschehen.«

Und plötzlich, noch ehe er hätte antworten können, fühlte er, daß sie zitterte; sie schluchzte. Dessen war er bei ihr nicht gewärtig gewesen. Was sollte werden, wenn sie einen Zusammenbruch erlitt?

»Oh, Liebling!« rief er. »Vielleicht können wir noch etwas dagegen tun! Es gibt doch Mittel und Wege. Du brauchst es nicht auf dich zu nehmen!«

»Ach, darum geht es ja gar nicht! Darum nicht!« rief sie und zitterte noch immer. »Ich habe gelogen. Nicht durch das, was ich gesagt, sondern durch das, was ich nicht gesagt habe! Aber es ist ja alles gleich. Du bist so gut zu mir. Du hast meine Hände angesehen und gesagt, sie wären hübsch. Aber nie hast du auf die blauen Halbmonde geachtet.«

Er erschrak tief, und er wußte, daß sie fühlte, wie er erschrak. Jetzt gingen ihm die Augen auf: die bräunliche Hautfarbe, die dunklen Augen, die vollen Lippen, die weißen Zähne, die warme Stimme, der anschmiegsame Charakter.

Dann sprach sie wieder, es war kaum mehr als ein Flüstern. »Anfangs hat es natürlich keine Rolle gespielt. Dann kümmert kein Mann sich um so etwas. Aber die Rassegenossen meiner Mutter haben nie viel Glück in der Welt gehabt. Vielleicht dürfen sie nicht daran beteiligt sein, wenn alles jetzt wieder von vorn anfängt. Aber was mich am meisten quält, das ist, daß ich vermutlich falsch an dir gehandelt habe.«

Da plötzlich hörte er nichts mehr, denn ihm enthüllte sich die ungeheure Komödie alles Geschehens, und er lachte, und alles, was er tun konnte, war, daß er lachte und immer schallender lachte, und dann sah er, daß auch sie wieder zu sich gekommen war und gleichfalls lachte und ihn nur noch fester umschlungen hielt.

»Oh, Liebling«, sagte er, »alles ist zerstört, und New York liegt öde und in Washington ist keine Regierung mehr. Die Senatoren und Richter und Gouverneure sind alle tot und verwest, und die Juden- und Negervernichter mit ihnen. Wir beide sind nichts als zwei arme Menschen, die sich aus den Überbleibseln der Zivilisation das Lebensnotwendige herauspicken und nicht wissen, ob sie nicht auch ausgetilgt werden von den Ameisen oder den Ratten oder von sonst etwas. Vielleicht können heute in tausend Jahren sich die Menschen den Luxus leisten, sich über dergleichen Dinge die Köpfe zu zerbrechen oder einander in die Haare zu geraten. Aber das bezweifle ich. Und einstweilen gibt es nur uns zwei, oder jetzt vielleicht uns drei.«

Er küßte sie, während sie noch immer leise fortweinte. Und er wußte, daß er dieses eine Mal klarer und tiefer als sie gesehen hatte und stärker als sie gewesen war.

8

Am folgenden Tage fuhr er zum Universitätsviertel und hielt vor dem Bibliotheksgebäude. Seit dem Großen Unheil war er nie dort gewesen, während er sich oft aus der Städtischen Bücherei Lesestoff geholt hatte. Das große Gebäude stand unzerstört da. In den wenigen Monaten waren die Büsche und Bäume, die vor und neben ihm standen, nur unmerklich größer geworden. Die Regenrinnen schienen gut zu funktionieren, und auf den weißen Granitmauern zeigten sich keine Wasserflecke. Man hatte nur einen allgemeinen Eindruck von Schmutz und Verkommenheit und Nichtbenutztsein.

Es widerstrebte ihm, sich den Eingang zu erzwingen, indem er ein Fenster einschlug, durch das dann Tiere oder auch der Regen eindringen konnten. Aber schließlich fand er keinen andern Weg. Er bediente sich des Hammers möglichst behutsam, und es gelang ihm, nur ein Stück einer Scheibe herauszubrechen; er langte hindurch und machte das Fenster auf. Schließlich, so sagte er sich, konnte er ja ein paar Bretter holen und das Fenster wieder zunageln, damit es gegen Ratten und Wetterunbill abgedichtet war.

Während seiner Universitätsjahre war er Hunderte von Malen in der Bibliothek gewesen. Aber unter den jetzigen Umständen empfand er eine seltsame Beklemmung. Hier war in langen Bücherreihen die Weisheit erhalten geblieben, mit deren Hilfe die Zivilisation aufgebaut worden war und neu aufgebaut werden konnte. Nun er wußte, daß er demnächst Vater werden würde, hatte er in eine neue Haltung hineingefunden, in die Sorge für die Zukunft. Das Kind sollte nicht als ein Parasit aufwachsen und nach Art der Straßenräuber leben. Und dazu bestand auch keinerlei Notwendigkeit. Denn hier war alles. Alles Wissen!

Er war hergekommen, um sich ein paar Bücher über Geburtshilfe zu holen; aber als er einen Blick in den großen Leseraum geworfen hatte und zwischen den Bücherreihen hindurchwanderte, regte ihn das dermaßen auf, daß er das Gebäude, von Phantasievorstellungen bedrängt, verließ. Heute brauchte er sich nicht um Geburtshilfe zu kümmern. Bis es soweit war, hatte er noch sehr viel Zeit.

In einer Art Traumzustand fuhr er heim. Bücher! Der Großteil des Wissens war in Büchern enthalten, und dennoch erkannte er bald, daß damit nicht alles getan war. Zunächst bedurfte es der Menschen, die lesen, die Nutzen aus den Büchern ziehen konnten.

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