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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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Dom Arbuez hatte geendet, auf seinen Wink wurde der Unglückliche von seinen Ketten befreit, und der Großinquisitor umarmte ihn zärtlich. Dann war der fra Redemptor an der Reihe, der mit leiser Stimme den Juden um Verzeihung der Leiden bat, die er ihm der Erlösung wegen angetan hatte. Dann umarmten ihn auch die beiden Spitzel, deren Kuß unter den Kapuzen geräuschlos blieb. Damit war die Zeremonie zu Ende, und der Gefangene blieb allein und verwirrt im Dunkel.

Rabbi Aser Abarbanel, den Mund ausgetrocknet, das Gesicht vom Leiden abgestumpft, betrachtete zunächst ohne besondere Aufmerksamkeit die geschlossene Türe. Geschlossen? Dieses Wort weckte in seinem Innersten, in seinen wirren Gedanken eine Vorstellung. Hatte er denn nicht sekundenlang in der Spalte zwischen Mauerwerk und Türe das Licht der Laternen zu sehen geglaubt?

Eine krankhafte Hoffnung, der Erschöpfung seines Hirns zuzuschreiben, rüttelte sein ganzes Sein auf. Er schleppte sich zu dem Ungewöhnlichen, das ihm erschienen war. Und ganz sachte, einen Finger mit höchster Behutsamkeit in die Spalte einführend, zog er die Türe auf sich zu. O Wunder! Durch einen außerordentlichen Zufall hatte der Spitzel beim Zusperren den mächtigen Schlüssel ein wenig früher gedreht, als der Riegel seine Öffnung in der Mauer erreicht hatte.

Der Rabbi wagte einen Blick hinaus.

Dank einer gewissermaßen fahlen Dunkelheit unterschied er zunächst einen Halbkreis von lehmigen Mauern, durchbrochen von Wendeltreppen. Und gewaltig vor ihm, fünf oder sechs Steinstufen hoch, eine Art schwarzer Vorraum, der zu einem breiten Gang führte, von dem sich von unten her nur die ersten Bögen erkennen ließen.

Er legte sich auf den Boden und kroch bis zu dieser Stelle. Ja, es war tatsächlich ein Gang von unermeßlicher Länge. Ein blasser Schimmer, ein unklares Licht erhellte ihn; Nachtlampen, an den Wölbungen aufgehängt, gaben in gewissen Abständen der trüben Farbe der Luft einen bläulichen Schein. Das ferne Ende war nichts als Schatten. An den Seiten in dieser ganzen Länge keine Türe. Vergitterte Mauerlöcher ließen eine Dämmerung durch – es mußte die Abenddämmerung sein, denn rote Streifen überquerten in einiger Entfernung voneinander die Fliesen. Dennoch mochte in der Tiefe des Dunkels dort ein Ausgang in die Freiheit führen! Die schwankende Hoffnung des Juden war zäh – es war seine letzte.

Ohne zu zaudern also, wagte er sich über die Fliesen, hielt sich an der Mauer unter den Luken, um mit der farbigen Dunkelheit der Steine zu verschmelzen. Langsam schleppte er sich kriechend vorwärts – und unterdrückte einen Schrei, als eine frisch entzündete Wunde auf der Brust ihn stach.

Plötzlich drang das Geräusch einer Sandale, die sich näherte, im Widerhall dieser steinernen Allee bis zu ihm. Ein Beben schüttelte ihn, die Angst ließ seinen Atem stocken, sein Blick trübte sich. Nun? War es jetzt wirklich zu Ende? Zusammengekauert quetschte er sich in eine Mauerspalte und wartete, halbtot vor Angst.

Es war ein Spitzel, der es eilig hatte. Rasch hastete er, ein Folterwerkzeug zum Zerreißen der Muskeln in der Hand, die Kapuze gesenkt, eine entsetzliche Erscheinung, vorüber und verschwand. Das Grauen, dessen Umklammerung der Rabbi eben gespürt hatte und das gleichsam alle Funktionen des Lebens stocken ließ, bewirkte, daß er fast eine Stunde verharrte, ohne auch nur eine Bewegung machen zu können. In der Angst vor einem Übermaß an Foltern, falls er ergriffen werden sollte, kam ihm der Gedanke, in seine Zelle zurückzukehren. Doch die alte Hoffnung flüsterte ihm jenes göttliche Vielleicht in die Seele, das im schlimmsten Elend zu trösten vermag. Ein Wunder war geschehen. Daran durfte er nicht mehr zweifeln! Und er begann abermals der möglichen Rettung entgegenzukriechen. Von Schmerzen und Hunger erschöpft, vor Angst zitternd schleppte er sich weiter. Dieser Gang, diese Gruft schien sich geheimnisvoll zu dehnen! Und er, der immer weiterkroch, blickte beständig in das Dunkel dort hinten, wo der rettende Ausgang sein mußte!

Oh, oh, schon wieder tönten Schritte, diesmal aber langsamer, düsterer. Weiß-schwarze Gestalten, die Krempen der langen Hüte eingerollt, erschienen ihm; zwei Inquisitoren tauchten dort hinten aus der trüben Luft auf. Leise redeten sie miteinander und waren offenbar über einen wichtigen Punkt verschiedener Ansicht, denn ihre Hände gestikulierten.

Bei diesem Anblick schloß Rabbi Aser Abarbanel die Augen. Sein Herz pochte, als wollte es ihn töten, seine Lumpen waren von einem feuchten Todesschweiß durchtränkt, mit offenem Mund, unbeweglich blieb er längs der Mauer ausgestreckt, unter dem Schein einer Lampe, und flehte reglos zu dem Gott Davids.

Als die beiden Inquisitoren ihm gegenüber angelangt waren, machten sie unter dem Licht der Lampe halt – und das zweifellos durch einen Zufall, eine Folge ihres Gesprächs. Einer von ihnen betrachtete, während er seinem Gefährten zuhörte, den Rabbi. Und unter diesem Blick, dessen zerstreuten Ausdruck er zunächst nicht begriff, glaubte der Unglückliche zu spüren, wie die glühenden Zangen wieder in sein armes Fleisch bissen. Sollte er abermals zu Jammer und Wunde werden! Verzagend, mit stockendem Atem und blinzelnden Lidern, erzitterte er, als dieses Gewand ihn streifte. Doch, seltsam zugleich und natürlich, die Augen des Inquisitors waren offenbar die eines Mannes, der zutiefst mit dem beschäftigt ist, was er antworten sollte, völlig von dem Gedanken an das eingenommen, was er hörte; sie blickten starr – und schienen den Juden zu betrachten, ohne ihn zu sehen.

Und wirklich, nach wenigen Minuten setzten die beiden unheimlichen Gesprächspartner ihren Weg nach dem Ort fort, von dem der Gefangene gekommen war. Man hatte ihn nicht gesehen! Und so gründlich nicht gesehen, daß in dem furchtbaren Wirrwarr seiner Gefühle der Gedanke sein Hirn durchkreuzte: Bin ich am Ende schon tot, daß man mich nicht sieht? Ein greulicher Eindruck riß ihn aus seiner Erstarrung; als er die Mauer vor seinem Gesicht ansah, glaubte er, seinen Augen gegenüber zwei wilde Augen zu erschauen, die ihn beobachteten … in jäher, heftiger Bangigkeit warf er den Kopf, die Haare gesträubt, zurück. Doch nein. Seine Hand, die Steine betastend, gab sich darüber Rechenschaft; es war der Widerschein der Augen des Inquisitors, was er noch immer in den eigenen Augen bewahrt und auf zwei Flecke der Mauer übertragen hatte.

Vorwärts! Er mußte nach jenem Ziel hasten, das er sich, zweifellos in krankhaftem Wahn, als die Befreiung vorstellte. Nach jenen Schatten, von denen er kaum weiter entfernt war als etwa dreißig Schritte. So setzte er denn schneller, auf den Knien, auf den Händen, auf dem Bauch, seinen Leidensweg fort. Und bald war er in dem dunklen Teil dieses erschreckenden Ganges.

Plötzlich spürte der Beklagenswerte eine Kälte in den Händen, die er auf die Fliesen stützte; das rührte von einem starken Luftzug her, der unter einer Türe hindurchwehte, bei der die beiden Mauern endeten. Gott! Das ganze Ich des kläglichen Flüchtlings wurde von dem Schwindel einer Hoffnung durchdrungen. Von oben bis unten musterte er die Türe, ohne sie doch, infolge des Dunkels rund um ihn, deutlich unterscheiden zu können. Er tastete, kein Riegel, kein Schloß. Eine Klinke! Er richtete sich auf, die Klinke gab unter seinem Daumen nach; die Türe öffnete sich geräuschlos vor ihm.

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