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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Dir ein Gegengift injizieren.«

»Injizieren, aye?« Jamie sah wenig begeistert aus. »Das hat Claire einmal mit mir gemacht. Es war ziemlich unangenehm.«

»Hat es funktioniert?«

An Stelle einer Erwiderung ächzte Jamie nur und biss ein weiteres, winziges Stück Fleisch ab.

Trotz seiner Sorge schlang Roger seinen Anteil des Fleisches herunter, dazu das, was Jamie von seiner Mahlzeit liegen ließ. Der Himmel breitete sich schwarz und sternenklar über ihnen aus, und ein kalter Wind wehte zwischen den Bäumen hindurch, so dass seine Hände und sein Gesicht kalt wurden.

Er vergrub die Überreste der Schlange – das Letzte, was ihm jetzt noch fehlte, war das Auftauchen eines großen Raubtiers, das durch den Blutgeruch angelockt wurde – und sah nach dem Feuer. Die ganze Zeit lauschte er dabei auf einen Ruf aus der Dunkelheit. Es kam kein Geräusch außer dem Klagen des Windes und dem Knacken im Geäst; sie waren allein.

Trotz der Kälte hatte Fraser sein Jagdhemd ausgezogen und saß mit geschlossenen Augen sacht schwankend da. Roger hockte sich neben ihn und berührte ihn am Arm. Himmel! Der Mann fühlte sich glühend heiß an.

Doch er öffnete die Augen und lächelte schwach. Roger hielt ihm einen Becher mit Wasser hin; Jamie nickte und griff umständlich danach. Sein Bein war unterhalb des Knies grotesk geschwollen und beinahe zweimal so dick wie sonst. Die Haut hatte unregelmäßige, dunkelrote Flecken, als hätte ein Sukkubus seinen hungrigen Mund auf das Bein gepresst, um dann unbefriedigt weiterzuziehen.

Roger fragte sich beklommen, ob es möglich war, dass er doch Unrecht hatte.

Er war fest davon überzeugt gewesen, dass sich die Vergangenheit nicht ändern ließ; ergo standen der Zeitpunkt und die Art und Weise von Frasers Tod fest – etwa vier Jahre später. Doch wenn diese Gewissheit nicht wäre, dachte er, würde ihm das Aussehen des Mannes ziemliche Sorgen bereiten. Wie sicher war er sich denn schließlich?

»Es könnte doch sein, dass du Unrecht hast.« Jamie hatte den Becher abgesetzt und betrachtete ihn mit festem, blauem Blick.

»In welcher Hinsicht?«, fragte er und erschrak, weil er seinen Gedanken laut ausgesprochen hörte. Hatte er vor sich hin gemurmelt, ohne es zu realisieren?

»Was die Veränderungen angeht. Du hast einmal gesagt, du glaubst, man kann die Geschichte nicht ändern. Aber was ist, wenn du Unrecht hast?«

Roger beugte sich vor, um das Feuer zu schüren.

»Ich habe nicht Unrecht«, sagte er bestimmt, genauso sehr zu sich selbst wie zu Fraser. »Denk doch einmal nach, Mann. Du und Claire – ihr habt doch versucht, Charles Stuart aufzuhalten, das zu ändern, was er getan hat –, und ihr konntet es nicht. Es geht nicht.«

»Das stimmt nicht ganz«, widersprach Fraser. Er lehnte sich zurück, die Augen zum Schutz vor dem Leuchten des Feuers halb geschlossen.

»Was stimmt nicht?«

»Es ist wahr, dass es uns nicht gelungen ist, den Aufstand zu verhindern – aber das hing ja nicht nur von uns und von ihm ab; es hatten noch eine ganze Menge anderer Leute damit zu tun. Die Clanshäuptlinge, die ihm gefolgt sind, die verdammten Iren, die ihm Honig ums Maul geschmiert haben – sogar Louis; er und sein Gold.« Er winkte mit einer Handbewegung ab. »Aber darum geht es hier nicht. Du hast gesagt, Claire und ich konnten ihn nicht aufhalten – und das stimmt, wir konnten den Beginn nicht verhindern. Aber wir hätten das Ende verhindern können.«

»Du meinst Culloden?« Roger starrte ins Feuer und erinnerte sich dumpf an jenen längst vergangenen Tag, an dem Claire ihm und Brianna zum ersten Mal von den Steinen erzählt hatte – und von Jamie Fraser. Ja, sie hatte von einer letzten Chance gesprochen – der Chance, jenes endgültige Gemetzel der Clans zu verhindern …

Er blickte zu Fraser auf.

»Durch den Mord an Charles Stuart?«

»Aye. Wenn wir es getan hätten – aber wir konnten uns beide nicht dazu durchringen.« Seine Augen waren jetzt fast ganz geschlossen, doch er wandte den Kopf unruhig hin und her und fühlte sich sichtlich unwohl. »Seitdem habe ich mich oft gefragt, ob das nun anständig von uns war – oder feige.«

»Oder vielleicht etwas anderes«, sagte Roger. »Das kannst du doch nicht wissen. Ich wette, es wäre etwas dazwischengekommen, wenn Claire versucht hätte, ihn zu vergiften; das Essen wäre verschüttet worden, ein Hund hätte es gefressen, es wäre jemand anders gestorben – es hätte nichts geändert!«

Frasers Augen öffneten sich langsam.

»Du meinst also, es ist alles vorbestimmt, ja? Der Mensch hat überhaupt keine freie Wahl?« Er rieb sich mit dem Handrücken über den Mund. »Und als du dich entschlossen hast, um Briannas willen zurückzukommen, und dann noch einmal, für sie und das Kind – da war es gar nicht deine Wahl, aye? Es war dir bestimmt?«

»Ich –« Roger hielt inne, die Hände auf den Oberschenkeln zu Fäusten geballt. Der Kielwassergeruch der Gloriana schien plötzlich den Geruch des brennenden Holzes zu überlagern. Dann entspannte er sich und lachte auf. »Ein merkwürdiger Zeitpunkt zum Philosophieren, oder?«

»Aye, nun ja«, sagte Fraser nachsichtig. »Möglich, dass es der letzte Zeitpunkt ist, der sich für mich ergibt.« Bevor Roger protestieren konnte, fuhr er fort. »Wenn es keine freie Entscheidung gibt – dann gibt es auch weder Sünde noch Erlösung, aye?«

»Himmel«, brummte Roger und schob sich das Haar aus der Stirn. »Da geht man mit Lederstrumpf auf die Jagd und landet mit Augustinus von Hippo unter einem Baum!«

Jamie ignorierte ihn und konzentrierte sich auf seinen Gedankengang.

»Wir haben uns entschieden – Claire und ich. Wir konnten keinen Mord begehen. Wir waren nicht in der Lage, das Blut eines Menschen zu vergießen, aber lastet damit das Blut von Culloden auf uns? Wir wollten keine Sünde begehen – aber holt uns die Sünde dennoch ein?«

»Natürlich nicht.« Roger stand rastlos auf und schürte im Stehen das Feuer. »Was in Culloden geschehen ist – es war nicht eure Schuld, wie auch? All die Männer, die daran beteiligt waren – Murray, Cumberland, die Clanshäuptlinge … es war nicht die Tat eines Einzelnen!«

»Also glaubst du, dass alles vorher bestimmt ist? Dass wir von Geburt an verdammt oder erlöst sind und nichts und niemand das ändern kann? Und du willst ein Priestersohn sein!« Fraser gluckste trocken.

»Ja«, sagte Roger, dem zugleich beklommen und unerklärlich wütend zumute war. »Ich meine, nein, das glaube ich nicht. Es ist nur … na ja, wenn etwas schon auf eine Weise geschehen ist, wie soll es dann anders werden?«

»Du bist derjenige, der glaubt, dass es geschehen ist«, wies Fraser ihn zurecht.

»Ich glaube es nicht, ich weiß es!«

»Mmpfm. Aye, weil du es von der anderen Seite siehst; es liegt hinter dir. Also meinst du, du warst nicht in der Lage, etwas zu ändern – aber ich hätte es gekonnt, weil es noch vor mir lag?«

Roger rieb sich fest mit der Hand durch das Gesicht.

»Das ergibt doch –«, begann er und hielt dann inne. Wie konnte er sagen, dass es keinen Sinn ergab? Manchmal glaubte er, dass nichts auf der Welt noch einen Sinn ergab.

»Vielleicht«, sagte er erschöpft. »Weiß der Himmel; ich weiß es nicht.«

»Aye. Nun, ich nehme an, wir werden es bald herausfinden.«

Roger sah ihn scharf an, denn er hörte einen merkwürdigen Unterton in seiner Stimme.

»Was meinst du damit?«

»Du glaubst zu wissen, dass ich in drei Jahren gestorben bin«, sagte Fraser ruhig. »Wenn ich heute Nacht sterbe, bist du im Unrecht, aye? Das, wovon du glaubst, dass es geschehen ist, wird nicht geschehen sein – also kann man die Vergangenheit doch ändern, aye?«

»Du wirst nicht sterben!«, fuhr Roger ihn an. Er funkelte Fraser an und beschwor ihn, ihm ja nicht zu widersprechen.

»Es freut mich, das zu hören«, sagte Fraser ausgesprochen trocken. »Aber ich glaube, ich trinke jetzt einen Schluck Whisky. Zieh mir den Korken heraus, aye? Meine Finger können ihn nicht packen.«

Auch Rogers Hände waren alles andere als ruhig. Vielleicht lag es ja nur an Frasers Fieberhitze, dass sich seine eigene Haut so kalt anfühlte, als er jetzt seinem Schwiegervater die Flasche zum Trinken hinhielt. Er bezweifelte, dass Whisky bei Schlangenbissen empfehlenswert war, aber das spielte jetzt wahrscheinlich keine große Rolle mehr.

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