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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Jamie blieb blinzelnd stehen, dann trat er vor und hockte sich neben den welligen, braunen Haufen. Er befühlte ihn mit dem Zeigefinger, dann sah er mit einer Mischung aus Belustigung und Bestürzung zu Roger auf.

»Hol mich doch der Teufel«, sagte er. Ohne sich aus der Hocke zu erheben, wandte er den Kopf und runzelte die Stirn, während er den Blick über die Wildnis schweifen ließ. »Aber was machen sie hier?«, murmelte er.

Er stand auf, sah zum Fluss und hielt sich dabei eine Hand über die Augen, um sie vor der sinkenden Sonne zu schützen, die durch das Geäst schien.

»Das verstehe ich einfach nicht«, sagte er und blinzelte in den Schatten. »Es gibt nur drei Rinder in Fraser’s Ridge, und zwei davon sind heute Morgen vor meinen Augen gemolken worden. Das dritte gehört Bobby MacLeod, und ich denke doch, dass er seine eigene Kuh erkennen würde. Außerdem …« Er machte langsam auf dem Absatz kehrt und blickte den steilen Hang hinauf, den sie gerade heruntergekommen waren.

Er brauchte es nicht auszusprechen; keine Kuh hätte ohne Fallschirm dort hinuntersteigen können.

»Es ist mehr als eine – viel mehr«, sagte Roger. »Du hast sie doch gesehen.«

»Aye, das stimmt. Aber woher kommen sie?« Jamie runzelte verwundert die Stirn. »Die Indianer halten keine Rinder, schon gar nicht um diese Jahreszeit – sie würden jetzt all ihre Tiere schlachten und das Fleisch räuchern. Und es gibt im Umkreis von dreißig Meilen keine Farm, von der sie kommen könnten.«

»Vielleicht eine wilde Herde?«, meinte Roger. »Vor langer Zeit entlaufene Tiere, die in der Gegend umherwandern?« Jamies Augen nahmen einen berechnenden Ausdruck an, während Rogers Magen hoffnungsvoll knurrte.

»Wenn ja, dann sind sie leichte Beute«, sagte Jamie. Er lächelte zwar, doch es lag Skepsis in seiner Stimme. Er bückte sich und brach ein kleines Stück des Kuhfladens ab, zerkrümelte es mit dem Daumen und warf es dann fort.

»Ziemlich frisch«, sagte er. »Sie sind nicht weit weg; lass uns gehen.«

Keine halbe Stunde später traten sie an das Ufer des Flusses, den sie von oben gesehen hatten. Es war hier breit und flach, und die blattlosen Äste der Weiden hingen ins Wasser. Das Einzige, was sich bewegte, war das Glitzern der Sonne auf den Gewehren, doch es war nicht zu übersehen, dass die Kühe hier gewesen waren; der Uferschlamm war von trocknenden Hufspuren zerfurcht, und an einer Stelle waren die sterbenden Pflanzen beiseite gescharrt worden, so dass ein langer, schlammiger Trog entstand, in dem sich etwas Großes gewälzt hatte.

»Warum habe ich nur nicht daran gedacht, ein Seil mitzubringen?«, brummte Jamie, während er sich seinen Weg durch die Weidenschösslinge am Ufer bahnte, um den Trog zu umrunden. »Fleisch ist ja gut und schön, aber Milch und Käse wären –« Das Brummen verstummte, als er sich jetzt vom Fluss abwandte, um einem Pfad aus zertrampeltem Laub in den Wald zu folgen.

Wortlos trennten sich die beiden Männer und gingen auf leisen Sohlen weiter. Roger lauschte angestrengt auf die Stille des Waldes. Sie mussten in der Nähe sein; selbst ein so unerfahrenes Auge wie das seine hatte die Frische der Spuren erkannt. Und doch herrschte herbstliches Schweigen im Wald, und die Stille wurde nur von einem Raben unterbrochen, der in der Ferne rief.

Die Sonne stand tief am Himmel und erfüllte die Luft im Wald mit goldenem Dunst. Es wurde jetzt merklich kälter; Roger überquerte eine schattige Stelle und erschauerte trotz seines Rockes. Sie würden bald die anderen suchen und ein Lager aufschlagen müssen; die Dämmerung war kurz. Ein Feuer wäre schön. Noch besser wäre es natürlich, wenn es etwas gäbe, was man darauf braten könnte.

Sie gingen jetzt bergab in eine kleine Senke, in der Herbstnebelschwaden von der abkühlenden Erde aufstiegen. Jamie befand sich ein Stück vor ihm und bewegte sich so zielstrebig, wie es der unregelmäßige Untergrund erlaubte; trotz des dichten Pflanzenwuchses war der Pfad für ihn offenbar noch gut zu erkennen.

Eine Kuhherde konnte doch nicht einfach verschwinden, dachte er, selbst wenn es so nebelte wie hier … es sei denn, es waren Elfenkühe. Und das konnte er dann doch nicht glauben, obwohl der Wald hier so gespenstisch still war.

»Roger.« Jamie sprach sehr leise, doch Roger hatte seine Ohren so gebannt aufgesperrt gehabt, dass er seinen Schwiegervater sogleich zu seiner Rechten ausmachte. Jamie wies mit einem Ruck seines Kopfes auf etwas in der Nähe. »Sieh.«

Er hielt einen großen Brombeerbusch zur Seite und legte den Stamm einer gewaltigen Platane frei, deren Rinde zum Teil abgeschält war. An ihrer Stelle war ein nässender, weißlicher Fleck auf der grauen Haut des Baumes zurückgeblieben.

»Scheuern sich Kühe so?« Roger warf einen skeptischen Blick auf die Stelle, dann zupfte er ein Büschel dunkler Wollhaare heraus, die in der groben Rinde hängen geblieben waren.

»Aye, manchmal«, erwiderte Jamie. Er beugte sich dicht über das dunkelbraune Gewirr in Rogers Hand und schüttelte den Kopf. »Aber der Teufel soll mich holen, wenn ich schon einmal eine Kuh mit einem solchen Fell gesehen habe. Man könnte ja glauben, es wäre …«

Neben Roger bewegte sich etwas, und als er sich umdrehte, blickte ihm ein monströser, dunkler Kopf über die Schulter. Ein winziges, blutig-dunkles Auge erwiderte seinen Blick, und er stieß einen Schrei aus und fuhr zurück. Mit einem lauten Knall ging seine Büchse los, dann folgte ein Rascheln und ein dumpfer Schlag, und er fand sich um einen Baumstamm gewickelt wieder. Er bekam keine Luft, und ihm blieb nur eine flüchtige Erinnerung an einen massigen, haarigen Körper, dessen Kraft ihn wie ein Blättchen durch die Luft geschleudert hatte.

Er setzte sich hin und rang nach Atem. Jamie kniete im Laub und wühlte hektisch nach Rogers Gewehr.

»Auf!«, sagte er. »Steh auf, Roger! Mein Gott, es sind Büffel!«

Dann war er auf den Beinen und folgte Jamie. Er war immer noch außer Atem, doch er rannte, das Gewehr in der Hand, ohne dass er sich hätte erinnern können, wie es dort hingekommen war, und sein Pulverhorn schlug gegen seine Hüfte.

Jamie flog mit Riesensätzen wie ein Hirsch durchs Gebüsch, und sein zusammengebündelter Umhang hüpfte auf seinem Rücken auf und ab. Im Wald war es nicht länger still; vor ihnen krachte und splitterte es, und ein leises, schnaubendes Röhren erscholl.

Er holte Jamie ein, als es wieder bergauf ging; sie kämpften sich mühselig nach oben, weil sie ständig auf dem Laub ausrutschten, und ihre Lungen brannten vor Anstrengung; dann erreichten sie den Gipfel einer Anhöhe und kamen auf einem langen, abschüssigen Hang heraus, auf dem dürre Kiefern und Hickoryschösslinge verstreut standen.

Da waren sie; acht oder neun der riesigen, zotteligen Tiere, die sich dicht beieinanderhielten, während sie den Hügel hinabdonnerten, und sich nur trennten, um Büschen oder Bäumen auszuweichen. Jamie sank auf ein Knie nieder, zielte und feuerte, jedoch ohne sichtbare Wirkung.

Ihm blieb keine Zeit zum Innehalten und Nachladen; sie durften die Herde nicht aus den Augen verlieren. Rechts unter ihnen glitzerte zwischen den Bäumen eine Biegung des Flusses auf. Aufgeregt polterte Roger mit fliegender Feldflasche und Patronendose den Abhang hinunter, und sein Herz donnerte wie die Hufe der Büffelherde. Er konnte Jamie hinter sich auf Gälisch brüllen hören.

Ein Ausruf in einem veränderten Tonfall veranlasste Roger, sich umzusehen. Jamie war stehen geblieben, sein Gesicht vor Schreck erstarrt. Bevor Roger ihm etwas zurufen konnte, verwandelte sich der Schreck in einen Ausdruck der Wut. Mit entblößten Zähnen packte er seine Büchse am Lauf und ließ mit aller Kraft den Kolben niedersausen. Fast ohne innezuhalten, hob er das Gewehr und hieb erneut zu – und noch einmal, mit weit ausholenden Bewegungen.

Roger brach widerstrebend die Verfolgung ab, drehte sich um und keuchte den Hang hinauf zu ihm.

»Was zum Teufel –?« Dann sah er, was geschehen war, und spürte, wie ihm am ganzen Körper vor Abscheu die Haare zu Berge standen. Zwischen den Grasbüscheln ringelte sich etwas Dickes, braun Geschupptes. Das eine Ende der Schlange war zu Brei zerstampft, und ihr Blut befleckte den Kolben von Frasers Muskete, doch der kopflose Körper wand sich weiter wie ein Wurm.

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