Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Hör auf damit! Sie ist tot. Hörst du mich? Aufhören, sage ich!« Er packte Fraser am Arm, doch sein Schwiegervater riss sich los und ließ den Kolben noch einmal niedersausen. Dann hörte er auf und stand heftig zitternd halb auf sein Gewehr gestützt da.
»Himmel! Was ist passiert? Hat sie dich erwischt?«
»Aye, am Bein. Ich bin auf sie getreten.« Jamies Lippen waren so weiß wie sein Gesicht. Er warf einen Blick auf den Kadaver, der sich immer noch wand, und erschauerte erneut.
Roger unterdrückte seinen eigenen Schauder und packte Frasers Arm.
»Komm mit. Setz dich hin, dann sehen wir es uns an.«
Jamie folgte ihm halb stolpernd und ließ sich auf einen umgestürzten Baumstamm sinken. Er kämpfte mit zitternden Fingern mit seinem Strumpfsaum. Roger schob Jamies Hand beiseite und zog ihm Gamasche und Strumpf vom rechten Fuß. Der Biss war deutlich zu sehen; ein dunkelroter Doppelpunkt in Frasers Wade. Rings um die Bisslöcher war seine Haut bläulich angelaufen. Selbst im späten, goldenen Licht war das deutlich zu sehen.
»Die Wunde ist vergiftet. Ich muss sie ausschneiden.« Roger hatte einen trockenen Mund, spürte aber nicht die geringste Panik, sondern eine seltsame Ruhe. Er zog das Messer aus seinem Gürtel, dachte kurz daran, es zu sterilisieren, und verwarf den Gedanken wieder. Ein Feuer anzuzünden, würde ihn wertvolle Minuten kosten, und er durfte keine Zeit verlieren.
»Warte.« Fraser war immer noch bleich, hatte aber aufgehört zu zittern. Er nahm die kleine Zinnflasche von seinem Gürtel und träufelte Whisky auf die Klinge, dann goss er ein paar Tropfen auf seine Finger und rieb die Flüssigkeit auf die Wunde. Er sah Roger mit einem kurzen Zucken seines Mundes an, das als Lächeln gedacht war.
»Das macht Claire auch immer, bevor sie jemanden schneidet.« Er lehnte sich zurück, stützte sich mit den Händen auf den moosigen Baumstamm und nickte. »Na dann los.«
Roger biss sich konzentriert auf die Lippen. Er presste die Messerspitze direkt oberhalb der Bisswunde in die Haut. Die Haut war überraschend zäh und unnachgiebig; das Messer ritzte sie zwar an, durchdrang sie jedoch nicht. Fraser bückte sich und umfasste Rogers Hand; mit einem tiefen, heftigen Grunzen drückte er fest zu, und das Messer sank plötzlich drei Zentimeter oder mehr in die Haut ein. An der Klinge quoll Blut auf; Frasers Hand ließ los.
»Noch einmal. Fest – und in Gottes Namen, Mann, mach schnell.« Jamies Stimme war ruhig, doch Roger spürte, wie klare Schweißtropfen von Frasers Gesicht auf seine Hand fielen, erst warm, dann kalt auf seiner Hand.
Er zwang sich zu der notwendigen Kraft, stach fest zu und schnitt rasch – zwei x-förmige Markierungen über den Bissen, so, wie es in den Erste-Hilfe-Ratgebern stand. Die Wunden bluteten stark, und das Blut rann in dicken Strömen zu Boden. Das war gut, dachte er. Er musste tief schneiden; tief genug, um unter das Gift zu gelangen. Er ließ das Messer fallen, bückte sich und legte den Mund auf die Wunden.
Er spürte keine Panik, doch seine Eile wuchs. Wie schnell breitete sich das Gift aus? Ihm blieben nur Minuten, vielleicht sogar weniger. Er saugte, so fest er konnte, und das Blut erfüllte seinen Mund mit einem scharfen Metallgeschmack. Er saugte und spuckte in stummer Hektik. Das Blut platschte auf das gelbe Laub, Frasers Beinhaare kratzten ihn an den Lippen. Mit jener seltsamen Zerstreutheit, die sich im Notfall oft einstellt, dachte er an ein Dutzend flüchtiger Dinge zugleich, während er sich doch mit ganzer Konzentration seiner Aufgabe widmete.
War die verdammte Schlange wirklich tot?
Wie giftig war sie?
Waren die Bisons entkommen?
Himmel, machte er es richtig?
Brianna würde ihn umbringen, wenn er ihren Vater sterben ließ. Claire ebenfalls.
Er hatte einen mörderischen Krampf im rechten Oberschenkel.
Wo zum Teufel waren die anderen? Fraser sollte sie besser rufen – nein, er rief ja schon, bellte irgendetwas, das Roger nicht verstand. Die Beinmuskeln unter Rogers Händen waren steinhart geworden.
Etwas fasste ihm am Hinterkopf in die Haare, verdrehte sie ihm und zwang ihn aufzuhören. Er blickte schwer atmend auf.
»Das reicht, aye?«, sagte Jamie nachsichtig. »Du saugst mich ja noch leer.« Er wackelte vorsichtig mit dem entblößten Fuß und verzog das Gesicht, als er sein Bein sah. Die Bisswunden waren deutlich zu sehen. Aus ihnen sickerte immer noch Blut, und das Gewebe ringsum war von Rogers Saugen geschwollen, fleckig und blau.
Roger setzte sich auf die Fersen und holte heftig Luft.
»Ich habe eine größere … Sauerei gemacht … als die Schlange.«
Sein Mund füllte sich mit Speichel; er hustete und spuckte aus. Fraser bot ihm wortlos die Whiskyflasche an; er spülte sich den Mund durch und spuckte erneut aus, dann trank er einen großen Schluck.
»Und?« Er wischte sich mit dem Handrücken das Kinn ab und wies kopfnickend auf das verunstaltete Bein.
»Es geht schon.« Jamie war immer noch bleich, doch sein Mundwinkel verzog sich. »Geh und sieh nach, ob die anderen in Sichtweite sind.«
Das war nicht der Fall; die Aussicht von der Spitze des Felsvorsprungs zeigte nichts als ein Meer kahler, wogender Äste. Der Wind hatte aufgefrischt. Falls sich die Bisons immer noch am Fluss entlang bewegten, so war keine Spur zu sehen, weder von ihnen noch von ihren Jägern.
Heiser von seinen Hallo-Rufen im Gegenwind, kehrte Roger wieder nach unten zurück. Jamie hatte sich ein Stück bewegt und am Fuß einer großen Balsamfichte zwischen Felsblöcken eine geschützte Stelle gefunden. Er hatte die Beine ausgestreckt, lehnte mit dem Rücken an einem Felsen und hatte sich ein Taschentuch um sein verletztes Bein gebunden.
»Keine Spur von irgendjemandem. Kannst du laufen?« Roger beugte sich über seinen Schwiegervater und stellte erschrocken fest, dass sein Gesicht gerötet war und er heftig schwitzte, obwohl die Luft zunehmend kühler wurde.
Jamie schüttelte den Kopf und wies auf sein Bein.
»Ja – aber nicht weit.« Das Bein war im Umfeld der Bisswunde merklich geschwollen, und die bläuliche Verfärbung hatte sich ausgebreitet; sie sah wie eine frische Prellung aus und war auf beiden Seiten des Taschentuchs zu sehen.
Roger spürte den ersten Stich der Beklommenheit. Er hatte alles getan, was er wusste; Erste-Hilfe-Ratgeber empfahlen als nächsten Schritt bei der Behandlung von Schlangenbissen immer, »die betroffene Körperstelle ruhigzustellen und den Patienten so schnell wie möglich ins Krankenhaus zu bringen.« Die Messerschnitte und das Saugen sollten das Gift aus der Wunde ziehen – doch es war eindeutig noch genug davon zurückgeblieben, und jetzt breitete es sich langsam in Jamie Frasers Körper aus. Er war zu spät gewesen, um alles zu erwischen – wenn er überhaupt etwas erwischt hatte. Und das, was einem Krankenhaus am nächsten kam – Claire und ihre Kräuter –, war einen Tagesmarsch entfernt.
Roger ließ sich langsam auf seine Oberschenkel zurücksinken und fragte sich, was zum Teufel er als Nächstes tun sollte. Die Körperstelle ruhigstellen – nun, das war erledigt, was auch immer es nützte.
»Tut es weh?«, fragte er unbeholfen.
»Ja.«
Nach dieser wenig hilfreichen Antwort lehnte sich Jamie wieder an den Felsen zurück und schloss die Augen. Roger ließ sich auf einem Haufen trockener Nadeln nieder und versuchte zu überlegen.
Es wurde jetzt rasch dunkel; die kurze Wärme des Tages war dahin, und die Schatten unter den Bäumen hatten das tiefblaue Aussehen des frühen Abends angenommen, obwohl es nicht später als ungefähr vier sein konnte. Es war klar, dass sie heute Abend nirgendwo mehr hingehen würden; selbst wenn Fraser hätte gehen können, war es so gut wie unmöglich, sich im Dunklen in den Bergen zu orientieren. Wären die anderen hier gewesen, hätten sie es möglicherweise irgendwie bewerkstelligt, ihn zu tragen – aber ob das besser gewesen wäre als ihn zu lassen, wo er war? Zwar wünschte er sehnsüchtig, Claire wäre hier, doch sein Verstand sagte ihm, dass selbst sie nicht viel tun konnte – außer vielleicht, Jamie Trost zu spenden, falls er im Sterben lag …