Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er atmete sacht ein. Nein, sie hatte ihn zurückgelegt. Kein Geruch mehr in seinem Bett außer Briannas – ein erdiger Geruch nach Frauenhaut und einer schwachen, süßlichen Wolke aus Schweiß und schlüpfriger Bereitwilligkeit.
Sie seufzte im Schlaf, murmelte etwas Unverständliches und drehte den Kopf auf dem Kissen zur anderen Seite. Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen; sie war lange aufgewesen, um Marmelade zu machen, und dann hatte der kleine Mist-, das Baby sie zweimal aufgescheucht. Wie konnte er sie da wecken, nur um seine eigenen, niederen Bedürfnisse zu befriedigen.
Wie konnte er es nicht?
Er knirschte mit den Zähnen, hin- und hergerissen zwischen Versuchung, Mitgefühl und der sicheren Überzeugung, dass er in dem Fall, dass er seinen Neigungen nachgab, exakt bis zum schlimmstmöglichen Augenblick kommen würde, bevor ihn eine Einmischung aus der Richtung der Wiege zum Innehalten zwang.
Die Erfahrung war ihm eine harsche Lehrerin gewesen, doch das Drängen seines Körpers war lauter als die Stimme seiner Vernunft. Er streckte verstohlen die Hand aus und umfasste sanft die Pobacke, die ihm am nächsten war. Sie war kühl und glatt und rund wie ein Kürbis.
Brianna gab einen tiefen, leisen Kehllaut von sich und räkelte sich genießerisch. Sie krümmte ihren Rücken und hob ihr Hinterteil auf eine Weise, die Roger zu der Überzeugung brachte, dass es am klügsten war, wenn er einfach die Bettdecke zurückwarf, sich auf sie rollte und in zehn Sekunden ans Ziel gelangte – länger würde es sowieso kaum dauern.
Er schaffte es immerhin, die Bettdecke zurückzuwerfen.
Als er den Kopf vom Kissen hob, schob sich ein rundes, bleiches Objekt, das an einen der Jupitermonde erinnerte, langsam über den Wiegenrand in sein Blickfeld. Ein blaues Augenpaar betrachtete ihn mit klinischer Teilnahmslosigkeit.
»Oh, Mist!«, sagte er.
»Oh, Miss!«, ahmte Jemmy ihn fröhlich nach. Er stellte sich umständlich hin und wippte auf und ab. Dabei klammerte er sich mit den Händen fest an den Rand der Wiege, für die er jetzt rapide zu groß wurde, und sang auf eine Weise, die er wohl für ein Lied hielt, »Miss-miss-miss-miss«.
Brianna fuhr auf und blinzelte unter ihrem wirren Haar hervor.
»Was? Was ist passiert?«
»Äh … mich hat etwas gestochen.« Roger schlug den Rand der Decke diskret wieder um. »Wir müssen hier eine Wespe haben.«
Sie räkelte sich stöhnend auf ihrem Kissen und schob sich mit einer Hand das Haar aus dem Gesicht, dann griff sie nach dem Becher auf dem Nachttisch und trank; wenn sie erwachte, hatte sie immer Durst.
Ihre Augen wanderten über ihn hinweg, und ein Lächeln breitete sich langsam über ihren sanften Mund. »Ach ja? Das ist aber ein böser Stich, den du da hast. Soll ich ihn dir einreiben?« Sie stellte den Becher hin, rollte sich grazil zur Seite, stützte sich auf ihren Ellbogen und streckte eine Hand aus.
»Du bist eine Sadistin«, sagte Roger zähneknirschend. »Hundertprozentig. Das musst du von deinem Vater haben.«
Sie lachte, zog ihre Hand von der Bettdecke, stand auf und zog sich das Hemd an.
»MAMA! Miss, Mama!«, teilte ihr Jemmy strahlend mit, als sie ihn ächzend aus der Wiege hob.
»Du kleine Ratte«, sagte sie liebevoll. »Du machst dich heute Morgen bei Papa aber nicht sehr beliebt. Dein Zeitplan stinkt zum Himmel.« Sie rümpfte die Nase. »Und nicht nur der.«
»Das kommt wohl darauf an, wie man es betrachtet.« Roger drehte sich auf die Seite und sah den beiden zu. »Von seinem Standpunkt aus dürfte sein Zeitplan perfekt gewesen sein.«
»Ja.« Brianna sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an. »Daher auch das neue Wort, was?«
»Das kannte er doch schon«, sagte Roger trocken. »Ziemlich gut sogar.« Er setzte sich hin, schwang die Beine aus dem Bett und strich sich mit der Hand durch das Haar und über das Gesicht.
»Nun, dann brauchen wir ja jetzt nur noch eine Überleitung vom Abstrakten zum Konkreten, was?« Sie stellte Jemmy hin, kniete sich vor ihn, küsste ihn auf die Nase und öffnete die Sicherheitsnadeln seiner Windel. »Igitt. Meinst du, achtzehn Monate ist zu früh, um mit dem Töpfchen anzufangen?«
»Ist die Frage an mich oder an ihn gerichtet?«
»Puh. Ist mir egal – wer von euch beiden eine Meinung dazu hat.«
Jemmy hatte offensichtlich keine; er ignorierte den entschlossenen Angriff, den seine Mutter mit einem kalten, feuchten Tuch auf seinen Allerwertesten verübte, mit fröhlicher Engelsgeduld, denn er war ganz in ein neues, selbst komponiertes Lied vertieft: »Puh, puh, Miss, Miss, PUH, PUH …«
Brianna setzte dem ein Ende, indem sie ihn schwungvoll auf die Arme nahm und sich mit ihm auf den Sessel am Kamin setzte.
»Was zu essen?«, fragte sie und zog den Halsausschnitt ihres Hemdes einladend herunter.
»Gott, ja«, sagte Roger inbrünstig. Brianna lachte, nicht ohne Mitgefühl, und legte Jemmy auf ihren Schoß, wo er glückselig zu saugen begann.
»Du bist als Nächster dran«, versicherte sie Roger. »Möchtest du Porridge oder frittierte Maiskuchen zum Frühstück?«
»Steht sonst noch etwas auf der Speisekarte?« Verdammt, er war beinahe so weit gewesen, dass er das Bett hätte verlassen können, aber jetzt stand er wieder ganz am Anfang.
»Oh, klar. Toast mit Erdbeermarmelade. Käse. Eier, aber die musst du dir aus dem Hühnerstall holen; ich habe keine in der Vorratskammer.«
Roger hatte Schwierigkeiten, sich auf das Gespräch zu konzentrieren, während er Brianna im gedämpften Licht der Hütte vor sich hatte, die langen Oberschenkel unter dem Nachthemd gespreizt, die Fersen unter dem Sessel. Sie schien sein Desinteresse an Ernährungsfragen zu bemerken, denn sie blickte auf, sah ihn lächelnd an und ließ ihrerseits den Blick über seinen nackten Körper wandern.
»Du siehst gut aus, Roger«, sagte sie leise. Ihre freie Hand senkte sich und legte sich leicht auf die Innenwölbung ihres Oberschenkels. Sie ließ die langen Finger mit den stumpfen Nägeln so langsam kreisen, dass sie sich kaum bewegten.
»Du auch.« Seine Stimme war heiser. »Mehr als gut.«
Sie hob die Hand und klopfte Jemmy sacht auf den Rücken.
»Möchtest du nach dem Frühstück Tante Lizzie besuchen, Schätzchen?«, fragte sie, ohne ihn anzusehen. Ihre Augen waren auf Roger geheftet, und ihr Mund verzog sich langsam zu einem breiten Lächeln.
Er glaubte nicht, dass er bis nach dem Frühstück warten konnte – er musste sie zumindest berühren. Ihr Schultertuch lag über dem Fußende des Bettes; er griff danach und schlang es sich anstandshalber um die Hüften, als er aus dem Bett stieg und das Zimmer durchquerte, um sich neben ihren Sessel zu knien.
Ihr Haar bewegte sich, als ein Luftzug vom Fenster hereinwehte, und er sah, wie sich ihre Arme plötzlich mit Gänsehaut überzogen. Er legte die Arme um sie beide. Der kalte Luftzug traf jetzt seinen Rücken, doch er störte sich nicht daran.
»Ich liebe dich«, flüsterte er ihr ins Ohr. Seine Hand lag über der ihren auf ihrem Oberschenkel.
»Ich liebe dich auch«, sagte sie.
Sie hatte sich den Mund mit Wasser und Wein ausgespült und schmeckte nach Herbsttrauben und kalten Bächen. Er war gerade im Begriff, ernsthaft zur Sache zu kommen, als ein lautes Hämmern die Balken der Tür erschütterte und dazu die Stimme seines Schwiegervaters erklang.
»Roger! Bist du da drin, Mann? Auf mit dir, sofort!«
»Was meint er damit, bin ich hier drin?«, zischte Roger Brianna zu. »Wo zum Teufel soll ich denn sonst sein?«
»Schh.« Sie biss ihm sacht in den Hals, ließ dann zögernd von ihm ab und ließ erneut den Blick anerkennend über ihn schweifen.
»Er ist schon auf, Pa!«, rief sie.
»Aye, und es sieht ganz so aus, als sollte das ein Dauerzustand werden«, knurrte Roger. »Komme!«, bellte er. »Wo zum Teufel sind meine Kleider?«
»Unter dem Bett, wo du sie gestern Abend liegen gelassen hast.« Brianna stellte Jemmy auf den Boden – beim Klang der Stimme seines Großvaters kreischte er ekstatisch auf und rannte los, um an die verriegelte Tür zu hämmern. Nachdem er sich endlich dazu aufgerafft hatte, Laufen zu lernen, hatte er es mit dem nächsten Schritt eilig gehabt und war innerhalb weniger Tage in hektische – und ständige – Bewegung übergegangen.