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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Ihm war schon bald klar, dass er den Wettstreit jederzeit beenden konnte, indem er das schmale Rapier des Doktors mit der Kante seiner viel schwereren Klinge kreuzte. Doch allmählich begann die Sache, ihm Spaß zu machen, und er achtete darauf, mit der flachen Seite des Breitschwertes zu parieren.

Nach und nach verlor Roger bis auf die blitzende Spitze des Rapiers alles aus dem Blick; die Rufe der Menge verhallten zu Bienengesumm, der Staub der Gasse und die Wand der Schmiede waren kaum zu sehen. Er schürfte sich den Ellbogen an der Wand auf, trat wieder an seinen Platz, bewegte sich im Kreis, um mehr Raum zu gewinnen, und das alles ohne einen bewussten Gedanken.

Das Rapier hieb auf seine breitere Klinge ein, blieb hängen und rutschte mit einem metallischen Kreischen ab. Ein Scheppern, ein Klicken, das Sausen der Luft und das klingende Hämmern, das bei jedem Schwerthieb des Doktors in seinen Handgelenken vibrierte.

Beobachte den Hieb, folge ihm, wehre ihn ab. Er hatte keine Ahnung, was er eigentlich tat, doch er tat es trotzdem. Der Schweiß lief ihm in die Augen; er schüttelte den Kopf, um sich von den Tropfen zu befreien. Fast übersah er dabei einen niedrig gezielten Hieb gegen seinen Oberschenkel, doch er stoppte ihn in letzter Sekunde und schleuderte das Rapier von sich.

Der Doktor verlor das Gleichgewicht und stolperte, und wilde »Jetzt! Gib’s ihm! Stich zu!«-Rufe hallten durch die staubige Luft. Er sah die breite Fläche der bestickten Weste des Doktors, ungeschützt, voll silberner Schmetterlinge, und erstickte das heftige Bedürfnis, darauf loszugehen.

Von der Intensität dieses Bedürfnisses erschüttert, trat er einen Schritt zurück. Der Doktor, der eine Schwäche roch, stürzte brüllend mit gezückter Klinge auf ihn zu. Roger trat einen halben Schritt beiseite, und der Doktor schoss an ihm vorbei und ritzte das Sprunggelenk des Zugpferdes an, das ihm im Weg stand.

Das Pferd wieherte entrüstet auf und beförderte den Fechter samt seinem Schwert prompt in die Luft, so dass sie gegen die Front der Schusterwerkstatt prallten. Der Doktor fiel inmitten von Leisten und verstreuten Schuhen zu Boden wie eine zerquetschte Fliege.

Roger stand reglos da und keuchte. Sein ganzer Körper pulsierte mit jedem Herzschlag, vom Kampf erhitzt und erregt. Am liebsten hätte er noch weitergemacht, gelacht, auf etwas eingeschlagen. Am liebsten hätte er Brianna an die nächste Wand gedrückt, und zwar sofort.

Jamie hob ihm sanft die Hand und löste seine Finger vom Griff des Schwertes. Er hatte völlig vergessen, dass er es in der Hand hatte. Ohne das Schwert fühlte sich sein Arm zu leicht an, als könnte er ganz von selbst zum Himmel entschweben. Er hatte es so fest umklammert gehabt, dass seine Finger steif waren, und als er sie jetzt reflexiv krümmte, spürte er es kribbeln, als das Blut zurückkehrte.

Sein Blut kribbelte überall. Er hörte das Gelächter kaum, die Einladungen auf ein Bier, und genauso wenig spürte er die schulterklopfenden Gratulationen.

»Ein Klistier, ein Klistier, gebt ihm ein Klistier!«, rief eine Gruppe von Lehrjungen, die die Nachhut bildete, als man den Doktor zu Erste-Hilfe-Maßnahmen in das nächste Wirtshaus trug. Der Besitzer des Pferdes kümmerte sich besorgt um seinen kräftigen Braunen, der eher einen verwirrten als einen verletzten Eindruck machte.

»Schätze, er hat gewonnen. Er hat schließlich als Erster Blut vergossen.«

Roger realisierte erst, dass er gesprochen hatte, als er seine eigene Stimme hörte, die sich seltsam ruhig anhörte.

»Ist es brauchbar?« Jamie sah ihn fragend an und hatte dabei das Schwert auf den Handflächen liegen.

Roger nickte. Die Gasse war hell und mit weißem Staub bedeckt, der unter seinen Augenlidern knirschte und zwischen seinen Zähnen, wenn er den Mund schloss.

»Aye«, sagte er. »Es ist brauchbar.«

»Gut«, sagte Jamie. »Du auch«, fügte er beiläufig hinzu und wandte sich ab, um den Schmied zu bezahlen.

ACHTER TEIL

Auf, auf zum fröhlichen Jagen

Kapitel 89

Die Jupitermonde

Ende November 1771

Zum vierten Mal in ebenso vielen Minuten sagte sich Roger, dass es medizinisch unmöglich war, an sexueller Frustration zu sterben. Es bezweifelte sogar, dass sie langfristige Schäden hervorrufen würde. Andererseits war sie auch nicht besonders wohltuend, auch wenn er sich Mühe gab, sie als Übung für seinen Charakter zu betrachten.

Er ließ sich vorsichtig auf den Rücken zurücksinken, damit die Matratze nicht raschelte, und starrte zur Decke. Das nützte auch nichts; durch einen Riss in der Fensterbespannung fiel die frühe Morgensonne auf das Bett, und aus dem Augenwinkel konnte er das Gesäß seiner Frau wie von einem goldenen Scheinwerfer erleuchtet sehen.

Sie lag auf dem Bauch, das Gesicht in ihrem Kissen vergraben, und das leinene Betttuch war ihr über die Pobacken gerutscht, so dass sie vom Nacken bis zur Pofalte entblößt dalag. Sie lag so dicht neben ihm in dem engen Bett, dass sein Bein das ihre berührte und die Wärme ihres Atems ihm über die nackte Schulter strich. Sein Mund war trocken.

Er schloss die Augen. Auch das half nicht; prompt hatte er die Bilder der vergangenen Nacht vor sich: Brianna im gedämpften Licht eines glimmenden Feuers, die Flammen ihres Haars, die im Dunklen aufblitzten, das Licht, das unvermittelt auf der Rundung ihrer nackten Brust aufschimmerte, als sie sich das weiche Leinen von den Schultern gleiten ließ.

Trotz der späten Stunde und seiner Müdigkeit hatte er sie heftig begehrt. Doch es hatte noch jemanden gegeben, der sie heftiger begehrte. Er öffnete sein Augenlid einen Spaltbreit und erhob sich so weit, dass er über Briannas verworrene Locken hinweg zu der Stelle blicken konnte, wo die Wiege im Dunklen an der Wand stand. Keine Anzeichen einer Bewegung.

Sie hatten eine grundsätzliche Abmachung. Er war schlagartig hellwach, wenn er gestört wurde, sie war benommen und unbeholfen. Als ihn Sirenengeheul aus der Wiege in einen herzklopfenden Alarmzustand versetzte, war es daher Roger gewesen, der aufstand, das durchnässte, jaulende Bündel aus dem Bettchen hob und sich seinen unmittelbaren hygienischen Bedürfnissen widmete. Als er Jemmy, der inzwischen mit Händen und Füßen nach Nahrung suchte, dann zu seiner Mutter brachte, hatte sich Brianna so weit aufgerappelt, dass sie sich aus ihrem Nachthemd wand, die Arme nach dem Kind ausstreckte und es in der warmen Dunkelheit in die murmelnde, milchige Zuflucht ihres Körpers zog.

Jetzt, da Jemmy älter war, wurde er nachts nur noch selten wach, doch wenn er von Bauchschmerzen oder einem Alptraum geweckt wurde, dauerte es sehr viel länger, ihn wieder zum Einschlafen zu bringen, als früher, als er noch kleiner war. Roger war wieder eingeschlafen, während Brianna Jemmy Trost spendete, doch er erwachte, als sie sich in dem engen Bett umdrehte und ihre Pobacken an seinem Oberschenkel entlangstrichen. Die Maisblätter unter ihnen knisterten laut, als explodierten tausend ferne Feuerwerkskörper in seinem Rücken, und beim Erwachen wurde er sich einer drängenden, beinahe schmerzhaften Erregung bewusst.

Er hatte gespürt, wie sich ihr Hintern an ihn presste, und sich nur mit Mühe davon abgehalten, sich umzudrehen und von hinten über sie herzufallen. Leise Sauggeräusche von der anderen Seite ihres Körpers ließen ihn jedoch davon Abstand nehmen. Jemmy war immer noch bei ihr.

Er hatte still dagelegen und lauschend gebetet, dass sie lange genug wach bleiben würde, um den kleinen Kerl wieder in seine Wiege zu legen; manchmal schliefen sie zusammen ein, Mutter und Kind, und wenn Roger dann morgens erwachte, roch er eine verwirrende Duftmischung aus erwachsener Frau und Babypisse. Und dann war er schließlich trotz seines Ungemachs eingeschlafen – er hatte den ganzen Tag auf dem Berg Bäume gefällt und war erschöpft.

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