Ein todsicherer Job
- Автор: Мур Кристофер
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Goldmann Verlag
- ISBN: 978-3-641-01256-4
- Переводчик: J,orn Ingwersen
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Ein todsicherer Job». Краткое содержание книги:
Charlie Ashers Welt ist perfekt, bis seine Frau Rachel bei der Geburt ihres ersten Kindes stirbt. Über Nacht ist Charlie nicht nur Vater, sondern auch Witwer. Und darüber scheint er den Verstand zu verlieren – anders kann er sich das Wesen in Minzgrün nicht erklären, das ihm immer wieder erscheint. Dann fallen auch noch wildfremde Menschen tot vor ihm um, und es stellt sich heraus, dass Charlie von ganz oben eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen hat: Seelen einzufangen und sicher ins Jenseits zu befördern. Ein todsicherer Job, aber trotzdem nichts für Charlie …
Im Laufe der folgenden Monate las er: Das Ägyptische Totenbuch, aus dem er lernte, wie man jemandem das Gehirn mit einem Haken aus der Nase zog, was er sicher eines Tages mal brauchen konnte; ein Dutzend Bücher über den Umgang mit Tod, Trauer, Bestattungsriten und Mythen der Unterwelt, aus denen er lernte, dass es seit Anbeginn der Zeit Personifizierungen des Todes gegeben hatte und keine davon aussah wie er; und Das Tibetische Totenbuch, aus dem er erfuhr, dass »Bardo«, der Übergang von einem Leben zum nächsten, neunundvierzig Tage dauerte und einem dabei etwa dreißigtausend Dämonen begegneten. Diese wurden in allen Details beschrieben, aber kein Einziger sah wie eine Gullyhexe aus, so dass man sie allesamt einfach ignorieren konnte. Die Seelen mussten keine Dämonen fürchten, denn diese waren nicht real, da sie der materiellen Welt entstammten.
»Komisch«, sagte Charlie zu Sophie, »in diesen Büchern heißt es, die materielle Welt sei unbedeutend, und doch hole ich Seelen zurück, die an ein materielles Objekt gebunden sind. Es macht den Eindruck, als wüsste die linke Hand des Todes nicht, was die rechte tut. Findest du nicht auch?«
»Nein«, sagte Sophie.
Mit ihren achtzehn Monaten beantwortete Sophie sämtliche Fragen entweder mit »Nein«, »Keks« oder »wie Bär«, wobei Charlie Letzteres dem Umstand zuschrieb, dass er Sophie zu oft Mrs. Korjews Obhut überließ. Nachdem die Schildkröten, zwei weitere Hamster, ein Einsiedlerkrebs, ein Leguan und zwei Breitmaulfrösche in den großen Wok im Himmel (genauer gesagt: im zweiten Stock) eingegangen waren, brachte Charlie schließlich eine acht Zentimeter lange Madagaskar-Fauchschabe mit nach Hause, der er den Namen »Bär« gab, damit seine Tochter auf ihrem bevorstehenden Lebensweg nicht ausschließlich Blödsinn redete.
»Wie Bär«, sagte Sophie.
»Sie meint die Kakerlake«, sagte Charlie.
»Sie meint nicht die Kakerlake«, sagte Jane. »Welcher Vater kauft seiner kleinen Tochter Ungeziefer? Das ist ja ekelhaft.«
»Angeblich sind sie nicht umzubringen. Es gibt sie schon seit hundert Millionen Jahren. Oder war es der weiße Hai? Jedenfalls sollen sie schwer zu halten sein.«
»Wieso gibst du es nicht auf, Charlie? Schenk ihr doch Stofftiere.«
»Kleine Kinder sollten ein Haustier haben. Vor allem kleine Stadtkinder.«
»Wir waren Stadtkinder, und wir hatten auch keine Haustiere.«
»Ich weiß, und sieh dir an, was aus uns geworden ist…«, sagte Charlie und zeigte zwischen ihnen beiden hin und her, zwischen ihm, dem Boten des Todes, der eine Riesenschabe namens Bär besaß, und ihr, die schon ihre dritte Yogalehrerin in sechs Monaten hatte und seinen neuesten Tweed-Anzug trug.
»Wir haben uns prima entwickelt, zumindest einer von uns beiden«, sagte Jane und deutete dabei auf ihren schmucken Anzug wie ein Game-Show-Model, das den großen Preis bei WER WIRD ANDROGYN? vorführt. »Du solltest etwas zulegen. Das Ding spannt am Po«, sagte sie, wie eh und je besessen von sich selbst. »Arsch frisst Hose?«
»Das will ich überhaupt nicht wissen«, sagte Charlie.
»Sie bräuchte keine Haustiere, wenn sie mal vor die Tür käme«, sagte Jane und zupfte am Zwickel ihrer Hose herum. »Geh mit ihr in den Zoo, Charlie. Zeig ihr mal was anderes als immer nur diese Wohnung. Nimm sie mit.«
»Mach ich. Morgen. Ich nehm sie mit vor die Tür und zeige ihr die Stadt«, sagte Charlie. Und das hätte er auch getan, aber auf seinem Tagesplaner stand der Name Madeline Alby und daneben eine Eins.
Ach ja, und der Kakerlak war tot.
»Ich nehm dich mit, meine Süße«, sagte Charlie, als er Sophie zum Frühstück in ihren hohen Kinderstuhl setzte. »Ganz bestimmt. Versprochen. Kannst du glauben, dass man mir nur einen Tag Zeit lässt?«
»Nein«, sagte Sophie. »Saft«, fügte sie hinzu, denn sie saß in ihrem Stuhl, und es war Saftzeit.
»Das mit Archie tut mir leid, Kleine«, sagte Charlie, strich ihrHaar in eine Richtung, dann in die andere, dann gab er es auf. »Er war ein guter Käfer, aber er ist nicht mehr. Mrs. Ling will ihn begraben. Langsam wird es eng in ihrem Blumenkasten.« Charlie konnte sich nicht erinnern, ob vor Mrs. Lings Fenster tatsächlich ein Blumenkasten hing, aber wollte er an ihr zweifeln?
Charlie klappte das Telefonbuch auf und fand einen M. Alby mit einer Adresse auf dem Telegraph Hill, keine zehn Minuten zu Fuß. So nah war ihm noch kein Klient gewesen, und nachdem die Gullyhexen seit fast sechs Monaten keinen Piep mehr von sich gegeben und auch keinen Schatten hatten blicken lassen, bekam er langsam das Gefühl, als hätte er die ganze Sache mit dem Totenboten gut im Griff. Er war sogar die meisten Seelenschiffchen wieder losgeworden, die er gesammelt hatte. Aber dieser kurzfristige Termin war kein gutes Zeichen, ganz und gar nicht.
Das Haus war ein neobarocker Bau oben auf dem Hügel, gleich unterhalb vom Coit Tower, dem großen Granitturm, errichtet zu Ehren der Feuerwehrmänner von San Francisco, die ihr Leben im Dienst verloren hatten. Obwohl der Turm angeblich der Düse eines Feuerwehrschlauches nachempfunden sein sollte, konnte so gut wie niemand dem Drang widerstehen, auf die Ähnlichkeit mit einem Riesenpenis hinzuweisen. Madeline Albys Haus war ein weißes Rechteck mit flachem Dach, reich verschnörkelter Bordüre und einem krönenden Sims aus gemeißelten Putten. Es sah aus wie eine Hochzeitstorte auf dem Skrotum des Towers.
Als Charlie nun also hinauf zum Hodensack von San Francisco stapfte, fragte er sich, wie er eigentlich ins Haus gelangen wollte. Normalerweise hatte er Zeit, konnte warten, jemandem folgen oder eine List anwenden, um sich Einlass zu verschaffen, doch diesmal blieb ihm nur ein einziger Tag, um hineinzukommen, das Seelenschiffchen aufzutreiben und wieder zu verschwinden. Er hoffte, dass Madeline Alby bereits tot war. Er hatte nicht gern kranke Menschen um sich. Als er den Wagen mit dem grünen Hospiz-Aufkleber vor der Tür sah, zerplatzten seine Hoffnungen auf eine tote Klientin wie ein Blaubeermuffin unterm Vorschlaghammer.
Er nahm die Stufen links am Haus und wartete bei der Tür. Konnte er sie selbst aufmachen? Würde man es sehen können, oder wirkte sich seine spezielle »Unbemerkbarkeit« auch auf Dinge aus, die er bewegte? Das glaubte er nicht. Doch dann öffnete sich die Tür, und eine Frau, etwa in Charlies Alter, trat heraus auf die Veranda. »Ich geh eine rauchen«, rief sie ins Haus, und bevor sie die Tür hinter sich schließen konnte, war Charlie schon hineingeschlüpft.
Die Haustür führte in ein Foyer. Rechts sah Charlie, wo sich früher der Salon befunden hatte, als das Haus erbaut worden war. Vor ihm lag eine Treppe, dahinter eine Tür, die vermutlich in die Küche führte. Er hörte Stimmen im Salon und spähte um die Ecke, wo er fünf ältere Damen sah, die einander auf zwei Sofas gegenübersaßen. Sie trugen Kleider und Hüte, als kämen sie eben aus der Kirche, aber Charlie nahm an, dass sie ihrer Freundin die letzte Ehre erweisen wollten.
»Man sollte meinen, dass sie das Rauchen aufgibt, da ihre Mutter oben liegt und an Krebs stirbt«, sagte eine der Damen, die ein graues Kostüm mit passendem Hut trug, dazu eine große, emaillierte Brosche in Form einer gefleckten Kuh.
»Tja, sie war schon immer ein halsstarriges Mädchen«, sagte eine andere, die ein Kleid trug, das aus demselben Blumenstoff geschneidert zu sein schien wie die Couch. »Ihr wisst, dass sie sich mit meinem Sohn Jimmy dauernd oben im Pioneer Park getroffen hat, als sie klein waren.«
»Sie wollte ihn immer heiraten«, sagte eine andere Frau, die wie die Schwester der ersten aussah.
Die Damen lachten, und Heiterkeit und Trauer mischten sich in ihren Stimmen.