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Ein todsicherer Job

Электронная книга - «Ein todsicherer Job». Краткое содержание книги:

Zum Brüllen komisch und absolut hinreißend – eine liebenswerte Komödie der besonderen Art.

Charlie Ashers Welt ist perfekt, bis seine Frau Rachel bei der Geburt ihres ersten Kindes stirbt. Über Nacht ist Charlie nicht nur Vater, sondern auch Witwer. Und darüber scheint er den Verstand zu verlieren – anders kann er sich das Wesen in Minzgrün nicht erklären, das ihm immer wieder erscheint. Dann fallen auch noch wildfremde Menschen tot vor ihm um, und es stellt sich heraus, dass Charlie von ganz oben eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen hat: Seelen einzufangen und sicher ins Jenseits zu befördern. Ein todsicherer Job, aber trotzdem nichts für Charlie …
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»Das muss ich Ihnen nicht verraten«, sagte Rivera lächelnd.

»Nicht?«

»Nein. Schönen Tag noch, Mr. Asher.«

»Danke gleichfalls«, sagte Charlie. Folgte man ihm jetzt schon auf und unter der Straße? Was sonst sollte ein Detective von der Mordkommission hier wollen? Weder Das Große Bunte Buch des Todes noch Minty Fresh hatten irgendwas von Polizei gesagt. Wie sollte man diese ganze Sache mit dem Totenboten geheim halten, wenn einen die Polizei im Auge hatte? Seine Begeisterung darüber, den Feind angegriffen zu haben, was seinem Wesen zutiefst widersprach, verflog. Er wusste nicht genau wieso, aber irgendetwas sagte ihm, dass er es gerade vermasselt hatte.

Unter der Straße sahen sich die Morrigan sprachlos an.

»Er weiß von nichts«, sagte Macha mit Blick auf ihre Klauen, die im trüben Licht von oben schimmerten wie gebürsteter Stahl. Langsam zeichnete sich das blaugraue Relief der Federn auf ihrem Leib ab, und ihre Augen waren nicht mehr nur Silberscheibchen, sondern aus ihnen sprach die Wachsamkeit eines Raubvogels. Einst war sie über die Schlachtfelder des Nordens geflogen, war auf den Soldaten gelandet, während diese noch im Sterben lagen, und hatte ihnen in ihrer Gestalt als Nebelkrähe die Seelen ausgehackt. Die Kelten hatten die abgeschlagenen Köpfe ihrer Feinde »Machas Eichelernte« genannt, ohne zu ahnen, dass sie sich weder für den Tribut, noch für ihre Sippe interessierte, sondern allein für Blut und Seelen. Tausend Jahre waren vergangen, seit sie ihre Frauenklauen zuletzt so gesehen hatte.

»Ich kann immer noch nichts hören«, sagte ihre Schwester Nemain, die ihre blauschwarzen Federn kämmte und vor Vergnügen fauchte, wenn sie mit den dolchspitzen Klauen über ihre Brust strich. Sie hatte sogar Reißzähne bekommen, die gegen ihre zarten, schwarzen Lippen drückten. Ihre Aufgabe war es gewesen, Gift auf jene zu tropfen, die sie zum Tod verdammte. Es gab keinen wilderen Krieger als einen, den Nemains Gift berührte, denn da sie nichts mehr zu verlieren hatten, stürzten sie sich furchtlos in die Schlacht, in einem Wahn, der ihnen die Kraft von zehn Männern verlieh – und rissen andere mit sich ins Verderben.

Babd scharrte mit ihren Klauen über die Wand des Abwasserkanals und schnitt tiefe Rillen in den Beton. »Die find ich toll. Hatte schon ganz vergessen, dass ich sie überhaupt habe. Ich wette, wir könnten ins Oben gehen. Wollt ihr ins Oben? Ich habe das Gefühl, ich könnte ins Oben gehen. Heute Abend können wir ins Oben. Wir könnten ihm die Beine ausreißen und zusehen, wie er sich in seinem eigenen Blut wälzt. Das wäre lustig.« Babd war die Sirene – ihr Kreischen auf dem Schlachtfeld schlug angeblich ganze Armeen in die Flucht, Hundertschaften starben vor Angst. Sie war unendlich böse, wild und nicht besonders schlau.

»Frischfleisch weiß von nichts«, wiederholte Macha. »Warum sollten wir unseren Vorteil mit einer übereilten Attacke verspielen?«

»Weil es Spaß machen würde«, sagte Babd. »Oben? Spaß? Es muss ja kein Korb sein… du könntest dir auch aus seinen Eingeweiden einen Hut flechten.«

Nemain verspritzte Gift von ihren Klauen, das dampfend über den Beton strich. »Wir sollten es Orcus sagen. Er hat bestimmt einen Plan.«

»Von wegen dem Hut?«, fragte Babd. »Du musst ihm sagen, dass es meine Idee war. Er mag Hüte.«

»Wir müssen ihm sagen, dass Frischfleisch keine Ahnung hat.«

Die drei schwebten wie Rauch durch die Rohre zum großen Schiff hinüber, um die Neuigkeit zu überbringen, dass ihr neuester Feind nicht wusste, was er war und was er der Welt angetan hatte.

12

Das Bay-City-Buch der Toten

Charlie hatte die Hamster auf die Namen Parmesan und Romano (oder kurz Parm und Romy) getauft, denn als der Moment kam, in dem er sich Namen ausdenken sollte, las er zufällig gerade den Aufkleber an einem Glas Tomatensoße. Mehr Aufmerksamkeit widmete er dem Thema nicht, und es reichte auch. Tatsächlich schien es Charlie, als hätte er es sogar übertrieben, angesichts der Tatsache, dass er – als er am Tag des großen Chinaböller-Gully-Debakels nach Hause kam – feststellte, dass seine Tochter freudestrahlend mit einem leblosen Hamster auf das Tablett ihres Kinderstuhls einhämmerte.

Romano war der Gehämmerte, was Charlie so genau sagen konnte, weil er ihm einen Nagellackpunkt zwischen die kleinen Ohren gemalt hatte, um ihn von seinem Kumpel Parmesan unterscheiden zu können, der nicht minder starr im Hamsterkäfig lag. Am Boden des Laufrades. Sport ist Mord.

»Mrs. Ling!«, rief Charlie. Er befreite den abgelaufenen Nager aus den Händen seiner geliebten Tochter und legte ihn in den Käfig.

»Ist Wladlena, Mr. Asher«, dröhnte eine mächtige Stimme aus dem Badezimmer. Man hörte die Spülung, und Mrs. Korjew kam heraus, riss an den Verschlüssen ihres Overalls. »Tut mirleid, ich muss kacken wie Bär. Sophie war gewesen sicher in Stuhl.«

»Sie hat mit einem toten Hamster gespielt, Mrs. Korjew.«

Mrs. Korjew betrachtete die beiden Hamster in der Plastikbox – klopfte leicht dagegen, schüttelte sie hin und her. »Die schlafen.«

»Sie schlafen nicht. Sie sind tot.«

»Ging ihnen gut, als ich war gewesen in Badezimmer. Spielen, laufen im Rad, haben ihren Spaß.«

»Sie hatten keinen Spaß. Sie waren tot. Sophie hielt einen von den beiden in der Hand.« Charlie sah sich den Nager genauer an, den Sophie weich geklopft hatte. Der Kopf sah reichlich feucht aus. »Im Mund. Sie hatte ihn im Mund!« Charlie riss ein Stück Papier von der Haushaltsrolle auf dem Tresen und begann, Sophies Mund auszuwischen. Sie gab La-la-la-Laute von sich, während sie versuchte, das Papier zu essen, weil sie dachte, es gehörte zum Spiel.

»Wo ist Mrs. Ling eigentlich?«

»Sie muss Rezept abholen, deshalb ich hüte Sophie. Und kleine Bären waren glücklich, als ich war gewesen in Badezimmer.«

»Hamster, Mrs. Korjew, nicht Bären. Wie lange waren Sie da drinnen?«

»Fünf Minuten? Ich glaube, ich habe gedrückt so fest, dass ich mir habe gezerrt das Dickdarm.«

»Aiiiieeeee«, hörte man von der Tür, als Mrs. Ling hereinkam und zu Sophie lief. »Müssen schon lange Schläfchen machen«, fuhr Mrs. Ling Mrs. Korjew an.

»Jetzt bin ich ja da«, sagte Charlie. »Eine von Ihnen bleibt hier, während ich die H-A-M-S-T-E-R wegschaffe.«

»Er meint die kleinen Bären«, sagte Mrs. Korjew.

»Ich schon machen, Mr. Asher«, sagte Mrs. Ling. »Kein Problem. Was sein los mit denen?«

»Schlafen«, sagte Mrs. Korjew.

»Ladys, gehen Sie. Bitte. Eine von Ihnen sehe ich morgen früh.«

»Ist meine Reihe«, sagte Mrs. Korjew traurig. »Bin ich gebannt? Keine Sophie mehr für Wladlena, ja?«

»Nein. Äh, ja. Alles ist gut, Mrs. Korjew. Wir sehen uns morgen früh.«

Mrs. Ling schüttelte den Hamsterkäfig. Die hatten einen wirklich gesunden Schlaf, diese Hamster. Sahen lecker aus. »Ich mich kümmern«, sagte sie. Sie klemmte sich den Käfig unter den Arm und steuerte winkend rückwärts die Tür an. »Bye bye, Sophie. Bye bye.«

»Bye bye, Bubala«, sagte Mrs. Korjew.

»Bye bye«, sagte Sophie mit einem Babywinken.

»Seit wann kannst du >Bye bye< sagen?«, fragte Charlie seine Tochter. »Keine Sekunde kann man dich allein lassen.«

Am nächsten Tag aber ließ er sie doch allein, um Ersatz für die Hamster zu beschaffen. Diesmal fuhr er mit dem Lieferwagen zur Tierhandlung. Alles, was er an Mut und Selbstüberschätzung gesammelt hatte, um die Gullyhexen anzugreifen, war verflogen, und er wagte sich nicht mal mehr in die Nähe eines Gullys. In der Tierhandlung entschied er sich für zwei Zierschildkröten, klein und rund wie Mayonnaisedeckel. Er kaufte ihnen eine große, nierenförmige Schale mit einer kleinen Insel, einer Palme, ein paar Wasserpflanzen und einer Schnecke. Die Schnecke im Grunde nur, um die Selbstachtung der Schildkröten zu fördern: »Ihr findet uns langsam? Dann seht euch den mal an!« Um auch der Schnecke Mut zu machen, gab es einen kleinen Felsen. Man ist glücklicher, wenn man jemanden hat, auf den man herabblicken kann – und auch jemanden, zu dem man aufblicken kann, besonders wenn man beide nicht mag. Das ist nicht nur Betamännchen-Überlebensstrategie, sondern die Basis für Kapitalismus, Demokratie und die meisten Religionen.

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