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Ein todsicherer Job

Электронная книга - «Ein todsicherer Job». Краткое содержание книги:

Zum Brüllen komisch und absolut hinreißend – eine liebenswerte Komödie der besonderen Art.

Charlie Ashers Welt ist perfekt, bis seine Frau Rachel bei der Geburt ihres ersten Kindes stirbt. Über Nacht ist Charlie nicht nur Vater, sondern auch Witwer. Und darüber scheint er den Verstand zu verlieren – anders kann er sich das Wesen in Minzgrün nicht erklären, das ihm immer wieder erscheint. Dann fallen auch noch wildfremde Menschen tot vor ihm um, und es stellt sich heraus, dass Charlie von ganz oben eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen hat: Seelen einzufangen und sicher ins Jenseits zu befördern. Ein todsicherer Job, aber trotzdem nichts für Charlie …
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»Und der Vater? Soll ich ihn auch töten?«

»So stark bist du nicht. Aber wenn er merkt, dass sein Kind tot ist, wird ihn die Trauer vielleicht töten.«

»Du weißt überhaupt nicht, was du da treibst, oder?«, sagte Nemain.

»Du bleibst heute Abend hier«, sagte Orcus.

»Verflucht«, keifte Nemain und spritzte Gift über die Wand. »Oh, verzeiht, dass ich den Erhabenen in Frage stelle. Hey, Ochsenkopf. Horch, was kommt da hinten raus?«

»Ha«, sagte Babd, »ha, der war gut.«

»Und ist dein Hirn auch schön gefiedert?«, fragte Orcus.

»Oh. Jetzt hat er dich, Nemain. Denk immer daran, wenn ich heute Nacht das Kind ermorde.«

»Dich habe ich gemeint«, sagte Orcus. »Macha wird gehen.«

Sie stieg durchs Dach ein, brach das Oberlicht oben im dritten Stock auf und sprang hinunter in den Flur. Leise wie ein Schatten schlich sie zur Treppe, dann schien sie abwärts zu schweben, berührte mit den Füßen kaum die Stufen. Im ersten Stock blieb sie an der Tür stehen und betrachtete die Schlösser. Es gab zwei stabile Riegel, zusätzlich zu dem eigentlichen Türschloss. Sie blickte auf und sah ein Fenster aus buntem Glas über der Tür, das mit einem winzigen Messinghaken verriegelt war. Eilig glitt eine Kralle durch den Spalt, und mit einer kurzen Drehung des Handgelenks klickte der Messingriegel auf und fiel drinnen klappernd aufs Parkett. Sie glitt aufwärts, dann durchs Türfenster, presste sich drinnen an den Boden und wartete wie eine Schattenlache.

Sie witterte das Kind, hörte leises Schnarchen vom anderen Ende der Wohnung. Mitten im großen Raum blieb sie stehen und wartete. Frischfleisch war auch da, sie spürte ihn, er schlief im Zimmer gegenüber. Sollte er sich einmischen, würde sie ihm den Kopf abreißen, um ihn Orcus mitzubringen, als Beweis dafür, dass man sie niemals unterschätzen durfte. Am liebsten hätte sieden Kopf auf alle Fälle abgerissen, aber erst, wenn sie das Kind hatte.

Ein Nachtlämpchen am Bett der Kleinen warf sein weiches, rosiges Licht bis ins Wohnzimmer. Macha winkte kurz mit ihrer Klauenhand, und das Licht erlosch. Leise schnurrte sie vor Selbstzufriedenheit. Es hatte Zeiten gegeben, in denen sie ein Menschenleben auf diese Weise auslöschen konnte, und vielleicht würden diese Zeiten einmal wiederkehren.

Sie schob sich ins Zimmer der Kleinen und hielt inne. Im Mondlicht, das durchs Fenster fiel, sah sie das Kind eingerollt in seinem Bettchen liegen, mit einem Plüschhasen im Arm. Nur in den Zimmerecken konnte sie nichts erkennen, weil der Schatten dort so leer und dunkel war, dass sie ihn selbst mit ihren Augen einer Kreatur der Nacht nicht durchdringen konnte. Sie trat ans Kinderbett und beugte sich darüber. Das Kind schlief mit offenem Mund. Macha beschloss, ihm eine einzelne Kralle durch den Gaumen ins Gehirn zu treiben. Das wäre lautlos, der Vater würde reichlich Blut vorfinden, und so konnte sie die Leiche transportieren, am Haken wie ein Fisch auf dem Weg zum Markt. Langsam beugte sie sich vor und lehnte sich übers Bettchen, um die größtmögliche Hebelkraft zu erreichen. Mondlicht glitzerte auf der sieben Zentimeter langen Kralle, und sie wich zurück, einen Augenblick lang abgelenkt vom hübschen Schimmer, als sich die Zähne um ihren Arm schlossen.

»Verflu…«, kreischte sie, als sie herumgerissen und an die Wand geschlagen wurde. Die nächsten Zähne packten sie beim Knöchel. Sie verdrehte sich zu einem halben Dutzend Formen, ohne jede Wirkung, und flog herum wie eine Lumpenpuppe, gegen die Kommode, gegen das Bettchen und wieder an die Wand. Mit ihren Klauen hackte sie auf den Angreifer ein, traf etwas, dann fühlte es sich an, als würden ihr die Klauen an den Wurzeln herausgerissen, und sie ließ los. Sie konnte nichts erkennen, nur wilde, wirbelnde Bewegung, dann schlug sie hart auf. Sie trat nach dem, was ihren Knöchel hielt, und es ließ sie los, doch das, was ihren Arm umklammert hielt, schleuderte sie zum Fenster und draußen an die Gitterstäbe. Sie hörte, wie das Glas unten auf der Straße landete, presste sich mit aller Kraft dagegen, änderte in panischer Eile ihre Gestalt, bis sie sich durch die Stäbe gezwängt hatte und der Straße entgegenstürzte.

»Autsch! Scheißdreck!«, hörte man unten von der Straße, eine weibliche Stimme. »Aua-aua-aua.«

Charlie knipste das Licht an und sah Sophie in ihrem Bett sitzen, mit ihrem Häschen im Arm, lachend. Das Fenster hinter ihr war kaputt, die Scheibe fehlte. Sämtliche Möbel – abgesehen vom Kinderbett – waren umgekippt, und im Putz zweier Wände sah man basketballgroße Löcher, das hölzerne Lattenwerk dahinter war gesplittert. Überall am Boden lagen schwarze Federn und etwas, das wie Blut aussah, doch noch während Charlie die Federn betrachtete, begannen sie, sich in Rauch aufzulösen.

»Wauwi, Daddy«, sagte Sophie. »Wauwi.« Und kicherte.

Sophie schlief den Rest der Nacht in Daddys Bett, während Daddy neben ihr auf einem Stuhl saß, mit Blick auf die verschlossene Tür, den Stockdegen an seiner Seite. Charlies Schlafzimmer hatte keine Fenster, so dass man nur durch die Tür hinein oder hinaus gelangen konnte. Als Sophie am Morgen aufwachte, schälte Charlie sie aus ihren Sachen, badete sie und zog ihr was Frisches an. Dann bat er Jane, ihr Frühstück zu machen, während er die Scherben und den Putz in Sophies Zimmer zusammenfegte und nach unten ging, um eine Sperrholzplatte aufzutreiben, die er vor das kaputte Fenster nageln konnte.

Es quälte ihn, dass er nicht bei der Polizei anrufen konnte, dass er niemanden anrufen konnte, aber wenn ein einziges Telefonat mit einem Totenboten solche Konsequenzen hatte, durfte er es nicht riskieren. Und außerdem: Was würde die Polizei zu Blut und schwarzen Federn sagen, die sich in Rauch auflösten, wenn man sie sich näher ansah?

»Irgendjemand hat gestern Abend einen Stein in Sophies Fenster geworfen«, erklärte er Jane.

»Wow, und das im ersten Stock. Ich dachte, du hast sie nicht mehr alle, als du das Haus bis oben hin mit Schutzgittern verbarrikadiert hast, aber jetzt denke ich das nicht mehr. Du solltest überall verdrahtetes Glas einsetzen, zur Sicherheit.«

»Hab ich vor«, sagte Charlie. Sicherheit? Er hatte keine Ahnung, was in Sophies Zimmer vorgefallen war, aber der Umstand, dass sie inmitten der Verwüstung unangetastet bleiben konnte, jagte ihm einen Heidenschrecken ein. Er würde eine neue Scheibe einsetzen, aber die Kleine schlief von jetzt an in seinem Zimmer – bis sie dreißig war und verheiratet mit einem Hünen, der Karate konnte.

Als Charlie mit der Sperrholzplatte samt Hammer und Nägeln aus dem Keller wiederkam, saß Jane am Frühstückstresen und rauchte eine Zigarette.

»Jane, ich dachte, du hast aufgehört.«

»Hab ich auch. Vor fünf Jahren.«

»Wieso rauchst du in meiner Wohnung?«

»Ich war in Sophies Zimmer, um ihr Häschen zu holen.«

»Ja? Wo ist Sophie? Da könnten immer noch Scherben am Boden liegen…«

»Ja, sie ist da drinnen. Und das Ganze ist überhaupt nicht komisch, Asher. Dein Haustierspleen geht endgültig zu weit. Ich werde drei Yogastunden brauchen, mich kneten lassen undeinen Joint rauchen müssen, so groß wie eine Thermosflasche, um meinen Adrenalinspiegel wieder in den Griff zu bekommen. Die beiden haben mir einen solchen Schrecken eingejagt, dass ich mir ein kleines bisschen in die Hosen gemacht hab.«

»Wovon, zum Teufel, redest du, Jane?«

»Witzig«, sagte sie und verzog das Gesicht. »Wirklich witzig. Ich rede von den Wauwis, Daddy.«

Charlie zuckte mit den Schultern, als wollte er sagen: Könntest du dich vielleicht noch etwas undeutlicher oder unverständlicher ausdrücken? – eine Geste, die er im Laufe von zweiunddreißig Jahren perfektioniert hatte, dann rannte er zu Sophies Zimmer und riss die Tür auf.

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