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Ein todsicherer Job

Электронная книга - «Ein todsicherer Job». Краткое содержание книги:

Zum Brüllen komisch und absolut hinreißend – eine liebenswerte Komödie der besonderen Art.

Charlie Ashers Welt ist perfekt, bis seine Frau Rachel bei der Geburt ihres ersten Kindes stirbt. Über Nacht ist Charlie nicht nur Vater, sondern auch Witwer. Und darüber scheint er den Verstand zu verlieren – anders kann er sich das Wesen in Minzgrün nicht erklären, das ihm immer wieder erscheint. Dann fallen auch noch wildfremde Menschen tot vor ihm um, und es stellt sich heraus, dass Charlie von ganz oben eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen hat: Seelen einzufangen und sicher ins Jenseits zu befördern. Ein todsicherer Job, aber trotzdem nichts für Charlie …
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Charlie zuckte mit den Schultern und sah sich in alle Richtungen um, die Hand vor dem Mund wie jemand, der nicht wusste, wohin er einen ganzen Mund voll verdorbener Meeresfrüchte spucken sollte.

»Kasper nicht so herum, Junge«, sagte Madeline. »Das tut man doch nicht.«

Charlie seufzte schwer. Was hatte er noch zu verlieren? Sie konnte ihn sehen. »Hallo, Madeline. Ich bin Charlie.«

»Den Namen >Charlie< mochte ich schon immer«, sagte Madeline. »Wie kommt es, dass Sally dich nicht sehen kann?«

»Sie sind momentan die Einzige, die mich sieht«, sagte Charlie.

»Weil ich im Sterben liege?«

»Ich glaube schon.«

»Okay. Du bist ein hübscher Bengel, weißt du das?«

»Danke. Sie sind aber auch nicht übel.«

»Ich habe Angst, Charlie. Es tut nicht weh. Früher hatte ich Angst, dass es wehtun würde, aber jetzt fürchte ich mich vor dem, was kommt.«

Charlie setzte sich auf den Stuhl neben ihrem Bett. »Ich glaube, deshalb bin ich hier, Madeline. Sie brauchen keine Angst zu haben.«

»Ich habe viel Brandy getrunken, Charlie. Deshalb ist es so weit gekommen.«

»Maddy… darf ich Sie Maddy nennen?«

»Aber ja, Kleiner. Wir sind doch Freunde.«

»Ja, das sind wir. Maddy, es wäre so oder so passiert. Sie haben keine Schuld daran.«

»Das ist gut.«

»Maddy, haben Sie was für mich?«

»So etwas wie ein Geschenk?«

»So was wie ein Geschenk, das Sie sich selbst machen würden. Etwas, das ich für Sie aufbewahren und Ihnen wiedergeben könnte, um Sie damit zu überraschen?«

»Mein Nadelkissen«, sagte Madeline. »Das würde ich dir gern geben. Es hat meiner Großmutter gehört.«

»Es wäre mir eine Ehre, es für Sie aufzubewahren, Maddy. Wo finde ich es?«

»In meinem Nähkästchen auf dem obersten Regal im Schrank da drüben.« Sie deutete auf einen altmodischen Kasten in der anderen Ecke. »Oh, entschuldige. Telefon.«

Madeline unterhielt sich am Rand der Daunendecke mit ihrer ältesten Tochter, während Charlie das Nähkästchen vom obersten Regal im Schrank nahm. Es war aus Korb, und Charlie sah das rote Leuchten des Seelenschiffchens darin. Er nahm ein Nadelkissen aus rotem Samt heraus, mit echtem Silberfaden eingefasst, und zeigte es Madeline. Sie lächelte und hob beide Daumen, in dem Moment, als die Schwester einen kleinen Teller mit Käse und Kräckern brachte.

»Meine älteste Tochter ist dran«, erklärte Madeline der Schwester, drückte die Decke an ihre Brust, damit ihre Tochter sie nicht hörte. »Oh, ist das Käse?«

Die Schwester nickte. »Und Kräcker.«

»Ich ruf dich zurück, Liebes. Sally hat Käse mitgebracht, und ich möchte nicht unhöflich sein.« Sie legte die Decke auf und ließ sich von Sally mit kleinen Bissen aus Käse und Kräckern füttern.

»Ich glaube, das ist der beste Käse, den ich je gekostet habe«, sagte Madeline.

An ihrem Gesichtsausdruck sah Charlie, dass es tatsächlich der beste Käse war, den sie je gekostet hatte. Mit jeder Faser ihres Körpers genoss sie diese Cheddarscheiben und seufzte beim Kauen leise vor Vergnügen.

»Möchtest du etwas Käse, Charlie?«, fragte Madeline, wobei sie die Schwester mit Kräckerkrümeln vollspuckte. Die Frau drehte sich um und betrachtete die Ecke, in der Charlie mit dem Nadelkissen in der Jackentasche stand.

»Oh, Sie können ihn nicht sehen, Sally«, sagte Madeline und tätschelte die Hand der Schwester. »Aber er ist ein hübscher, kleiner Schlingel. Etwas mager vielleicht.« Dann, zu Sally gewandt, aber übermäßig laut, damit Charlie sie auch hören konnte. »Der kleine Scheißer könnte etwas Käse brauchen.« Dann prustete sie und ließ Krümel auf die Schwester regnen, die lachen musste und sich alle Mühe gab, nicht den Teller fallen zu lassen.

»Was hat sie gesagt?«, hörte man eine Stimme aus dem Flur. Dann kamen die beiden Söhne und die Schwester herein, anfangs besorgt, weil sie laute Stimmen gehört hatten, doch dann stimmten sie in das Gelächter der Krankenschwester und ihrer Mutter mit ein. »Ich habe gesagt: Käse ist gut!«, sagte Madeline.

»Ja, Mom, das ist er«, sagte die Tochter.

Charlie stand in der Ecke, sah ihnen zu, wie sie Käse aßen, lachte und dachte: Das hätte in dem Buch stehen sollen. Er sah, wie man ihr mit der Bettpfanne half, wie man ihr Wasser zu trinken gab und das Gesicht mit einem feuchten Tuch abwischte… sah, wie sie in den Stoff biss, genau wie Sophie, wenn er ihr Gesicht wusch. Die älteste Tochter, die – wie Charlie merkte – schon eine Weile tot war, rief noch dreimal an, einmal über den Hund und zweimal übers Kissen. Gegen Mittag wurde Madeline müde und schlief ein. Nach etwa einer halben Stunde fing sie an zu keuchen, dann hörte sie auf, dann atmete sie eine volle Minute nicht, dann atmete sie tief durch, dann gar nicht mehr.

Und Charlie schlich zur Tür hinaus, ihre Seele in der Tasche.

13

Mord rufen und den Hunddes Krieges entfesseln

Madeline Alby beim Sterben zuzusehen hatte Charlie erschüttert. Es war nicht so sehr der Tod, es war das Leben, das er in ihr gesehen hatte, kurz bevor sie starb. Er dachte: Wenn man dem Tod ins Auge blicken musste, um dem Leben die besten Augenblicke abzuringen – wer konnte das besser als der Mann, der dem Tod den Schrecken nahm?

»Käse stand nicht im Buch«, sagte Charlie zu Sophie, als er sie in ihrer neuen Joggerkarre aus dem Laden schob, die aussah, als hätte jemand ein Kohlefaserfahrrad mit einem Kinderwagen gekreuzt und ein Fahrzeug herausbekommen, mit dem man einen Tagestrip zum Thunderdome in Florida unternehmen konnte – aber sie war stabil, leicht zu schieben und schützte Sophie mit einem Aluminiumrahmen. Wegen des Käses zwang er sie nicht, ihren Helm zu tragen. Sie sollte sich umsehen können, die Welt um sie herum betrachten und mittendrin sein. Als er gesehen hatte, wie Madeline Alby mit solcher Inbrunst Käse aß, als wäre es das erste und beste Mal in ihrem Leben, war ihm bewusst geworden, dass er noch nie wirklich Käse so genossen hatte, und auch keine Kräcker, und auch nicht das Leben. Und er wollte nicht, dass seine Tochter so lebte. Am Abend vorher hatte sie ihr eigenes Zimmer bekommen, das Schlafzimmer, in dem Rachel Wolken und einen lustigen Ballon an die Decke gemalt hatte, der eine lachende Bande von tierischen Freunden in seinem Korb über den Himmel trug. Er hatte nicht gut geschlafen und war in der Nacht fünfmal aufgestanden, um nach ihr zu sehen. Sie schlief ruhig und friedlich, aber er konnte auf ein wenig Schlaf verzichten, wenn Sophie dafür ohne Ängste durchs Leben gehen konnte. Er wollte, dass sie den glorreichen Käse des Lebens kostete.

Sie schlenderten durch North Beach. Er machte Halt und kaufte einen Kaffee für sich und Apfelsaft für Sophie. Sie teilten sich einen gewaltig großen Erdnussbutterkeks, so dass ihnen ein Schwarm von Tauben den Bürgersteig entlang folgte und sich über die Krümelspur freute, die aus Sophies Karre rieselte. In den Fernsehern der Bars und Cafés lief das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft, und die Menschen drängten sich auf den Bürgersteigen bis zur Straße hin, sahen sich das Spiel an, jubelten, johlten, lagen einander in den Armen, fluchten und ritten abwechselnd auf Wogen der Begeisterung und des Entsetzens in der Gesellschaft neuer Freunde aus der ganzen Welt. Sophie jubelte mit den Fußballfans und quiekte vor Freude, wenn sie glücklich waren. Wurden sie enttäuscht – ein Schuss abgeblockt, Chancen vergeben -, war Sophie geradezu erschüttert und suchte ihren Daddy, der alles in Ordnung bringen und die Menschen wieder glücklich machen sollte. Was Daddy auch tat, denn schon Sekunden später jubelte die Menge wieder. Ein großer Deutscher brachte Sophie bei, wie man »Toooooooooooooooooooor!« sang, genauso wie der Ansager, und übte mit ihr, bis sie volle fünf Sekunden halten konnte. Drei Blocks weiter übte sie noch immer, während Charlie den Blicken verdutzter Passanten schulterzuckend begegnete, als wollte er sagen: »Das Kind ist Fußballfan. Was soll man machen?«

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