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Ein todsicherer Job

Электронная книга - «Ein todsicherer Job». Краткое содержание книги:

Zum Brüllen komisch und absolut hinreißend – eine liebenswerte Komödie der besonderen Art.

Charlie Ashers Welt ist perfekt, bis seine Frau Rachel bei der Geburt ihres ersten Kindes stirbt. Über Nacht ist Charlie nicht nur Vater, sondern auch Witwer. Und darüber scheint er den Verstand zu verlieren – anders kann er sich das Wesen in Minzgrün nicht erklären, das ihm immer wieder erscheint. Dann fallen auch noch wildfremde Menschen tot vor ihm um, und es stellt sich heraus, dass Charlie von ganz oben eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen hat: Seelen einzufangen und sicher ins Jenseits zu befördern. Ein todsicherer Job, aber trotzdem nichts für Charlie …
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»Gib her, Frischfleisch, gib her«, fauchte eine weibliche Stimme.

»Komm und hol’s dir«, sagte Charlie und kämpfte mit dem schlimmsten Fall von Gänsehaut, den er je gehabt hatte. Es war, als legte ihm jemand Trockeneis aufs Rückgrat und er konnte gerade noch verhindern, dass er mit den Zähnen klapperte.

Der Schatten aus dem Gully sickerte über den Bürgersteig, zentimeterweise, aber er konnte ihn sehen, als hätten sich die Lichtverhältnisse geändert. Was nicht der Fall war. Der Schatten nahm die Form einer weiblichen Hand an und schob sich weitere zehn Zentimeter auf den leuchtenden Bären zu. In diesem Moment packte Charlie den Degen und schlug damit auf den Schatten ein. Er traf nicht den Gehweg, sondern etwas Weicheres, und ohrenbetäubendes Kreischen ertönte.

»Scheißkerl!«, keifte die Stimme – vor Wut, nicht vor Schmerz. »Du nutzloser, kleiner… du…«

»Zu langsam…«, sagte Charlie. »Viel zu langsam. Kommt schon, versucht es doch noch mal.«

Ein handförmiger Schatten schlängelte sich links aus dem Gully, dann ein anderer rechts. Charlie stieß den Bären weg vom Gully und holte den Zigarrenanzünder aus seiner Tasche. Er steckte die kurzen Lunten der vier M-80er an und warf sie in den Gully, aus dem die Schatten drängten.

»Was war das?«

»Was hat er geworfen?«

»Geh zur Seite, ich kann nicht…«

Charlie hielt sich die Ohren zu. Die M-80er explodierten, und Charlie grinste. Er steckte den Degen weg, sammelte sein Zeug ein und rannte zum anderen Gully. In einem abgeschlossenen Raum wäre der Lärm fürchterlich, brutal geradezu. Er grinste immer noch.

Er hörte einen Chor von Kreischen und Flüchen in einem halben Dutzend toter Sprachen, einige davon gingen in andere über, als verdrehte jemand den Sender an einem Kurzwellenradio, das Zeit und Raum umspannte. Er sank auf die Knie und lauschte am Gully, passte allerdings auf, dass er nicht näher als auf Armeslänge herankam. Er hörte sie kommen, hörte, dass sie ihm unter der Straße folgten. Er hoffte, dass sie tatsächlich nicht herauskommen konnten, aber selbst wenn sie es konnten, hatte er noch den Degen, und das Sonnenlicht war sein Revier. Er zündete vier weitere M-80er, diesmal mit längeren Lunten, und warf einen nach dem anderen in den Gully.

»Wer ist jetzt Frischfleisch?«, fragte er.

»Was? Was hat er gesagt?«, sagte eine Gullystimme.

»Ich hör nichts mehr.«

Charlie schwenkte den Porzellanbären vor dem Gully. »Wollt ihr den hier haben?« Er warf noch einen M-80er hinein.

»Na, gefällt euch das?«, rief Charlie und warf den dritten Böller. »Das habt ihr nun davon, auf meinen Arm einzuhacken, verfluchte Hexen!«

»Mr. Asher«, hörte er eine Stimme hinter sich.

Charlie drehte sich um und sah Inspector Alphonse Rivera, der sich über ihn beugte.

»Oh, hallo«, sagte Charlie, und als er merkte, dass er einen brennenden M-80er in der Hand hielt, sagte er: »Sekunde mal.« Er warf den Feuerwerkskörper in den Gully. In diesem Moment gingen sie alle gleichzeitig los.

Rivera war ein paar Schritte zurückgewichen, seine Hand in der Jacke, vermutlich an der Waffe. Charlie steckte den Porzellanbären ein und stand auf. Er hörte, wie die Stimmen kreischten, ihn verfluchten.

»Du beschissener Verlierer!«, schrie eine der Dunklen. »Ich flechte mir einen Korb aus deinen Eingeweiden und trag deinen abgeschlagenen Schädel darin herum.«

»Ja«, sagte eine andere Stimme, »einen Korb.«

»Ich glaube, damit hast du ihm schon mal gedroht«, sagte eine dritte Stimme.

»Hab ich nicht«, sagte die Erste.

»Schnauze!«, brüllte Charlie in den Gully, dann sah er Rivera an, der seine Waffe gezogen hatte und sie bereithielt.

»Also…«, sagte Rivera, »Probleme mit jemandem im – äh – Gully?«

Charlie lächelte. »Sie können sie nicht hören, oder?« Das Fluchen ging immer weiter, wenn auch jetzt in einer Sprache, die klang, als bräuchte man reichlich Schleim, um sie richtig zu sprechen, Gälisch oder Deutsch oder so was.

»Ich höre ganz deutlich ein Klingeln in den Ohren, Mr. Asher, vom Knall Ihrer illegalen Feuerwerkskörper, aber abgesehen davon nichts, nein.«

»Ratten«, sagte Charlie und zog unwillkürlich eine Augenbraue hoch, als wollte er sagen: Und glauben Sie mir den Quatsch? »Ich hasse Ratten.«

»Hm-hm«, machte Rivera nur. »Die Ratten haben mit dem Schnabel auf Ihren Arm eingehackt, und offenbar gehen Sie davon aus, dass sie insgeheim für billige Tierfiguren schwärmen?«

»Das haben Sie also gehört?«, fragte Charlie.

»Jep.«

»Da werden Sie sich wohl fragen, was es bedeutet, hm?«

»Jep«, sagte der Cop. »Aber schicker Anzug. Armani?«

»Eigentlich Canali«, sagte Charlie. »Aber danke.«

»So was würde ich vielleicht nicht anziehen, wenn ich die Kanalisation in die Luft sprengen wollte, aber jeder wie er mag.« Rivera rührte sich nicht. Er stand am Bordstein, etwa drei Meter von Charlie entfernt, hielt seine Waffe immer noch bereit. Ein Jogger kam vorbei und nutzte die Gelegenheit, etwas schnellerzu rennen. Charlie und Rivera nickten beide höflich, als er weiterlief.

»Also«, sagte Charlie, »Sie als Profi: Welchen Reim würden Sie sich darauf machen?«

Rivera zuckte mit den Schultern. »Sie sind doch nicht auf verschreibungspflichtigen Medikamenten und haben zu viel davon genommen, oder?«

»Schön wär’s«, sagte Charlie.

»Die Nacht durchgesoffen, zu Hause rausgeflogen, wie wahnsinnig vor Reue?«

»Meine Frau ist tot.«

»Das tut mir leid. Wie lange schon?«

»Fast ein Jahr jetzt.«

»Tja, das wird nicht klappen«, sagte Rivera. »Haben Sie schon mal Probleme mit Ihrem Geisteszustand gehabt?«

»Nein.«

»Na, dann haben Sie sie jetzt. Glückwunsch, Mr. Asher. Das können Sie beim nächsten Mal anführen.«

»Muss ich mich auch der Presse stellen?«, fragte Charlie und überlegte, wie er das dem Jugendamt erklären sollte. Arme Sophie, ihr Dad – ein Exsträfling und der Tod. Sie würde es in der Schule nicht leicht haben. »Dieses Jackett ist maßgeschneidert. Ich glaube nicht, dass ich es über den Kopf gezogen kriege, um unerkannt zu bleiben. Komm ich ins Gefängnis?«

»Meinetwegen nicht. Meinen Sie, ich könnte das hier besser erklären? Ich bin Inspector, ich verhafte keine Leute, die mit Sylvesterkrachern um sich werfen und in Gullys brüllen.«

»Warum haben Sie dann Ihre Waffe in der Hand?«

»Gibt mir ein sicheres Gefühl.«

»Das kann ich verstehen«, sagte Charlie. »Wahrscheinlich habe ich einen etwas instabilen Eindruck gemacht.«

»Meinen Sie?«

»Und was machen wir jetzt?«

»Ist das der Rest von Ihrem Vorrat?« Rivera deutete auf die Tüte unter Charlies Arm.

Charlie nickte.

»Wie wär’s, wenn Sie das Zeug in den Gully werfen, und wir verlieren kein Wort mehr darüber?«

»Unmöglich. Ich habe keine Ahnung, was die anstellen, wenn sie Feuerwerkskörper in die Finger kriegen.«

Jetzt war Rivera an der Reihe, die Stirn zu runzeln. »Die Ratten?«

Charlie warf die Papiertüte in den Gully. Er hörte ein Flüstern von dort unten, versuchte aber, sich nicht anmerken zu lassen, dass er lauschte.

Rivera verstaute seine Waffe im Holster und knöpfte sein Jackett zu. »Und kriegen Sie in Ihrem Laden oft solche Anzüge rein?«, fragte er.

»Mehr als früher. Ich habe einige Nachlässe bearbeitet«, sagte Charlie.

»Sie haben ja meine Karte. Rufen Sie mich an, wenn Sie was Interessantes reinbekommen. Alles Italienische, mittlere bis leichte Wolle, oh – oder auch Rohseide.«

»Ja, Seide ist bei dem Wetter ideal. Klar, ich leg Ihnen gern was zurück. Übrigens, Inspector… was machen Sie eigentlich in so einer kleinen Gasse, abseits aller Straßen, an einem ganz normalen Dienstagvormittag?«

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