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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Die zahlen für Ihre Leiche!.. Carlos wird bezahlen! Bei Gott, er wird bezahlen.

Carlos!

Eine große Limousine rollte vor das Coupe und parkte am Bürgersteig. Vor dem Haus Löwenstraße 37 waren die Streifenwagen vor einer Viertelstunde eingetroffen; zehn Minuten später war die Ambulanz vorgefahren. Menschen aus den umliegenden Wohnungen und vorbeikommende Passanten drängten sich auf dem Bürgersteig, aber die Aufregung hatte sich inzwischen etwas gelegt. Ein Mann war ermordet worden, nachts, in einer Wohnung der Löwenstraße. Sie hatten Angst; denn das Verbrechen, das sich in ihrer Nachbarschaft ereignet hatte, konnte ebensogut ihnen widerfahren.

«Unser Vorgesetzter ist jetzt da, Miss. Dürfen wir Sie bitte zu ihm bringen?«Der Begleiter stieg aus dem Wagen und hielt Marie St. Jacques die Türe auf.

«Natürlich. «Sie trat hinaus und spürte die Hand des Mannes auf ihrem Arm; sie war viel weicher als der harte Griff des Tieres, das ihr einen Pistolenlauf gegen die Wange gehalten hatte. Sie schauderte bei der Erinnerung.

Sie näherten sich der Limousine von hinten, und sie stieg ein. Als sie sich im Sitz zurücklehnte, blickte sie den Mann an, der neben ihr saß. Sie stöhnte, war plötzlich wie gelähmt, konnte nicht atmen. Der Mann neben ihr erweckte Erinnerungen an Schreckliches.

Das Licht der Straßenlampen spiegelte sich im dünnen Goldrand seiner Brille.

«Sie… Sie waren in dem Hotel! Sie waren einer von ihnen!«

Der Mann nickte müde; seine Erschöpfung war offensichtlich.»Richtig. Wir gehören zu einer Sonderabteilung der Züricher Polizei. Und ehe wir weitersprechen, muß ich Ihnen erklären, daß Sie während der Ereignisse im >Carillon du Lac< zu keiner Zeit in Gefahr waren, von uns verletzt zu werden. Wir sind ausgebildete Scharfschützen; es ist kein Schuß abgefeuert worden, der Sie hätte treffen können. Einige Male haben wir nicht geschossen, weil Sie zu nahe bei dem Mann waren, auf den wir zielten.«

Ihr Schock schwächte sich ab. Die Ruhe, die von dem Mann ausging, griff auf sie über.»Vielen Dank dafür.«

«Das ist eine Fertigkeit, die wir besitzen«, sagte der Beamte.»Wie man mir berichtet hat, haben Sie ihn zuletzt auf dem Vordersitz des Coupes hinter uns gesehen.«

«Ja. Er war verwundet.«

«Wie ernsthaft?«

«Genug, um verwirrt zu sein. Er hielt sich einen Verband an den Kopf, und an seiner Schulter war Blut — auf seiner Jacke, meine ich. Wer ist er?«

«Namen sind ohne Bedeutung; er hat viele. Aber wie Sie gesehen haben, ist er ein Mörder, ein brutaler Mörder, und wir müssen ihn finden, ehe er wieder jemanden umbringt. Wir sind schon seit einigen Jahren hinter ihm her — nicht nur wir, sondern Polizeibehörden vieler Länder. Wir haben jetzt eine Chance, wie sie bisher noch keiner hatte. Wir wissen, daß er in Zürich ist, und wir wissen, daß er verwundet ist. Er wird sicher nicht in dieser Gegend bleiben, aber wie weit kann er mit seiner Verwundung schon kommen? Hat er eigentlich irgendwann erwähnt, auf welchem Wege er die Stadt verlassen will?«

«Er wollte einen Wagen mieten. Auf meinen Namen, vermute ich. Er hat keinen Führerschein.«

«Da hat er gelogen. Er reist mit einer Vielfalt von falschen Papieren. Sie waren für ihn eine entbehrliche Geisel. So, und jetzt erzählen Sie mir alles, was er zu Ihnen gesagt hat, von Anfang an. Wohin Sie gefahren sind, wen er traf, alles, was Ihnen einfällt. Jede Kleinigkeit könnte wichtig sein.«

«Da ist ein Restaurant, >Drei Alpenhäuser<, und ein fetter Mann, der schreckliche Angst hatte…«Marie St. Jacques berichtete alles, woran sie sich erinnern konnte. Von Zeit zu Zeit unterbrach sie der Polizeibeamte und fragte nach näheren Details. Hin und wieder nahm er die goldgeränderte Brille ab, wischte geistesabwesend über die Gläser, oder spielte nervös mit dem Gestell, als könne er damit seine Gereiztheit unter Kontrolle bringen. Das Verhör dauerte fast eine halbe Stunde, dann traf der Beamte plötzlich entschlossen seine Entscheidung.

«>Drei Alpenhäuser<. Schnell!«sagte er zu seinem Fahrer. Er wandte sich wieder zu Marie St. Jacques.»Wir werden diesen Mann mit seinen eigenen Worten konfrontieren. Er hat absichtlich so zusammenhanglos geredet. Er weiß viel mehr, als er vor Ihnen gesagt hat.«

«Zusammenhanglos…«Sie sprach das Wort ganz leise. Zusammenhanglos! Woran wurde sie dadurch erinnert?

«Was?«

«Eine Pension in der Brauerstraße — das hat er wörtlich gesagt. Und ehe ich aus dem Wagen sprang, sagte er noch einmal >Brauerstraße<.«

Der Fahrer mischte sich ein.»Ich kenne die Straße. Sie ist in der Nähe des Güterbahnhofs. Keine gute Adresse.«

«Ich verstehe nicht«, sagte Marie St. Jacques, weil der Mann deutsch gesprochen hatte.

«Das ist ein heruntergekommenes Viertel«, erwiderte der Beamte,»ein Zufluchtsort für weniger Wohlhabende… und andere. Los!«befahl er.

Sie brausten davon.

Kapitel 8

Plötzlich hörte Borowski einen Knall vor seinem Zimmer. In seinen Ohren klang es wie ein Peitschenschlag; ein kurzes Echo folgte, das sich in der Ferne verlor. Borowski schlug die Augen auf.

Die Holztreppe in dem schmutzigen Gang vor seinem Zimmer — jemand war die Stufen heraufgegangen und war stehengeblieben, als ihm der Lärm bewußt wurde, den sein Gewicht auf den ausgetretenen Bohlen verursachte. Ein normaler Logiergast in der Pension an der Steppdeckstraße hätte sich keine solchen Gedanken gemacht.

Da knackte es wieder. Jetzt war das Geräusch näher. Jason sprang vom Bett und ergriff die Pistole, die am Kopfende lag. Mit einem Satz war er an der Wand neben der Türe. Er duckte sich, hörte die Schritte — ein Mann. Jetzt schien ihm der Lärm nichts mehr auszumachen, er wollte nur noch sein Ziel erreichen.

Die Tür flog auf; Borowski schleuderte sie zurück und warf sich mit seinem ganzen Gewicht gegen das Holz. Der Eindringling war zwischen Tür und Wandnische eingeklemmt. Blitzschnell zog Jason die Tür zurück und jagte dem Eindringling die rechte Fußspitze in den Hals. Der Kerl sank röchelnd zu Boden. Jason packte mit der linken Hand das blonde Haar des Mannes und zerrte ihn ins Zimmer. Die Hand des Mannes wurde schlaff, die Waffe entglitt ihm, ein langläufiger Revolver mit aufgeschraubtem Schalldämpfer.

Jason schloß die Tür und lauschte ins Treppenhaus hinaus. Nichts war zu hören. Er blickte auf den bewußtlosen Fremden hinunter. Ein Dieb? Ein Mörder? Was war er?

Polizei? Hatte der Geschäftsführer der Pension beschlossen, das ungeschriebene Gesetz der Brauerstraße zu übertreten, um sich eine Belohnung einzuhandeln? Borowski drehte den Eindringling auf den Rücken und holte seine Brieftasche hervor. Ein angeborener Instinkt ließ ihn das Geld herausnehmen, obwohl er wußte, daß dies eigentlich lächerlich war; schließlich hatte er ein kleines Vermögen bei sich. Er sah sich die verschiedenen Kreditkarten und den Führerschein an und lächelte. Aber dann verschwand sein Lächeln. Was er da gerade festgestellt hatte, war keineswegs komisch: Auf den Kreditkarten standen verschiedene Namen, und der auf dem Führerschein war wieder ein anderer. Der bewußtlose Mann war ganz sicher kein Polizeibeamter, sondern ein professioneller Killer, der gekommen war, um einen verwundeten Mann in der Brauerstraße zu töten. Jemand hatte ihn dafür bezahlt. Wer? Wer konnte wissen, daß er hier war?

Die Frau? Hatte er die Brauerstraße erwähnt, als er die Reihe der Geschäftshäuser gesehen und nach Nummer 37 Ausschau gehalten hatte? Nein, sie konnte es nicht sein; vielleicht hatte er etwas gesagt, aber sie würde die Bemerkung nicht verstanden haben. Und wenn doch, dann wäre jetzt die Pension von Polizei umstellt.

Plötzlich drängte sich Borowski das Bild eines großen, fettleibigen Mannes auf, der schwitzend über einen Tisch gebeugt dastand. Dieser Mann hatte sich den Schweiß von den wulstigen Lippen gewischt und vom Mut einer unbedeutenden Ziege gesprochen — einer Ziege, die überlebt hatte. War dies ein Beispiel, mit welcher Methode er für sein Überleben sorgte? Hatte er von der Brauerstraße gewußt? Kannte er die Gewohnheiten des Bewohners, dessen Anblick ihn erschreckte? War er etwa in der schmutzigen Pension gewesen, um dort einen Umschlag abzugeben?

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