Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Einige von ihnen stachen mit Spaten Erde von dem Hügel ab; andere fuhren diese Erde in Schubkarren auf Bohlen weg; wieder andere standen dabei, ohne etwas zu tun.
Zwei Offiziere standen auf dem Hügel und gaben ihnen die erforderlichen Anweisungen. Als Pierre diese Bauern erblickte, die offenbar noch an ihrem neuen Soldatenstand ihre Freude hatten, mußte er wieder an die verwundeten Soldaten in Moschaisk denken, und es wurde ihm verständlich, was der Soldat damit gemeint hatte, als er sagte, mit dem ganzen Volk wolle man über sie herfallen. Der Anblick dieser auf dem Schlachtfeld arbeitenden bärtigen Bauern, mit den wunderlich plumpen Stiefeln, den schweißigen Hälsen und den, wenigstens bei manchen, aufgeknöpften schrägen Hemdkragen, aus denen die sonnengebräunte Haut über den Schlüsselbeinen zum Vorschein kam, dieser Anblick wirkte auf Pierre stärker als alles das, was er bisher über den Ernst und die Bedeutsamkeit des gegenwärtigen Augenblicks gesehen und gehört hatte.
XXI
Pierre stieg aus seinem Wagen und ging, an den arbeitenden Landwehrleuten vorüber, auf den Hügel hinauf, von dem aus nach der Angabe des Arztes das Schlachtfeld sichtbar sein sollte.
Es war elf Uhr morgens. Die Sonne stand etwas links hinter Pierre und beleuchtete in der reinen, durchsichtigen Luft hell das gewaltige, einem ansteigenden Amphitheater gleichende Panorama, das vor ihm lag.
In diesem Amphitheater schlängelte sich, es durchschneidend, die große Smolensker Heerstraße nach links hinauf. Sie ging durch ein Dorf mit einer weißen Kirche, das ungefähr fünfhundert Schritt vor dem Hügel und niedriger als dieser lag (dies war Borodino), zog sich unterhalb des Dorfes über eine Brücke und dann bergauf, bergab in Windungen immer höher und höher nach dem Dorf Walujewo, das in einer Entfernung von etwa sechs Werst sichtbar war. Dort hatte Napoleon sein Quartier. Hinter Walujewo verschwand die Straße in dem gelb werdenden Wald am Horizont. In diesem aus Birken und Fichten bestehenden Wald glänzte, rechts von der Richtung der Straße, fern in der Sonne das Kreuz und der Glockenturm des Klosters Kolozkoi. In dieser ganzen bläulichen Ferne, rechts und links vom Wald und von der Straße, waren an verschiedenen Stellen rauchende Wachfeuer und, in unbestimmten Umrissen, Massen unserer und feindlicher Truppen zu sehen. Zur Rechten, am Lauf der Kolotscha und der Moskwa entlang, war das Terrain schluchtenreich und bergig. Zwischen diesen Schluchten wurden in der Ferne das Dorf Bessubowo und näher das Dorf Sacharjino sichtbar. Nach links hin war das Terrain ebener; dort waren Kornfelder, und man sah ein abgebranntes, rauchendes Dorf, Semjonowskoje.
Alles, was Pierre rechts und links sah, hatte so wenig Eigenartiges, daß weder die linke noch die rechte Seite des Terrains völlig der Vorstellung entsprach, die er sich davon gemacht hatte. Überall waren statt des Schlachtfeldes, das er zu sehen erwartet hatte, nur Felder, Wälder, Lichtungen, Truppen, rauchende Wachfeuer, Dörfer, Hügel und Bäche; und soviel er auch suchte und forschte, so vermochte er doch in dieser natürlichen Örtlichkeit keine Position zu finden, ja, er vermochte nicht einmal unsere Truppen von den feindlichen zu unterscheiden.
»Ich muß einen Sachkundigen fragen«, dachte er und wandte sich an einen Offizier, der neugierig seine unmilitärische, große Gestalt betrachtete.
»Gestatten Sie eine Frage«, sagte Pierre zu dem Offizier. »Was ist das hier vorn für ein Dorf?«
»Burdino; oder wie heißt es?« antwortete der Offizier und wandte sich zugleich mit dieser Frage an einen Kameraden.
»Borodino«, erwiderte der andere korrigierend.
Der Offizier, der sich offenbar über die Gelegenheit zu einem Gespräch freute, trat näher an Pierre heran.
»Sind das dort welche von den Unsrigen?« fragte Pierre.
»Ja, und da weiterhin sind auch Franzosen«, antwortete der Offizier. »Da sind sie, da kann man sie sehen.«
»Wo? Wo?« fragte Pierre.
»Man kann sie mit bloßem Auge sehen. Dort!«
Der Offizier wies mit der Hand auf die rauchenden Wachfeuer, die links jenseits des Flusses sichtbar waren, und auf seinem Gesicht zeigte sich jener strenge, ernste Ausdruck, den Pierre auf den Gesichtern vieler gesehen hatte, denen er begegnet war.
»Ah, das sind die Franzosen! Und dort?« Pierre zeigte nach links auf einen Hügel hin, bei dem Truppen sichtbar waren.
»Das sind welche von den Unsrigen.«
»So, so, von den Unsrigen! Und dort?« Pierre wies nach einem andern fernen Hügel mit einem großen Baum hin, neben einem Dorf, das in einer Schlucht sichtbar war. Auch dort rauchten Wachfeuer, und es war etwas Schwarzes zu sehen.
»Das ist wieder er, Bonaparte«, sagte der Offizier. Es war die Schanze von Schewardino. »Gestern war der Hügel noch von uns besetzt, aber jetzt ist er in seinen Händen.«
»Welches ist denn nun eigentlich unsere Position?«
»Unsere Position?« antwortete der Offizier mit einem Lächeln der Befriedigung. »Darüber kann ich Ihnen genaue Auskunft geben, weil ich fast alle unsere Befestigungen angelegt habe. Dort, sehen Sie wohl, ist unser Zentrum bei Borodino, da!« Er zeigte auf das im Vordergrund liegende Dorf mit der weißen Kirche. »Dort ist der Übergang über die Kolotscha. Da, sehen Sie, wo noch in der Niederung die Schwaden von gemähtem Heu liegen, da ist die Brücke. Das ist unser Zentrum. Unsere rechte Flanke ist dort« (er zeigte scharf nach rechts, fern nach einer Schlucht); »dort ist die Moskwa, und da haben wir drei Schanzen gebaut, sehr starke Schanzen. Unsere linke Flanke …«, hier hielt der Offizier inne. »Sehen Sie, es wird schwer sein, Ihnen das klarzumachen … Gestern war unsere linke Flanke dort, in Schewardino; sehen Sie, da, wo die Eiche steht; aber jetzt haben wir unsern linken Flügel zurückgenommen; jetzt ist er dort; sehen Sie dort das Dorf und den Rauch; das ist Semjonowskoje. Und dann hier«, er zeigte auf die Rajewski-Schanze. »Aber die Schlacht wird schwerlich dort stattfinden. Daß er seine Truppen hierher über die Kolotscha geführt hat, ist nur ein Täuschungsversuch; er wird wahrscheinlich rechts von der Moskwa herumgehen. Na, mag die Schlacht nun stattfinden, wo es sei: es werden viele von uns morgen beim Sammeln fehlen!«
Ein alter Unteroffizier war während dieser Auseinandersetzung an den Offizier herangetreten und wartete schweigend, bis sein Vorgesetzter aufhören würde zu reden; aber an dieser Stelle unterbrach er ihn, sichtlich unzufrieden mit der letzten Äußerung des Offiziers.
»Es müssen Schanzkörbe geholt werden«, sagte er in sehr ernstem Ton.
Der Offizier schien verlegen zu werden, wie wenn er sich bewußt würde, daß man zwar daran denken dürfe, wieviele morgen fallen würden, daß es aber unangemessen sei, davon zu reden.
»Nun ja, schicke wieder die dritte Kompanie«, erwiderte er hastig.
»Und Sie, was haben Sie denn für eine Stellung? Sie sind doch nicht Arzt?«
»Nein, ich bin ohne äußeren Anlaß hergekommen«, antwortete Pierre.
Damit ging er wieder bergab, an den Landwehrleuten vorbei.
»Ach, diese verdammten Kerle!« sagte der Offizier, der ihm folgte, vor sich hin, hielt sich die Nase zu und lief an den Arbeitenden vorbei.
»Da sind sie …! Sie bringen sie, sie kommen … Da sind sie … sie werden gleich heran sein!« riefen auf einmal viele Stimmen, und Offiziere, Soldaten und Landwehrleute liefen auf der Heerstraße vorwärts.
Von Borodino her stieg eine kirchliche Prozession den Berg hinan. Allen voran marschierte auf der staubigen Straße in Reih und Glied eine Abteilung Infanterie, mit abgenommenen Tschakos, die Gewehre nach unten gekehrt. Hinter der Infanterie ertönte kirchlicher Gesang.
Soldaten und Landwehrleute liefen, Pierre überholend, ohne Kopfbedeckung den Kommenden entgegen.
»Sie bringen das Mütterchen! Unsere Beschützerin …! Die Iberische Mutter Gottes …!«
»Das Smolensker Mütterchen!« korrigierte ein anderer.