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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Ich hielt die Augen halb geschlossen, genau wie meine Beine, denn ich wollte seinen Körper noch nicht freigeben, die Illusion der Einheit noch nicht aufgeben – wenn es denn eine Illusion war. Wie oft würde ich ihn wohl noch so halten, vielleicht sogar im Zauber des Feuerscheins?

Ich klammerte mich mit aller Kraft an ihn und an das ersterbende Pulsieren meines Körpers. Doch wer versucht, die Freude festzuhalten, vertreibt sie nur, und innerhalb weniger Sekunden war ich nur noch ich selbst. Die dunkle Krampfader an meinem Knöchel war selbst im Schein des Feuers deutlich zu sehen.

Ich ließ seine Schultern los und griff zärtlich in die drahtigen Locken seines Haars. Er drehte den Kopf zur Seite und küsste meine Brust, dann bewegte er sich seufzend und glitt neben mich.

»Und man sagt, Hühner mit Zähnen sind selten«, sagte er und betastete vorsichtig einen tiefen Bissabdruck auf seiner Schulter.

Ich lachte auf. Dann stützte ich mich auf einen Ellbogen und warf einen Blick zum Kamin.

»Was ist denn?«

»Ich überzeuge mich nur davon, dass meine Kleider nicht in Flammen aufgehen.« Im Eifer des Gefechtes hatte ich nicht großartig darauf geachtet, wohin er meine Kleidungsstücke geworfen hatte, aber sie schienen in sicherer Entfernung von den Flammen gelandet zu sein; der Rock lag in einem Häufchen neben dem Bett, und Mieder und Hemd waren irgendwie in entgegengesetzten Ecken des Zimmers angekommen. Mein improvisierter Büstenhalter war nirgends zu sehen.

Das Licht flackerte über die weiß gekälkten Wände, und das Bett war voller Schatten.

»Du bist wunderschön«, flüsterte er mir zu.

»Wenn du das sagst.«

»Glaubst du mir etwa nicht? Habe ich dich schon jemals belogen?«

»Das meine ich gar nicht. Ich meine – wenn du es sagst, ist es wahr. Du machst es wahr.«

Er seufzte und legte sich so hin, dass es für uns beide gemütlich war. Im Kamin zerbarst ein Holzscheit; und als die Hitze auf eine verborgene Feuchtigkeitsspur traf, stiebte ein goldener Funkenschauer auf, der zischend verlosch. Ich sah zu, wie das frische Holz erst schwarz, dann rot wurde und schließlich weiß glühend aufflammte.

»Sagst du dasselbe auch über mich, Sassenach?«, fragte er plötzlich. Er klang verlegen, und ich drehte ihm den Kopf zu und musterte ihn überrascht.

»Sage ich was? Dass du schön bist?« Mein Mund verzog sich unwillkürlich, und er lächelte ebenfalls.

»Nun … das nicht gerade. Aber zumindest, dass du es ertragen kannst, mich anzusehen.«

Ich zeichnete die schwach sichtbare, weiße Linie der Narbe auf seinen Rippen nach, die vor langer Zeit ein Schwert hinterlassen hatte. Die längere, wulstigere Narbe des Bajonetts, das ihm den Oberschenkel der Länge nach aufgeschlitzt hatte. Den Arm, der mich festhielt, gebräunt und rau, die Härchen darauf von den langen Tagen voll Sonne und Arbeit weiß-golden gebleicht. Neben meiner Hand lag sein Glied zusammengerollt zwischen seinen Oberschenkeln, weich und klein jetzt und empfindlich in seinem Nest aus auberginefarbenem Haar.

»Für mich bist du schön, Jamie«, sagte ich schließlich leise. »So schön, dass es mir das Herz bricht.«

Seine Hand fuhr über die Wölbungen meiner Wirbelsäule, eine nach der anderen.

»Aber ich bin doch ein alter Mann«, sagte er lächelnd. »Oder ich sollte einer sein. Ich habe weiße Haare auf dem Kopf; mein Bart ist grau geworden.«

»Silbern«, sagte ich und strich über die weichen Bartstoppeln an seinem Kinn, die gescheckt waren wie ein Patchworkquilt. »Hier und da.«

»Grau«, sagte er beharrlich. »Und löcherig dazu. Und doch …« Er sah mich an, und sein Blick wurde sanfter. »Und doch brenne ich, wenn ich zu dir komme, Sassenach – und ich glaube, das wird auch so bleiben, bis wir beide zu Asche verbrennen.«

»Meinst du das poetisch?«, fragte ich vorsichtig. »Oder wörtlich.«

»Oh«, sagte er. »Nein. Ich wollte nicht … nein.« Er legte den Arm fester um mich und neigte mir den Kopf zu.

»Was das angeht, so bin ich mir nicht sicher. Wenn es so weit kommen sollte –«

»Es wird aber nicht so weit kommen.«

Sein Lachen hauchte durch mein Haar.

»Du klingst, als wärst du dir da sehr sicher, Sassenach.«

»Die Zukunft lässt sich ändern; ich tue es doch andauernd.«

»Oh, aye?«

Ich drehte mich ein Stück zur Seite, um ihn anzusehen.

»Ja. Sieh dir Mairi MacNeill an. Wenn ich letzte Woche nicht da gewesen wäre, wäre sie gestorben, und ihre Zwillinge mit ihr. Aber ich war da, und sie sind nicht gestorben.«

Ich legte mir eine Hand in den Nacken und beobachtete die Reflexion der Flammen, die wie Wellen über die Deckenbalken huschten.

»Ich frage mich natürlich – es gibt viele Menschen, die ich nicht retten kann, aber manchmal gelingt es mir ja. Wenn jemand meinetwegen am Leben bleibt und später Kinder bekommt, die dann auch wieder Kinder bekommen, und so weiter … nun, wenn du zum Beispiel in meiner Zeit ankommst, gibt es wahrscheinlich dreißig oder vierzig Menschen auf der Welt, die es sonst nie gegeben hätte, hm? Und sie alle haben in der Zwischenzeit ihr Leben gelebt – meinst du nicht, dass dies eine Änderung der Zukunft ist?« Zum ersten Mal stellte ich mir die Frage, wie intensiv ich gerade zur Bevölkerungsexplosion des zwanzigsten Jahrhunderts beitrug.

»Aye«, sagte er langsam. Er ergriff meine freie Hand und malte mit seinem langen Finger die Linien auf meiner Handfläche nach.

»Aye, aber es ist ihre Zukunft, die du da veränderst, Sassenach, und vielleicht ist es dir ja bestimmt.« Er nahm meine Hand in die seine und zog sanft an meinen Fingern. Ein Gelenk knackte mit einem Geräusch wie ein Holzscheit, das im Ofen birst. »Im Lauf der Geschichte haben Ärzte doch sicher vielen Menschen das Leben gerettet.«

»Natürlich. Und nicht nur Ärzte.« Hingerissen von der Überzeugungskraft meiner Argumente, setzte ich mich auf. »Aber das spielt keine Rolle – verstehst du denn nicht? Du –« Ich zeigte mit dem Finger auf ihn. »Du hast doch auch schon dann und wann einen Menschen gerettet. Fergus? Ian? Und hier sind sie nun beide, leben vor sich hin, pflanzen sich fort und so weiter. Du hast für sie doch die Zukunft verändert, nicht wahr?«

»Aye, nun ja … vielleicht. Aber mir blieb doch gar nichts anderes übrig, oder?«

Diese simple Frage machte mich sprachlos, und wir lagen eine Weile schweigend da und sahen zu, wie das Licht über die weiß verputzte Wand flackerte. Schließlich bewegte er sich an meiner Seite und sprach weiter.

»Ich sage das nicht, weil ich mir Mitleid wünsche«, sagte er. »Aber siehst du … dann und wann schmerzen mich meine Knochen ein wenig.« Ohne mich anzusehen, spreizte er seine verkrüppelte Hand und wandte sie im Licht hin und her, so dass seine gekrümmten Finger einen Schatten an die Wand warfen, der die Gestalt einer Spinne hatte.

Dann und wann. Ich wusste es sehr gut. Ich kannte die Grenzen des menschlichen Körpers – und seine Wunder. Ich hatte oft genug gesehen, wie er sich nach getaner Tagesarbeit niedersetzte und ihm die Erschöpfung in jede Falte seines Gesichtes geschrieben stand. Hatte gesehen, wie er sich an kalten Tagen morgens langsam erhob und hartnäckig gegen den Protest seiner Knochen und Muskeln ankämpfte. Ich wäre jede Wette eingegangen, dass er seit Culloden keinen einzigen schmerzfreien Tag mehr erlebt hatte, und die Schäden, die sein Körper im Krieg genommen hatte, verschlimmerten sich durch Feuchtigkeit und widrige Lebensbedingungen. Ebenso wäre ich jede Wette eingegangen, dass er niemals ein Wort davon gesagt hatte. Bis jetzt.

»Ich weiß«, sagte ich leise und berührte seine Hand. Die unregelmäßige Narbe, die ihm das Bein zerfurchte. Die kleine Mulde in seinem Arm, die eine Gewehrkugel hinterlassen hatte.

»Aber nicht, wenn ich bei dir bin«, sagte er und bedeckte meine Hand, die auf seinem Arm lag. »Wusstest du, dass ich nur dann keine Schmerzen habe, wenn ich bei dir im Bett liege, Sassenach? Wenn ich dich nehme, wenn ich in deinen Armen liege – dann sind meine Wunden geheilt, und meine Narben sind vergessen.«

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