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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Sie hatte auf die Richtung geachtet, die sie eingeschlagen hatten, um später zurückzufinden, aber die schwankende Laterne des Mannes hatte kaum mehr als den unmittelbaren Umkreis erhellt, und der wilde Tanz der Schatten und des Widerscheins auf Bäumen und Sträuchern hatte sie verwirrt und noch schwindliger gemacht. Darauf hatte sie die Augen geschlossen, und das war ein Fehler gewesen, denn die ungewohnte Gangart des Pferdes hatte sie um jedes Gleichgewichtsgefühl gebracht, und sie war hinuntergefallen.

»Ich bin keine Hexe«, wiederholte sie. »Ich bin Historikerin.«

»Hawey vond enyowuh thissla dey?« sagte die Frauenstimme wie aus weiter Ferne. Sie mußte nähergetreten sein, um ein Scheit ins Feuer zu legen, um dann wieder aus der Hitze zurückzutreten.

»Enwodes villenun gleydund sare destrayste«, sagte eine Männerstimme. Sie klang wie Mr. Dunworthys. »Ayin mynarmehs hoor alle op bider ybar.«

»Swelzes shay dumorte blawen?« sagte die Frau.

»Mr. Dunworthy«, sagte Kivrin und streckte die Arme nach ihm aus, »ich bin unter Halsabschneider gefallen.« Aber sie konnte ihn im erstickenden Rauch nicht sehen.

»Schhh«, machte die Frau, und Kivrin begriff, daß es später war, daß sie, so unmöglich es scheinen mochte, geschlafen hatte. Wie lange dauert es, bis man verbrennt, fragte sie sich. Das Feuer war so heiß, daß sie inzwischen zu Asche geworden sein sollte, aber als sie die Hand hob, sah sie unberührt aus, obwohl kleine rote Flammen an den Rändern der Finger entlangzüngelten. Das Licht der Flammen schmerzte ihren Augen. Sie schloß die Lider.

Hoffentlich falle ich nicht wieder vom Pferd, dachte sie. Sie hatte sich angeklammert, beide Arme um seinen Hals gelegt, aber die stoßende, ungleichmäßige Gangart hatte ihre Kopfschmerzen verschlimmert, und obwohl sie nicht losgelassen hatte, war sie heruntergefallen. Und das, obwohl Mr. Dunworthy darauf bestanden hatte, daß sie reiten lerne, und in einem Reitstall bei Woodstock Reitstunden für sie vereinbart hatte. Mr. Dunworthy hatte ihr gesagt, daß dies geschehen würde. Er hatte sie gewarnt, daß man sie auf dem Scheiterhaufen verbrennen würde.

Die Frau hielt ihr eine Schale an die Lippen. Es mußte Essig in einem Schwamm sein, dachte Kivrin, wie sie es den Märtyrern gaben. Aber es war kein Essig, sondern eine warme, saure Flüssigkeit. Die Frau mußte Kivrins Kopf anheben, daß sie davon trinken konnte, und jetzt erst wurde Kivrin klar, daß sie lag.

Ich werde Mr. Dunworthy berichten müssen, dachte sie, daß man die Leute liegend auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Sie wollte die Hände wie zum Gebet auf der Brust falten, um das Aufzeichnungsgerät zu aktivieren, aber das Gewicht der Flammen zog sie wieder herab.

Ich bin krank, dachte Kivrin, und verstand, daß die warme Flüssigkeit ein Arzneitrunk gewesen war, und daß er ihr Fieber ein wenig gesenkt haben mußte. Sie lag nicht am Boden, sondern in einem Bett in einem dunklen Raum, und die Frau, die sie beschwichtigt und ihr den Trunk gegeben hatte, war neben ihr. Sie konnte ihr Atmen hören. Kivrin versuchte den Kopf zu bewegen, um sie zu sehen, aber die Anstrengung verstärkte den Schmerz wieder. Die Frau mußte schlafen. Der Atem ging gleichmäßig und laut, beinahe wie ein Schnarchen. Auch das Hinhören verstärkte die Kopfschmerzen.

Ich muß im Dorf sein, dachte sie. Der rothaarige Mann muß mich hergebracht haben.

Sie war vom Pferd gefallen, und der Halsabschneider hatte ihr wieder hinaufgeholfen, aber als sie ihm ins Gesicht gesehen hatte, hatte er überhaupt nicht wie ein Halsabschneider ausgesehen. Er war noch nicht alt, mit rotem Haar und einem freundlichen Ausdruck, und er hatte sich über sie gebeugt, als sie an das Wagenrad gelehnt saß, hatte sich auf ein Knie niedergelassen und gefragt: »Wer bist du?«

Sie hatte ihn vollkommen klar verstanden.

»Canstawd ranken derwyn?« sagte die Frau und hob Kivrins Kopf noch etwas an, daß sie von der bitteren Flüssigkeit trinken konnte. Das Schlucken fiel Kivrin schwer, denn nun war das Feuer in ihrer Kehle. Sie fühlte die kleinen orangefarbenen Flammen, obwohl die Flüssigkeit sie hätte löschen sollen. Sie überlegte, ob er sie in ein fremdes Land gebracht habe, Spanien oder Griechenland, wo die Menschen sich einer Sprache bedienten, die nicht im Implantdolmetscher war.

Sie hatte den rothaarigen Mann richtig verstanden. »Wer bist du?« hatte er gefragt, und sie hatte geglaubt, daß der andere Mann ein Knecht oder Sklave sein müsse, den er von den Kreuzzügen mitgebracht hatte, ein Sklave, der Türkisch oder Arabisch sprach, was die Ursache war, daß sie ihn nicht verstehen konnte.

»Ich bin Historikerin«, hatte sie gesagt, doch als sie in sein freundliches Gesicht aufgeblickt hatte, war er es nicht. Es war der Halsabschneider.

Sie blickte in Panik umher, ob der Rothaarige in der Nähe sei, aber er war nicht da. Der Halsabschneider legte Stecken auf ein paar Steine, um Feuer zu machen.

»Mr. Dunworthy!« rief Kivrin in Verzweiflung, und der Halsabschneider kam und kniete vor ihr. Das Licht seiner Laterne flackerte über sein Gesicht.

»Vürthe niht«, sagte er. »Her wirde widerkomen zitec.«

»Mr. Dunworthy!« schrie sie, und der rothaarige Mann kam und kniete neben ihrem Lager.

»Ich hätte den Absetzort nicht verlassen sollen«, sagte sie zu ihm und beobachtete sein Gesicht, so daß es sich nicht in den Halsabschneider verwandeln würde. »Etwas muß mit der Fixierung schiefgegangen sein. Sie müssen mich dorthin zurückbringen.«

Er löste den Umhang, den er trug, schwang ihn von den Schultern und legte ihn über sie, und sie wußte, daß er verstand.

»Ich muß nach Hause«, sagte sie, als er sich über sie beugte. Er hatte eine Laterne bei sich, und sie erhellte sein freundliches Gesicht und flackerte wie Feuer auf seinem roten Haar.

»Godufadur«, rief er aus, und sie dachte, daß es der Name des Sklaven sein müsse. Er würde den Sklaven fragen, wo er sie gefunden hatte, und dann würde er sie zum Absetzort zurückbringen. Und Mr. Dunworthy würde außer sich sein, daß sie nicht dort war, als er das Netz öffnete. Es ist schon gut, Mr. Dunworthy, sagte sie sich im stillen, ich komme schon.

»Dreede nawmaydde«, sagte der rothaarige Mann und hob sie auf. »Fawrthah Galwinnath coam.«

»Ich bin krank«, sagte Kivrin zu der Frau, »darum kann ich euch nicht verstehen«, aber diesmal beugte sich niemand aus der Dunkelheit zu ihr, sie zu beruhigen. Vielleicht waren sie es müde geworden, sie brennen zu sehen, und waren fortgegangen. Es dauerte wirklich lange, obwohl das Feuer jetzt heißer zu werden schien.

Der rothaarige Mann hatte sie vor sich auf den Schimmel gesetzt und war in die Wälder geritten, und sie hatte gedacht, er müsse sie zurück zum Absetzort bringen. Das Pferd hatte jetzt einen Sattel und war mit Glöckchen behangen, die im Schritt des Pferdes bimmelten, und Kivrin kam es vor, als spielten sie eine Melodie. Es war »Ihr Kinderlein kommet«, und die Glöckchen wurden lauter und lauter, bis sie wie die Glocken von St. Mary dröhnten.

Sie ritten weit, und Kivrin dachte, sie müßten inzwischen sicherlich in der Nähe des Absetzortes sein.

»Wie weit ist es zum Absetzort?« fragte sie den Rothaarigen. »Mr. Dunworthy wird sich solche Sorgen machen«, aber er antwortete nicht. Er ritt aus den Wäldern und einen Hang hinunter. Der Mond war aufgegangen und schien bleich in den Zweigen eines kahlen Gehölzes und auf die Kirche am Fuß des Hügels.

»Das ist nicht die Stelle«, sagte sie und wollte in die Zügel greifen, um das Pferd zu wenden, aber sie wagte die Arme nicht von der Mitte des Rothaarigen zu nehmen, weil sie befürchtete, sie könnte fallen. Und dann waren sie an einer Tür, und sie öffnete sich, und es gab ein Feuer und Licht und Glockenklang, und sie wußte, daß er sie schließlich doch zum Absetzort zurückgebracht hatte.

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