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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Haben Sie seine Krankenversicherungsnummer gefunden?«

»Ja, Sir.«

»Ich übergebe an Dr. Ahrens«, sagte er, bevor Finch mit Geschichten von den Schellenläutern anfangen konnte. Er winkte Mary zu sich. »Sie können ihr die Information selbst geben.«

Mary versorgte Gilchrists Arm mit einem Pflaster und klebte ihm einen Monitor ans Handgelenk.

»Ich habe Verbindung mit Ely bekommen, Sir«, sagte Finch. »Ich informierte sie, daß das Glockenspielkonzert wegen der Quarantäne abgesagt werden muß, und sie waren sehr liebenswürdig, aber die Amerikanerinnen sind noch immer sehr unglücklich.«

Mary war mit ihrer Eintragung fertig, zog die Gummihandschuhe aus und kam herüber, um Dunworthy das Telefon abzunehmen.

»Mr. Finch? Dr. Ahrens hier. Geben Sie mir Badris Krankenversicherungsnummer.«

Dunworthy gab ihr ein Blatt Papier und einen Stift, und sie schrieb die Nummer auf und fragte dann nach Badris Impfzeugnissen und machte eine Anzahl Notizen, die Dunworthy nicht entziffern konnte.

»Irgendwelche Reaktionen oder Allergien?« Es gab eine Pause, dann sagte sie: »Gut, den Rest kann ich vom Computer abfragen. Ich rufe Sie wieder an, wenn ich zusätzliche Information brauche.« Sie gab den Hörer Dunworthy zurück. »Er möchte mit Ihnen sprechen«, sagte sie und ging mit dem Papier.

»Sie sind sehr unglücklich, hier festzusitzen«, sagte Finch. »Mrs. Taylor droht mit einer Klage wegen Freiheitsberaubung und Behinderung ihrer vertraglichen Verpflichtungen.«

»Wann hat Badri zuletzt antivirale Medikamente bekommen?«

Finch brauchte längere Zeit, um das Bündel der Ausdrücke, Schriftstücke und Zeugnisse durchzusehen, die Badris Personalakte ausmachten. »Hier ist es, Sir. Am 14. September.«

»Hat er die ganze Serie bekommen?«

»Ja, Sir.«

»Hatte er irgendwelche Reaktionen auf antivirale Impfungen oder Medikamente?«

»Sieht nicht so aus. Bei den Impfbescheinigungen ist nichts vermerkt. Das habe ich bereits Dr. Ahrens gesagt.«

Badri hatte an allen vorbeugenden Maßnahmen teilgenommen. Von allergischen Reaktionen war nichts bekannt.

»Waren Sie schon in New College?« fragte Dunworthy.

»Nein, Sir. Ich kann jetzt erst gehen. Wie soll ich es mit den Vorräten halten, Sir? Wir haben genug Seife auf Lager, aber Toilettenpapier ist nur sehr wenig da.«

Die Tür wurde geöffnet, aber es war nicht Mary, sondern der Arzt, der Montoya vom Ausgrabungsort geholt hatte. Er ging zum Teewagen und schloß den Elektrotopf an.

»Sollte ich das Toilettenpapier rationieren, Sir?« sagte Finch, »oder Zettel anbringen, auf denen alle um sparsamen Gebrauch gebeten werden?«

»Was Sie für richtig halten«, sagte Dunworthy und legte auf.

Es mußte noch immer regnen. Der Kittel des Arztes war naß, und als das Wasser zu sieden begann, hielt er seine roten Hände über den Dampf, um sie zu wärmen.

»Sind Sie fertig mit dem Telefonieren?« fragte Gilchrist.

Dunworthy gab ihm das Telefon. Wie mochte das Wetter sein, wo Kivrin war? Hatte Gilchrist auch die Wahrscheinlichkeit berechnen lassen, daß sie im Regen durchkommen würde? Ihr Umhang hatte nicht besonders wasserdicht ausgesehen, und der freundliche Reisende, der innerhalb von 1,6 Stunden des Weges kommen sollte, würde in einer Herberge oder Scheune Zuflucht gesucht haben, bis der Regen aufhörte.

Er hatte Kivrin beigebracht, wie man ein Feuer machte, aber mit nassem Anbrennholz und kältesteifen Fingern konnte es ihr schwerlich gelingen. Im 14. Jahrhundert hatte es kalte Winter gegeben. Vielleicht schneite es sogar. Die sogenannte Kleine Eiszeit hatte um 1320 gerade begonnen, und schließlich war es so kalt geworden, daß die Themse regelmäßig eine Eisdecke bildete. Die niedrigen Temperaturen und das unberechenbare Wetter hatten die Ernteergebnisse so beeinträchtigt, daß manche Historiker die Schrecken des Schwarzen Todes dem unterernährten Zustand der Landbevölkerung zuschrieben. Das Wetter war zweifellos schlecht gewesen. Im Herbst 1348 hatte es in einem Teil von Oxfordshire vom Michaelistag bis Weihnachten jeden Tag geregnet. Wahrscheinlich lag Kivrin jetzt auf der nassen Straße, halb tot vor Unterkühlung und Nässe.

Und Hautausschlag wird sie auch haben, dachte er, weil ihr übermäßig vernarrter Tutor sich zuviel um sie sorgte. Mary hatte recht. Er hörte sich wirklich wie Mrs. Gaddson an. Als nächstes würde er sich womöglich Hals über Kopf ins Jahr 1320 stürzen, wie Mrs. Gaddson sich in die U-Bahn gestürzt hatte, und Kivrin würde genauso froh sein, ihn zu sehen, wie William beim Anblick seiner Mutter. Und genau so hilfsbedürftig.

Kivrin war die intelligenteste und findigste Studentin, die er je gekannt hatte. Sie wußte sicherlich genug, um sich vor dem Regen zu schützen. Sie war imstande, ihre Ferien bei den Eskimos zu verbringen, um zu lernen, wie man ein Iglu baute.

Sie hatte sicherlich an alles gedacht, bis hin zu ihren Fingernägeln. Als sie gekommen war, ihm ihre Verkleidung zu zeigen, hatte sie ihm auch die Hände hingestreckt. Ihre Nägel waren abgebrochen und schmutzig gewesen. »Ich weiß, daß ich nach meiner angenommenen Identität zum niedrigen Landadel gehöre, aber auch dort mußten die Frauen viel Handarbeit im Hof und auf dem Feld verrichten, statt in der warmen Stube zu sitzen und Wandteppiche zu knüpfen, und bis um 1600 hatten die Damen keine Scheren. Darum verbrachte ich den Sonntagnachmittag in Montoyas Ausgrabung und scharrte zwischen den Grabsteinen und Gebeinen, um diesen Effekt zu bekommen.« Ihre Nägel hatten schrecklich ausgesehen, und völlig authentisch. Es gab sicherlich keinen Anlaß, sich wegen eines Details wie Schnee zu sorgen.

Aber er konnte nicht anders. Wenn er nur mit Badri sprechen und ihn fragen könnte, was er auf dem Herzen gehabt hatte, sich vergewissern, daß die Absetzoperation planmäßig verlaufen war und daß es nicht allzuviel Verschiebung gegeben hatte, würde er eher in der Lage sein, seine Sorgen zu vergessen. Aber Mary hatte Badris Krankenversicherungsnummer erst jetzt erfahren, und über Badris gegenwärtigen Zustand war ihm nichts bekannt. Vielleicht war er noch bewußtlos.

Er stand auf, ging zum Teewagen und bereitete sich eine Tasse Tee. Gilchrist war wieder am Telefon und sprach anscheinend mit dem Pförtner. Die Pförtner wußten auch nicht, wo Basingame war. Als Dunworthy mit ihm gesprochen hatte, hatte der Mann ihm gesagt, Basingame habe Loch Balkillan erwähnt, einen See, der, wie sich herausgestellt hatte, nicht existierte.

Dunworthy trank seinen Tee. Der Quästor rief Gilchrist an, dieser darauf den stellvertretenden Rektor, aber keiner von ihnen wußte, wohin Basingame gefahren war. Die Schwester, die zuvor die Tür bewacht hatte, kam herein und beendete die Blutuntersuchungen. Der Arzt mit den roten Händen nahm eine der Broschüren vom Tisch und begann darin zu lesen.

Montoya füllte ihr Anmeldeformular und die Listen der Kontaktpersonen aus. »Soll ich die Namen der Leute aufschreiben, mit denen ich heute zusammengekommen bin?« fragte sie Dunworthy.

»In den drei letzten Tagen«, sagte er.

Sie warteten. Dunworthy trank noch eine Tasse Tee. Montoya rief die Gesundheitsbehörde an und versuchte eine Sondererlaubnis zu erhalten, um zu ihrer Ausgrabung zurückzukehren.

Eine Krankenschwester schob einen Rollwagen mit dem Mittagessen herein. Während sie aßen, besprach Gilchrist mit Latimer seinen Plan, Kivrin als nächstes in die Zeit nach dem Schwarzen Tod zu senden. »Die historische Forschung geht allgemein davon aus, daß er die mittelalterliche Gesellschaft vollständig zerstörte«, erläuterte er beim Schneiden seines Roastbeefs, »aber meine Untersuchungen deuten darauf hin, daß er sich insgesamt eher reinigend als katastrophal auswirkte.«

Dunworthy überlegte, warum es so lang dauerte. Untersuchten sie wirklich die Blutproben, oder warteten sie einfach, daß einer von ihnen über dem Teewagen zusammenbrach, damit sie die Inkubationszeit bestimmen konnten?

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