Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
Dunworthy blickte zu der Ärztin und wartete, daß sie Mary fragen würde, ob Krankheitserreger durch das Netz gekommen seien, aber sie blickte desinteressiert auf ihre Papiere.
»Kann ich zurück zu meiner Ausgrabung?« fragte Montoya.
»Nicht, solange die Ausgrabungsstelle außerhalb des Quarantänebereiches liegt«, sagte Mary.
»Na, wunderbar«, sagte sie und stopfte ihre Papiere zornig in die Brusttasche ihrer Jacke. »Während ich hier festsitze, wird das ganze Dorf fortgespült.« Sie stapfte hinaus.
»Noch weitere Fragen?« sagte Mary unerschütterlich. »Sehr gut. Dann sehen wir uns alle morgen früh um sieben.«
Die beiden Krankenhausärzte verließen den Raum zusammen; die Frau gähnte und reckte sich, als wollte sie den unterbrochenen Schlummer anderswo fortsetzen. Latimer blieb noch auf seinem Stuhl sitzen und untersuchte seinen Temperaturmonitor. Gilchrist machte eine spöttische Bemerkung, worauf Latimer sich erhob, den Mantel anzog und sich mit dem Schirm und dem Bündel seiner Formulare bewaffnete.
»Ich erwarte, daß Sie mich über jede Entwicklung auf dem laufenden halten«, sagte Gilchrist zu Mary. »Ich werde weiter bemüht sein, Mr. Basingame zu verständigen, daß er zurückkommen und die Dinge hier in die Hand nehmen muß.« Er marschierte hinaus, dann mußte er warten und die Tür für Latimer aufhalten, der zwei von seinen Papieren fallen gelassen hatte und wieder aufheben mußte.
»Seien Sie so gut und bringen Sie Dr. Latimer morgen früh mit«, sagte Mary. »Er wird sich sonst nie erinnern, daß er um sieben hier sein muß.«
»Ich möchte Badri sehen«, sagte Dunworthy. »Im Krankenwagen sagte er auf dem Weg hierher, etwas sei nicht in Ordnung. Es könnte eine Verschiebung gegeben haben. Wenn Kivrin weiter als eine Woche von der Absetzzeit entfernt ist, wird sie keine Ahnung haben, wann der Rückholtermin ist.«
Sie antwortete nicht und blätterte stirnrunzelnd in den ausgefüllten Formularen.
»Ich muß mich vergewissern, daß es bei der Fixierung keine Probleme gegeben hat«, sagte er.
Sie blickte auf und seufzte. »Diese Formblätter sind hoffnungslos. Ich dachte, sie würden Hinweise über Badris Aufenthalt während der letzten drei Tage geben, aber es bleiben große Lücken. Er ist der einzige, der uns sagen kann, wo er war und mit wem er zusammenkam. Also kommen Sie mit.« Sie ging voran durch den Korridor. »Ich habe eine Krankenschwester bei ihm gelassen, damit sie ihm Fragen stellen kann, wenn er bei Bewußtsein ist, aber sie sagte mir, er sei sehr desorientiert und fürchte sich vor ihr. Vielleicht wird er bei Ihnen nicht so ängstlich sein.«
Während sie beim Aufzug warteten, fügte sie hinzu: »Leider ist Badri jeweils nur ein paar Augenblicke zur Zeit bei Besinnung. Es kann lange dauern, bis Sie etwas aus ihm herausbekommen.«
»Das macht nichts«, sagte Dunworthy. »Ich werde sowieso keine Ruhe finden, solange ich nicht weiß, daß Kivrin sicher durchgekommen ist.«
Sie fuhren zwei Etagen aufwärts, durchwanderten einen weiteren Korridor und ließen eine Tür mit der Aufschrift ISOLIERSTATION. KEIN ZUTRITT hinter sich. Hinter der Tür saß eine grimmig blickende Stationsschwester und beobachtete einen Monitor.
»Ich bringe Dr. Dunworthy zu Mr. Chaudhuri«, sagte Mary zu ihr. »Wir werden Schutzkleidung brauchen. Wie geht es ihm?«
»Sein Fieber ist wieder gestiegen. 39,8«, sagte die Schwester und gab ihnen zwei in Plastik versiegelte Bündel mit Papierkleidung, bestehend aus Kitteln mit Rückenverschluß, Kappen, Atemmasken, galoschenartige Schuhfutterale und Gummihandschuhe. Dunworthy beging den Fehler, zuerst die Handschuhe anzuziehen, und brauchte eine Ewigkeit, bis es ihm gelang, den Kittel zu entfalten, anzulegen und die Schutzmaske anzubringen.
»Sie müssen ganz spezifische Fragen stellen«, sagte Mary. »Zum Beispiel, was er heute früh nach dem Aufstehen tat, ob er die Nacht mit jemandem verbrachte, wo er frühstückte, wer dabei war, und so weiter. Sein hohes Fieber bedeutet, daß er sehr desorientiert ist. Sie werden Ihre Fragen mehrmals wiederholen müssen.« Sie öffnete die Tür zum Krankenzimmer.
Es war kaum ein Zimmer zu nennen — der Platz reichte gerade für das Bett und einen schmalen Hocker. Nicht einmal einen Stuhl gab es. Die Wand hinter dem Bett war bedeckt mit Anzeigeinstrumenten, die Wand zur Linken hatte ein zugezogenes Fenster und weiteres Gerät. Nach einem kurzen Blick zu Badri begann Mary die Anzeigen zu überprüfen.
Dunworthy besah die Bildschirme auf der linken Seite. Derjenige, der ihm am nächsten war, zeigte eine Menge Zahlen und Buchstaben. Die unterste Zeile lautete ICU 14320691-22-12-54 1803 200/RPT 1800 CRS IMJPCLN 200MG/q6h NHS40-211-7 M AHRENS. Anscheinend die ärztliche Verschreibung.
Die anderen Bildschirme zeigten gezackte Linien und Zahlenkolonnen. Keiner von ihnen ergab irgendeinen Sinn, ausgenommen eine kleine Leuchtschriftanzeige weit rechts. Sie lautete: »Temp: 39,0«. Lieber Gott.
Er wandte sich zu Badri. Der Techniker lag auf dem Rücken, die Arme auf der Decke und an Tropfleitungen angeschlossen, die von Ständern hingen. Seine Augen waren geschlossen, das Gesicht sah dünn und eingefallen aus, als hätte er seit diesem Morgen viel Gewicht verloren. Seine dunkle Haut hatte eine seltsam purpurfarbene Tönung.
Mary beugte sich über den Kranken. »Badri! Können Sie uns hören?«
Er öffnete die Augen und sah sie an, aber es war kein Erkennen in dem Blick. Dies lag wahrscheinlich weniger am Fieber als an dem Umstand, daß sie von Kopf bis Fuß in Papier gehüllt waren.
»Das ist Mr. Dunworthy«, sagte Mary. »Er ist gekommen, Sie zu besuchen.« Der Signalgeber in ihrer Tasche begann zu piepen.
»Mr. Dunworthy?« stieß er heiser hervor. Er versuchte sich aufzurichten.
Mary drückte ihn ins Kissen zurück. »Mr. Dunworthy hat ein paar Fragen an Sie«, sagte sie und tätschelte seine Brust, wie sie es im Laboratorium von Brasenose getan hatte. Dann richtete sie sich auf und sagte nach einem Blick zu den Anzeigeinstrumenten über dem Kopfende seines Bettes: »Liegen Sie still. Ich muß jetzt gehen, aber Mr. Dunworthy wird bei Ihnen bleiben. Ruhen Sie sich aus und versuchen Sie seine Fragen zu beantworten.« Sie ging hinaus.
»Mr. Dunworthy?« sagte Badri wieder, aber es klang so, als bemühte er sich, einen Sinn in den Worten zu finden.
»Ja«, sagte Dunworthy. Er setzte sich auf den Hocker. »Wie fühlen Sie sich?«
»Wann erwarten Sie ihn zurück?« fragte Badri mit schwacher, angestrengter Stimme. Wieder wollte er sich aufrichten. Dunworthy streckte die Hand aus, um ihn daran zu hindern. »Muß ihn finden«, murmelte Badri. »Etwas ist nicht in Ordnung.«
8
Sie verbrannten sie auf dem Scheiterhaufen. Kivrin konnte die Flammen fühlen. Sie mußten sie bereits an den Pfahl gebunden haben, obwohl sie sich an den Vorgang nicht erinnern konnte. Aber sie erinnerte sich, daß sie das Feuer angezündet hatten. Sie war vom Schimmel gefallen, und der Halsabschneider hatte sie aufgehoben und hingetragen.
»Wir müssen zurück zum Absetzort«, hatte sie ihm gesagt.
Er hatte sich über sie gebeugt, und sie hatte im flackernden Feuerschein sein grausames Gesicht sehen können.
»Mr. Dunworthy wird das Netz öffnen, sobald er merkt, daß etwas nicht stimmt«, hatte sie ihm erzählt. Das hätte sie nicht sagen sollen. Er hatte sie für eine Hexe gehalten und hierher gebracht, wo der Scheiterhaufen brannte.
»Ich bin keine Hexe«, sagte sie, und gleich darauf kam eine Hand aus dem Nichts und ruhte kühl auf ihrer Stirn.
»Schhh«, sagte eine Stimme.
»Ich bin keine Hexe«, sagte sie, um langsame und deutliche Aussprache bemüht, damit sie sie verstünden. Der Halsabschneider hatte sie nicht verstanden. Sie hatte versucht, ihm klarzumachen, daß sie den Absetzort nicht verlassen sollten, doch er hatte dem keine Beachtung geschenkt, sie auf seinen Schimmel gesetzt und von der Lichtung durch das Birkengehölz in den dichtesten Teil des Waldes geführt.