Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
Als er gegessen hatte, rief Gilchrist wieder im New College an und fragte nach Basingames Sekretärin.
»Sie ist nicht da«, sagte Dunworthy. »Sie ist über Weihnachten nach Devonshire zu ihrer Tochter gefahren.«
Gilchrist ignorierte ihn. »Ja. Ich muß ihr eine Nachricht übermitteln. Ich versuche Mr. Basingame zu erreichen. Es ist ein Notfall. Wir haben gerade eine Historikerin ins 14. Jahrhundert geschickt, und Balliol unterließ es, den Netztechniker ordnungsgemäß zu überprüfen. Nun hat der Mann eine ansteckende Virusinfektion und ist bewußtlos. Rufen Sie bitte zurück.« Er legte auf. »Wenn Mr. Chaudhuri sich den notwendigen Vorsorgemaßnahmen entzogen hat, mache ich Sie persönlich verantwortlich, Mr. Dunworthy.«
»Er hat im September das ganze Programm absolviert«, sagte Dunworthy.
»Können Sie das beweisen?« fragte Gilchrist.
»Ist er durchgekommen?« meldete sich die Ärztin zu Wort.
Alle anderen, sogar Latimer, sahen sie erstaunt an. Bis zu diesem Augenblick hatte sie mit geschlossenen Augen, das Kinn auf der Brust und verschränkten Armen im Sessel gelegen und den Eindruck erweckt, daß sie fest eingeschlafen sei.
»Sie sagten, Sie hätten jemanden ins Mittelalter geschickt«, sagte sie in kriegerischem Ton. »Ist er durchgekommen?«
»Ich fürchte, ich verstehe nicht…«, sagte Gilchrist.
»Dieses Virus«, sagte sie. »Konnte es durch die Zeitmaschine gekommen sein?«
Gilchrist blickte nervös zu Dunworthy. »Das ist nicht möglich, nicht wahr?«
»Nein«, sagte Dunworthy. Es war offensichtlich, daß Gilchrist von den theoretischen Grundlagen nicht viel verstand. Der Mann war als stellvertretender Dekan ungeeignet. Er wußte nicht einmal, wie das Netz funktionierte, durch das er Kivrin so vergnügt geschickt hatte. »Das Virus kann nicht durch das Netz gekommen sein.«
»Dr. Ahrens sagte, der Inder sei der einzige Fall«, sagte die Ärztin. »Und Sie sagen…« - sie zeigte auf Dunworthy -, »daß er alle Schutzimpfungen und Vorsorgemaßnahmen erhalten habe. Wenn das zutrifft, kann er nicht von einem Virus angesteckt worden sein, es sei denn, es war eine eingeschleppte Krankheit von anderswo. Und das Mittelalter war voller Krankheiten, nicht wahr? Pocken und Pest und Cholera?«
Gilchrist sagte: »Ich bin überzeugt, daß eine Möglichkeit, Krankheitserreger aus der Vergangenheit einzuschleppen, nicht besteht…«
»Es ist ganz ausgeschlossen, daß ein Virus durch das Netz kommt«, sagte Dunworthy ungeduldig. »Das Raum-Zeit-Kontinuum läßt es nicht zu.«
»Sie schicken Leute durch«, beharrte sie, »und ein Virus ist viel kleiner als ein Mensch und sehr viel widerstandsfähiger.«
Dunworthy hatte dieses Argument zuletzt in den frühen Jahren des Netzes gehört, als die Theorie noch lückenhaft gewesen war.
»Ich versichere Ihnen, daß wir alle Vorsichtsmaßregeln beachtet haben«, sagte Gilchrist.
»Nichts, was den Gang der Geschichte beeinflussen könnte, kann durch ein Netz gehen«, sagte Dunworthy mit einem finsteren Blick zu Gilchrist. Der Mann ermutigte sie mit diesem Gerede von Sicherheitsvorkehrungen. »Strahlung, Gift, Mikroben, nichts davon ist je durch ein Netz gegangen. Sind sie vorhanden und geeignet, den Geschichtsablauf zu verändern, dann öffnet sich das Netz nicht.«
Die Ärztin schien nicht überzeugt.
»Ich versichere Ihnen…«, sagte Gilchrist, und Mary kam herein.
Sie trug ein Bündel verschiedenfarbiger Papiere. Gilchrist stand sofort auf. »Dr. Ahrens, besteht eine Möglichkeit, daß diese Virusinfektion, die Mr. Chaudhuri sich zugezogen hat, durch das Netz gekommen sein könnte?«
»Natürlich nicht«, sagte sie und runzelte die Stirn, als sei die Vorstellung absolut lächerlich. »Erstens können Krankheiten nicht durch das Netz kommen. Es würde die Paradoxien verletzen. Zweitens, wenn die Krankheit durchgekommen wäre, was nicht sein kann, würde Badri sie sich in weniger als einer Stunde nach ihrem Durchkommen zugezogen haben, was bedeuten würde, daß das Virus eine Inkubationszeit von einer Stunde hätte, eine absolute Unmöglichkeit. Und wenn es so wäre — was nicht sein kann -, würden Sie alle bereits krank sein, denn seit Sie ihr ausgesetzt wurden, sind mehr als drei Stunden vergangen.« Sie machte sich daran, die ausgefüllten Formulare und Listen einzusammeln.
»Als stellvertretender Dekan der Historischen Fakultät habe ich Verantwortlichkeiten, um die ich mich kümmern muß«, sagte Gilchrist. »Wie lange wollen Sie uns hier noch festhalten?«
»Nur lange genug, um Ihre Kontaktlisten einzusammeln«, sagte sie, »und Ihnen Instruktionen zu geben. Vielleicht fünf Minuten.«
Sie nahm Latimers Liste an sich. Montoya zog ihre noch einmal über den Tisch und begann hastig zu schreiben.
»Fünf Minuten? Dann können wir also gehen?«
»Auf Probe, ja«, sagte sie. Sie legte die Listen unter ihr Papierbündel und begann die oberen Blätter auszuteilen. Sie waren von einem geschmacklosen Rosa und schienen Entlassungsformulare zu sein, welche die Klinik von jeglicher Verantwortung freistellten.
»Wir haben die Blutuntersuchungen vorgenommen«, fuhr sie fort, »und keine der Proben zeigt einen erhöhten Spiegel von Antikörpern.«
Sie reichte Dunworthy ein blaues Blatt, dessen Inhalt die Gesundheitsbehörde von jeglicher Verantwortung freistellte und die Bereitschaft des zu Entlassenden bekräftigte, alle nicht von der staatlichen Krankenversicherung getragenen Behandlungskosten in voller Höhe innerhalb von dreißig Tagen zu bezahlen.
»Das Gesundheitsamt empfiehlt kontrollierte Beobachtung, ständige Überwachung der Temperatur und Blutproben in zwölfstündigen Abständen.«
Das Blatt, das sie nun verteilte, war grün und trug die Überschrift: »Anleitung für Primärkontakte«. Der erste Punkt war: »Vermeiden Sie Kontakt mit anderen.«
Dunworthy dachte an Finch und die Schellenläuter, die ihn mit allen möglichen Wünschen und Ansinnen überfallen würden, wenn er sich im Balliol blicken ließe, und an alle Passanten zwischen hier und dort.
»Messen Sie in halbstündigen Abständen Ihre Temperatur«, fuhr sie fort, während sie ein gelbes Formblatt verteilte. »Kommen Sie sofort, wenn Ihr Monitor eine deutliche Zunahme der Temperatur anzeigt. Eine gewisse Fluktuation ist normal. Im allgemeinen steigt die Körpertemperatur am Spätnachmittag und Abend. Jede Temperatur zwischen 36 und 37,4 ist normal. Kommen Sie aber sofort in die Klinik, wenn Ihre Temperatur über 37,4 steigt, oder wenn sie plötzlich ansteigt, oder wenn Sie irgendwelche Symptome bei sich feststellen — Kopfschmerzen, Beengung in der Brust, Benommenheit oder Schwindel.«
Alle schauten auf ihre Monitore und begannen wahrscheinlich erste Anzeichen von Kopfschmerzen zu verspüren. Dunworthy hatte schon den ganzen Nachmittag welche.
»Vermeiden Sie nach Möglichkeit Kontakte mit anderen«, sagte Mary. »Geben Sie sich sorgfältig Rechenschaft über alle Kontakte, die Sie haben. Die Übertragungsweise ist uns noch unklar, aber die meisten Myxoviren werden durch Tröpfcheninfektion und direkten Kontakt verbreitet. Waschen Sie sich die Hände häufig mit Wasser und Seife.«
Sie gab Dunworthy ein weiteres rosa Blatt. Allmählich gingen ihr die Farben aus. Dieses war ein Formular mit der Überschrift »Kontakte« und darunter den Spalten »Name, Anschrift, Art des Kontakts, Zeitpunkt«.
Es war Pech, daß Badris Virus nichts mit den Gesundheitsbehörden zu tun gehabt hatte. Er wäre niemals zur Tür hereingekommen.
»Sie müssen sich morgen früh um sieben wieder hier melden. In der Zwischenzeit würde ich ein gutes Abendessen und frühzeitige Nachtruhe empfehlen. Ruhe ist die beste Abwehr gegen jedes Virus. Sie haben dienstfrei«, sagte sie mit einem Blick zu den beiden Krankenhausärzten, »solange die Quarantäne andauert«. Sie verteilte die letzten farbigen Blätter, dann fragte sie munter: »Irgendwelche Fragen?«