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Die Chronolithen [The Chronoliths - de]

Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:

Aus dem Nichts taucht in Thailand plötzlich ein siebzig Meter hoher Obelisk auf und richtet in weitem Umkreis durch eine Druckwelle und einen extremen Temperatursturz große Verwüstungen an. Doch nicht Außerirdische haben das Artefakt geschickt, sondern es kommt aus der Zukunft. Es besteht aus einem fremdartigen, unzerstörbaren Stoft und trägt eine Inschrift, die den Sieg eines gewissen Kuin verkündet, der sich das Land unterworfen habe… Scott Warden. der als Aussteiger mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter ein sorgloses Leben am Strand führt, wird durch das Ereignis aus der Bahn geworfen: Als er heimlich das abgesperrte Gelände betritt, um den Obelisken zu untersuchen, wird er verhaftet und vom Geheimdienst verschleppt. Und als er dann später wieder freikommt, ist seine Familie außer Landes geflohen und in die USA zurückgekehrt. Denn inzwischen ist ein weiteres Kuin-Monument mitten in Bangkok aufgetaucht, mit verheerenden Folgen. Und noch mehr dieser Obelisken erscheinen, zerstören Istanbul und Jerusalem… Wer aber ist dieser Kuin? Ist er ein kommender Welteroberer? Oder ein Messias, der seine Schatten voraus wirft in die Vergangenheit? Doch wie sollte das möglich sein? Und warum ist Scott immer in der Nähe, wenn ein weiterer Chronolith emporsteigt?
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»Jesus Christus«, sagte ich. »Janice — Whit ist ein Copperheadl«

In letzter Zeit hatten die Zeitungen den Begriff »Copperhead« aus der Mottenkiste geholt, und zwar als pauschale Verunglimpfung der verschiedenen kuinistischen Bewegungen. Janice schlug den Blick nieder und sagte: »Den Ausdruck benutzen wir nicht«, was ich so deutete, dass Whit ihn nicht mochte.[24] »Ich verstehe nichts von Politik. Das weißt du. Whit auch nicht, es war nur so, dass ein paar Leute aus der oberen Etage da eingetreten sind. Sich auf einen Krieg vorzubereiten, der vermutlich nicht geführt werden muss, sei ökonomischer Unsinn, meint Whit.«

Das war ein Standardargument der Copperheads, es aus dem Mund von Janice zu hören, verwirrte mich. Nicht, dass es völlig aus der Luft gegriffen gewesen wäre, aber daraus sprach auch die kuinistische Verachtung für demokratische Prozesse, die Idee, ein Kuin könne auf einem Planeten mit allzu viel ökonomischen, religiösen und ökologischen Gräben für Ordnung sorgen.

Ich hatte den Aufstieg der Copperhead-Bewegung im Netz verfolgt — zwangsläufig, da Sue sie für signifikant und Morris sie für potenziell gefährlich hielt. Was ich zu sehen bekam, gefiel mir gar nicht. »Und da hat er Kaitlin mit hineingezogen?«

»Kait wollte es. Anfangs ging sie mit zu den normalen Versammlungen, aber dann interessierte sie sich für die Jugendorganisation.«

»Und da hast du sie eintreten lassen — einfach so?« Sie sah mich flehend an. »Ehrlich, Scotty, ich hab mir nichts dabei gedacht. Du lieber Gott, sie bauen keine Rohrbomben. Es ging nur um Soziales. Ich meine, sie spielten Baseball. Sie spielten Theater. Teenager, Scott. So viel neue Freundschaften — Kait hatte zum ersten Mal in ihrem Leben richtige Freunde. Was hätte ich tun sollen, sie wegsperren?«

»Ich bin nicht hier, um den Richter zu spielen.«

»Eben.«

»Erzähl mir einfach, was passiert ist.« Sie seufzte. »Ich glaube, es gab ein paar Radikale unter den Mitgliedern. Man kann den Dingen nicht entfliehen, weißt du? Die jungen Leute sind besonders empfänglich. Es ist in den Nachrichten, es ist im Netz. Früher hat sie manchmal darüber geredet, über…«, sie senkte die Stimme, »über Kuin und dass man nicht verurteilen soll, was man nicht versteht, so was. Ich hätte nicht gedacht, dass es ihr so ernst damit war.«

»Sie ging zu einem Treffen und kam nicht zurück.«

»Sie nicht und zehn weitere, die meisten älter als Kait. Offenbar haben sie wochenlang über die Idee einer Wallfahrt geredet, den Hadsch, wie sie es nennen.«

Ich schloss die Augen.

»Die Polizei meint, sie wären wahrscheinlich noch in der Stadt«, fuhr Janice hastig fort, »würden mit einer anderen Clique von Möchtegernradikalen in einem leerstehenden Haus hocken, große Töne spucken und sich das Essen zusammenklauen. Wenn es das nur ist, wäre es ja schon schlimm genug.«

»Hast du mal auf eigene Faust gesucht?«

»Die Polizei hat abgeraten.«

»Und Whit?«

»Whit meint, wir sollen mit der Polizei kooperieren. Das gilt auch für dich, Scott.«

»Wie heißt euer Ansprechpartner bei der Polizei?«

Sie nahm ihr Notizbuch aus der Tasche und schrieb einen Namen samt Telefonnummer auf die Papierserviette, sie tat es widerwillig und bedachte mich mit langen, missmutigen Blicken.

Ich sagte: »Und wie dieser Copperhead-Club heißt, dem Whit angehört.«

Jetzt stockte sie. »Ich will nicht, dass du Schwierigkeiten machst.«

»Das ist nicht der Grund meines Kommens.«

»Scheiße. Du kommst hierher mit diesem ganzen — dieser moralischen Entrüstung…«

»Meine Tochter wird vermisst. Deshalb bin ich hier. Was daran macht dir solche Angst?«

Sie hielt inne. Dann sagte sie: »Kait ist noch keine Woche von zu Hause fort. Sie kommt vielleicht morgen schon zurück. Davon muss ich ausgehen. Und davon, dass die Polizei alles tut, was in ihrer Macht steht. Aber ich sehe diesen Ausdruck in deinen Augen. Und den kann ich nicht ausstehen.«

»Welchen Ausdruck?«

»Als wärst du jeden Augenblick bereit zu trauern.«

»Janice…«

Sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. »Nein. Scott. Es tut mir Leid. Ich bin dir dankbar für alles, was du für Kait getan hast. Ich weiß, du hast keine Mühe gescheut. Aber ich werde dir nicht aufschreiben, welchen Organisationen Whit angehört. Das ist seine Privatsphäre. Wir haben alles mit der Polizei besprochen, und dabei bleibt es, vorerst jedenfalls. Und jetzt guck nicht wieder mit diesem gottverdammten Begräbnisblick

Ich war getroffen, aber ich machte Janice keinen Vorwurf, auch dann nicht, als sie aufstand und auf die sonnengebleichte Straße hinausstakste. Ich wusste, wie es in ihr aussah. Kaitlin war in Gefahr, und Janice fragte sich, was sie falsch gemacht hatte, welchen Ball sie vermasselt hatte, wie, um alles in der Welt, alles so rasch hatte schiefgehen können.

Seit zehn Jahren stellte ich mir diese Fragen schon. Für Janice war es eine neue Erfahrung.

Nach dem Mittagessen fuhr ich nach Clarion Pharma, einem großen Industriekomplex draußen, wo die Stadtrandsiedlungen an die Weizenfelder grenzen, und erklärte dem Wachmann, ich wolle zu Mr. Delahunt. Er klemmte mir eine Karte unter den linken Scheibenwischer und wies mich darauf hin, mir am Haupteingang einen Besucherausweis zu ziehen. Aber die Security von Clarion war lax. Ich parkte, betrat das Gebäude durch eine unverschlossene Tür an den Laderampen, stieg in einen Aufzug und fuhr in die Etage, auf der laut Display das Büro von Whit lag.

Und marschierte wie selbstverständlich an seiner Sekretärin vorbei in eine anonyme Flucht aus türlosen Räumen hinein, in denen lauter adrette Männer und Frauen Telefonkonferenzen abhielten, bis ich im schmalen Korridor auf Whitman Delahunt stieß, der an einem Kühlbehälter stand und gerade seinen Becher mit gefiltertem Quellwasser leerte. Er machte große Augen, als er mich gewahrte.

Whit sah so tadellos aus wie immer. Ein bisschen grauer an den Schläfen und etwas fülliger um die Taille, aber das tat ihm keinen Abbruch, im Gegenteil. Er trug sogar den Anflug eines Lächelns im Gesicht, das aber sofort erlosch, als er meiner ansichtig wurde. Er warf den Pappbecher in den Abfalleimer. »Scott«, sagte er. »Jesus. Du hättest anrufen können.«

»Ich dachte, wir reden besser von Mann zu Mann.«

»Sollten wir, und ich will nicht herzlos erscheinen, ich weiß, was du durchmachst, aber jetzt ist nicht der richtige Augenblick.«

»Ich möchte eigentlich nicht warten.«

»Scott, sei vernünftig. Vielleicht heute Abend…«

»Ich finde nicht, dass ich unvernünftig bin. Seit fünf Tagen ist meine Tochter Gott weiß wo. Schläft auf der Straße, soweit ich weiß. Tut mir Leid, wenn es dich bei der Arbeit stört, Scott, aber wir müssen uns unbedingt unterhalten.«

Er zögerte, dann blies er sich auf. »Es wäre mir verdammt peinlich, wenn ich die Security rufen müsste.«

»Denk drüber nach und setz mich inzwischen über deinen Copperhead-Club ins Bild.«

Seine Augen weiteten sich. »Nimm deine Zunge in Acht.«

»Oder wir unterhalten uns da, wo wir ungestört sind.«

»Zum Teufel mit dir, Scotty! Also gut. Jesus! Dann komm.«

Ich folgte ihm zur Chef-Kantine. Die Warmhaltetheken waren leer, die Küche hatte für heute geschlossen. Der Raum war verwaist. Wir saßen uns an einem lackierten Holztisch gegenüber, ganz wie zivilisierte Menschen.

Whit lockerte die Krawatte. »Janice hat es kommen sehen. Du würdest in der Stadt auftauchen und alles komplizieren. Du solltest wirklich mit der Polizei reden, Scott. Denn, was immer du im Schilde führst, ich gebe es weiter, verlass dich drauf.«

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24

Copperhead: im amerikanischen Bürgerkrieg ein Nordstaatler, der sich um des Friedens willen mit der Sklaverei abgefunden hätte.

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