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Die Chronolithen [The Chronoliths - de]

Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:

Aus dem Nichts taucht in Thailand plötzlich ein siebzig Meter hoher Obelisk auf und richtet in weitem Umkreis durch eine Druckwelle und einen extremen Temperatursturz große Verwüstungen an. Doch nicht Außerirdische haben das Artefakt geschickt, sondern es kommt aus der Zukunft. Es besteht aus einem fremdartigen, unzerstörbaren Stoft und trägt eine Inschrift, die den Sieg eines gewissen Kuin verkündet, der sich das Land unterworfen habe… Scott Warden. der als Aussteiger mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter ein sorgloses Leben am Strand führt, wird durch das Ereignis aus der Bahn geworfen: Als er heimlich das abgesperrte Gelände betritt, um den Obelisken zu untersuchen, wird er verhaftet und vom Geheimdienst verschleppt. Und als er dann später wieder freikommt, ist seine Familie außer Landes geflohen und in die USA zurückgekehrt. Denn inzwischen ist ein weiteres Kuin-Monument mitten in Bangkok aufgetaucht, mit verheerenden Folgen. Und noch mehr dieser Obelisken erscheinen, zerstören Istanbul und Jerusalem… Wer aber ist dieser Kuin? Ist er ein kommender Welteroberer? Oder ein Messias, der seine Schatten voraus wirft in die Vergangenheit? Doch wie sollte das möglich sein? Und warum ist Scott immer in der Nähe, wenn ein weiterer Chronolith emporsteigt?
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Leutnant Dudley gab unüberhörbar uns die Schuld, meiner Generation. Im Laufe seiner Arbeit mussten ihm viele Eltern begegnet sein, darunter etliche Nieten. So wie er mich ansah, zählte er mich zu den Letzteren.

Ich sagte: »Was Kaitlin…«

Er fischte eine Akte vom Schreibtisch und schlug sie auf. Was er vorlas, war mir im Kern nicht neu. Insgesamt acht Jugendliche, alle im Juniorkader von Whitmans Club, waren nach einer Tagung nicht wieder nach Hause gekommen. Freunde und Eltern der vermissten Jugendlichen waren eingehend befragt worden… »Nur Sie nicht, Mr. Warden. Ich habe schon auf Sie gewartet.«

»Whit Delahunt hat Ihnen von mir erzählt?«

»Er hat Sie kurz erwähnt, als wir ihn befragt haben, halt, nein, warten Sie. Der Anruf kam von einem ehemaligen FBI-Agenten, Morris Torrance hieß er.«

Schnelle Arbeit. Andererseits war Morris immer sehr fleißig gewesen. »Was hat er Ihnen erzählt?«

»Er bat mich, mit Ihnen zu kooperieren, Mr. Warden. Soweit wie möglich, versteht sich. So, das wär's dann von meiner Seite. Viel wäre dem nicht hinzuzufügen, es sei denn, Sie haben noch Fragen. Ach, und er hat mich um noch etwas gebeten.«

»Das wäre?«

»Ich soll Ihnen sagen, Sie sollen sich mit ihm in Verbindung setzen. Die Sache mit Kaitlin täte ihm Leid und er könne Ihnen da womöglich helfen.«

Dreizehn

Vielleicht hätte ich doch die Gruppentherapie von Regina Lee nutzen und meine Angst vor Kuin zugeben sollen — die Angst und die Vorahnung von Leid, die jedes Mal herüberwehte, wenn ich die Augen schloss. Aber das war nicht meine Art. Ich hatte schon früh gelernt, angesichts der Katastrophe den Anschein von Ruhe zu bewahren. Und meine Angst für mich zu behalten — wie ein schmutziges Geheimnis.

Doch ich musste ständig an Kait denken. Für mich war sie immer noch die Kaitlin von Chumphon, fünf Jahre alt und so furchtlos, wie sie neugierig war. Kinder tragen ihr Wesen wie leuchtend bunte Sachen; deshalb sind ihre Lügen so leicht zu durchschauen. Erwachsensein ist die Kunst der Täuschung. Weil ich Kaitlin schon als kleines Kind gekannt habe, weiß ich auch um ihr verwundbares Herz. Warum es umso schmerzlicher war, sich vorzustellen (oder besser nicht vorzustellen), wo Kaitlin jetzt wohl sein mochte, und mit wem. Der elterliche Urtrieb ist der Trieb, die Jungen zu ernähren und zu beschützen. Um ein Kind zu trauern, heißt die eigene Ohnmacht eingestehen. Man kann nicht mehr beschützen, was unter die Erde kommt. Ein Grab kann man bestenfalls mit Grün zudecken.

Ich fand nachts nicht in den Schlaf, starrte aus dem Motelfenster und trank abwechselnd Bier und Cola Light (und musste jede halbe Stunde pinkeln), bis der Schlaf wie eine klebrige Woge über mich hereinbrach. Was ich träumte, war chaotisch und trivial. Das Erwachen im Frühling, unter einem sonnigen, bodenlos blauen Himmel war wie das Erwachen in einem anderen Traum, eine einzige brutale Ironie.

Ich hatte geglaubt, mein Kontakt mit Ashlee Mills habe sich erledigt, aber zehn Tage nach Kaitlins Verschwinden rief sie mein Handy an. Sie klang geschäftsmäßig und kam schnell zur Sache: »Ich bin mit jemandem verabredet«, sagte sie, »er weiß vielleicht etwas über Adam und Kaitlin, aber ich möchte nicht alleine hingehen.«

»Ich habe heute Nachmittag nichts vor«, sagte ich.

»Er arbeitet nachts. Falls Sie wissen wollen, was er macht; es wird Ihnen nicht gefallen.«

»Ist er Zuhälter?«

»Das nicht«, sagte sie. »Ein Dealer, würde ich sagen.«

In der Woche zuvor war ich viel im Internet gewesen, hatte das Phänomen der »Hadsch-Jugend« und der kuinisüschen Bewegung recherchiert und mir Zugang zu ihren versteckten Chatrooms verschafft.

Die kuinistische Bewegung gab es natürlich nicht. Ohne einen leibhaftigen Kuin war die Bewegung ein Flickwerk aus utopistischen Ideologien und quasi-religiösen Kulten, die versuchten, einander den Rang abzulaufen. Gemeinsam hatten sie den Gegenstand der Verehrung, die Anbetung der Chronolithen. Für die Hadschisten war jeder Chronolith ein Heiligtum. Hadschisten schrieben diesen Monolithen allerhand Wunderdinge zu: Erleuchtung, Heilungen, seelische Wandlungen und Epiphanien unterschiedlichen Grades. Aber anders als etwa die Menschen, die nach Lourdes pilgerten, waren die Hadschisten fast ausnahmslos blutjung. Es war eine »Jugendbewegung« (ein Begriff, den das 20. Jahrhundert geprägt hatte). Wie die meisten Bewegungen dieser Art bestand sie zur Hälfte aus Habitus. Nur ganz wenige Amerikaner pilgerten wirklich zu einem Chronolithen, doch Teenager mit einem Kuin-Logo waren keine Seltenheit — meistens das verbreitete »K+« im roten oder orangefarbenen Kreis. (Oder eines von den subtileren, vermutlich geheimen Zeichen: Narben an Brustwarzen oder Ohrläppchen, silberner Fußreif, weißes Stirnband.)

In Ashlees Viertel war das »K+« allgegenwärtig, es war mit Kreide oder Farbe an Wände und auf Gehsteige gekritzelt oder gesprayt. Ich hielt zur verabredeten Zeit neben dem chinesischen Restaurant und Ashlee huschte aus der Haustür und auf den Beifahrersitz. »Gut, dass Sie ein billiges Auto fahren«, sagte sie. »Ich will nicht auffallen.«

»Wohin fahren wir?«

Sie gab mir eine Adresse fünf Häuserblocks stadteinwärts, wo es nur noch Lagerhäuser, Fastfood zum Mitnehmen und Spirituosenläden gab.

»Der Bursche«, sagte Ashlee unvermittelt, »heißt Cheever Cox und hat die Finger in so ziemlich allen Geschäften, die man in keine Steuererklärung schreiben darf. Ich kenne ihn, weil er mir immer Tabak verkauft hat.« Sie sagte es ohne jede Auffälligkeit in der Stimme, vergewisserte sich aber flüchtig, was ich wohl für ein Gesicht machte. »Ich meine, bevor ich die Sucht attestiert bekam.«

»Was weiß er über Kait und Adam?«

»Vielleicht gar nichts, aber als ich ihn gestern anrief, da erwähnte er einen Billighadsch und ein neues Gerücht über Kuin und dass das nichts für eine unverschlüsselte Leitung sei. Cheever ist darin ziemlich paranoid.«

»Und, ist was dran? Was meinen Sie?«

»Wo bin ich mit Ihnen dran? Weiß man's?«

Sie fuhr das Fenster herunter, zündete sich eine Zigarette an und wartete fast trotzig auf meine Reaktion. Minnesota hatte mit die strengsten Tabakgesetze in den Staaten. Doch ich war aus einem anderen Bundesstaat und alt genug, um nicht schockiert zu sein. Ich sagte: »Ashlee? Schon mal ans Aufhören gedacht?«

»Oh — bitte!«

»Ich will Sie nicht maßregeln, ich mache lediglich Konversation.«

»Und ich rede höchst ungern darüber.« Sie blies geräuschvoll den Rauch aus dem Fenster. »Da war nicht sehr viel, was mich in den letzten paar Jahren zusammengehalten hat, Mr. Warden.«

»Scott.«

»Dann eben Scott. Nicht, dass ich zu schwach wäre. Aber… haben Sie jemals geraucht?«

»Nein.« Mir waren die Anti-Sucht-Impfungen erspart geblieben, die man damals den jungen Leuten aufgedrängt hatte, vor allem das Folgerisiko eines späteren Immunproblems; Tabak war einfach nicht mein Ding gewesen.

»Wahrscheinlich bringt es mich um, aber was hab ich denn anderes?« Sie schien nach einem Gedanken zu suchen, gab es dann aber auf. »Die Zigarette beruhigt.«

»Ich verurteile Sie nicht. Eigentlich mag ich den Geruch von brennendem Tabak. Aus der Entfernung zumindest.«

Sie zog ein halbes Lächeln. »Aha. Sie sind mir vielleicht ein Degenerierter.«

»Vermissen Sie Kalifornien?«

»Vermisse ich Kalifornien!« Sie rollte mit den Augen. »Ist das eine richtige Unterhaltung oder sind Sie bloß nervös wegen Cheever? Das brauchen Sie nicht. Er ist ein bisschen zwielichtig, aber kein schlechter Mensch.«

»Das ist beruhigend«, sagte ich.

»Sie werden sehen.«

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