Die Chronolithen [The Chronoliths - de]
- Автор: Уилсон Роберт Чарльз
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-52105-6
- Переводчик: Hendrick P. Lickens
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:
An jenem Tag hatte es fast überall in Maryland geschneit — sechs Zoll Pulverschnee. Mein Vater trug eine winzige Funkboje, die ein Alarmsignal abgesetzt hatte, als sein Herz versagte, doch als die Ambulanz eintraf, war es für eine Wiederbelebung zu spät gewesen.
Janice bot an, die notwendigen Dinge zu erledigen, während ich in Übersee war (andere Familienmitglieder gab es nicht mehr). Ich war einverstanden und dankte ihr.
»Es tut mir Leid, Scott«, sagte sie. »Ich weiß, dein Vater war schwierig. Trotzdem — es tut mir Leid.«
Ich gab mir Mühe, auf eine angemessene und sinnvolle Weise zu trauern.
Nichtsdestoweniger ertappte ich mich bei der rhetorischen Frage, wie viel seelische Erschütterung es ihm erspart hatte, sich zu diesem kritischen Zeitpunkt davonzustehlen, und zu welchem materiellen Tribut man ihn nicht mehr heranziehen würde.
Als die Dunkelheit hereinbrach, klopfte Morris an meine Tür und brachte mich zurück zur Technik. Die Monitore warfen blaues Licht in den Raum. Morris und ich wurden als Beobachter auf die Stuhlreihe an der Rückwand verwiesen, wo wir niemandem im Weg waren. Der Raum war heiß und trocken, ein Bataillon tragbarer Heizöfen glühte bereits grimmig vor sich hin. Die Techniker an den Konsolen schienen zu warm angezogen und schwitzten.
Draußen erlosch der wolkenlose Himmel zu Tinte. Die Stadt lag unnatürlich still unter uns. »Es dauert nicht mehr lange«, flüsterte Morris. Es war das erste Mal, dass man die Ankunft eines Chronolithen mit einiger Genauigkeit vorhergesagt hatte, obgleich die Berechnungen immer noch approximativ waren, der Countdown diente mehr der Konzentration. Sue kam vorbei und sagte: »Haltet die Augen offen.«
»Und wenn gar nichts passiert?«, sagte Morris.
»Dann verliert die Likkud-Partei die Wahl. Und wir unsere Glaubwürdigkeit.«
Die Minuten verstrichen. Diejenigen von uns, die keine Schutzkleidung trugen, bekamen Steppjacken ausgehändigt. Morris lehnte sich wieder aus dem Dunkel, er schwitzte und war sichtlich nervös. »Der beste Aufsetzpunkt liegt im Geschäftsviertel. Interessante Wahl. Verschont die Altstadt und den Tempelberg.«
»Kuin als Cäsar«, sagte ich. »Verehrt ruhig eure Götter, aber beugt euch dem Eroberer.«
»Nicht das erste Mal für Jerusalem.«
Aber vielleicht das letzte Mal. Die Chronolithen hatten die apokalyptischen Ängste geweckt, die im 20. Jahrhundert der Atombombe gegolten hatten: Eine neue Technologie hatte den Einsatz bei Konflikten erhöht, die Parade von Imperien, die kamen und gingen, schien in die letzte Runde zu gehen. Was jetzt und hier eine allzu simple Einschätzung war. Schließlich war das Tal von Megiddo nur ein paar Meilen entfernt.[22]
Wir wurden ermahnt, die Reißverschlüsse an unseren Jacken trotz der Hitze nicht zu öffnen. Sue wollte den Raum so heiß wie irgend möglich, als Puffer gegen den Kälteschock.
Durch eingehende Analyse der bisherigen Manifestationen wussten wir in etwa, was uns erwartete. Ein Chronolith verdrängt beim Auftauchen weder Luft noch Grundgestein; er transformiert diese Materie und verleibt sie sich ein. Die Druckwelle ist das Ergebnis der, wie Sue sie nannte, »Kältestrahlung«. Innerhalb von wenigen Metern rings um das Kuin-Monument kondensiert die Luft, friert aus und fällt zu Boden; in weniger als einer Sekunde geschieht mit der schlagartig nachrückenden Luft Ähnliches. Innerhalb eines geringfügig größeren Bereichs gefrieren die gasförmigen Bestandteile der Atmosphäre — Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid. In einem viel größeren Umkreis wird Wasserdampf ausgefällt.
Die Anwesenheit von Grundwasser führt zu einem ähnlichen Phänomen im Boden, sprengt Gestein und erzeugt ein lokales Beben.
Die ganze tiefgekühlte und umgetriebene Luft erzeugt Konvektionszellen und folglich einen heftigen Wind über Ground-Zero sowie unberechenbaren und durchdringenden Nebel in einem Umkreis von Meilen.
Weshalb niemand etwas gegen die trockene Hitze und die Versiegelung der Räume einzuwenden hatte.
Die weißgekleideten Techniker, die meisten waren ausgeliehene höhere Fachsemester, besetzten die Reihe der Terminals, die zu den Fenstern blickten. Ihre Telemetrie kam von den Dachantennen oder von entfernten Sensoren, die näher an der kritischen Zone platziert waren. Sie riefen periodisch Zahlen in den Raum, die mir absolut nichts sagten. Aber die Spannung stieg zusehends. Sue bewegte sich wie eine gereizte Erzieherin unter diesen eifrigen jungen Leuten.
Sie blieb vor uns stehen, kess anzusehen in ihren neuen Bluejeans und der weißen Bluse. »Die Radioaktivität steigt rapide«, sagte sie. »Jungs, ich gebe uns noch zwei Minuten.«
Morris sagte: »Brauchen wir Schutzbrillen oder so was?«
»Das ist keine H-Bombe, Morris. Du wirst schon nicht blind werden.«
Und dann wandte sie sich ab.
Einer der überwachenden Techniker, eine junge blonde Frau, die nicht viel älter aussah als Kaitlin, hatte sich von ihrem Platz erhoben und kam mit einem flehenden Lächeln auf Sue zu. Der IDF-Security-Kontingent ließ die Frau nicht aus den Augen. Auch Morris nicht.
Sie schien benommen, vielleicht ein bisschen unbeherrscht. Sie zauderte. Dann, mit einer beinah rührend kindlichen Geste, griff sie nach Sues Hand und hielt sie umschlossen.
Sue sagte: »Cassie? Was ist?«
»Ich wollte mich — bei Ihnen bedanken.« Cassie klang zaghaft, aber glühend.
Sue runzelte die Stirn. »Keine Ursache, aber — wofür?«
Doch Cassie zog den Kopf ein und wich zurück, als sei ihr der Gedanke so rasch abhanden gekommen, wie er sich eingestellt hatte. Sie nahm die Hand vor den Mund. »Oh! Tut mir Leid. Mir war… ich glaube, mir war einfach so, als müsste ich das sagen. Ich weiß nicht, was ich gedacht habe…« Sie errötete.
»Sie bleiben besser an Ihrem Platz«, sagte Sue sanft.
Wir waren jetzt tief in der Tau-Turbulenz. Der Raum war heiß und roch nach ionisierter Luft. Jenseits des Fensters flackerte der Stadtkern unter einer plötzlichen Morgenröte.
Es war eine Sache von Sekunden, doch Zeit ist elastisch; für uns dehnten sie sich zu Minuten. Ich gebe zu, ich hatte Angst.
Das Licht, das die Ankunft begleitete, bildete einen rasch von Blaugrün zu Rot und Violett wechselnden Vorhang, der über der Stadt schwebte und unheimliche Schatten in unseren Raum warf.
»Eintausendneunhundertundsieben Minuten«, sagte Sue mit einem Blick auf ihre Uhr. »Jetzt.«
»Es ist schon kalt«, sagte Morris neben mir. »Merken Sie's?«
Ich hatte das Gefühl, die Raumtemperatur sei um etliche Grad gesunken. Ich nickte.
Einer von den IDF-Männern erhob sich nervös, fingerte an seiner Waffe herum. So rasch, wie es gekommen war, verging das Licht; und dann…
Dann war der Chronolith einfach da.
Jenseits des Felsendoms überragte er die Hügel, aberwitzig groß, weiß vor Eis, unter einem zerbrechlich wirkenden Mond.
»Landung!«, verkündete jemand an den Konsolen. »Lokale Radioaktivität fällt. Außentemperatur sage und schreibe…«
»Aufhören!«, blaffte Sue.
Die Druckwelle wölbte die Fensterscheibe und grollte wie Donner. Fast augenblicklich verschwand der Chronolith in einem weißen Wirbelsturm, Feuchtigkeit, die der Kälteschock aus der Atmosphäre gefällt hatte.
Ein paar Meilen weiter sprengten die Temperaturunterschiede Beton, zerfetzten Holz und zerstörten das Gewebe jeder Kreatur, die das Pech hatte, in der Sperrzone zu sein. (Solche gab es: Katzen, Hunde, Pilger und Skeptiker.)
Der zentrale Sturm schickte eine weiße ringförmige Welle aus: Frost, der wie eine Feuersbrunst die judäischen Berge erklomm. Und eine Unzahl von städtischen Lichtern trübte ein, als Umspanner des Stromnetzes einem Feuerwerk von Kurzschlüssen erlagen. Wolken verschluckten das Hotel; ein heftiger, böiger Wind rüttelte an den Fenstern. Plötzlich war der Raum dunkel, Konsolenlichter blinzelten wie die Sterne in einem nächtlichen Teich.
22
Harmagedon, der Schauplatz des prophezeiten letzten Kampfes zwischen Gut und Böse, ist möglicherweise vom Namen des biblischen Schlachtfeldes Megiddo abgeleitet.