Die Chronolithen [The Chronoliths - de]
- Автор: Уилсон Роберт Чарльз
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-52105-6
- Переводчик: Hendrick P. Lickens
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:
Der ganze Spionageplunder hinterließ natürlich eine elektronische Spur so breit wie der Missouri. Morris Torrance konnte zweifellos eins und eins zusammenzählen und mich abfangen, aber er war nicht schnell genug, um mich noch in Baltimore zu erwischen. Bei Einbruch der Dunkelheit war ich zweihundert Meilen weiter westlich, fuhr mit offenen Fenstern in einen warmen Juniabend hinein und warf Antacidtabletten ein, um meinen Magen zu beruhigen.
Wo der Highway den Ohio überquerte, gab es ein großes Auffanglager, schätzungsweise tausend fadenscheinige Zelte, die in der Frühlingsbrise schlackerten, Dutzende von Fässern, aus denen unstete Flammen schlugen. Die meisten Menschen hier waren wohl Flüchtlinge aus dem Tiefland von Louisiana, Arbeitslose aus den Raffinerien und petrochemischen Werken, Farmer aus den Überschwemmungsgebieten. Der durstige Ton des Atchafalaya-Beckens hatte trotz massiver Anstrengungen der US-Pioniertruppe bereits begonnen, den Mississippi aus seinen versandeten Deltas zu ziehen. Mehr als eine Million Familien waren von den Überschwemmungen dieses Frühlings vertrieben worden, ganz zu schweigen von dem Chaos, das durch zerstörte Brücken und Schleusen und unter Schlamm erstickten Straßen verursacht wurde.
Menschen säumten die Pannenspur und bettelten um Mitfahrgelegenheit in beide Richtungen. Trampen war hier schon seit fünfzig Jahren verboten und Mitfahrgelegenheiten waren eine Seltenheit. Doch diese Menschen (fast nur Männer) machten sich darüber keine Gedanken mehr. Sie standen da, steif wie Vogelscheuchen, und blinzelten ins Scheinwerferlicht.
Hoffentlich hatte Kait einen sicheren Platz zum Schlafen gefunden.
Als ich die Außenbezirke von Minneapolis erreichte, stieg ich in einem Motel ab. Der Empfangschef, so alt wie eine Schildkröte nur werden konnte, machte große Augen, als ich Bares aus der Brieftasche nahm. »Damit muss ich ja zur Bank«, sagte er missmutig. Also legte ich fünfzig Dollar drauf, und er war so nett, meine Identität nicht abzugleichen. Das Zimmer, das er mir gab, war eine Kammer mit Bett und Gratis-Terminal und einem Fenster, das auf den Parkplatz ging.
Ich war todmüde, wollte aber erst noch mit Janice reden.
Whit meldete sich. »Scott«, sagte er herzlich, aber freudlos. Er schien selbst Schlaf zu brauchen. »Ich nehme an, es ist wegen Kaitlin. Leider wissen wir immer noch nicht mehr. Die Polizei scheint davon auszugehen, dass sie immer noch in der Stadt ist, also sind wir vorsichtig optimistisch. Mehr können wir im Moment auch nicht tun.«
»Danke, Whit, aber ich möchte jetzt mit Janice sprechen.«
»Es ist spät. Sie braucht Ruhe, Scott.«
»Ich werde es kurzmachen.«
»Also gut«, sagte Whit und entfernte sich vom Terminal. Augenblicke später zeigte sich Janice, sie war im Nachthemd, aber offensichtlich hellwach.
»Scotty«, sagte sie. »Ich habe versucht, dich zu erreichen, aber du warst nicht zu Hause.«
»Ja, ich bin in der Stadt. Können wir uns morgen treffen und die Sache bereden?«
»Du bist in der Stadt? Du hättest nicht extra kommen müssen.«
»Finde ich doch, Janice. Kannst du dich für eine Stunde freimachen? Ich kann vorbeikommen oder…«
»Nein«, sagte sie. »Wir treffen uns irgendwo. Wo übernachtest du?«
»Hier ist es auch nicht so gut. Wie wär's mit dem kleinen Steakhaus in Dukane, kennst du das?«
»Ich glaube, es hat noch auf.«
»Um zwölf?«
»Sagen wir um eins.«
»Und versuch zu schlafen«, sagte ich.
»Du auch.« Sie zögerte. »Es sind jetzt vier Tage, Scotty. Vier Nächte. Ich muss die ganze Zeit an sie denken.«
»Morgen reden wir«, sagte ich.
Elf
Das Videofenster ersetzt keine leibhaftige Begegnung. In den letzten Monaten hatte ich Janice sechs- oder siebenmal angerufen, doch ich hätte sie fast nicht erkannt, als sie durch die Tür kam.
Was sie so verändert hatte, war vermutlich die Kombination aus Wohlstand und Angst.
Whit hatte trotz des wirtschaftlichen Abschwungs Erfolg gehabt. Janice trug ein unverkennbar teures blaues Tweedkostüm mit kurzer Jacke, sah aber aus, als hätte sie in den Kleiderschrank gelangt und die Sachen vom Bügel gerissen — Kragen verdreht, Taschen nicht zugeknöpft. Die Augen waren gerötet, die Haut darunter geschwollen und grau.
Wir umarmten uns herzlich, aber neutral, und sie setzte sich mir gegenüber.
»Nichts Neues«, sagte sie. Sie fingerte an ihrer Handtasche herum, in der sich zweifellos das Handy befand. »Die Polizei will anrufen, wenn sich irgendwas ergibt.«
Sie bestellte einen Salat, den sie nicht anrührte, und eine Margarita, die sie zu hastig trank. Es hätte schön sein können, über etwas anderes zu reden, doch wir wussten, weshalb wir hier waren. Ich sagte: »Du musst die ganze Sache noch mal mit mir durchgehen. Kommst du damit klar?«
»Ja«, sagte sie, »ich denke schon, aber, Scott, du musst mir sagen, was du vorhast.«
»Was ich vorhabe?«
»Ja — ich meine, es liegt jetzt in den Händen der Polizei, und es könnte ein Problem geben, wenn du dich zu sehr einmischst.«
»Ich bin ihr Vater. Ich denke, ich habe ein Recht darauf, zu erfahren, was los ist.«
»Zu erfahren, ja sicher. Aber mehr auch nicht.«
»Ich habe nicht vor, mich einzumischen.«
Sie lächelte matt. »Warum überzeugt mich das so wenig?«
Ich wollte eine Frage stellen, doch Janice sagte: »Nein, warte eine Minute. Du sollst das hier haben.«
Sie griff in die Handtasche und reichte mir einen Manila-Umschlag. Ich machte ihn auf und fand ein ziemlich neues Foto von Kaitlin. Janice hatte es auf glänzendes Material ausgedruckt; ein klares, fesches Bild.
Kait war groß für ihre sechzehn Jahre und unbestreitbar hübsch. Das Schicksal hatte ihr den Fluch der Akne erspart und, so ausgeglichen wie sie wirkte, auch die pubertäre Unsicherheit. Melancholisch, aber gesund sah sie aus.
Einen Moment lang verstand ich nicht, was an diesem Bild so ungewöhnlich war. Dann fiel es mir auf. Kait trug das lange aschblonde Haar zu einem Zopf nach hinten geflochten, so dass ihre Ohren freiblieben.
Alle beide.
»Das hast du ermöglicht, Scott. Du sollst wissen, dass ich dir dafür dankbar bin.«
Die Innenohrprothese war selbstverständlich unsichtbar, aber die kosmetische Arbeit war tadellos. Wie es sich gehörte. Das Ohr war nicht künstlich; genetisch war es von ihr, aus ihren Stammzellen gezüchtet. Es waren keine Narben zu sehen bis auf eine feine verblasste Naht. Unsicher war sie aber noch Jahre nach der Operation gewesen.
»Als der Verband entfernt wurde, war alles noch rosarot, aber perfekt, weißt du? Wie eine frische Rose.«
Zur Operation war ich dagewesen, aber nicht, als man den Verband abnahm. Das war während der Damaskus-Krise gewesen, als ich bei Sue war.
Janice fuhr fort: »Ich sagte ihr, wie schön sie sei, gleich in der Klinik vor dem Arzt und vor den Schwestern. Sie legte den Kopf schief, als wüsste sie nicht genau, wo meine Stimme herkam. Du kannst dir ja denken, so was braucht seine Zeit. Und weißt du, was sie gesagt hat?«
»Was?«
Eine einzelne Träne rollte Janice über die Wange. »Du brauchst nicht so zu schreien, sagte sie.«
Es begann, so Janice, als sie zum Jugendtreff fuhr und nicht heimkam.
»Was für ein Jugendtreff?«
»Einfach ein — na ja…«, Janice stockte.
»Wenn wir nicht offen sind, hat alles keinen Sinn«, sagte ich.
»Es ist die Jugendabteilung einer Organisation, bei der Whit Mitglied ist. Du darfst das nicht falsch sehen, Scott. Es ist keine Pro-Kuin-Sache. Diese Leute suchen nach Alternativen zu Waffengewalt.«