Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
So klein er war, war diese Verletzung doch ernstzunehmen; das Fleisch um die Wunde herum schien zu glühen, als er es berührte. Es war noch heißer als der übrige Körper Tams, und der war heiß genug, daß Rand die Zähne zusammenbiß. Wundfieber dieser Art konnte tödlich sein oder einen Mann zum Wrack machen. Er ließ Wasser aus dem Sack auf ein Tuch laufen und legte es auf Tams Stirn.
Er bemühte sich, den Schnitt über den Rippen seines Vaters so sanft wie möglich auszuwaschen und zu bandagieren, aber trotzdem unterbrach leises Stöhnen das fieberhafte Gemurmel Tams. Kahle Äste ragten über sie hinweg und bewegten sich bedrohlich im Wind. Sicher würden die Trollocs weiterziehen, wenn sie Tam und ihn nicht finden konnten, wenn sie zum Bauernhaus zurückkehrten und es immer noch leer vorfanden. Er versuchte, daran zu glauben, aber die willkürliche Zerstörungswut, die sich im Haus gezeigt hatte, die völlige Sinnlosigkeit dieser Handlungsweise, ließen wenig Spielraum für Hoffnung. Die Annahme, sie würden aufgeben, bevor sie jeden getötet und alles zerstört hatten, was sie finden konnten, war gefährlich. Er konnte sich solchen Leichtsinn nicht leisten.
Trollocs. Licht über uns, Trollocs! Kreaturen aus den Geschichten eines Gauklers, die aus der Nacht hervorbrachen und die Tür einschlugen. Und ein Blasser. Das Licht erleuchte mich — ein Blasser!
Plötzlich merkte er, daß er die losen Enden der Binde in den bewegungslosen Händen hielt. Erstarrt wie ein Kaninchen, das den Schatten des Falken gesehen hat, dachte er verächtlich. Mit ärgerlichem Kopfschütteln beendete er das Bandagieren von Tams Brustwunde.
Auch wenn er wußte, was zu tun war, und damit auch vorankam, so bewahrte ihn das doch nicht davor, Angst zu haben. Wenn die Trollocs wiederkamen, würden sie bestimmt beginnen, den Wald nach Spuren der entkommenen Menschen zu durchsuchen. Die Leiche des Gefährten, den er getötet hatte, würde ihnen zeigen, daß Menschen nicht weit sein konnten. Und wer wußte schon, was ein Blasser tun würde oder wozu er imstande war? Und zu alledem hatte er laut und klar seines Vaters Kommentar über das Gehör der Trollocs im Gedächtnis. Er mußte den Impuls unterdrücken, eine Hand auf Tams Mund zu legen, um sein Stöhnen und Murmeln zu beenden. Einige können Spuren mit der Nase aufspüren. Was kann ich dagegen tun? Nichts. Er konnte seine Zeit nicht damit verschwenden, über Probleme nachzudenken, die er sowieso nicht lösen konnte.
»Du mußt leise sein«, flüsterte er in seines Vaters Ohr. »Die Trollocs werden zurückkommen.«
Tam sprach leise und heiser. »Du bist immer noch schön, Kari. Genauso schön wie als Mädchen.«
Rand zog eine Grimasse. Seine Mutter war schon seit fünfzehn Jahren tot. Wenn Tam sich einbildete, sie sei noch am Leben, dann war das Fieber schlimmer, als Rand gedacht hatte. Wie konnte er ihn vom Sprechen abhalten, jetzt, da es lebensnotwendig war, leise zu sein? »Mutter möchte, daß du leise bist«, flüsterte Rand. Er hielt inne und räusperte sich. Seine Kehle schien wie zugeschnürt. Sie hatte sanfte Hände gehabt, daran erinnerte er sich noch. »Kari möchte, daß du ruhig bist. Hier. Trink.«
Tam schluckte gierig aus dem Wassersack, aber schnell drehte er den Kopf wieder zur Seite und murmelte leise vor sich hin, zu leise, als daß Rand es verstehen konnte. Er hoffte, daß jagende Trollocs es ebenfalls nicht hören konnten.
Schnell fuhr er fort, alles Notwendige zu tun. Er wickelte drei der mitgenommenen Decken so um die vom Karren abgetrennten Achsen, daß er eine provisorische Bahre erhielt. Er würde sie nur an einem Ende tragen können — das andere mußte am Boden schleifen -, aber es war nicht anders zu bewerkstelligen. Aus der letzten Decke schnitt er mit dem Messer einen langen Streifen heraus. Den band er auf beiden Seiten an den Achsen fest.
So sanft wie möglich hob er Tam auf die Bahre. Jedes Aufstöhnen seines Vaters drang ihm wie ein Messer durch die Seele. Er hatte immer so unzerstörbar gewirkt. Nichts konnte ihn erschüttern; nichts konnte ihn aufhalten oder hemmen. Daß er sich jetzt in einem solchen Zustand befand, raubte Rand beinahe allen Mut, den er vorher noch aufgebracht hatte. Aber er mußte weitermachen. Nur das bewegte ihn noch. Er mußte.
Als Tam endlich auf der Bahre lag, zögerte Rand, doch dann nahm er Tam den Schwertgürtel ab. Als er ihn selbst anlegte, fühlte sich das ganz eigenartig an. Er fühlte sich so seltsam. Gürtel und Scheide und Schwert zusammen wogen nur ein paar Pfund, aber als er die Klinge in die Scheide steckte, schien ihn eine schwere Last hinunterzuziehen.
Er ärgerte sich über sich selbst. Dies war nicht der richtige Ort und nicht die richtige Zeit für blödsinnige Einbildungen. Es war nur ein großes Messer. Wie oft hatte er davon geträumt, ein Schwert zu tragen und Abenteuer zu erleben! Wenn er einen Trolloc damit getötet hatte, konnte er sich auch gegen andere zur Wehr setzen. Allerdings wußte er nur zu gut, daß ihm bei dem Kampf im Haus das reine Glück zur Seite gestanden hatte. Und in seinen erträumten Abenteuern hatten ihm nie die Zähne geklappert; er war auch nie durch die Nacht um sein Leben gerannt, und sein Vater war in den Träumen nie dem Tod nahe gewesen.
Hastig wickelte er die letzte Decke um Tam und legte den Wassersack und die Tücher neben seinen Vater auf die Bahre. Er holte tief Luft, kniete zwischen den Enden der Achsen nieder und zog sich den Deckenstreifen über den Kopf. Er wickelte ihn sich über die Schultern und unter die Arme. Als er die Stangen ergriff und sich aufrichtete, ruhte der größte Teil der Last auf seinen Schultern. Es schien nicht besonders schlimm. Er versuchte, gleichmäßig auszuschreiten, und so machte er sich auf nach Emondsfeld. Die Bahre schlitterte hinter ihm her.
Er hatte sich bereits entschlossen, zur Haldenstraße zu gehen und dieser nach Emondsfeld zu folgen. Die Gefahr wäre wahrscheinlich an der Straße noch größer, aber wenn er sich in der Dunkelheit im Wald verlief, würde Tam erst recht keine Hilfe erhalten.
Bevor er es merkte, war er schon fast auf der Haldenstraße eingelangt. Als er erkannte, wo er sich befand, schnürte es ihm die Kehle zu. In hektischer Eile drehte er die Bahre um und schleppte sie ein Stück zurück in den Schutz der Bäume. Dort blieb er stehen, um nach Luft zu schnappen und zu warten, daß sich das Klopfen seines Herzens beruhigte. Immer noch schweratmend wandte er sich nach Osten, auf Emondsfeld zu.
Sich zwischen den Bäumen hindurchzuwinden, war schwieriger, als Tam die Straße hinunterzuschleifen, und die Dunkelheit der Nacht half ihm auch nicht gerade, aber die Straße selbst zu benutzen, wäre heller Wahnsinn gewesen. Sie wollten ja das Dorf erreichen, ohne Trollocs zu treffen, möglichst auch ohne welche zu sehen, falls ihm dieser Wunsch erfüllt wurde. Er mußte ja annehmen, daß die Trollocs ihnen immer noch auf der Fährte waren, und früher oder später würde ihnen der Gedanke kommen, sie seien zum Dorf gelaufen. Das war ja der offensichtliche Weg, und die Haldenstraße bot sich dazu an. Er befand sich selbst hier zwischen den Bäumen der Straße noch näher, als ihm lieb war. Die Nacht und die Schatten unter den Bäumen schienen nur eine dürftige Deckung zu gewähren, die sie vor den Blicken aller jener schützte, die sich auf der Straße befanden.
Das zwischen kahlen Ästen hindurchdringende Mondlicht war nur eine notdürftige Beleuchtung, die seinen Augen vorgaukelte, er könne erkennen, wie der Boden vor ihm beschaffen war. Auf Schritt und Tritt stolperte er über Wurzeln, alte Dornensträucher verfingen sich an seinen Beinen, und kaum sichtbare Mulden oder Bodenerhebungen brachten ihn fast zu Fall, wenn der Fuß auf Luft traf, wo er festen Boden erwartete, oder wenn die Zehen gegen ein unerwartetes Hindernis stießen. Tams Gemurmel wurde zu lautem Aufstöhnen, wenn seine Bahre zu heftig über eine Wurzel oder einen Stein holperte.